Schimmelpilze Häufigkeit Allergien

Prof. Dr. Monika Raulf, Leiterin des Kompetenzzentrums Allergologie/Immunologie am Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, Institut der Ruhr-Universität Bochum (IPA) bei Ihrem Vortrag beim DAK 2017!

Schimmelpilze: Wie häufig führen Sie zu Allergien?

„Für die Allergologen sind Schimmelpilzallergien eine Herausforderung“ sagte Prof. Dr. Monika Raulf, Leiterin des Kompetenzzentrums Allergologie/Immunologie am Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, Institut der Ruhr-Universität Bochum (IPA) im Rahmen Ihres Vortrags beim 12. Deutschen Allergiekongresses 2017 in Wiesbaden. Aktuell sind mehr als 110.000 Schimmelpilzarten bekannt und 400 Arten gelten z.Zt. als potenziell sensibilisierend. Bei 43 Schimmelpilz-Arten sind die Einzelallergene identifiziert, d.h. sie gelten als definitive Allergenquellen. Schimmelpilze sind allgegenwärtig, sowohl im Außenbereich als auch in Innenräumen sind sie anzutreffen. Komplex sind Schimmelpilze jedoch auch, weil sie, je nach Wachstumsphase und Umweltbedingungen, unterschiedliche Proteine und damit potenzielle Allergene hervorbringen. Zudem sind es nicht allein die kultivierbaren Sporen, die bei Schimmelpilzen allergen wirken. Eine allergene Wirkung können auch nicht kultivierbare Sporen und abgestorbene Mycelteile haben. Es reicht also für die Beurteilung eines Expositionsrisikos nicht aus, nur die kultivierbaren Schimmelpilz-Sporen zu zählen. Die Frage lautet jedoch: Wie häufig führen Schimmelpilze tatsächlich zu Allerigien?

Wie kommt es zu einer Schimmelpilzallergie?

Zu Allergien auf Schimmelpilz kommt es durch Inhalation von Schimmelpilzsporen oder Mycelteile. Die Sporen sind die Allergenträger und verfügen über eine unterschiedliche Flugfähigkeit. Ob ein Mensch eine Schimmelpilzallergie entwickelt, hängt von vielen Faktoren ab. Wie bei allen Allergien, spielt die genetische Anlage bzw. Empfänglichkeit eine Rolle, aber auch die individuelle Beschaffenheit der Nasen- und Bronchialschleimhaut. Atopiker tragen ein generell höheres Risiko, sich auch gegen Schimmelpilze zu sensibilisieren, insbesondere bei bestehenden Allergien gegen Gräser und Milben.


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Wie häufig sind Schimmelpilzallergien?

Studien an der deutschen Allgemeinbevölkerung kamen in Bezug auf das Sensibilisierungsrisiko auf Schimmelpilzallergene auf sehr niedrige Werte. Bei den Erwachsenen zeigten 1,3 Prozent eine Sensibilisierung auf Cladosporium herbarum, bei den Kindern waren 1,6 Prozent betroffen. Diese Werte sind im Vergleich zur Sensibilisierung auf Milben, Hunde oder Katzen ausgesprochen niedrig.
Betrachtet man jedoch die Sensibilisierungshäufigkeiten gegenüber Umweltallergenen des Außenbereichs in Europa sehen die Werte deutlich anders aus. In einer europäischen Studie mit Allergiepatienten aus dem Jahr 2009 lag die Sensibilisierungsrate für bestimmte Schimmelpilzarten bei etwa 8 Prozent. Bei den Innenraumallergenen waren laut Studie 5 Prozent der Untersuchten sensibilisiert.

Innerhalb Europas ergaben sich im Rahmen dieser Studie allerdings deutliche Unterschiede. Während die Prävalenz der Schimmelpilzsensibilisierungen z.B. in Finnland sehr gering ist, findet man in Griechenland bei bis zu 25 Prozent der Untersuchten Sensibilisierungen auf, z.B. Alternaria.

Schimmelpilzallergene sind nicht sehr allergen.

„Insgesamt kann man jedoch sagen, dass Schimmelpilze im Vergleich zu anderen Allergenen eine relative schwaches Sensibilisierungspotenzial haben“ resümierte Prof. Dr. Monika Raulf.

Auffällig ist jedoch, dass die Anzahl der Sensibilisierungen auf Schimmelpilzsporen bei den Atopikern deutlich höher ist, als bei der Gesamtbevölkerung. Das heißt, Menschen mit einer genetischen Disposition für bzw. Neigung zu Allergien scheinen auch auf die Schimmelpilzallergene häufiger zu reagieren. Am höchsten sind die Schimmelpilz-Sensibilisierungsraten bei Asthmatikern. Zudem belegen Studien, dass der Schweregrad des Asthmas bei Schimmelpilzallergien zunimmt bzw. dass bei den schweren Asthmatikern der Anteil Schimmelpilz-sensibilisierter Patienten steigt, ein Phänomen, das im Hinblick auf Pollen- und Hausstaubmilbenallergien nicht zu beobachten ist. Was hier Ursache und was wiederum Wirkung ist, steht aktuell jedoch nicht fest.

Probleme bei der Diagnostik – was macht die Diagnose der Schimmelpilzallergien schwierig?

Ein wesentliches Problem bei der Schimmelpilzdiagnostik ist, dass die Herstellung der Extrakte sehr aufwendig ist. Nicht für alle Schimmelpilze konnten bislang die jeweils auslösenden Allergene identifiziert werden. Man weiß daher nicht, welches der Allergene die Ursache für die allergischen Beschwerden ist. Dementsprechend können die Testsubstanzen verschiedener Hersteller verschiedene Allergene enthalten und es stehen auch nicht für alle Schimmelpilzarten Allergenextrakte zur Diagnose zur Verfügung. Für viele charakteristische Innenraumpilze gibt es keine Testextrakte, weshalb die Sensibilisierungsraten vor allem die Außenluftbelastung widerspiegeln.

Auch bei der molekularen Allergiediagnostik ist die Auswahl an Schimmelpilzallergenen begrenzt.

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