Keine Allergie-News verpassen!

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter!

Sie wollen stets zu Allergien und Intoleranzen informiert werden? Abonnieren Sie kostenlos unseren MeinAllergiePortal-Newsletter!

 

x

Hausstaubmilben Vorratsmilben Allergie

Dr. Christoph Langer, Facharzt für HNO-Heilkunde in Füssen

Hausstaubmilben- und Vorratsmilbenallergie: Biologie, Vorkommen & Bekämpfung

Allergien gegen Milben sind eine häufige Ursache für die Entwicklung einer Allergische Rhinitis oder eines allergischenAsthmas. Das Thema wurde deshalb im Rahmen der Veranstaltung "Allergologie im Kloster", die im Mai 2014 im Kloster Eberbach stattfand, intensiv behandeln. Dr. Christoph Langer, Facharzt für HNO-Heilkunde in Füssen, der an diversen Milben-Studien mitgearbeitet hat, informierte ausführlich über Biologie, Vorkommen und Bekämpfung von Hausstaubmilben und Vorratsmilben.

Autor: Sabine Jossé M.A.

Milben – wo kommen sie her und wo kommen sie vor?

Die Hausstaubmilben haben sich in sehr unterschiedlichen Nischen eingerichtet und auf den Abbau von Biomasse spezialisiert. Man findet sie z.B. im Waldboden, in Nestern von Kleinsäugern, dem Ursprungsort unserer Vorratsmilben und in Vogelnestern, dem Ursprungsort unserer Hausstaubmilben. Es gibt jedoch auch Milbenarten die sich auf zeitlich und räumlich inkonstante Ressourcen, wie Obst, Fleisch, Dung etc. spezialisiert haben. Unsere Hausstaubmilben ernähren sich vornehmlich von menschlichen oder tierischen Hautschuppen aber auch von Schimmelpilzen und Bakterien. Vorratsmilben ernähren sich auch von Getreide, Fleisch, Käse etc.

Die Milbe ist sehr mobil und nutzt die unterschiedlichsten Transportwege, darunter auch Mensch und Tier, zur Verbreitung. Dementsprechend findet man sie überall, ob in archäologischen Textilien in Ägypten, bei Eingeborenen ohne Zivilisationskontakt in Papua Neu-Guinea, auf Forschungsstationen in der Antarktis, in den Polstern von Flugzeugsitzen oder auf der mittlerweile verglühten Weltraumstation MIR.

Es gibt unzählige Milbenarten in vielen Formen und Farben, relevant als Auslöser von Allergien ist jedoch hauptsächlich die Milben-Unterklasse der Astigmata, zu der auch unsere Hausstaub- und Vorratsmilben gehören. Tendenziell findet man die Hausstaubmilben häufiger in Städten und die Vorratsmilben eher auf dem Land, insbesondere auf Bauernhöfen.

Milben – wie sehen sie aus?

Milben gehören zu den Spinnentieren und haben acht Beine. Sie haben eine sehr dünne Haut, was sie sehr beweglich macht, aber auch ihre Anfälligkeit für Trockenheit erhöht. Milben haben eine relativ kurze Lebensdauer, was sie durch eine hohe Reproduktionsrate ausgleichen. Einmal befruchtet bleiben die Weibchen ein Leben lang fruchtbar - der Entwicklungszyklus umfasst mehrere "Verpuppungsstadien".

Die Therapie der Hausstaubmilbenallergie

Luftfeuchtigkeit ist eine wichtige Überlebensgrundlage für Milben, denn ihre dünne Haut ist verantwortlich für einen ständigen Flüssigkeitsverlust durch Verdunstung. Optimale Lebensbedingungen für Milben herrschen bei einer Temperatur von 25 °C und einer Luftfeuchtigkeit von 75 Prozent. Deshalb kann man immer dann, wenn sich in einer Wohnung Stockflecken oder Schimmelbefall bilden, davon ausgehen, dass auch ein Milbenbefall vorliegt. Wenn die Luftfeuchtigkeit hoch genug war, um sichtbare Stockflecken und Schimmel hervorzurufen, war das Klima auch für eine Milbenpopulation ausgesprochen positiv. „Auch wenn der Schimmelbefall bereits beseitigt ist und keine sichtbaren Spuren mehr vorhanden sind, findet man an den betreffenden Stellen oft sogar unter der Tapete einen Milbenbefall“, betonte Dr. Langer.

Die gute Nachricht: Trockene Luft, d.h. eine Luftfeuchtigkeit unter 50 Prozent sorgt dafür, dass die Milben absterben. Und Silberfischchen, die allgemein als Ungeziefer betrachtet werden und daher unerwünscht sind, ernähren sich gerne auch von Hausstaubmilben und sind deshalb ein positives Zeichen für ein intaktes Biosystem des Hauses.

Die schlechte Nachricht: Milben verfügen über eine Art "körpereigenes Bewässerungssystem" mit Hilfe dessen sie ihrem Körper Feuchtigkeit zuführen können. Dafür gibt die Milbe oberhalb des ersten Beines eine salzhaltige Flüssigkeit ab, die in Richtung Mund läuft und dort wieder aufgenommen wird. Die Flüssigkeit besteht aus einer Sole, d.h. Natriumchlorid und Kaliumchlorid in hoher Konzentration. Diese Sole nimmt auf dem Weg zum Mund Feuchtigkeit aus der Luft auf und versorgt die Milbe so mit der nötigen Flüssigkeit.

Wo halten sich Hausstaubmilben und Vorratsmilben gerne auf?

Milben halten sich generell immer dort auf, wo Nahrungsangebot, Temperatur und Luftfeuchtigkeit optimal sind. Außerdem meiden Milben die Sonneneinstrahlung und flüchten sich dann ins Dunkle.

Ein bevorzugter Aufenthaltsort der Hausstaubmilben ist das Bett. Insbesondere in Matratzen, die älter als fünf Jahre sind, findet man einen Höchststand von Milbenpopulationen und neue Matratzen sind bereits nach drei Monaten von einer Milbenpopulation besiedelt und das weitgehend unabhängig vom Material. Sowohl die Temperatur als auch die Luftfeuchtigkeit in Betten bzw. Kopfkissen und Matratzen sind für Milben ideal, denn der Schläfer sorgt regelmäßig für Wärme und Feuchtigkeit durch Transpiration. Insbesondere Menschen, die keine Nachtwäsche tragen, sorgen deshalb ungewollt für positives Milbenklima, weil Schweiß und Hautschüppchen ungehindert und in großen Mengen in die Matratze gelangen.

Auch Polstermöbel wie Sofas, Sessel, Hunde- und Katzenkörbchen oder Teppiche sind bei Hausstaubmilben sehr beliebt. Hier sorgen Temperatur und Luftfeuchtigkeit für biologisch optimale Bedingungen und damit für ansteigende Milbenpopulationen. Insbesondere in älteren Möbelstücken findet man häufig eine hohe Milbendichte.

Ebenfalls ein beliebter Aufenthaltsort für Hausstaubmilben, der oft übersehen wird, sind Computertastaturen. "Hier gibt es reichlich Nahrung durch die im Laufe der Zeit eingerieselten Hautschuppen, im Gegensatz zum Laptop, steigt die Temperatur einer Tastatur nicht an und das Tastaturinnere bietet reichliche Rückzugsmöglichkeiten", führte Dr. Langer aus.

Vorratsmilben findet man auf feuchten Wänden, in Ställen, Heu, Futterkästen, Vorratskammern bzw. Speisekammern, Käfigen von Kleinnagern wie Hamster, Meerschweinchen etc. und, in ganz besonders hohen Konzentrationen, in großen Hühnerställen.

Geographisch betrachtet kommen Milben dort tendenziell öfter vor, wo es häufig regnet und selten die Sonne scheint. Die Höhenlage scheint, entgegen älterer Studien, keine Rolle zu spielen. Auch auf den Sitzpolstern und in Matratzen auf Berghütten findet man Milben. Ausschlaggebend ist also nicht die Höhe, sondern auch hier wieder die Temperatur und besonders die Luftfeuchtigkeit.

Milben – wo stecken die Allergene?

Die Allergene der Milben bestehen aus Proteinen, die sich zum einen in den Ausscheidungsprodukten der Milben befinden, d.h. Kot, Speichel, Hautpartikel und Sole und zum anderen in Teilen der abgestorbenen Milbenkörpers selbst. Der wichtigste Faktor in Bezug auf die Allergenität ist der Kot der Milbe, dessen Allergenkonzentration weitaus höher ist, als die der anderen Ausscheidungsprodukte. Innerhalb ihres Lebens, d.h. in ca. 2 Monaten, produziert eine Milbe das 200fache ihres Eigengewichtes an Kot.

Wächst die Milbenpopulation, steigt auch der Anteil der Allergene in der Raumluft, der saisonale Höhepunkt liegt vor Beginn der Heizperiode. Mit dem Heizen nimmt die Luftfeuchtigkeit ab und bedingt das Ende des Populationswachstums der Milben.

Ca. ein Viertel der Erwachsenen in Deutschland sind gegen Milben sensibilisiert. Bei Kindern nimmt die Sensibilisierung gegen Milben den dritten Platz im Sensibilisierungs-Ranking ein. Auch Kreuzreaktivitäten sind bei Milbenallergikern möglich, z.B. zwischen Vorratsmilben und Hausstaubmilben. Ein Panallergen der Milbe weist Ähnlichkeiten mit Proteinen auf, die auch in Meeresfrüchten, z.B. Schnecken, Muscheln, Krebstieren etc. vorkommen.

Was hilft gegen Hausstaubmilben und Vorratsmilben? Milben-Sanierungsmaßnahmen!

Es gibt eine Reihe von Sanierungsmaßnahmen, die man als Hausstaubmilbenallergiker beachten sollte. Eine gute Wirkung wird man aber nur erzielen, wenn man all diese Maßnahmen zusammen umsetzt. Mit dem Umsetzen nur einzelner Maßnahmen wird man nicht den gewünschten Effekt erzielen.

Um die richtigen Maßnahmen auszuwählen, sollte man das Raumklima im eigenen Wohnbereich gut kennen. Dabei hilft ein kleines Messgerät, dass die Raumfeuchtigkeit exakt misst und dass man an den unterschiedlichsten Stellen des Hauses aufstellen sollte.

Eine grundsätzlich wichtige Rolle spielt die Sauberkeit. Je häufiger die Hausstaubmilben bzw. die Milbenallergene durch staubsaugen, nass wischen, Bettwäsche wechseln etc. wieder beseitigt werden, umso besser. Eine Rolle spielen auch die bevorzugte Raumtemperatur, das Lüftungsverhalten – eine hohe Raumtemperaturen und dadurch trockenere Luft ist für Milben genauso schädlich wie regelmäßiges Lüften, das die Luftfeuchtigkeit absenkt.

Was in früheren Zeiten üblich war, heute aber seltener geworden ist, kann bei der Bekämpfung von Milben hilfreich sein. Dazu gehört z.B. das „Lüften der Betten“ am offenen Fenster, das bei Sonnenschein zur Austrocknung der Milben führt. "Auch die Matratze regelmäßig in die Sonne zu stellen, wie dies in Israel praktiziert wird, ist eine wirkungsvolle Maßnahme gegen Milben", riet Milbenexperte Dr. Langer.

Eine wirksame Möglichkeit sind auch Encasings, die Matratzen und Bettwäsche so isolieren, dass der Milbenallergiker nicht mit dem Allergen in Berührung kommt. In der Regel werden Encasings von den Krankenkassen übernommen und es gibt sie in sehr unterschiedlichen Ausführungen. Zu beachten ist hier dass auch die über dem Encasing liegenden Strukturen, d.h. die Bettbezüge, regelmäßig bei 60°C gewaschen werden müssen, um sie vom Milbenbefall zu befreien.

Für das Staubsaugen gilt: 10 Prozent der Milben bzw. Milbenabfallprodukte lassen sich durch Staubsaugen entfernen, vorausgesetzt man saugt 2 Minuten lang pro m2! Grundsätzlich gilt: Alle Bodenbeläge, die man nass wischen kann, sind die allergenärmeren Beläge. Wenn jedoch die Lufttemperatur stimmt, bieten aber auch Teppiche gewisse Vorteile, denn das Allergen bleibt daran hängen – eine gute Kombination ist daher ein glatter Boden mit herausnehmbaren Teppichen.

Zu beachten ist, dass sich durch das Staubsaugen die Konzentration des Milbenallergens in der Raumluft deutlich erhöht.

Abhilfe schafft hier entweder ein Staubsauger mit einem guten HEPA-Spezialfilter, oder auch, das Staubsaugen einem nicht-allergischen Familienmitglied zu überlassen. Hin und wieder ist es auch sinnvoll, einen Dampfreiniger zur Reinigung von Teppichböden und Polstermöbeln zu nutzen, denn der heiße Dampf tötet die Milben ab. An Stelle von Polstermöbeln ist es jedoch grundsätzlich besser, Sitzmöbel mit Lederbezug anzuschaffen. Und schwere Vorhänge und Stofftapeten sind für Milbenallergiker ebenfalls nicht angeraten.

Zu den wirkungsvollen Haushaltsmaßnahmen vergangener Tage gehört auch das Ausklopfen von losen Teppichen im Schnee. Das Ausklopfen und die niedrigen Temperaturen bei trockener Luft sind auch heute noch eine empfehlenswerte Maßnahme, um die Milben und das Milbenallergen zu entfernen.

Eine relativ einfache Sanierungsmaßnahme ist auch das Waschen von Bettwäsche, Kopfkissen und Bettdecke bei 60°C. Eine Maschinenwäsche tötet sowohl die Milben als auch die Allergene - chemische Zusätze sind nicht nötig.

Bei Kleidungsstücken, die nicht bei 60°C gewaschen werden dürfen, ist eine weitere Maßnahme sehr effektiv: Das Trocken der Wäsche auf der Wäscheleine in Freien. Das UV-Licht der Sonne und die hohen Temperaturen sorgen sehr gut für das Absterben der Milben. Zu beachten ist auch, dass in synthetischen Textilien mehr Milben zu finden sind als in Baumwolltextilien.

Da ausnahmslos alle Matratzen von Milben befallen werden, bietet einzig ein Wasserbett eine Option, möglichst ohne Bettkasten. Die Matratzenhülle des Wasserbettes bietet Hausstaubmilben ebenfalls gute Lebensbedingungen, so dass darauf zu achten ist, diese regelmäßig , alle drei Monate in der Waschmaschine bei 60 °C zu reinigen. Milbenallergene sind hitzelabil, d.h. waschen bei 60 °C in der Waschmaschine beseitigt sowohl die Milben als auch deren Allergene.

Aufgrund der Tatsache, dass Hausstaubmilben sich von menschlichen Hautschuppen ernähren ist es sinnvoll, den „Fallout“ gering zu halten, indem man sich nicht im Schlaf- und Wohnbereich an und auskleidet, sondern besser im Badezimmer. Auch die Verwendung eines Antischuppen-Shampoos kann sinnvoll sein.

Ein weiteres Milbenversteck sind die Kuscheltiere der Kinder oder Sofakissen. Hier hilft es, die Stofftiere oder Kissen eine Nacht ins Eisfach zu legen, die Milben überleben dies nicht.

Die Milbe als Deliktesse - Vorratsmilben als Geschmacksverstärker

Milben sind nicht immer unerwünscht. In bestimmten Fällen nutzt man Milben um Nahrungsmittel zu veredeln. So gelten sie z.B. bei Parmaschinken oder Serrano-Schinken als edler und schmackhafter, wenn sie von Milben befallen sind und es gibt auch deutsche und französische Käsesorten, die durch Milbenbefall veredelt werden.

Wichtiger Hinweis

Unsere Beiträge beinhalten lediglich allgemeine Informationen und Hinweise. Sie dienen nicht der Selbstdiagnose, Selbstbehandlung oder Selbstmedikation und ersetzen nicht den Arztbesuch. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.