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Allergische bronchopulmonale Aspergillose ABPA Schimmelpilz Asthma

Dr. Marcus Joest über ABPA: Was ist eine allergische bronchopulmonale Aspergillose?

ABPA: Was ist eine allergische bronchopulmonale Aspergillose?

Die meisten Laien werden nicht auf Anhieb wissen, was eine „allergische bronchopulmonale Aspergillose (ABPA)“ ist. Es handelt sich um eine Lungenerkrankung, bei deren Entstehung eine Allergie auf Schimmelpilze eine Rolle spielt. MeinAllergiePortal sprach mit Dr. med. Marcus Joest, Allergologisch-immunologisches Labor, Helios Lungen- und Allergiezentrum Bonn über Ursachen, Symptome, Diagnose und Therapie bei der allergischen bronchopulmonalen Aspergillose (ABPA).

Autor: Sabine Jossé M.A.

Interviewpartner: Dr. med. Marcus Joest

Herr Dr. Joest, was ist ABPA und wie kommt es zu dieser Erkrankung?

Die ABPA ist eine Erkrankung der Bronchien und zum Teil des angrenzenden Lungengewebes. ABPA entwickelt sich überwiegend bei Patienten mit Asthma bronchiale oder einer Mukoviszidose (CF), seltener bei COPD oder anderen chronischen Lungenerkrankungen. Die ABPA entsteht auf dem Boden einer Allergie gegen den Schimmelpilz Aspergillus fumigatus.

Kommt es durch Schimmelpilzbefall in Innenräumen oder in der Umwelt zu einer allergischen bronchopulmonalen Aspergillose?

Prinzipiell ist ein Kontakt mit dem Schimmelpilz Aspergillus fumigatus die Voraussetzung, dass sich eine allergische bronchopulmonale Aspergillose entwickeln kann. Wahrscheinlich steigt das Risiko bei einer höheren Exposition an. Daneben spielt jedoch auch die individuelle Empfänglichkeit eines Menschen eine große Rolle, da wahrscheinlich ein Großteil der Bevölkerung regelmäßig Schimmelpilzen, meist in geringen Mengen, ausgesetzt ist, und nur ein kleiner Teil davon eine ABPA entwickelt.

Heißt das, bei einer ABPA hat man tatsächlich den Pilz Aspergillus fumigatus in der Lunge?

Das kann sein, muss es aber nicht. Tatsächlich gelingt der kulturelle Nachweis von Aspergillus im Sputum nur bei einem Teil der ABPA-Patienten und stellt lediglich ein Nebenkriterium bei der Diagnosestellung dar.

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Ist ABPA ansteckend?

Da die ABPA eine Allergie und keine Infektion ist, ist sie nicht ansteckend. 

Wie häufig ist die allergische bronchopulmonale Aspergillose, gibt es Risikofaktoren?

Die ABPA scheint häufiger zu sein, als sie momentan diagnostiziert wird. Bei Asthmatikern geht man in Deutschland davon aus, dass 2 bis 3 Prozent eine ABPA haben bzw. im Verlauf entwickeln, was über 100.000 Patienten entspricht. Bei den Mukoviszidose-Patienten tritt eine ABPA in etwa 8 Prozent auf (ca. 800 Patienten in Deutschland). Neben einer dieser beiden Krankheiten muss natürlich auch noch ein Kontakt mit dem Schimmelpilz Aspergillus stattgefunden haben, was aber häufig unbewusst geschieht. Als weiterer Risikofaktor ist die Atopie zu nennen, also die genetische Veranlagung Allergien zu entwickeln.

Durch welche Symptome zeigt sich die allergische bronchopulmonale Aspergillose?

Fast immer treten bei einer allergischen ABPA an der Lunge Symptome auf, wie

  • Husten
  • Luftnot
  • Auswurf
  • Atemgeräusche

Bei der allergischen bronchopulmonalen Aspergillose zeigen sich aber oft noch weitere Symptome. So kann es auch zu Fieber und zu einem allgemeinen Krankheitsgefühl kommen. Das Abhusten zäher Schleimpfropfen ist ein sehr charakteristisches Zeichen einer allergischen bronchopulmonalen Aspergillose, tritt jedoch nur bei etwa 35 bis 40 Prozent der Patienten auf. Ebenfalls in dieser Häufigkeit kommt es zu Bluthusten und Schmerzen im Brustkorb.

Wie erfolgt die Diagnose bei der ABPA?

Es gibt 8 spezielle Diagnosekriterien, von denen mind. 6 erfüllt sein müssen, um die Diagnose einer allergischen bronchopulmonalen Aspergillose zu stellen. Dazu zählen neben einigen klinischen Merkmalen auch spezielle Veränderungen im Röntgenbild der Lungen, beim Allergietest und im Blut der Patienten.

Welche 8 Diagnosekriterien müssen erfüllt sein, damit die Diagnose ABPA gestellt werden kann? Wie sieht die ABPA-Diagnostik aus?

Als obligatorische Kriterien für die ABPA-Diagnostik zählen neben den genannten Grundkrankheiten:

  • Asthma bronchiale oder
  • Mukoviszidose (CF)
  • ein Gesamt-IgE von mehr als 500 kU/l sowie eine
  • Sensibilisierung gegen Aspergillus (spezifisches IgE > 0,35 kU/l im Serum bzw. positiver Pricktest).

Daneben sollten mindestens 2 weitere der folgenden fakultativen Kriterien vorliegen:

  • Eosinophile im Blutbild >500/µl,
  • zentrale Bronchiektasen im CT-Thorax,
  • unspezifische Infiltrate im Röntgen- oder CT-Thorax (aktuell oder früher),
  • Nachweis von spezifischen IgG-Antikörpern gegen Aspergillus fumigatus über dem Referenzbereich.

 

Sind entsprechende Testextrakte zur Diagnose einer Allergie auf den Schimmelpilz Aspergillus fumigatus verfügbar?

ct bild patient mit abpa allergische bronchopulmonale aspergillose meinallergieportalCT-Bilde eines Patienten mit allergischen bronchopulmonalen Aspergillose (ABPA), Bildquelle: Dr. med. M. Joest Beim Hauttest muss auf Aspergillus fumigatus getestet werden. Die hierfür besonders gut geeigneten Intrakutantest-Lösungen sind seit einiger Zeit nicht mehr kommerziell erhältlich, so dass nun meist eine Pricktestung erfolgt.

 

Spezifische IgE- und IgG-Antikörper gegen Aspergillus und auch einige seiner Untereinheiten (sogenannte Komponenten) können mit speziellen Labortests nachgewiesen werden.

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Besteht bei der allergischen bronchopulmonalen Aspergillose eine Verwechslungsgefahr mit anderen Erkrankungen?

Durch die Diagnosekriterien sowie die genannten Laborparameter, vor allem auch rekombinant hergestellte Antikörper gegen einige Aspergillus- Komponenten wie Asp f 1, 2, 4 oder 6, ist heute eine Abgrenzung gegen ähnlich verlaufende Krankheiten, wie z.B. ein Schimmelpilz-Asthma, möglich.

Wie gefährlich können die Symptome einer ABPA sein, wenn sie unbehandelt bleiben?

Ein großes Problem, welches die Mehrzahl der ABPA-Patienten hat, ist die Bildung eines sehr zähen Sekrets, das sich nur schwer abhusten lässt. Ab einer gewissen Ausprägung kann dies zu einer lebensgefährlichen  Verlegung der Bronchien führen. Daneben können auch durch die Entzündung in und um die Bronchien Aussackungen,sogenannte Bronchiektasen,  sowie eine Vernarbung der Lunge, Lungenfibrose genannt, entstehen. Dies alles gilt es durch eine frühzeitige Therapie zu verhindern.

Welche Therapien helfen bei der allergischen bronchopulmonalen Aspergillose?

Bei der allergischen Aspergillose ist die Gabe von oralen Kortisonpräparaten, meist Prednisolon, die Therapie der ersten Wahl. Das Kortison sollte zu Beginn der Behandlung in ausreichend hoher Dosierung gegeben werden. Im Verlauf wird versucht, die Therapie auszuschleichen. Die Therapiedauer liegt meist bei vielen Wochen bis Monaten.

Zum Schutz vor Osteoporose sollte parallel zum Kortison Vitamin D eingenommen werden, was wahrscheinlich zusätzlich positive Effekte auf die ABPA hat.

Sollte die Kortisontherapie unzureichend ansprechen oder ein Ausschleichen nicht möglich sein, wird eine antimykotische Therapie, meist mit Itraconazol, empfohlen. Die Dauer beträgt häufig 16 Wochen oder länger. In manchen Fällen, in denen Patienten auf keine dieser Therapien ausreichend gut ansprechen oder Nebenwirkungen entwickeln, können sogenannte Biologika  eingesetzt werden, die sehr zielgerichtet in allergische und entzündliche Signalwege eingreifen können. Hierzu kommen der Anti-IgE Antikörper Omalizumab oder Substanzen, die gegen Eosinophile (zum Beispiel Mepolizumab oder Benralizumab) oder die sogenannte Th-2-Entzündung (Dupilomab) gerichtet sind, in Betracht.

Wie ist die Prognose für Patienten mit ABPA, ist die Erkrankung heilbar?

Bei frühzeitiger Diagnose und regelmäßigen Kontrollen kann mit den genannten Therapieansätzen meist eine gute Symptomkontrolle und das Vermeiden von Komplikationen erreicht werden. Auch nach längeren symptomfreien Intervallen kommt es jedoch häufig wieder zu einem erneuten Schub, so dass eine komplette Heilung nur selten vorkommt.

Herr Dr. Joest, herzlichen Dank für dieses Interview!

Wichtiger Hinweis

Unsere Beiträge beinhalten lediglich allgemeine Informationen und Hinweise. Sie dienen nicht der Selbstdiagnose, Selbstbehandlung oder Selbstmedikation und ersetzen nicht den Arztbesuch. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.