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Allergie Pferd Allergenvermeidung

Dr. med. vet. Ursula Mayer, tierärztliche Spezialistin für Allergien, Haut- und Ohrenkrankheiten in München/Augsburg

Allergie beim Pferd: Behandlung und Tipps zur Allergen-Vermeidung

Quaddeln auf der Haut, Juckreiz, der sich durch vermehrtes Scheuern und Beißen bemerkbar macht, Atemgeräusche und HustenAllergie Symptome beim Pferd können in vielen verschiedenen Formen auftreten. Für die Pferde bedeutet eine Allergie Stress und häufig beeinträchtigt sie auch die Leistungsbereitschaft des Tieres. Doch wie unterscheidet man allergische Reaktionen von anderen Erkrankungen und was kann man tun, wenn die Allergie beim Pferd eindeutig diagnostiziert wurde? Darüber sprach MeinAllergiePortal mit Dr. med. vet. Ursula Mayer, tierärztliche Spezialistin für Allergien, Haut- und Ohrenkrankheiten in München/Augsburg.

Frau Dr. Mayer, eine Allergie beim Pferd kann durch Pollen, Pilze bzw. Pilzsporen, Mücken, Parasiten oder das Futter ausgelöst werden. Was kommt in Ihrer Praxis am häufigsten vor?

Es gibt grundsätzlich fünf häufige Gruppen an auslösenden Allergenen. Beim Pferd kommt die Allergie auf Insekten am häufigsten vor, insbesondere das Sommerekzem. Es ist nachgewiesen, dass das Sommerekzem hauptsächlich von einer Mückenart namens Culicoides ausgelöst wird. Allerdings geht man davon aus, dass auch andere stechende Insekten hier eine Rolle spielen können.

Dann gibt es die Umweltallergie (auch Atopische Dermatitis genannt) gegen Allergene wie Pollen von Bäumen, Gräsern, Kräutern, Hausstaubmilben, die übrigens auch in den Ställen der Pferde vorkommen, sowie Vorratsmilben und Schimmelpilze. Dies sind die Allergene, die beim Menschen häufig Pollenallergie/Heuschnupfen und Pollenasthma auslösen und die auch bei Pferden Allergien auslösen können.

Die Futtermittelallergie beim Pferd ist die dritte Allergie, die aber wahrscheinlich bei Pferden am seltensten vorkommt. Hier besteht die Allergie auf die Inhaltsstoffe des Futters, also auf Stoffe, die über die Nahrung aufgenommen werden, nicht aus der Luft.

Die vierte Allergie, die beim Menschen häufig, bei Tieren allgemein und somit auch beim Pferd eher selten vorkommt, ist die Kontaktallergie.        

Die fünfte Gruppe sind allergische Reaktionen auf Medikamente, die sich beim Pferd häufig mit Urticaria (Nesselsucht) äußert, jedoch auch anderen Hauterkrankungen ähneln kann.

Die Allergiesymptome beim Pferd äußern sich dann also vornehmlich über die Haut oder die Atemorgane?

Die Haut ist bei Allergien bei Pferden, Hunden und Katzen am häufigsten betroffen. Das häufigste Symptom ist hier der Juckreiz. Beim Pferd kommt als mögliches Krankheitsbild noch Urticaria hinzu, die auch chronisch werden kann. Hier ist es teils extrem schwer das auslösende Allergen zu identifizieren. In seltenen Fällen kann es auch mal zum Angio Ödem beim Pferd kommen.

Eine weitere Ausprägung einer Allergie beim Pferd ist das Asthma bzw. COPD (Chronic Obstructive Pulmonary Disease) eine chronisch obstruktive Bronchitis. Dies äußert sich meist dadurch, dass das Pferd Husten entwickelt. Allerdings muss man sagen, dass COPD zwar zum Teil allergische Komponenten haben kann, diese aber nicht haben muss. Bei COPD beim Pferd spielt auch die Tatsache eine Rolle, dass Pferde, die ja Steppentiere sind, in Ställen mit einer gewissen Staubbelastung gehalten werden. Auch daraus ergeben sich Gründe für Atembeschwerden.


Gibt es bei Pferden auch so etwas wie Heuschnupfen?

Heuschnupfen bei Pferden habe ich persönlich noch nicht erlebt, allerdings dachte man auch lange, dass Heuschnupfen bei Hunden nicht auftritt, oder nur extrem selten. Jetzt stellt man fest, dass auch Hunde nicht selten allergische Konjunktivitis, d.h. eine Bindehautentzündung, entwickeln können. Allerdings bemerkt man dies nicht so leicht.

Wie unterscheidet man die Symptome der Allergie beim Pferd von anderen Krankheitsbildern?

Prinzipiell ist die Diagnose von Hauterkrankungen und damit auch von Allergien beim Pferd keine Blickdiagnose. Dies gilt für die Frage, ob es sich um eine Allergie handelt und wenn ja, auch für die Frage um welche Allergie es sich handelt.

Es gibt auch Hauterkrankungen beim Pferd, die nicht auf eine Allergie zurückgeführt werden können, aber ganz ähnlich aussehen. Hier muss man die Erkrankungen, die von sich aus einen Juckreiz auslösen, z.B. die parasitären Erkrankungen mit Ektoparasiten (z.B. Milben), unterscheiden von Erkrankungen, bei denen der Juckreiz erst durch die Sekundärinfektion mit Bakterien entsteht. Z.B. kann eine Seborrhö, bei der es zu übermäßiger Bildung von Hautschuppen kommt, Sekundärinfektionen nach sich ziehen. Sekundärinfektionen entstehen entweder weil das Immunsystem oder weil die Hautbarriere geschädigt ist. Dies ist bei vielen verschiedenen Hauterkrankungen der Fall. Die Bakterielle Erkrankung führt häufig zu Juckreiz unabhängig von der Grundursache. Bei der Diagnose wird man daher immer zuerst evtl. vorhandene Sekundärinfektionen behandeln um zu sehen, ob nach erfolgreicher Behandlung noch ein Juckreiz besteht.

Eine weitere bei Pferden nicht selten vorkommende Hauterkrankung sind Pilzinfektionen, so genannte Dermatophyten. Auch Pilzinfektionen können bei Pferden, besonders im Anfangsstadium, Juckreiz auslösen und sind zudem noch ansteckend - auch für Menschen.

Der Diagnose Allergie sollte daher immer eine klinische Ausschlußdiagnostik anderer juckender Hauterkrankungen vorrausgehen. Die beinhaltet häufig Abklatsch-Zytologie oder bakterielle Kultur (Nachweis von Bakterien), Hautgeschabsel (Nachweis von Ektoparasiten) und teils auch eine diagnostische Therapie gegen Ektoparasiten, da diese oft nicht leicht zu finden sind. In manchen Fällen können auch Hautbiopsien helfen andere Erkrankungen auszuschließen.

Sie erwähnten die Hautbarriere - welche Faktoren beeinflussen deren Funktion?

Zunächst wird die Hautbarriere durch die Allergie selbst beeinflusst. Die Allergie verursacht eine Entzündungsreaktion, die sich durch Juckreiz und Rötung äußert. Bei Pferden, bzw. generell bei Tieren mit voller Behaarung, sieht man die Rötung auf dunkel pigmentierter Haut allerdings oft nicht so gut.

Bei allergischen Pferden ist die Hautbarriere oft schon geschädigt, bevor die ersten Symptome auftreten. Normalerweise muss man sich die äußerste Hautschicht wie eine Mauer vorstellen, die aus toten Hautzellen, den Keratinozyten, besteht. Die Keratinozyten bestehen aus Eiweiß und haben eine Funktion vergleichbar mit Ziegelsteinen in der Mauer – sie sollen undurchdringlich sein. Dazwischen gibt es einen Fettfilm, der normalerweise wie der Mörtel in einer Mauer funktioniert.

Dieser Fettfilm ist bei Allergien sowohl in seiner Struktur als auch in der Zusammensetzung gestört, und dies führt zu einer größeren Durchlässigkeit und Empfindlichkeit der Haut. Die Haut wird außerdem trockener und kann Feuchtigkeit weniger gut halten. Und trockene Haut juckt leichter, dass weiß jeder von sich selbst. Infektionserreger können dann viel leichter in die Haut eindringen, zumal sie in der Regel auch normalerweise immer auf der Haut vorkommen. Allerdings findet man sie meist nur an bestimmten Stellen und in geringer Anzahl. Da auf normaler Haut ein Gleichgewicht herrscht, welches starkes Wachstum von Bakterien verhindert. Wenn die Hautbarriere aber durch die Allergie bereits gestört ist, können sich Infektionserreger teilweise stark vermehren und dann ebenfalls zu Infektionen und Juckreiz führen. Dann kommt es beim Pferd zu Beissen, Kratzen, Scheuern oder Lecken, was die Haut noch zusätzlich traumatisiert – hier bedingt das Eine das Andere.


Wenn eine Allergie beim Pferd einwandfrei festgestellt wurde, ist die Meidung des Allergens meist die primäre Strategie. Wie setzt man das bei allergischen Pferden um?

Das kommt auf das Allergen an. Hat das Pferd eine Futterallergie ist es einfach, denn dann lässt man das Allergen beim Füttern einfach weg.

Schwieriger wird es bei Insektenallergenen, denn hier kommt es darauf an, welche Insekten das auslösende Allergen in sich bergen. Eine sehr gute Möglichkeit bei der Behandlung des Sommerekzems beim Pferd ist, den Tieren Ekzemer-Decken umzuhängen. Um dies richtig zu machen ist es wichtig zu wissen, dass es sehr viele unterschiedliche Culicoides-Arten gibt, die bestimmte bevorzugte „Beißstellen“ haben. Manche beißen bevorzugt unten in den Bauch, andere in die Mähne und am Schweifansatz andere am Kopf. Die Decken müssen daher genau die Stellen bedecken, die betroffen sind, um Bisse verhindern zu können.  

Es gibt auch Decken für Pferde mit Allergien, die mit dem Wirkstoff Permethrin imprägniert sind, d.h. zusätzlich zum mechanischen Schutz durch die Decke werden die Mücken durch den Mückenschutz abgehalten. Das Einsprühen allein hat eine nicht so gute Wirkung und ist auch, wenn man es mehrmals täglich durchführen muss, sehr aufwändig. Am besten ist die Kombination von Decke und Mückenschutz auf der Koppel, bzw. beim Ausritt Mückenschutz allein.

Eine dritte Möglichkeit bei allergischen Pferden besteht darin, die Haltung des Pferdes so zu verändern, dass der Insektenkontakt möglichst stark eingeschränkt wird. Bei der Culicoides weiß man z.B., dass sie bevorzugt in der Dämmerung, morgens und abends sticht, so dass man in dieser Zeit die Tiere aufstallen sollte – die Mücken gehen nicht so gern in den Stall. Auch Plastikbändervorhänge am Stalleingang oder sehr engmaschige Mückengitter an den Fenstern halten die Mücken ab. Die diese Insekten Wind nicht so gerne mögen, weil sie keine guten Flieger sind, hilft auch ein Ventilator im Stall. Auch dunkle Ställe mögen die Mücken nicht.

Auch außerhalb des Stalls gibt es Maßnahmen, die zur Reduzierung der Mücken beitragen und so allergischen Pferden helfen. Man muss allerdings genau wissen, um welche Mückenart es sich handelt und wie diese lebt und sich vermehrt. Je nach Insektenart werden unterschiedliche Brutplätze bevorzugt, diese sollte man kennen. Wichtig ist es, die Koppel häufig abzumisten. Es kann auch helfen, den Misthaufen möglichst weit entfernt von Stall und Koppel zu platzieren. Es gibt auch Mittel, mit denen man den Misthaufen behandeln kann, um die Entwicklung der Insekten zu hemmen. Auch stehende bzw. fließende Gewässer in der Nähe können hier eine Rolle spielen.  

Bei einer Umweltallergie lassen sich die Allergene nur sehr schlecht vermeiden, denn Pollen fliegt und Milben sind überall. Anders ist dies bei Pferden mit Husten, die COPD haben – hier lassen sich durch Änderungen in der Haltung große Verbesserungen erzielen.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei der Allergie vom Pferd?

Als erstes behandelt man auch bei der Allergie beim Pferd immer die Sekundärinfektion - je nach Schweregrad mit Antibiotika oder mit antibakteriellen Shampoos. Die Hautpflege ist ebenfalls ein wichtiger Faktor. Hier wird versucht die Hautbarriere des Pferdes mit Sprays, Schaum oder Gel zu stärken. Von Innen stärkt man die Hautbarriere mit essentiellen Fettsäuren, bevorzugt mit Leinöl, das man dem Futter beigibt.

Eine Behandlungsmöglichkeit für Pferde mit Umweltallergien, z.B. auf Pollen, ist die Desensibilisierung. Man erzielt damit sehr gute Erfolge. Wenn die klinische Symptomatik passt und alle anderen Erkrankungen ausgeschlossen sind, nutzt man einen  Intrakutantest um zu ermitteln, welches Allergen die allergische Reaktion beim Pferd auslöst. Die Desensibilisierung kann dann genau auf dieses Allergen erfolgen.

Bei Pferden mit Insektenallergien ist eine Desensibilisierung leider nicht so gut möglich, denn es gibt sehr viele verschieden Mückenarten und hier sind Haupt- und Nebenallergene noch nicht bekannt. Hier gibt es viele falsch positive und falsch negative Testungen.

Ansonsten setzt man zur Behandlung der Allergie beim Pferd auch entzündungshemmende oder antiallergische wirkende Medikamente ein. Z.B. Kortison ein. Kortison kann jedoch auch zu gravierenden Nebenwirkungen führen, wenn es nicht fachgerecht eingesetzt wird.

Sie sprachen von essentiellen Fettsäuren und deren Einfluss auf die Hautbarriere. Wie wirken essentielle Fettsäuren bei der Behandlung eines Pferdes mit Allergie?

Essentielle Fettsäuren haben zwei Wirkmechanismen. Zum einen sind sie Bestandteil des Fettfilms der äußersten Hautschicht und verbessern diesen dadurch. Sie werden auch in die Zellmembranen der Haut eingebaut und wirken dort entzündungshemmend. Leinöl ist zudem noch frei von Nebenwirkungen. Das Öl muss aber bester Qualität sein, verdorbenes Öl verliert seine Wirkung schon bevor es beginnt, ranzig zu riechen.  Man kann aber auch direkt die Leinsamen verfüttern.

Ein ganz wichtiger Faktor ist eine optimale Fütterung. Haut und Fell bestehen zu großen Teil aus Eiweiß (Keratin) – 30 Prozent des Eiweißbedarfs von Pferden geht in Haut und Fell, auch gerade beim Fellwechsel. Deshalb rauben gerade Hauterkrankungen den Pferden auch sehr viel Energie. Eine gute Fütterung muss deshalb ausreichend Eiweiß und essentielle Fettsäuren enthalten und auch Mineralstoffe wie Biotin, Zink, Selen, Kupfer etc. müssen unter Umständen zugefüttert werden.

Der Bedarf an Zufütterung verwundert viele, da Wildpferde sich ja natürlicherweise nur von Gras und Heu ernähren. In der Heimat der Wildpferde ist diese Ernährung auch ausreichend. In Deutschland wird die Landwirtschaft jedoch eher mit dem Fokus auf schnelles Wachstum betrieben. Die Vielfalt der Kräuter ist auf unseren Wiesen nicht mehr in ausreichendem Maße vorhanden und Mineralstoffe im Futter fehlen. Man muss eigentlich immer zufüttern. Es gibt in Deutschland z.B. auch Regionen, in denen die Weiden selenarm sind. Bei Robustrassen muss besonders auf die Eiweiß/Energiequellen geachtet werden, da diese ansonsten zu verschiedenen gesundheitlichen Probleme unter anderem Hufrehe neigen können Es kann sich deshalb lohnen, eine auf das Pferd abgestimmte Berechnung der Futterzufuhrerstellen zu lassen. Das erspart dem Pferd Erkrankungen, die durch Mangelernährung verursacht werden, und dem Pferdebesitzer teure Tierarztrechnungen in der Zukunft.  


Man hat den Eindruck, dass Allergien bei Pferden erst in letzter Zeit vermehrt auftreten. Stimmt das? Wenn ja, woran liegt das?

Für den Menschen kann man sicher sagen, dass die Zahl der allergischen Erkrankungen in hochzivilisierten Regionen ansteigt, zumindest in der westlichen Welt. Auch bei Hunden treten zunehmend Allergien auf. Bei Pferden wissen wir es aktuell noch nicht.

Man kann aber sicher sagen, dass das Wissen um Allergien insgesamt zunimmt. Das Thema Allergie erfährt eine steigende Wahrnehmung in der Öffentlichkeit. Hinzu kommt, dass die Dermatologie in der Tiermedizin insgesamt noch nicht so lange im Fokus steht und dies gilt auch für die Pferdemedizin. Aus diesen Gründen zieht man auch bei der Pferdemedizin eine Allergie als mögliche Krankheitsursache heutzutage häufiger in Erwägung.

Frau Dr. Mayer, ich danke Ihnen für das Gespräch! 

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