Allergie Pferd Allergenvermeidung

Dr. med. vet. Ursula Mayer, tierärztliche Spezialistin für Allergien, Haut- und Ohrenkrankheiten in München/Augsburg

Allergie beim Pferd: Behandlung und Tipps zur Allergen-Vermeidung

Wenn eine Allergie beim Pferd einwandfrei festgestellt wurde, ist die Meidung des Allergens meist die primäre Strategie. Wie setzt man das bei allergischen Pferden um?

Das kommt auf das Allergen an. Hat das Pferd eine Futterallergie ist es einfach, denn dann lässt man das Allergen beim Füttern einfach weg.

Schwieriger wird es bei Insektenallergenen, denn hier kommt es darauf an, welche Insekten das auslösende Allergen in sich bergen. Eine sehr gute Möglichkeit bei der Behandlung des Sommerekzems beim Pferd ist, den Tieren Ekzemer-Decken umzuhängen. Um dies richtig zu machen ist es wichtig zu wissen, dass es sehr viele unterschiedliche Culicoides-Arten gibt, die bestimmte bevorzugte „Beißstellen“ haben. Manche beißen bevorzugt unten in den Bauch, andere in die Mähne und am Schweifansatz andere am Kopf. Die Decken müssen daher genau die Stellen bedecken, die betroffen sind, um Bisse verhindern zu können.  

Es gibt auch Decken für Pferde mit Allergien, die mit dem Wirkstoff Permethrin imprägniert sind, d.h. zusätzlich zum mechanischen Schutz durch die Decke werden die Mücken durch den Mückenschutz abgehalten. Das Einsprühen allein hat eine nicht so gute Wirkung und ist auch, wenn man es mehrmals täglich durchführen muss, sehr aufwändig. Am besten ist die Kombination von Decke und Mückenschutz auf der Koppel, bzw. beim Ausritt Mückenschutz allein.

Eine dritte Möglichkeit bei allergischen Pferden besteht darin, die Haltung des Pferdes so zu verändern, dass der Insektenkontakt möglichst stark eingeschränkt wird. Bei der Culicoides weiß man z.B., dass sie bevorzugt in der Dämmerung, morgens und abends sticht, so dass man in dieser Zeit die Tiere aufstallen sollte – die Mücken gehen nicht so gern in den Stall. Auch Plastikbändervorhänge am Stalleingang oder sehr engmaschige Mückengitter an den Fenstern halten die Mücken ab. Die diese Insekten Wind nicht so gerne mögen, weil sie keine guten Flieger sind, hilft auch ein Ventilator im Stall. Auch dunkle Ställe mögen die Mücken nicht.

Auch außerhalb des Stalls gibt es Maßnahmen, die zur Reduzierung der Mücken beitragen und so allergischen Pferden helfen. Man muss allerdings genau wissen, um welche Mückenart es sich handelt und wie diese lebt und sich vermehrt. Je nach Insektenart werden unterschiedliche Brutplätze bevorzugt, diese sollte man kennen. Wichtig ist es, die Koppel häufig abzumisten. Es kann auch helfen, den Misthaufen möglichst weit entfernt von Stall und Koppel zu platzieren. Es gibt auch Mittel, mit denen man den Misthaufen behandeln kann, um die Entwicklung der Insekten zu hemmen. Auch stehende bzw. fließende Gewässer in der Nähe können hier eine Rolle spielen.  

Bei einer Umweltallergie lassen sich die Allergene nur sehr schlecht vermeiden, denn Pollen fliegt und Milben sind überall. Anders ist dies bei Pferden mit Husten, die COPD haben – hier lassen sich durch Änderungen in der Haltung große Verbesserungen erzielen.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei der Allergie vom Pferd?

Als erstes behandelt man auch bei der Allergie beim Pferd immer die Sekundärinfektion - je nach Schweregrad mit Antibiotika oder mit antibakteriellen Shampoos. Die Hautpflege ist ebenfalls ein wichtiger Faktor. Hier wird versucht die Hautbarriere des Pferdes mit Sprays, Schaum oder Gel zu stärken. Von Innen stärkt man die Hautbarriere mit essentiellen Fettsäuren, bevorzugt mit Leinöl, das man dem Futter beigibt.

Eine Behandlungsmöglichkeit für Pferde mit Umweltallergien, z.B. auf Pollen, ist die Desensibilisierung. Man erzielt damit sehr gute Erfolge. Wenn die klinische Symptomatik passt und alle anderen Erkrankungen ausgeschlossen sind, nutzt man einen  Intrakutantest um zu ermitteln, welches Allergen die allergische Reaktion beim Pferd auslöst. Die Desensibilisierung kann dann genau auf dieses Allergen erfolgen.

Bei Pferden mit Insektenallergien ist eine Desensibilisierung leider nicht so gut möglich, denn es gibt sehr viele verschieden Mückenarten und hier sind Haupt- und Nebenallergene noch nicht bekannt. Hier gibt es viele falsch positive und falsch negative Testungen.

Ansonsten setzt man zur Behandlung der Allergie beim Pferd auch entzündungshemmende oder antiallergische wirkende Medikamente ein. Z.B. Kortison ein. Kortison kann jedoch auch zu gravierenden Nebenwirkungen führen, wenn es nicht fachgerecht eingesetzt wird.

Sie sprachen von essentiellen Fettsäuren und deren Einfluss auf die Hautbarriere. Wie wirken essentielle Fettsäuren bei der Behandlung eines Pferdes mit Allergie?

Essentielle Fettsäuren haben zwei Wirkmechanismen. Zum einen sind sie Bestandteil des Fettfilms der äußersten Hautschicht und verbessern diesen dadurch. Sie werden auch in die Zellmembranen der Haut eingebaut und wirken dort entzündungshemmend. Leinöl ist zudem noch frei von Nebenwirkungen. Das Öl muss aber bester Qualität sein, verdorbenes Öl verliert seine Wirkung schon bevor es beginnt, ranzig zu riechen.  Man kann aber auch direkt die Leinsamen verfüttern.

Ein ganz wichtiger Faktor ist eine optimale Fütterung. Haut und Fell bestehen zu großen Teil aus Eiweiß (Keratin) – 30 Prozent des Eiweißbedarfs von Pferden geht in Haut und Fell, auch gerade beim Fellwechsel. Deshalb rauben gerade Hauterkrankungen den Pferden auch sehr viel Energie. Eine gute Fütterung muss deshalb ausreichend Eiweiß und essentielle Fettsäuren enthalten und auch Mineralstoffe wie Biotin, Zink, Selen, Kupfer etc. müssen unter Umständen zugefüttert werden.

Der Bedarf an Zufütterung verwundert viele, da Wildpferde sich ja natürlicherweise nur von Gras und Heu ernähren. In der Heimat der Wildpferde ist diese Ernährung auch ausreichend. In Deutschland wird die Landwirtschaft jedoch eher mit dem Fokus auf schnelles Wachstum betrieben. Die Vielfalt der Kräuter ist auf unseren Wiesen nicht mehr in ausreichendem Maße vorhanden und Mineralstoffe im Futter fehlen. Man muss eigentlich immer zufüttern. Es gibt in Deutschland z.B. auch Regionen, in denen die Weiden selenarm sind. Bei Robustrassen muss besonders auf die Eiweiß/Energiequellen geachtet werden, da diese ansonsten zu verschiedenen gesundheitlichen Probleme unter anderem Hufrehe neigen können Es kann sich deshalb lohnen, eine auf das Pferd abgestimmte Berechnung der Futterzufuhrerstellen zu lassen. Das erspart dem Pferd Erkrankungen, die durch Mangelernährung verursacht werden, und dem Pferdebesitzer teure Tierarztrechnungen in der Zukunft.  

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