Insektengift Anaphylaxie Mastozytose

Univ.-Prof. Dr. Bernhard Przybilla, Allergiezentrum, Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie am Klinikum der Universität München

Insektengift-Anaphylaxie? Es kann auch eine Mastozytose vorliegen!

Menschen mit Insektengift-Anaphylaxie reagieren auf Insektenstiche nicht nur mit leichten allergischen Symptomen, sondern auch mit Beschwerden wie Atemnot, Herzrasen, Schwindel und Bewusstlosigkeit. Das heißt, dass sich die allergische Reaktion, meist auf Bienengift oder Wespengift, an mehreren Organsystemen zeigt. Bei manchen dieser Patienten kann es auch zu sehr schweren lebensbedrohenden anaphylaktischen Symptomen kommen. Dabei ist es möglich, dass nicht nur eine Allergie gegen Insektengift vorliegt, sondern dass die Patienten auch eine Mastozytose entwickelt haben, was die Ursache besonders schwerer Reaktionen sein kann. MeinAllergiePortal sprach mit Univ.-Prof. Dr. Bernhard Przybilla, Allergiezentrum, Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie am Klinikum der Universität München über die Zusammenhänge zwischen Insektengift-Anaphylaxie und Mastozytose und die Konsequenzen für die Betroffenen.

Herr Prof. Przybilla, wie viele Patienten mit einer Insektengift-Anaphylaxie haben auch eine Mastozytose? 

In unserer Klinik finden wir bei etwa 5 Prozent unserer Patienten mit einer Insektengift-Anaphylaxie gleichzeitig eine Mastozytose. Bei erwachsenen Patienten handelt es sich dabei fast immer um eine systemische Mastozytose.

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Weiß man, was zuerst da ist, die Mastozytose oder die Insektengift-Anaphylaxie?

Die Zusammenhänge zwischen der Insektengift-Anaphylaxie und der Mastozytose sind noch nicht klar.

Mastozytose ist allerdings eine sehr seltene Erkrankung und es erscheint wenig wahrscheinlich, dass gerade Mastozytose-Patienten besonders häufig von Bienen oder Wespen gestochen werden. Umgekehrt könnte die Induktion einer Mastozytose durch Insektenstiche diskutiert werden, aber dafür gibt es keine Belege.

Unabhängig von der Frage, welche Erkrankung zuerst auftritt, ist es bei einer Insektengift-Anaphylaxie jedoch immer angeraten, zu untersuchen, ob auch eine Mastozytose vorliegt.

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Wie erkennt man, ob zusätzlich zur Insektengift-Anaphylaxie eine Mastozytose vorliegt – wie diagnostiziert man die Mastozytose?

Um zu überprüfen, ob eine Mastozytose vorliegt, sollte man zunächst die Haut des Patienten ansehen. Für weniger erfahrene Ärzte kann es aber sehr schwierig sein, die Erkrankung an der Haut zu erkennen. Weiter gibt es Mastozytose ohne Hautbefall.

Eine weitere Maßnahme ist die Messung des basalen Mastzelltryptasewertes im Blut. Leider ist dieser Tryptasewert aber nicht immer bei Mastozytose erhöht. Ein Drittel der Patienten, auch mit einer systemischen Mastozytose, hat einen normalen oder nur wenig erhöhten Wert der Serumtryptase. Der Tryptasewert ist deshalb bei der Diagnose der systemischen Mastozytose nur ein Minorkriterium, d.h. er hat ein geringeres Gewicht. 

Allein der Hautbefund und die Tryptasekonzentration reichen nicht aus, um eine Mastozytose sicher zu diagnostizieren, dadurch ergibt sich nur ein Verdacht. Zeigen sich Erscheinungen an der Haut, macht man eine Biopsie und überprüft anhand des histologischen Befundes, d.h. des Erscheinungsbildes der Gewebestrukturen, ob das Bild einer Mastozytose vorliegt. Die Sicherung einer systemischen Mastozytose erfolgt durch eine Knochenmarkbiopsie. 

Ist der Arzt in der Diagnose der Mastozytose erfahren, ergibt sich die Diagnose weitgehend schon aus der Konstellation, dass der Patient eine vom klinischen Bild, d.h. von den Symptomen her typische, schwere Anaphylaxie hatte, dass ein hinweisender Hautbefund vorliegt und evtl. der Tryptasewert im Blut erhöht ist.

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