Atopische Dermatitis Hund Hyposensibilisierung

Prof. Dr. Ralf S. Mueller, Medizinische Kleintierklinik am Zentrum für klinische Tiermedizin der LMU München zur Hyposensibilisierung beim Hund

Atopische Dermatitis beim Hund: Wie hilft die Hyposensibilisierung?

Mit welchen Kosten muss ein Besitzer für die Hyposensibilisierung des Hundes rechnen?

Die Kosten für die Hyposensibilisierung eines Hundes variieren. Dabei kommt es auf die jeweilige ausführende Klinik an und auch auf die Geographie. Auch die Nachfragesituation wirkt sich auf den Preis für eine Hyposensibilisierung des Hundes aus.

Ein wichtiger Faktor bei den Kosten für die Hyposensibilisierung des Hundes ist auch die für die Behandlung benötigte Menge an Allergenextrakt. Im Gegensatz zur humanen Allergentherapie wird die Hyposensibilisierung in der Veterinärmedizin sehr stark an die individuellen Bedürfnisse des Tieres angepasst. Bei Menschen werden anhand von Dosisfindungsstudien Standarddosierungen festgelegt, die jeder Patient gleichermaßen erhält. In der Tiermedizin wird dem Patienten bei einer Hyposensibilisierung zunächst alle vier Wochen ein Extrakt unter die Haut injiziert, in der Regel 1 ml. Danach wird die Dosis an die Reaktion des Hundes angepasst. Zeigt der Hund unmittelbar nach der Injektion starken Juckreiz, wird man die nächste Dosis reduzieren, hat der Patient kurz vor der Injektion Hautprobleme, wird man das Injektionsintervall verkürzen und wenn der Hund völlig symptomfrei ist, wird das Intervall verlängert.

Insbesondere zu Beginn der Behandlung werden Dosis und Intervall sehr häufig angepasst. Geht es dem Hund zu 90 Prozent besser, bleibt man bei der gewählten Strategie. Erreicht man eine 100prozentige Symptomverbesserung, versucht man die Dosis zu verringern und das Intervall zu verlängern, was die Therapiekosten senkt. Je nachdem wie oft der Hund welche Dosis des Allergenextraktes benötigt, kostet eine Hyposensibilisierungstherapie beim Hund zwischen 100,- und 300,- € im Jahr.

Und wie lange muss man beim Hund die Hyposensibilisierung durchführen?

Wir führen eine Hyposensibilisierung mindestens ein Jahr lang durch,  bevor wir die Behandlung wegen Erfolglosigkeit abbrechen. Oft dauert es Monate, bevor sich die atopische Dermatitis beim Hund sich bessert. Hat sich das Hautbild des Hundes nach einen Jahr verbessert und der Besitzer möchte die Behandlung fortsetzen, setzt man die Behandlung mindestens für ein Jahr fort.

Beendet man die Hyposensibilisierung nach zwei Jahren kann es sein, dass der Hund dauerhaft beschwerdefrei bleibt. Es kann jedoch auch sein, dass die atopische Dermatitis nach zwei Jahren oder sogar nach zwei Monaten wieder auftritt. In diesem Fall müsste man die Behandlung erneut beginnen.
Ich selbst hatte einen allergischen Hund, den ich über acht Jahre hinweg desensibilisiert habe, weil so die Neurodermitis perfekt unter Kontrolle war. Bei einer Hyposensibilisierung gibt es normalerweise keine Nebenwirkungen und deshalb war mir die Dauerbehandlung lieber, als das Risiko eines Rückfalls.

Benötigt man denn bei der Hyposensibilisierung des Hundes auch begleitende Maßnahmen?

Es kommt darauf an. Wie gesagt sieht man bei der Hyposensibilisierung des Hundes kaum Nebenwirkungen. Die häufigste Nebenwirkung ist bei manchen Patienten ein erhöhter Juckreiz nach der Injektion. Ich bewerte diesen Juckreiz aber als positives Zeichen, denn das bedeutet, dass das Immunsystem mit dem Vakzin arbeitet und das erhöht die Chance, dass der Patient auf die Behandlung anspricht. In den Griff bekommt man diese Nebenwirkungen durch das Verringern der Dosis oder durch die Gabe von Antihistaminika (am Morgen) vor der Injektion (am Abend).

Eine weitere Nebenwirkung bei der Hyposensibilisierung des Hundes ist der anaphylaktische Schock. Der anaphylaktische Schock ist beim Hund aber deutlich seltener als beim Menschen, bei Hunden habe ich das in 30 Jahren nur vier Mal erlebt! Sollte es dazu kommen, wird der Hund medizinisch versorgt, z.B. mit Adrenalin, Antihistaminika oder Kortison.     

Begleitende Maßnahmen können auch dann nötig werden, wenn die Vakzine nicht sofort wirken. Oft dauert es, wie gesagt, einige Monate, bis sich die Neurodermitis beim Hund bessert. In dieser Zeit würde man Infektionen oder Juckreiz zusätzlich zur Hyposensibilisierung medikamentös behandeln.

Gibt es für Hunde, wie bei Menschen auch, die Möglichkeit einer schnelleren Hyposensibilisierung?

Für Hunde gibt es auch eine schnellere Variante, die Rush-Immuntherapie, bei der sich ein Behandlungserfolg bereits nach zwei Wochen einstellen kann. Bei der Rush-Immuntherapie bekommt der Hund alle dreißig Minuten eine Allergen-Injektion. Der Hund bekommt dann die gesamte Induktionsbehandlung, die normalerweise zwei bis vier Monate dauert, an einem Tag verabreicht. So wird die Einführungstherapie beschleunigt und danach erfolgt dann die Erhaltungstherapie.  

Bei der Rush-Immuntherapie kann die Wirkung beim Hund schneller eintreten. In einer kleinen Studie an jeweils 10 Hunden konnten wir beobachten, dass die Symptomverbesserung bei der Rush-Immuntherapie nach 6 Monaten eintritt und damit deutlich schneller als bei der „normalen“ Hyposensibilisierung“, bei der es 9,3 Monate dauerte. Allerdings war diese Studie zu klein, um aussagekräftige Ergebnisse zu liefern.

Herr Prof. Mueller, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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