Stichprovokation Bienengiftallergie Wespengiftallergie

Univ.-Prof. Dr. Bernhard Przybilla, Allergiezentrum, Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie am Klinikum der Universität München

Stichprovokationen bei Allergie gegen Bienengift oder Wespengift

Bei einer Allergie gegen Bienengift oder Wespengift ist die Allergenspezifische Immuntherapie (ASIT), auch Spezifische Immuntherapie (SIT)  oder Hyposensibilisierung genannt, eine erfolgreiche Therapie. Das Ziel der  Hyposensibilisierung ist es, den Patienten mit Bienengift oder Wespengift so zu behandeln, dass es im Falle eines Stiches zu keiner systemischen allergischen Reaktion kommt. Zur Therapiekontrolle werden Stichprovokationen mit lebenden Insekten vorgenommen. MeinAllergiePortal sprach mit Univ.-Prof. Dr. Bernhard Przybilla, Allergiezentrum, Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie am Klinikum der Universität München darüber, wie eine Stichprovokation vorgenommen wird.

Herr Prof. Przybilla, mit Stichprovokationen überprüft man die Wirksamkeit der Allergenspezifischen Immuntherapie (ASIT) bei Insektengiftallergikern mit Hilfe von lebenden Insekten. Wann finden diese Therapiekontrollen statt und wie oft?

Entsprechend der Leitlinie überprüft man die Wirksamkeit der ASIT üblicherweise 6 bis 18 Monate nach Erreichen der Erhaltungsdosis durch eine Stichprovokation. Bei einer ASIT beginnt man ja mit sehr geringen Dosen und steigert diese bis zur Erhaltungsdosis, mit der weiter therapiert wird. Bei Patienten mit intensiver Insektenexposition – beispielsweise Imker – würde man zusätzlich unmittelbar nach Erreichen der Erhaltungsdosis eine Stichprovokation durchführen.  

Ist die Provokation positiv, d.h. der Patient entwickelt wieder eine systemische Reaktion, würde man die Erhaltungsdosis steigern und dann erneut provozieren. Fast immer ist eine Erhaltungsdosis von 200 Mikrogramm, die dem Doppelten der Standarderhaltungsdosis entspricht, ausreichend. Nach oben gibt es eine gewisse Grenze. Sollte man einen Wert von mehr als 300 Mikrogramm überschreiten, so könnte dies toxisch wirken – vor allem bei Wespengift-SIT – denn diese Menge würde ca. 50 bis 100 Wespenstichen entsprechen. Bei Bienengift ist das anders, mit einem Stich können bis 140 Mikrogramm abgegeben werden.

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Wie genau geht man bei einer Stichprovokation vor?

Für uns steht an erster Stelle zu überprüfen, dass der Patient zuvor richtig behandelt wurde. Sowohl bei den Patienten, die in unserem Hause behandelt wurden, als auch bei den Patienten, die von Kollegen zur Stichprovokation an uns überwiesen wurden, überprüfen wir die Dokumentation der Behandlung sehr genau. Wichtig ist, dass es keine Behandlungspausen gab, dass die Dosis nicht reduziert wurde und dass der Patient zum Zeitpunkt der Provokation möglichst gesund ist. Ausgesprochen wichtig ist, dass der Patient keine neu angesetzten Medikamente nimmt, die bei Patienten mit Anapyhlaxie kontraindiziert sind, was leider immer wieder vorkommt. Zum genauen Vorgehen gibt es ein Positionspapier von Frau Professor Ruëff.*

Zwingend erforderlich bei der Stichprovokation ist, dass immer ein in der Notfallmedizin erfahrener Arzt, erfahrenes Pflegepersonal, und alle zur Behandlung einer systemischen Reaktion erforderlichen Arzneistoffe und Geräte verfügbar sind. Um bei eventuellen schwereren allergischen Reaktionen schnell reagieren zu können, erhält der Patient einen intravenösen Zugang.

Erst dann starten wir die Stichprovokation. Dafür wird das Insekt in einem kleinen Netz auf die Haut aufgesetzt, damit der Stich erfolgen kann. Nochmals: Wichtig ist, dass alles für den Ernstfall einer Anaphylaxie vorbereitet ist, auch wenn dieser Ernstfall glücklicherweise sehr selten eintritt.

Nach der Stichprovokation, also wenn die Biene oder die Wespe gestochen hat, muss der Patient noch mindestens zwei Stunden überwacht werden. Um ganz sicher zu gehen, bleiben bei uns die Patienten über Nacht in der Klinik und auch der intravenöse Zugang wird erst dann entfernt.

Meist wird die Stichprovokation ohne systemische Reaktion vertragen. In diesem Fall müssen wir sicher gehen, dass der Stich auch richtig erfolgt ist. Deshalb überprüfen wir die toxische Reaktion auf das Gift, sprich, wir kontrollieren, ob sich an der Stichstelle eine Quaddel gebildet hat. Fehlt diese, müsste man die Stichprovokation wiederholen, dies ist aber kaum jemals nötig.

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Woher bekommt man die Insekten für die Stichprovokation? Und: ist die Giftdosis und Giftzusammensetzung bei allen Bienen bzw. Wespen gleich?

Die Bienen bekommen wir von Imkern. Wir verwenden Wächterbienen, deren Giftapparat voll entwickelt ist. Die Giftzusammensetzung ändert sich im Verlauf des Insektenlebens. Man kann nicht ausschließen, dass bei einem Patienten, der in einer Blumenwiese gestochen wird, die Giftzusammensetzung eine etwas andere ist, als bei den Bienen mit denen die Stichprovokation durchgeführt wird.

Die Wespen sammeln wir "natürlich" ein. Ein Problem hierbei ist, dass es viele unterschiedliche Wespenarten gibt, die aber sehr ähnlich aussehen. Wir benötigen die Gattung Vespula, die z.B. von der Gattung Dolichovespula nicht einfach zu unterscheiden ist. Dolichovespula löst aber selten allergische Reaktionen – diese Wespen kommen kaum an den Frühstückstisch. Um sicher zu sein, dass wir die Stichprovokation mit der richtigen Wespengattung durchgeführt haben, werden die Tiere nach erfolgter Provokation zur Bestimmung an einen Spezialisten geschickt, der die Spezies bestimmt.

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