Keine Allergie-News verpassen!

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter!

Sie wollen stets zu Allergien und Intoleranzen informiert werden? Abonnieren Sie kostenlos unseren MeinAllergiePortal-Newsletter!

 

x

Allergie gegen Bienengift oder Wespengift

Priv.-Doz. Dr. med. Jörg Kleine-Tebbe, Allergie- u. Asthma Zentrum Westend, Berlin.

Diagnose und SIT bei Allergie gegen Bienengift oder Wespengift

Laut der Leitlinie „Diagnose und Therapie der Bienen und Wespengift-Allergie“ reagieren bis zu 3,5 Prozent der Bevölkerung auf einen Bienen- oder Wespenstich mit einer anaphylaktischen Schockreaktion.* Je nach Schwere des Schocks können bleibende Gesundheitsschäden die Folge sein. Im schlimmsten Fall, d.h. wenn Atemwege und Herz betroffen sind, kann ein anaphylaktischer Schock tödlich enden. Deshalb müssen  Betroffene immer eine Notfallmedikation mit sich führen. Über die langfristige Alternative in Form einer Spezifischen Immuntherapie (SIT) oder Hyposensibilisierung gegen das auslösende Allergen sprach MeinAllergiePortal mit Priv.-Doz. Dr. med. Jörg Kleine-Tebbe, Allergie- u. Asthma Zentrum Westend, Berlin.

Um eine Allergie zu entwickeln muss ein wiederholter Kontakt mit dem Allergen stattgefunden haben. Heißt das, man muss mehrmals hintereinander gestochen worden sein, um eine Bienen- und Wespengiftallergie zu entwickeln?

Um eine Allergie gegen Bienen- und Wespengift zu entwickeln muss man in der Tat mehrfach gestochen worden sein. Frühestens beim zweiten Stich kann es zu einer allergischen Reaktion kommen. Oft können sich die Patienten aber gar nicht mehr erinnern, weil es länger her ist, oder weil dieser erste Stich nicht so bemerkenswert war. Oft hat man das Insekt gleich reflexhaft weggewischt und weiß nicht, was da eigentlich gestochen hat.

Im Zusammenhang mit einer Allergie gegen Bienengift oder Wespengift ist häufig von der molekularen Allergiediagnostik die Rede. Was genau ist anders an dieser Diagnosemethode?

Die molekulare Allergiediagnostik ist genauer, insbesondere bei speziellen Fällen. Spezielle Fälle sind Reaktionen, bei denen die herkömmlichen Diagnosemethoden, also Hauttests oder Antikörperbestimmungen, der Allergologe sagt auch IgE-Bestimmung gegen das Insektengift, keine eindeutigen Ergebnisse liefern. Es kann vorkommen, dass die Testergebnisse der herkömmlichen Tests nicht eindeutig positiv sind, obwohl eine schwere allergische Reaktion gegen Bienen- und Wespengift vorgelegen hat. In diesem Fall benötigt man ein empfindlicheres Verfahren und hier wird u.a. die molekulare Allergiediagnostik eingesetzt. Damit wird nicht das gesamte Bienen- oder Wespengift getestet, sondern nur eine Allergen-Komponente, d.h. ein einzelnes Protein. Man erzielt dadurch wesentlich genauere Ergebnisse.

Ein weiterer spezieller Fall liegt vor, wenn sowohl Bienengift als auch Wespengift positiv getestet werden. Dies kann an Kreuzreaktionen, d.h. einer Allergiebereitschaft gegenüber kreuzreaktiven Komponenten liegen, die in beiden Insektengiften vorkommen und erschwert die Diagnostik. In diesen Fällen wird mit Hilfe der molekularen Allergiediagnostik auf Insektengiftbestandteile getestet, die entweder ausschließlich im Bienengift oder ausschließlich im Wespengift vorkommen. Nur so lässt sich ermitteln, ob eine Sensibilisierung gegen das eine oder andere, oder sogar gegen beide Gifte besteht.

Ist es möglich, dass man sowohl auf Bienengift als auch auf Wespengift allergisch reagiert?

Das ist möglich und in diesem Fall sollte auch auf beide Gifte behandelt werden. Deshalb ist es wichtig im Vorfeld genau zu klären, auf welches Allergen die Sensibilisierung besteht. Ansonsten könnte es passieren, dass gegen das falsche Allergen desensibilisiert wird und dann der Erfolg ausbleibt, oder dass auf eine höhere Anzahl an Allergenen als nötig behandelt wird.

Allerdings ist eine Allergie gegen beide Gifte eher selten. Bei den meisten Patienten, die bei Haut- oder Bluttests Doppelreaktionen zeigen, lässt sich durch die molekulare Diagnostik nachweisen, dass nur eine einfache Sensibilisierung gegenüber einem Insektengift, also nur gegen Bienengift oder nur gegen Wespengift, besteht.


Sie erwähnten das Stichwort Kreuzreaktionen – was bedeutet das bei der Allergie gegen Bienengift oder Wespengift?

Kreuzreaktionen können zwischen Wespen- und Bienengiften vorkommen, genauer gesagt zwischen Proteinen, die in beiden Insektengiften vorkommen. Die Extrakte, die in der herkömmlichen Diagnose genutzt werden, enthalten sämtliche Proteine der jeweiligen Gifte. Dadurch wird es schwerer, das allergieauslösende Allergen zu identifizieren.

Zu Kreuzreaktionen kann es auch dadurch kommen, dass an der Oberfläche mancher Proteine sogenannte Zuckerketten sitzen, die in ähnlicher Form auch z.B. bei Pollenallergenen oder Lebensmittelallergenen vorkommen können. Diese Kreuzreaktionen auf die Zuckerseitenketten können bei der Diagnose positive Reaktionen vortäuschen, sie beziehen sich jedoch nur auf bestimmte Zuckerseitenketten, die zu einer Bindung der IgE-Antikörper führen und nicht auf ein Allergen in Bienengift oder Wespengift.

Bei der Pollenallergie beginnt das SIT vor dem Start der Pollensaison. Beginnt die Hyposensibilisierung gegen Bienengift oder Wespengift auch vor Beginn der warmen Jahreszeit?

Ausschlaggebend für den Beginn der Spezifischen Immuntherapie (SIT) ist die Schwere der allergischen Reaktion. Z.B. würde man im Sommer sofort mit einer SIT beginnen, wenn ein Patient eine sehr schwere allergische Reaktion auf einen Bienen- oder Wespenstich gezeigt hat. Im Sommer ist die Gefahr, gestochen zu werden, besonders groß und da sollte man keine Zeit verlieren.

Wie sieht die Spezifische Immuntherapie genau aus?

Die Behandlung erfolgt meist zunächst stationär. Innerhalb von drei bis fünf Tagen wird dem Patienten das auslösende Allergen in zunehmender Dosis subkutan, also unter der Haut, zugeführt. Ausgehend von sehr kleinen Mengen steigert sich die Dosierung auf eine Menge, die mindestens zwei Stichen entspricht. Danach ist der Schutz bereits 100prozentig gegeben, d.h. die Gefahr, durch einen Insektenstich einen anaphylaktischen Schock zu erleiden, besteht nicht mehr.

Danach wird die Höchstdosis weiter ambulant in wöchentlichen Abständen, später in monatlichen Abständen für mindestens drei bis fünf Jahre verabreicht.


Ist ein stationärer Aufenthalt für eine SIT grundsätzlich nötig?

Wenn keine akute Gefahr droht, z.B. im Winter, besteht auch die Möglichkeit, die gesamte spezifische Immuntherapie ambulant durchzuführen, ähnlich wie bei der Pollenallergie. Dann wird in wöchentlichen Abständen über 12 bis 16 Wochen die Allergendosis gesteigert. Nach Erreichen der Höchstdosis erfolgt die Behandlung dann in 4 bis 6 wöchentlichem Abstand über 3 bis 5 Jahre.

Bleibt die Desensibilisierung gegen Bienengift bzw. Wespengift durch die Spezifische Immuntherapie nach den 3 bis 5 Jahren ein Leben lang bestehen?

Die SIT wirkt langfristig. Allerdings gibt es auch Fälle, bei denen es nach vielen Jahren durch einen Bienen- oder Wespenstich erneut zu einer allergischen Reaktion kommt. Dann sollte man erwägen, die SIT zu wiederholen.

Gibt es bei der Spezifischen Immuntherapie gegen Bienengift bzw. Wespengift auch Risiken?

Insbesondere zu Beginn der Therapie kann es zu leichten systemischen anaphylaktischen Reaktionen kommen – wirklich schwere Reaktionen sind selten – jedoch ist dies der Grund für die anfängliche stationäre Durchführung der Behandlung.

In den besonderen Fällen, wo es zu schwereren Reaktionen kommt, besteht die Möglichkeit einer begleitenden medikamentösen Behandlung mit dem monoklonalen Antikörper Omalizumab, der die Immunantwort unterdrückt. Dies ermöglicht es, mit der Therapie fortzufahren.

Weiter sollte man parallel zur SIT bestimmte Medikamente nicht einnehmen, z.B. Betablocker oder ACE Hemmer, das sind Blutdruckmedikamente, die ein bestimmtes Enzym hemmen.

Auch bei bestimmten seltenen Erkrankungen oder bei akuten Krebserkrankungen würde man keine SIT durchführen und im Falle einer Schwangerschaft ist bei sehr starken gefährlichen allergischen Reaktionen abzuwägen, welches Risiko zu vertreten ist.   

Herr Priv.-Doz. Kleine-Tebbe, vielen Dank für das Gespräch!

Quellen:

*Leitlinie „Diagnose und Therapie der Bienen und Wespengiftallergie“ der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI), des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen (ÄDA), der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umwelt¬medizin (GPA), der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) und der Deutschen Gesellschaft für Kinder und Jugendmedizin (DGKJ) in Zusammenarbeit mit der Österreichischen Gesellschaft für Allergologie und Immunologie (ÖGAI) und der Schweizerischen Gesellschaft für Allergologie und Immunologie (SGAI) Allergo, J 2011; 20: 318-39, www.dgaki.de

Diese Website verwendet Cookies. Mit der Nutzung dieser Dienste erklärst du dich damit einverstanden, dass Cookies verwendet werden. Bitte beachte auch unsere Datenschutzbestimmungen gemäß DSGVO.