Nasale Provokationstestung

Dr. Pascal Werminghaus, Facharzt für Hals-Nasen- und Ohrenheilkunde und Allergologe, Oberarzt an der HNO-Klinik am St. Anna Krankenhaus in Wuppertal zur nasalen Provokationstestung!

Nasaler Provokationstest: Wie funktioniert er, was sagt er aus? - Was ist zu beachten, damit die Ergebnisse der nasalen Provokationstestung aussagkräftig sind?

Was ist zu beachten, damit die Ergebnisse der nasalen Provokationstestung aussagkräftig sind? Muss sie z.B. außerhalb der Pollensaison durchgeführt werden?

Prinzipiell ist die nasale Allergenprovokation auch in der Saison möglich, jedoch müssen hier Primingeffekte der Nasenschleimhaut durch die natürliche Allergenexposition berücksichtigt werden. Diese können die Reaktion verstärken und müssen daher bei der Interpretation berücksichtigt werden.

Massive klinische Beschwerden und insbesondere der Einsatz von Medikamenten können den Test natürlich stark beeinflussen, sodass im Einzelfall entschieden werden muss, ob die Provokation erfolgen kann. Ein Test innerhalb der Pollensaison kann daher unter Umständen nur eingeschränkt beurteilt werden und muss gegebenenfalls außerhalb der Saison wiederholt werden

Bei ganzjährigen Allergenen ist aber eine Testung außerhalb der Saison ja überhaupt nicht möglich, sodass man nicht von einer Kontraindikation sprechen kann.  

Beim Einsatz von antiallergischen Medikamenten sind Karenzzeiten einzuhalten, da sie die klinische Reaktion auf die Provokation unterdrücken können und der Test so falsch negativ ausfallen kann.

Bestimmte Blutdruckmedikamente können die allergische Reaktion gegebenenfalls verstärken. Ebenso  stören sie die Wirksamkeit einer eventuell notwendigen Notfalltherapie bei einer stärkeren allergischen Reaktion auf das Allergen. Deshalb müssen sie vor der Testung abgesetzt werden.


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Welche Rolle spielt die Rhinomanometrie bei der nasalen Provokationstestung?

Die Rhinomanometrie ist die objektive Messgröße bei der nasalen Provokationstestung. Ein Nasenloch wird mechanisch verschlossen und der Widerstand der offenen Nasenseite wird gemessen. Schwillt die Nasenschleimhaut als Reaktion auf die Allergenreaktion an, so misst der Arzt diese Reaktion mit einem Anstieg des Widerstandes. Typischerweise passiert dies sowohl auf der Nasenseite, auf der das Allergen appliziert wurde, als auch auf der Gegenseite über nervale Reflexe.

Welche Rolle spielt die Endoskopie bei der nasalen Provokationstestung?

Die Endoskopie hat eine entscheidende Rolle bei der Beurteilung, ob ein Patient für die nasale Provokationstestung geeignet ist. Bestimmte anatomische Gegebenheiten, zum Beispiel Eiter oder Polypen in der Nase, eine Perforation der Nasenscheidewand oder ausgeprägt operativ verkleinerte Nasenmuscheln können dazu führen, dass die Provokation nicht durchgeführt werden sollte bzw. kann.

Bei der Bewertung der Ergebnisse der Provokationstestung spielt die Endoskopie eher eine untergeordnete Rolle.

Wie werden die Ergebnisse einer nasalen Provokationstestung bewertet und welche Rolle spielt der Symptomscore?

Neben der Rhinomanometrie, die den nasalen Widerstand misst, spielen insbesondere die klinischen Symptome des Patienten eine große Rolle bei der Auswertung der Provokationstestung. Niesreiz oder Niesen, Jucken in der Nase oder den Augen, Augentränen, Nasenlaufen und die Nasenatmungsbehinderung bzw. das nasale Völlegefühl sind typische Zeichen einer allergischen Reaktion auf das Allergen, wir sprechen dann von einem positiven Ergebnis.

Um das Ergebnis nicht von der klinischen Erfahrung des Untersuchers abhängig zu machen, haben Arbeitsgruppen Symptomscores publiziert, die dem Arzt helfen, die klinische Reaktion zu objektivieren und somit auch einzelne Allergene untereinander vergleichen zu können.  

Wird die nasale Provokationstestung auch zur Überprüfung der Wirksamkeit einer Therapie eingesetzt, z.B. eine Allergen-Immuntherapie (AIT)?

Tatsächlich kann man die nasale Provokationstestung einsetzen, um die Wirksamkeit einer AIT zu überprüfen. Insbesondere in klinischen Studien wird das Verfahren dafür genutzt, seltener in der klinischen Routine.

Wenn es aber beispielsweise darum geht, ob bei einem Patienten die Immuntherapie fortgeführt oder beendet wird, können die Ergebnisse ein wichtiger Baustein sein, der bei der Beratung des Patienten hilft.

Herr Dr. Werminghaus, herzlichen Dank für dieses Interview!

 

 

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