Wespenstich und Allergie

Wespenexperte Peter Tauchert aus Rodgau

Wespen und ihr Verhalten: Bei welchen Arten droht ein Wespenstich?

Wespen gehören zum Sommer, wie Schwimmbad und Eiscreme. Allerdings gehören sie nicht nur für Wespengiftallergiker, sondern für die meisten Menschen eher zu den unliebsamen Nebenwirkungen der "schönsten Zeit des Jahres". Die wenigsten Menschen wissen, dass Wespen zu den geschützten Arten gehören und dass nicht jede Wespe ein Störenfried am Kaffeetisch oder ein Kandidat für einen Wespenstich sein muss. MeinAllergiePortal sprach deshalb mit Wespenexperte Peter Tauchert aus Rodgau, der die Website Aktion Wespenschutz  betreibt, über verschiedene Wespenarten, ihren Nutzen und ihr Verhalten.

Herr Tauchert, Wespen werden in der Regel als lästige Plagegeister gesehen, sie gehören aber zu den geschützten Arten, was macht sie nützlich?

jagdszene hornisse zerlegt wespeJagdszene Hornisse zerlegt Wespe (Quelle: Peter Tauchert)Zum einen sind Wespen wichtige Insektenfänger. Wespen fangen Fliegen, Stechmücken, Bremsen etc. denn diese dienen den Wespenlarven als Nahrung. Gäbe es keine Wespen, könnten wir uns vor Insekten nicht retten. Zum anderen spielen die Wespen, genau wie die Bienen, eine wichtige Rolle bei der Bestäubung der Pflanzen, denn Wespen ernähren sich auch von Nektar.

Was viele nicht wissen: Die Hornisse gehört auch zur Familie der Wespen, macht aber Jagd auf ihre kleineren Artgenossen.

Auch Hornissen gehören zu den Wespen?

keine beruehrungsaengste hornissenmaennchen auf der nase meiner tochterNichts für Insektengiftallergiker: Hornissenmännchen auf der Nase der Tochter von Wespenexperte Peter Tauchert © Peter TauchertDie Hornissen sind die "gemütlichen" Vertreter unter den Wespen. Sie sind nicht aggressiv und gehören nicht zu den kleinen "Wadenbeißern" wie manch andere Wespenart.

Welche Wespenarten gibt es?

wespenartenWespenarten im Überblick © Peter TauchertEs gibt insgesamt 12 staatenbildende Wespenarten, die bei uns heimisch sind. Lediglich zwei dieser 12 Wespenarten können im Spätsommer lästig werden. Dies sind die Deutsche- und die Gemeine Wespe – „gemein“ im Sinne von „gewöhnlich“. Diese beiden Wespenarten kommen angeflogen, sobald sie etwas Essbares entdecken. Sie leben versteckt in Erdhöhlen, auf dunklen Dachböden oder in anderen, dunklen Höhlen und  Nischen und hier werden sie selten entdeckt. 

Dann gibt es die Hornisse, die, wie gesagt, nicht zu den aggressiven Wespenarten gehört und zudem noch ein guter Wespenfänger ist.

Die Langkopfwespen sind die harmlosen Arten unter den Wespen. Zu den Langkopfwespen gehören vier Unterarten: die sächsische Wespe, die Waldwespe, die mittlere Wespe und die norwegische Wespe.

Langkopfwespen leben in den grauen, pappmacheartigen Nestkugeln, die man freihängend an Gebäuden, in Schuppen oder in Büschen und Sträuchern findet. Eine Langkopfwespe kommt den Menschen niemals ins Gehege. Sie geht nie an Süßigkeiten und würde nie eine Kaffeetafel stören. Viele wissen das aber nicht und deshalb wird die Langkopfwespe stark verfolgt und ihre handballgroßen, grauen Papiernester oft zerstört. Sie ist mittlerweile recht selten geworden.

Dann gibt es noch die Feldwespen, die südlich der Mainlinie fast unter jedem Dach zu finden sind. Durch die Klimaerwärmung haben sie sich aber schon bis ins Ruhrgebiet und z.T. noch weiter nach Norden ausgebreitet. Auch die Feldwespen haben nochmals drei Unterarten und sind ebenfalls sehr friedfertig und eher scheu.


Wie entwickeln sich Wespennester?

kurzkopfwespe gemeine wespe koenigin bei der nestgruendungEine Kurzkopfwespe-Königin bei der Nestgründung © Peter TauchertWenn die Temperatur im Frühjahr zwei Wochen über 15 °C liegt, erwacht die befruchtete Königin aus dem Winterschlaf, gründet ein Nest, legt Eier und versorgt das Nest zunächst allein.

Zwischen der Eiablage und den ersten Wespenarbeiterinnen liegen, je nach Temperatur, vier bis sechs Wochen Entwicklungszeit. In dieser Zeit können niedrigere Temperaturen die Entwicklung des Nestes zurückwerfen oder es sogar absterben lassen.

Wenn ca. 10 Arbeiterinnen geschlüpft sind, übernehmen sie die Versorgung von Königin und Brut. Die Königin fliegt dann nicht mehr aus, sondern konzentriert sich ausschließlich auf das Eierlegen. Die Population geht dann schnell voran. Je nach Wespenart, können in einem Nest zwischen hundert und bis zu mehrere Tausend Wespen leben.

Wann haben Wespen "Saison" und warum gibt es in manchen Jahren viel mehr Wespen, als in anderen?

Es gibt wespenreiche und weniger wespenreiche Jahre. Ausschlaggebend für die Anzahl der Wespen ist nicht, wie viele denken, ein milder Winter – ein Frost von -20° macht den Wespenköniginnen in Winterruhe nichts aus. Entscheidend ist, wie sich das Frühjahr gestaltet. Ist das Frühjahr warm und trocken, werden die Nestgründungen der Königinnen nicht beeinträchtigt und die Wespenpopulationen entwickeln sich gut.

Ideale Bedingungen für Wespen herrschen dann, wenn die Königin genügend Insekten zur Fütterung der Larven findet und wenn die Temperaturen nicht zu stark sinken, so dass die Wespen fliegen können. Wespen sind wechselwarme Tiere, das bedeutet sie können nur dann fliegen, wenn die Außentemperatur einen bestimmten Wert nicht unterschreitet.

Das Jahr 2012 war z.B. ein ausgesprochen wespenarmes Jahr, weil es im März und April sehr warm war und im Mai und Juni sehr kalt und regnerisch. Dadurch haben die Wespen zum einen weniger Insekten und auch weniger Nektar gefunden und konnten zudem aufgrund der Kälte auch nicht oft genug ausfliegen. In dieser Zeit sind deshalb 2/3 der Nestgründungen der Wespen abgestorben.

Welche Temperaturen benötigen die Wespen?

Die Wespenlarven benötigen eine Nestinnentemperatur von 30° C plus/minus 2° C. An kalten Tagen sind die Wespen deshalb damit beschäftigt, die Brut zu wärmen. Dies tun sie indem sie den Kopf in eine leere Wabenzelle stecken und Wärme erzeugen, indem sie ihre Flugmuskulatur vibrieren lassen. Die fünf Larven, die in den fünf Zellen rund um die leere Wabenzelle stecken, werden so gewärmt.


hornissen lecken austreteden pflanzensaftHornissen lecken austreteden Pflanzensaft © Peter TauchertWarum kommen die Wespen eigentlich erst ab Mitte August "auf die Teller"?

Je nach Jahreszeit finden die Wespen bis Mitte August ausreichend Nahrung in der Natur. Nektar, Obst und Insekten sind dann im Überfluss vorhanden und in vielen Fällen knabbern Wespen auch die Rinde der Bäume und Pflanzen an, um Baum- und Pflanzensäfte zu ernten. Für die Hornisse ist z.B. im August der Saft des Flieders ein beliebtes "Flugbenzin". Übrigens ist auch der Honigtau der Blattlaus bei Wespen sehr beliebt.

Die letzten Nektartankstellen des Jahres sind wilder Wein und Efeu, die ab August blühen, aber ab August/September sinkt die Zahl der Nahrungsquellen. Es blühen dann deutlich weniger Blumen, die Blattläuse sterben ab, es gibt immer weniger Früchte und die Saftbahnen der Bäume werden geschlossen.

Hinzu kommt: Die Wespenlarven geben bei der Fütterung ein Sekret ab, das reich an Aminosäuren ist und den Arbeitswespen als Nahrung dient. In Japan hat man daraus sogar einen Energy Drink für Sportler namens VAAM (Vespa Amino Acid Mixture) entwickelt. Gegen Ende des Jahres legt die Königin aber immer weniger Eier und stirbt irgendwann. Das bedeutet, es gibt immer weniger Larven und damit auch kein Sekret mehr. Die Arbeitswespen verlieren so auch noch diese Futterquelle im eigenen Nest.

All diese Faktoren führen letztendlich dazu, dass die Wespen ihr Futter vermehrt an den gedeckten Tischen der Menschen suchen. 

Was passiert wenn die Königin tot ist und die Nester langsam absterben?

Bis zum Zeitpunkt des Absterbens haben die Arbeiterinnen große Zellen im unteren Nestbereich angelegt. Darin wurden von der Königin befruchtete als auch unbefruchtete Eier eingelegt. Aus den befruchteten Eiern schlüpfen die Wespenköniginnen, aus den unbefruchteten Eiern die Männchen, die Drohnen. Diese "Geschlechtstiere" werden bis zum Anfang Oktober von den Arbeiterinnen großgezogen. Die Drohen verlassen als erste das Nest und gehen auf den Hochzeitsflug. Die Königinnen werden noch so gefüttert, dass sie auf das Überwintern gut vorbereitet sind. Bis Mitte Ende Oktober, verlassen dann auch die jungen Königinnen das Nest, um sich zu paaren. Pro Nest fliegen bis zu tausend Königinnen aus. Nach der Paarung sterben die Drohnen und die Königinnen suchen ein passendes Quartier für die Winterruhe. Die Mortalität der Wespenköniginnen während der Winterruhe und auch in der Nestgründungsphase ist sehr hoch – von den tausend Königinnen kommen nur ca. ein bis fünf Königinnen durch.   

   

Wo finden die Königinnen ihr Winterquartier?

Da gibt es viele Möglichkeiten. Wespenköniginnen überwintern in Holzstapeln, auf dem Kompost. In der Dachisolierung, in Handtaschen, in den Taschen von Arbeitshosen, die im Schuppen aufgehängt waren. Im Frühjahr, wie gesagt, wenn für 15 Tage Temperaturen von ca. 15 °C herrschen - in diesem Jahr war das bereits im März der Fall - erwachen die Königinnen aus dem Winterschlaf und der Kreislauf beginnt von Neuem.   

Herr Tauchert, herzlichen Dank für dieses Gespräch!     

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