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Allergie Insektengift Kind Diagnose Maßnahmen Therapie

Dr. Michael Gerstlauer zum Thema: Insektengiftallergie beim Kind

Allergie auf Insektengift beim Kind: Diagnose, Maßnahmen, Therapie

Wie wirksam ist die spezifische Immuntherapie bei Kindern mit einer Allergie auf Insektengift?

Die spezifische Immuntherapie ist eine sehr wirksame Therapie. Sie bietet einen sehr guten Schutz vor lebensbedrohlichen Ereignissen, die als Reaktion auf einen Insektenstich auftreten können. Bei einer Allergie gegen Bienengift beträgt der Schutz etwa 90 Prozent. Bei der Allergie auf Wespengift ist die Wirksamkeit noch besser, mit 95-prozentigem Schutz.

Wie lange der Schutz nach einer Spezifischen Immuntherapie auf Bienengift oder Wespengift anhält, wissen wir im Moment nicht. Wir gehen aber davon aus, dass der Schutz nach einer konsequenten, über drei Jahre durchgeführten Therapie auch für die Jahre danach anhält.

Sollte der Patient dann, zum Beispiel nach 10 Jahren, nochmals gestochen werden und dann mit einer systemisch anaphylaktischen Reaktion reagieren, könnte man eine erneute Hyposensibilisierung durchführen.

Zur Überprüfung der Wirksamkeit der spezifischen Immuntherapie wurde früher bei einer Allergie auf Insektengift die Stichprovokation durchgeführt…

In unserer Klinik nehmen wir bei Patienten im Kindes- und Jugendalter eine Stichprovokation nicht mehr vor. Der Grund: Die Stichprovokation kann keine 100-prozentige Aussage dazu abgeben, ob eine Hyposensibilisierung erfolgreich war oder nicht und sie belastet die ganze Familie extrem.

Auch zur Diagnose einer Allergie auf Insektengift wird die Stichprovokation auf keinen Fall eingesetzt. Zur Diagnose reicht es, im Zuge der Anamnese den Schweregrad der Erkrankung und das spezifische IgE zu bestimmen. Sollte dies nicht ausreichen, kann ein Pricktest durchgeführt werden oder auch eine Intrakutantestung. Eine Stichprovokation ist zu gefährlich.

Bekommt ein Kind, das eine Allergie auf Insektengift hat, die sich „nur“ in einer Urtikaria zeigt, ein Notfallset?

Ein Kind mit einer Insektengiftallergie, das nach einem Insektenstich „nur“ mit Quaddeln reagiert, bekommt ein Notfallset. Dieses Notfallset enthält ein Antihistaminikum und Kortison, aber keinen Adrenalin-Autoinjektor (AAI). Das komplette Notfallset, inklusive dem Adrenalin-Autoinjektor, würde man den Kindern verordnen, die Symptome gezeigt haben, die über eine Urtikaria hinausgehen.

Die Einweisung in das Notfallset muss mit den Eltern und allen anderen Betreuungspersonen erfolgen. Der Arzt führt dann vor, wie man mit dem Adrenalin-Autoinjektor umgeht und stellt den Eltern ggf. ein Testgerät leihweise zur Verfügung. So können diese den Umgang mit dem AAI üben. Zudem haben sie die Möglichkeit, auch andere Personen im Umfeld des Kindes, zum Beispiel Erzieher im Kindergarten und Lehrer in der Schule, mit diesem Gerät vertraut zu machen.

Und wann wird für ein Kind mit einer Allergie auf Insektengift, bzw. für dessen Familie, eine Anaphylaxieschulung wie die AGATE empfohlen?

Das ist eine schwierige Frage. Grundsätzlich sollten alle Kinder, die ein Notfallset verordnet bekommen habe, sowie deren Familien, eine solche Schulung erhalten. Leider werden die Schulungen jedoch von den Gesetzlichen Krankenkassen (GKV) nicht finanziert.

Warum finanzieren die GKV Anaphylaxieschulungen nicht?

Die Krankenkassen sehen die Anaphylaxie leider nicht als chronische Erkrankung und in der Konsequenz sehen sie auch keine Notwendigkeit, ein Schulungsprogramm zu finanzieren. Aus diesem Grund sind die Schulungsprogramme in Deutschland auch nicht flächendeckend etabliert. Das heißt, man findet vielleicht in Großstädten eine Klinik, die Schulungsprogramme anbietet, aber das hilft natürlich den Familien auf dem Lande nicht.

Herr Dr. Gerstlauer, herzlichen Dank für dieses Interview!