Spezifische Immuntherapie Hyposensibilisierung Allergie Pferd

Prof. Dr. Ralf S. Mueller, Medizinische Kleintierklinik am Zentrum für klinische Tiermedizin der LMU München zur Hyposensibilisierung bei allergischen Pferden und wann sie helfen kann!

Spezifische Immuntherapie: Hilft Hyposensibilisierung allergischen Pferden?

Setzen Sie die Desensibilisierung auch bei Pferden ein, die auf Insekten allergisch reagieren?

Die Allergie auf Insekten ist beim Pferd mit Abstand die häufigste Allergie, meist gegen Culicoides, die Kriebelmücke. Es gibt aber auch Pferde, die auf Pferdebremsen oder andere Insekten allergisch reagieren. Hierzu gibt es einige Studien mit widersprüchlichen Resultaten. Eine ältere Doppelblindstudie aus Florida kommt zu dem Ergebnis, dass eine Desensibilisierung bei Pferden mit Insektenallergien nicht wirksam ist. Hingegen zeigte eine Fallserie aus Kanada sehr gute Erfolge mit der Desensibilisierung von Insekten-allergischen Pferden. Schaut man sich die beiden Studien genauer an, fällt auf, dass in der kanadischen Studie deutlich höhere Antigen-Dosen injiziert wurden, als in der Florida-Studie. Die unterschiedlichen Ergebnisse könnten also durch die unterschiedliche Dosierung verursacht worden sein. Auch die Tatsache, dass bei der Desensibilisierung gegen Insektenallergene Gesamtkörperextrakte verwendet werden, könnte eine Rolle spielen.

Können Sie die Rolle der Insektenallergene Gesamtkörperextrakte bei der Desensibilisierung gegen Insektenallergene beim Pferd erklären?

Zur Herstellung von Gesamtkörperextrakten werden z.B. Kriebelmücken oder Pferdebremsen zerkleinert, gesiebt, als Extrakt aufbereitet und injiziert. Das Allergen sitzt jedoch im Speichel der Insekten und davon gelangt bei dieser Methode nur recht wenig in die Extrakte.

Aus meiner Sicht liegt die Zukunft deshalb bei den rekombinanten Speichelantigenen. Aktuelle Studien aus dem Jahr 20151) und 20162), in denen man Pferden rekombinante Culicoides-Antigene injiziert hat, konnten zeigen, dass tatsächlich IgG-Antikörper gebildet wurden, allerdings nicht die für Allergien klassischen IgE-Antikörper.

Hier ist in den nächsten Jahren mit einer Entwicklung zu rechnen, auch für die Diagnostik. So hat man z.B. bei Pferden mit RAO, also Asthma-ähnlichen Symptomen, festgestellt, dass Hauttests mit Schimmelpilzsporen-Extrakten im Vergleich zu gesunden Pferden genauso häufig positiv waren. Hingegen haben Studien die mit rekombinanten Schimmelpilzsporen-Extrakten gearbeitet haben, betroffene von gesunden Pferden besser unterscheiden können.3) Dies ist ein Hinweis darauf, dass die rekombinanten Allergene zumindest zur Diagnose deutlich besser geeignet sind, als die Allergenextrakte, und meine persönliche Prognose ist, dass wir damit in Zukunft auch mit der Immuntherapie bessere Resultate erzielen werden.  

Lassen sich beim Pferd auch Nahrungsmittelallergien mit der spezifischen Immuntherapie behandeln?

Nahrungsmittelallergien bei Pferden sind sehr, sehr selten. Anders als bei Hunden, Katzen und Menschen haben bislang nur sehr wenige Dermatologen von Pferden mit Nahrungsmittelallergien berichtet.

Zur Diagnose: Wie erfolgt die für eine Hyposensibilisierung des Pferdes erforderliche Ermittlung des Allergens?

Zur Allergiediagnose beim Pferd stehen verschiedene Testmöglichkeiten zur Verfügung. Man kann einen Hauttest, d.h. einen Intradermaltest durchführen. Das bedeutet, man spritzt dem Pferd das Allergen in die Haut. Dabei testet man 40 bis 50 Allergene und wählt dann die positiven Resultate für die Immuntherapie aus, vorausgesetzt sie passen zur Anamnese.

Bei der Anamnese ist man jedoch auf die gute Beobachtungsgabe des Pferdebesitzers angewiesen.

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