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Allergische bronchopulmonale Aspergillose ABPA Schimmelpilz Asthma

Dr. Marcus Joest, Allergologisch-immunologisches Labor, Malteser Lungen- und Allergiezentrum Bonn

Allergische bronchopulmonale Aspergillose (ABPA): Was bedeutet das?

 Die meisten Nicht-Mediziner haben von der Erkrankung „allergische bronchopulmonale Aspergillose (ABPA)“ wahrscheinlich noch nichts gehört. Betroffene Patienten mit bestimmten Vorerkrankungen reagieren mit z.T. sehr unangenehmen Beschwerden hier auf einen Schimmelpilz.  MeinAllergiePortal sprach mit Dr. Marcus Joest, Allergologisch-immunologisches Labor, Malteser Lungen- und Allergiezentrum Bonn über Ursachen Symptome, Diagnose und Therapie bei der allergischen bronchopulmonalen Aspergillose (ABPA).

Autor: Sabine Jossé M.A.

Interviewpartner: Dr. med. Marcus Joest

Herr Dr. Joest, was versteht man unter dem Krankheitsbild „allergische bronchopulmonale Aspergillose (ABPA)“ und wie kommt es zu dieser Erkrankung?

Die ABPA ist eine Erkrankung der Bronchien und zum Teil des angrenzenden Lungengewebes, die sich überwiegend bei Asthmatikern und bei Patienten mit einer Mukoviszidose entwickelt. Die ABPA entsteht auf dem Boden einer Allergie gegen den Schimmelpilz Aspergillus fumigatus.

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Wie häufig ist die allergische bronchopulmonale Aspergillose (ABPA)? Gibt es Risikofaktoren?

Die ABPA scheint häufiger zu sein, als sie momentan diagnostiziert wird. Bei Asthmatikern geht man in Deutschland davon aus, dass 2 bis 3 Prozent eine ABPA entwickeln, was über 100.000 Patienten entspricht. Bei der Mukoviszidose tritt sie in etwa 8 Prozent auf. Neben einer dieser beiden Krankheiten muss natürlich auch noch ein Kontakt  mit dem Schimmelpilz Aspergillus stattgefunden haben, was aber häufig unbewusst geschieht. Als weiterer Risikofaktor ist die Atopie zu nennen, also die genetische Veranlagung Allergien zu entwickeln.

Durch welche Symptome zeigt sich die allergische bronchopulmonale Aspergillose (ABPA)?

Fast immer treten die Symptome Husten, Luftnot, Auswurf und  Atemgeräusche auf. Daneben kann Fieber und ein allgemeines Krankheitsgefühl vorkommen. Das Abhusten zäher Schleimpfropfen ist ein sehr charakteristisches Zeichen einer ABPA, tritt jedoch nur bei etwa 35 bis 40 Prozent der Patienten auf. Ebenfalls in dieser Häufigkeit kommt es zu Bluthusten und Schmerzen im Brustkorb.

Wie erfolgt die Diagnose bei der allergischen bronchopulmonale Aspergillose (ABPA)?

Es gibt acht spezielle Diagnosekriterien, von denen mind. 6 erfüllt sein müssen, um die Diagnose ABPA zu stellen. Dazu zählen neben einigen klinischen Merkmalen auch spezielle Veränderungen im Röntgenbild der Lungen, beim Allergietest und im Blut der Patienten.

Sind entsprechende Testextrakte verfügbar?

Beim Allergietest muss auf Aspergillus fumigatus getestet werden, die hierfür besonders gut geeignete Intrakutantest-Lösung wird seit kurzem von den meisten Herstellern nicht mehr angeboten, so dass in diesen Fällen dann ein Pricktest angezeigt ist. Antikörper gegen diesen Pilz können mit speziellen Labortests nachgewiesen werden.

Besteht bei der allergischen bronchopulmonale Aspergillose (ABPA) eine Verwechslungsgefahr mit anderen Erkrankungen?

Durch die genannten Diagnosekriterien sowie spezielle Laborparameter, z.B. rekombinant hergestellte Antikörper gegen einige Aspergillus-Untereinheiten, ist heute eine Abgrenzung gegen ähnlich verlaufende Krankheiten, wie z.B. ein Schimmelpilz-Asthma, möglich.

Welche therapeutischen Möglichkeiten gibt es bei der allergischen bronchopulmonalen Aspergillose (ABPA)?

Die Therapie der ersten Wahl ist die Gabe von oralen Kortisonpräparaten in ausreichend hoher Dosierung zu Beginn und Ausschleichen im Verlauf. Die Therapiedauer liegt meist bei vielen Wochen bzw. Monaten.

Zum Schutz vor Osteoporose sollte parallel zum Kortison Vitamin D eingenommen werden, was wahrscheinlich zusätzlich positive Effekte auf die ABPA hat.

Sollte die Kortisontherapie unzureichend ansprechen oder ein Ausschleichen nicht möglich sein, wird eine antimykotische Therapie, meist mit Itraconazol, empfohlen, die ebenfalls über  mindestens 16 Wochen durchgeführt werden sollte. In den seltenen Fällen, in denen Patienten auf keine dieser Therapien ausreichend gut ansprechen, kann der Anti-IgE Antikörper Omalizumab eingesetzt werden.

Herr Dr. Joest, herzlichen Dank für dieses Interview!

Wichtiger Hinweis

Unsere Beiträge beinhalten lediglich allgemeine Informationen und Hinweise. Sie dienen nicht der Selbstdiagnose, Selbstbehandlung oder Selbstmedikation und ersetzen nicht den Arztbesuch. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.