Hausstaubmilbenallergie Diagnose Massnahmen

Dr. Patrick Gillessen, Hals-Nasen-Ohren-Arzt in München

Hausstaubmilbenallergie: Symptome, Diagnose, Maßnahmen

Unter den Atemwegsallergien nehmen die Pollenallergien den Spitzenplatz ein, aber auch gegen Hausstaubmilben sind viele Menschen allergisch. Das Problem bei diesem Allergen: Anders als bei den Pollen, ist das Allergen der Hausstaubmilbe ganzjährig präsent, eine „hausstaubmilbenfreie Zeit“ gibt es nicht. MeinAllergiePortal sprach mit Dr. Patrick Gillessen, Hals-Nasen-Ohren-Arzt in München, über Häufigkeit, Symptome, Diagnose und Maßnahmen bei der Hausstaubmilbenallergie.

Herr Dr. Gillessen, wie häufig kommt es vor, dass Menschen eine Hausstaubmilbenallergie entwickeln?

Generell steigt der Anteil von Allergikern in der Bevölkerung. Zur Häufigkeit der Hausstaubmilbenallergie gibt es unterschiedliche Angaben. Aktuelle Schätzungen gehen von 10 bis 15 Prozent der Bevölkerung aus, die unter einer Hausstaubmilbenallergie leiden. Man geht für die kommenden Jahre von einem weiteren Anstieg aus. In meiner Praxis reagieren ca. ein Drittel der Allergie-Patienten allergisch auf Hausstaubmilben.

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Tritt die Hausstaubmilbenallergie allein auf oder ist sie assoziiert mit anderen Allergien?

Aus meiner Praxis kann ich sagen, dass bei ungefähr 40 Prozent der Patienten die Hausstaubmilbenallergie alleine auftritt. Bei rund 60 Prozent meiner Patienten ist die Allergie gegen Hausstaubmilben mit anderen Atemwegsallergien assoziiert, wie z.B. einer Gräserpollenallergie oder einer Allergie gegen Baumpollen etc.

Die Symptome der Hausstaubmilbenallergie sind wahrscheinlich die gleichen, wie bei anderen Atemwegsallergien…

Die Symptome bei den Atemwegsallergien sind in der Regel die gleichen. Meist ist die Nase betroffen mit Schleimhautschwellungen, die zu Niesreiz, Schnupfen und dem typischen Symptom der „verstopften Nase“ führen. Begleitend kann es bei Hausstaubmilbenallergikern zu einer allergischen Konjunktivitis, d.h. einer Entzündung der Augen, kommen.

Sollte ein Asthma bronchiale auftreten, was eher bei schwereren Allergieausprägungen der Fall ist, kann es zu den dafür typischen Symptomen wie Husten bis hin zu Symptomen der Atemnot etc. kommen.


Sind bei der Hausstaubmilbenallergie auch Symptome an der Haut möglich?

Symptome an der Haut können bei Hausstaubmilbenallergikern auftreten, sind aber eher selten. Möglich sind dann Ekzeme (Hautausschlag), Juckreiz oder Urtikaria (Nesselfieber).

Besteht beim Patienten bereits eine Neurodermitis (atopisches Ekzem), kann diese durch die Allergie auf Hausstaubmilben noch zusätzlich getriggert werden, d.h. sie kann sich in ihrer Ausprägung verstärken. Hier ist vor allem die gestörte Barriere Funktion der Haut beim atopischen Ekzem als Ursache hervorzuheben. Hierbei tritt eine Reaktion im Sinne einer Kontaktallergie durch die Hausstaubmilbe auf.

Es gibt Hinweise, dass eine Hyposensibilisierung der Hausstaubmilben zu einer Verbesserung der Neurodermitis führen kann, da ein sehr hoher Anteil der Neurodermitis-Patienten eine Hausstaubmilbenallergie aufweisen.

Häufen sich die Symptome der Hausstaubmilbenallergie zu bestimmten Jahreszeiten?

Die Symptome verschlechtern sich meist im Herbst/Winter, wenn die Heizperiode beginnt und die Patienten der trockenen Heizungsluft ausgesetzt sind. Die Abnahme der relativen Luftfeuchtigkeit bedingt ein Absterben der Milben. Hierdurch entsteht auf das gesamte Jahr gesehen die maximale Menge an Exkrementen und eine daraus resultierende Zunahme der allergischen Beschwerden.

Bei Patienten, die bereits seit Jahren unter einer Hausstaubmilbenallergie leiden, treten die Beschwerden in der Regel über das ganze Jahr auf. Dies ist vor allem mit der chronischen Entzündungsreaktion der Nasenschleimhaut erklärbar. Dadurch kommt es u.a. zu einer Hyperplasie der Nasenmuscheln. Die Folge ist eine oft permanente Nasenatmungsbehinderung, welche oft den Grund für einen Besuch beim HNO-Arzt darstellt.

In den Betten sollen sich ja besonders viele Milben aufhalten, haben Hausstaubmilbenallergiker deshalb morgens stärkere Beschwerden als abends?

Ja, das kann der Fall sein, ist aber bei jedem Patienten individuell verschieden. Viele Patienten geben an, dass sie nachts gehäuft Probleme haben, die sich dann tagsüber bessern, aber nicht immer ist dies so. Grundsätzlich ist das Milieu im Bett für Hausstaubmilben ideal.


Wie diagnostiziert man die Allergie gegen Hausstaubmilben?

Der klassische Test zur Diagnose einer Allergie – in unserem Falle der Hausstaubmilbe – ist der Prick-Test. Dafür trägt man die verdächtigen Allergene auf die Haut auf und vergleicht sie mit einer positiv/negativ-Probe. Anhand des RAST, eines Bluttests, lässt sich dann eine Qualifizierung der Allergieausprägung vornehmen.  Durch den Befund des RAST und der Konzentration des Gesamt-IgE, welches u.a. bei einer Allergiebereitschaft erhöht sein kann, wird eine Einteilung in eine leichte, mittlere oder schwere Allergieform möglich.

Das sind wichtige Informationen für die Therapie, zumal der Schweregrad der Allergie unter anderem ausschlaggebend ist für das Risiko ein allergisches Asthma bronchiale zu entwickeln. Je schwerer die Ausprägung der Allergie, desto größer das Risiko.

Die Therapie der Hausstaubmilbenallergie unterscheidet sich dann also nach Schweregrad?

Ganz genau, wenn sich z.B. eine leichte Allergieform nur auf Symptome an der Nase beschränkt, würde man zunächst die häusliche Sanierung in den Fokus nehmen. Das bedeutet, dass man die Matratzen, die in der Tat der häufigste Aufenthaltsort der Milben sind, ggf. auch Kissen und Bettdecken mit Hilfe des Encasing-Verfahrens sozusagen „abschirmt“ und damit der Patient mit dem Allergen nicht mehr in Berührung kommt.

Zusätzlich gibt es aber auch spezielle Decken und Kissen für Hausstauballergiker, die man gut waschen kann. Wichtig ist, dass beim Waschvorgang die Waschtemperatur über eine Stunde 60 °C beträgt und dass man Decken und Kissen auch regelmäßig, mindestens alle Vierteljahre wäscht, damit die Milben abgetötet werden.

Darüber hinaus sollte man möglichst auf Teppichböden verzichten, es sei denn sie sind kurzflorig und schadstoffarm. Die Verwirbelungen auf kurzflorigen Teppichen ist deutlich geringer als bei glatten Böden. Dennoch sind Parkettböden für Hausstaubmilbenallergiker die empfehlenswertere Variante.

Neben dem Bodenbelag sind auch Vorhänge potenzielle Aufenthaltsorte für Milben, auf die man bei Hausstaubmilbenallergie besser verzichten sollte. Es gibt noch zahlreiche weitere Maßnahmen, um die Milbenkonzentration zu reduzieren. Allgemein gilt der Grundsatz die Milbenkonzentration im Haus insgesamt möglichst niedrig zu halten.

In Bezug auf mögliche Sanierungsmaßnahmen muss man allerdings auf die Praktikabilität für den Patienten achten. Die Frage ist immer, sind diese Maßnahmen für den Patienten wirklich durchführbar bzw. was ist möglich und was nicht. Man kann nicht jedem Patienten empfehlen, den Teppichboden komplett zu entfernen und damit hohe Kosten verursachen.

Ergänzend werden je nach Schweregrad der Allergie und ihrer Beschwerden medikamentöse Maßnahmen als Ergänzung zur Sanierung der Hausstaubmilben angewandt. Es kommen die üblichen Medikamente wie kortisonhaltige Nasensprays, Antihistaminika und gegebenenfalls kortisonhaltige Asthmasprays zum Einsatz. Entweder ist eine Bedarfsmedikation oder eine Dauertherapie zur Symptomlinderung von Nöten.


Gibt es denn in Bezug auf die Sanierungsmaßnahmen für Hausstauballergiker Unterstützung durch die Krankenkassen?

Mittlerweile unterstützen die meisten Krankenkassen den Einsatz von Encasings. Von den gesetzlichen Krankenkassen erhalten Patienten z.B. eine Zuzahlung beim Erwerb spezieller Matratzenüberzüge (Encasing), da der Nutzen dieser wirkungsvollen Maßnahme wissenschaftlich sehr gut belegt ist.

Zusätzlich gibt es spezielle milbentötende Präparate zum Einsprühen von Matratzen, Sofas etc., sowie spezielle Waschmittel, deren Kosten zum Teil von den Krankenkassen übernommen werden.

Wann würden Sie bei einem Hausstaubmilbenallergiker die spezifische Immuntherapie einsetzen?

Je nach Beschwerdebild und der ermittelten Klassifikation im RAST-Test würde ich eine spezifische Immuntherapie bei Hausstaubmilbenallergie auf jeden Fall empfehlen. Die spezifische Immuntherapie stellt die einzige kausale Therapie – außer dem Meiden des Allergens – bei der Behandlung von Allergien dar.

Bei einer Erfolgsquote der Therapie von über 80 Prozent - bei den Hausstaubmilben - besteht eine reelle Chance, dass die Symptome des Patienten deutlich gemindert werden und in wenigen Fällen sogar sistieren können. Des Weiteren kann eventuell auch die Entwicklung eines allergischen Asthma bronchiale verhindert werden bzw. die Ausprägung des Asthma bronchiale fällt deutlich geringer aus.

Grundsätzlich gilt: Je jünger der Patient bei der Durchführung der Hyposensibilisierung ist, desto besser wird das Ergebnis für Ihn.

Was kann passieren, wenn die Hausstaubmilbenallergie unbehandelt bleibt?

Zunächst einmal sollte man grundsätzlich wissen: Unbehandelt entwickeln ca. 30 Prozent der Atemwegsallergiker im Laufe der Jahre ein Asthma bronchiale. Lediglich bei etwa 10 Prozent der Allergiker, und dies gilt auch für die Hausstaubmilbenallergiker, sistiert die Allergie irgendwann, d.h. es bestehen dann keine Beschwerden mehr.

Bei den meisten Patienten mit Hausstaubmilbenallergie kommt es zu einer chronischen Entzündung der Nasenschleimhaut. Hausstaubmilbenallergiker sind dem Allergen über das ganze Jahr hinweg mehr oder weniger stark ausgesetzt. Hierdurch kommt es zu ständigen Entzündungen und in Folge zu vergrößerten Nasenmuscheln und verdickten Schleimhäuten beider Nasenhaupthöhlen. Dadurch kommt es zu einer Behinderung der Nasenatmung. Die Symptome werden somit in der Regel über die Jahre schlechter – bis hin zur möglichen Entstehung eines Asthma bronchiale.

Die Schwierigkeiten bei der Nasenatmung sind, wie bereits erwähnt, ein häufiger Grund, warum diese Patienten zum HNO-Arzt kommen. Medikamente können die Vergrößerung der Nasenmuscheln nur kurzfristig reduzieren. Selbst wenn man die chronische Entzündung gut in den Griff bekommt - es gibt hier ein neues und sehr wirkungsvolles Präparat mit der Wirkstoffkombination Azelastin und Fluticason - bleiben die Nasenmuscheln doch vergrößert und die Atembehinderung bleibt bestehen. Hier hilft dann nur eine operative Verkleinerung des Volumens der Nasenmuscheln. Ausschlaggebend ist dabei, ob und wie stark der Patient unter der behinderten Nasenatmung leidet. Kommt er gut damit zurecht, ist eine Operation nicht nötig.    

Bleiben die Nasenmuscheln nach der Operation entsprechend klein oder können sie auch wieder nachwachsen?

Es ist immer möglich, dass die Nasenmuscheln infolge der allergischen Entzündungsreaktion nach einer Operation wieder an Volumen zunehmen. Das ist vor allem dann der Fall, wenn die Allergie nach dem Eingriff nicht mitbehandelt wird, z.B. durch die Spezifische Immuntherapie. Ob in diesen Fällen eine erneute Operation sinnvoll ist, hängt davon ab, wie zufrieden der Patient mit dem Ergebnis des ersten Eingriffs war.

Herr Dr. Gillessen, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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