Hausstaubmilbenallergie SLIT Milbentablette

Prof. Ralph Mösges vom Institut für Medizinische Statistik, Informatik und Epidemiologie in Köln zur SLIT mit der Milbentablette bei Hausstaubmilbenallergie!

Hausstaubmilbenallergie? Hilft die SLIT mit der Milbentablette Allergikern?

Wie sieht es bei der Therapietreue der Patienten bei der Milbentablette aus, auch im Vergleich zur SCIT?

Ich erwarte bei der Milbentherapie eine gute Therapietreue, weil der Patient durch die Möglichkeit, die Tablette zu Hause einzunehmen einen deutlichen Vorteil hat – bei der subkutanen Immuntherapie muss ja regelmäßig eine Arztpraxis aufgesucht werden.

Es gibt jedoch eine Reihe von Studien zur Therapietreue bei der Milben-SLIT, die auf den ersten Blick  eine wenig positive Compliance suggerieren. Z.B. kommt die sogenannte „Kiel-Publikation“ aus den Niederlanden zu dem Ergebnis, dass nach drei Jahren Therapie mit der Milbentablette nur noch 7 Prozent  der Patienten die Therapie weiterführen.4)

Es hört sich natürlich sehr negativ an, dass 93 Prozent der Patienten die Therapie abbrechen. Tatsächlich ist das Ergebnis jedoch unvorstellbar gut, wenn man weiß, dass die in dieser Studie eingesetzten Milbentabletten absolut unwirksam waren. Die gleiche Gruppe um Menno A. Kiel hat nämlich in einer anderen Publikation gezeigt, dass diese Milbentabletten unwirksam sind. Die gewählte Dosierung der eingesetzten Milbentabletten war äußerst niedrig und zeigte somit keinerlei Wirkung.

Die Allergendosis spielt also bei der Wirksamkeit der Milbentabletten eine wesentliche Rolle?

Zum Hintergrund: Bei der sublingualen Therapie sind sehr hohe Allergenkonzentrationen nötig, um eine gute Wirksamkeit zu erzielen. Die Allergenkonzentration den Tabletten ist ca. 100 Mal höher, als die Allergenkonzentration bei der subkutanen Immuntherapie. Die hohe Allergenkonzentration führt bei natürlichen Allergenen eher zu Nebenwirkungen und um diese zu verhindern, senkt der Hersteller die Allergenkonzentration. Im Falle der in der holländischen Studie verwendeten Präparate hat der Hersteller Sublinguallösungen eingesetzt, deren Allergengehalt dem der Allergenspritzen entsprach. Das bedeutet, die Präparate hatten nur ein 1/100 der wirksamen Dosis und konnten somit natürlich auch keine positive Wirkung entfalten. Dennoch sind 7 Prozent der Patienten über 3 Jahre in der Studie geblieben, was aus meiner Sicht ein sehr positives Ergebnis ist.

Eine weitere Studie zur Therapietreue bei der Milben-SLIT, die von Mona Al Ahmad in Kuwait durchgeführt wurde, wurde erst kürzlich publiziert.5) In dieser Studie hat man ein Präparat genutzt, das dort nur in der 100er Dosierung, nicht aber in der 300er Dosierung erhältlich ist. Das bedeutet, in der Studie wurde mit 1/3 der wirksamen Dosis gearbeitet, aber dennoch waren nach drei Jahren noch 11,6 Prozent der Patienten therapietreu, obwohl sie mit einem nahezu unwirksamen Präparat therapiert wurden.

Die sogenannte Didier-Studie hat jedoch gezeigt, dass mit der 100er Dosis nur eine Wirksamkeit erreicht werden kann, die 5 Prozent über Placebo liegt.6) Es ist also nicht verwunderlich, dass die Patienten nicht therapietreu sind, wenn in den betreffenden Studien nur wenig wirksame Präparate eingesetzt werden.

Betrachtet man hingegen Untersuchungen mit hochwirksamen Präparten liegt die Therapietreue über drei Jahre bei 50 Prozent und höher. Ich habe gerade zusammen mit meiner Frau eine Studie aus der Praxis meiner Frau publiziert bei der wirksame Sublingualpräparate eingesetzt wurden. Bei dieser Studie waren nach drei Jahren noch 2/3 der Patienten therapietreu. Letztendlich kann man sagen, wenn die Therapie wirksam ist, bleiben die Patienten auch therapietreu.

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