Insektenallergie Pferd Kriebelmücken Bremsen

Prof. Dr. Ralf S. Mueller, Medizinische Kleintierklinik am Zentrum für klinische Tiermedizin der LMU München über die Insektenallergie beim Pferd und geeignete Maßnahmen zur Bekämpfung von Kriebelmücken, Bremsen und Co.!

Insektenallergie beim Pferd: Was hilft gegen Kriebelmücken, Bremsen und Co.?

Allergien gegen Insekten gehörten bei Pferden zu den häufigsten Allergien. Im Sommer ist das besonders lästig für die Tiere, denn auf der Weide scheint es kaum ein Entrinnen vor den kleinen Plagegeistern zu geben. Mit einigen Tricks können Pferdebesitzer es dennoch schaffen, ihre Pferde mückenfrei zu halten. MeinAllergiePortal sprach mit Prof. Dr. Ralf S. Mueller, Medizinische Kleintierklinik am Zentrum für klinische Tiermedizin der LMU München über die Insektenallergie beim Pferd und geeignete Maßnahmen gegen Kriebelmücken, Bremsen und Co..

Herr Prof. Mueller, wie behandeln Sie Pferde mit Insektenallergien?

Für Pferde mit Insektenallergien setzt man Repellents ein, d.h. Vergrämungsmittel, wie es sie auch für Menschen gibt.

Zusätzlich gibt es für Pferde die sogenannten Ekzemerdecken, das sind Ganzkörperdecken, die auch den Kopf und den Bauch bedecken.

Auch mit Pyrethroiden imprägnierte Ekzemerdecken stehen zum Schutz der Pferde vor Insekten zur Verfügung. Pyrethroide sind synthetische Insektizide, die die Insekten abwehren.

Handelt es sich bei Pferd um eine Allergie gegen Kriebelmücken kann auch eine Haltungsänderung Linderung schaffen.

 

Wie kann man Pferde mit Allergien gegen Kriebelmücken durch die Änderung der Haltung schützen?

Wenn Pferde auf Kriebelmücken allergisch sind, kann man durch eine Änderung des Standorts auf der Weide viel bewirken. Auf einem Hügel geht es den Pferden z.B. besser, als wenn sie in einem Tal oder in einer Senke stehen. Kriebelmücken können nicht gut gegen den Wind fliegen und meiden deshalb windige Standorte. Auf einem Hügel ist es öfter windig und so bleiben die Pferde dort oft von Kriebelmücken verschont.

Außerdem mögen die Kriebelmücken ein feuchtes Klima und suchen die Nähe von Gewässern wie Tümpeln oder Bächen. Auch hier kann es deshalb helfen, Pferde, die auf Kriebelmücken allergisch sind, weit weg von Gewässern zu halten.

Aber auch für den Stall gibt es Möglichkeiten, Pferde vor Kriebelmücken zu schützen.


Wie vermeidet man Kriebelmücken im Pferdestall?

Auch einen Pferdestall kann man kriebelmückenfest machen. Die normalen Insektengitter für die Fenster sind hierfür aber nicht geeignet, denn Kriebelmücken sind sehr klein und kommen durch Fliegengitter problemlos hindurch. Es gibt jedoch spezielle Kriebelmückennetze mit deutlich kleineren Löchern. Zusätzlich sollte man darauf achten, dass die Stalltüren stets verschlossen bleiben.  

Sehr hilfreich bei der Vertreibung von Kriebelmücken aus Pferdeställen sind Ventilatoren. Wie gesagt mögen Kriebelmücken Wind überhaupt nicht und wenn man durch einen Ventilator im Stalltor für einen ständigen Luftzug aus dem Stall heraus sorgt, können Kriebelmücken selbst bei offener Stalltüre nicht hineinfliegen.

 

Setzen sie Bei Pferden mit Insektenallergien auch die Hyposensibilisierung ein?

Für die Insektenallergie setze ich die Hyposensibilisierung aktuell noch nicht ein, es sei denn es handelt sich um einen sehr schweren Fall und der Besitzer ist bereit, das hohe Risiko eines Therapieversagens zu tragen.

Bei der spezifischen Immuntherapie gegen Insektenallergien stehen aktuell lediglich Gesamtkörperextrakte zur Verfügung. Diese werden hergestellt, indem die Insekten, z.B. Kriebelmücken oder Pferdebremsen, zerkleinert, gesiebt und als Extrakt aufbereitet werden. Das so gewonnene Extrakt wird den Pferden dann im Rahmen der Hyposensibilisierung injiziert. Da das Allergen bei den Insekten aber im Speichel sitzt, gelangen durch diese Art der Herstellung nur geringe Allergenmengen in das Extrakt.

Bei rekombinanten Speichelantigenen ist dies anders, denn aktuelle Studien an Pferden aus dem Jahr 20151) und 20162)  konnten zeigen, dass bei den Pferden nach der Injektion rekombinanter Culicoides-Antigene, IgG-Antikörper gebildet wurden. Die für Allergien klassischen IgE-Antikörper wurden jedoch nicht gebildet. Aus meiner Sicht liegt die Zukunft der Hyposensibilisierung insektenallergischer Pferde deshalb in den rekombinanten Allergenextrakten. Ob Extrakte aus rekombinanten Allergenen allerdings auch zu besseren Therapieerfolgen führen, ist im Moment noch nicht bekannt.

Herr Prof. Mueller, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

Quellen:

1)    Jonsdottir S, Hamza E, Janda J, Rhyner C, Meinke A, Marti E, Svansson V, Torsteinsdottir S, Developing a preventive immunization approach against insect bite hypersensitivity using recombinant allergens: A pilot study, Vet Immunol Immunopathol. 2015 Jul 15;166(1-2):8-21. doi: 10.1016/j.vetimm.2015.05.002. Epub 2015 May 15., http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26004943

2)    Jonsdottir S, Svansson V, Stefansdottir SB, Schüpbach G, Rhyner C, Marti E, Torsteinsdottir S, A preventive immunization approach against insect bite hypersensitivity: Intralymphatic injection with recombinant allergens in Alum or Alum and monophosphoryl lipid A, Vet Immunol Immunopathol. 2016 Apr;172:14-20. doi: 10.1016/j.vetimm.2016.02.017. Epub 2016 Mar 2., http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27032498

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