Allergie Pferd Allergenvermeidung

Dr. med. vet. Ursula Mayer, tierärztliche Spezialistin für Allergien, Haut- und Ohrenkrankheiten in München/Augsburg

Allergie beim Pferd: Behandlung und Tipps zur Allergen-Vermeidung

Gibt es bei Pferden auch so etwas wie Heuschnupfen?

Heuschnupfen bei Pferden habe ich persönlich noch nicht erlebt, allerdings dachte man auch lange, dass Heuschnupfen bei Hunden nicht auftritt, oder nur extrem selten. Jetzt stellt man fest, dass auch Hunde nicht selten allergische Konjunktivitis, d.h. eine Bindehautentzündung, entwickeln können. Allerdings bemerkt man dies nicht so leicht.

Wie unterscheidet man die Symptome der Allergie beim Pferd von anderen Krankheitsbildern?

Prinzipiell ist die Diagnose von Hauterkrankungen und damit auch von Allergien beim Pferd keine Blickdiagnose. Dies gilt für die Frage, ob es sich um eine Allergie handelt und wenn ja, auch für die Frage um welche Allergie es sich handelt.

Es gibt auch Hauterkrankungen beim Pferd, die nicht auf eine Allergie zurückgeführt werden können, aber ganz ähnlich aussehen. Hier muss man die Erkrankungen, die von sich aus einen Juckreiz auslösen, z.B. die parasitären Erkrankungen mit Ektoparasiten (z.B. Milben), unterscheiden von Erkrankungen, bei denen der Juckreiz erst durch die Sekundärinfektion mit Bakterien entsteht. Z.B. kann eine Seborrhö, bei der es zu übermäßiger Bildung von Hautschuppen kommt, Sekundärinfektionen nach sich ziehen. Sekundärinfektionen entstehen entweder weil das Immunsystem oder weil die Hautbarriere geschädigt ist. Dies ist bei vielen verschiedenen Hauterkrankungen der Fall. Die Bakterielle Erkrankung führt häufig zu Juckreiz unabhängig von der Grundursache. Bei der Diagnose wird man daher immer zuerst evtl. vorhandene Sekundärinfektionen behandeln um zu sehen, ob nach erfolgreicher Behandlung noch ein Juckreiz besteht.

Eine weitere bei Pferden nicht selten vorkommende Hauterkrankung sind Pilzinfektionen, so genannte Dermatophyten. Auch Pilzinfektionen können bei Pferden, besonders im Anfangsstadium, Juckreiz auslösen und sind zudem noch ansteckend - auch für Menschen.

Der Diagnose Allergie sollte daher immer eine klinische Ausschlußdiagnostik anderer juckender Hauterkrankungen vorrausgehen. Die beinhaltet häufig Abklatsch-Zytologie oder bakterielle Kultur (Nachweis von Bakterien), Hautgeschabsel (Nachweis von Ektoparasiten) und teils auch eine diagnostische Therapie gegen Ektoparasiten, da diese oft nicht leicht zu finden sind. In manchen Fällen können auch Hautbiopsien helfen andere Erkrankungen auszuschließen.

Sie erwähnten die Hautbarriere - welche Faktoren beeinflussen deren Funktion?

Zunächst wird die Hautbarriere durch die Allergie selbst beeinflusst. Die Allergie verursacht eine Entzündungsreaktion, die sich durch Juckreiz und Rötung äußert. Bei Pferden, bzw. generell bei Tieren mit voller Behaarung, sieht man die Rötung auf dunkel pigmentierter Haut allerdings oft nicht so gut.

Bei allergischen Pferden ist die Hautbarriere oft schon geschädigt, bevor die ersten Symptome auftreten. Normalerweise muss man sich die äußerste Hautschicht wie eine Mauer vorstellen, die aus toten Hautzellen, den Keratinozyten, besteht. Die Keratinozyten bestehen aus Eiweiß und haben eine Funktion vergleichbar mit Ziegelsteinen in der Mauer – sie sollen undurchdringlich sein. Dazwischen gibt es einen Fettfilm, der normalerweise wie der Mörtel in einer Mauer funktioniert.

Dieser Fettfilm ist bei Allergien sowohl in seiner Struktur als auch in der Zusammensetzung gestört, und dies führt zu einer größeren Durchlässigkeit und Empfindlichkeit der Haut. Die Haut wird außerdem trockener und kann Feuchtigkeit weniger gut halten. Und trockene Haut juckt leichter, dass weiß jeder von sich selbst. Infektionserreger können dann viel leichter in die Haut eindringen, zumal sie in der Regel auch normalerweise immer auf der Haut vorkommen. Allerdings findet man sie meist nur an bestimmten Stellen und in geringer Anzahl. Da auf normaler Haut ein Gleichgewicht herrscht, welches starkes Wachstum von Bakterien verhindert. Wenn die Hautbarriere aber durch die Allergie bereits gestört ist, können sich Infektionserreger teilweise stark vermehren und dann ebenfalls zu Infektionen und Juckreiz führen. Dann kommt es beim Pferd zu Beissen, Kratzen, Scheuern oder Lecken, was die Haut noch zusätzlich traumatisiert – hier bedingt das Eine das Andere.

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