Atopische Dermatitis Hund Hyposensibilisierung

Prof. Dr. Ralf S. Mueller, Medizinische Kleintierklinik am Zentrum für klinische Tiermedizin der LMU München zur Hyposensibilisierung beim Hund

Atopische Dermatitis beim Hund: Wie hilft die Hyposensibilisierung?

Woran könnte es liegen, dass ein Hund Allergiesymptome zeigt, ohne sensibilisiert zu sein?

Aktuell ist diese Frage nicht geklärt.

Ursache könnte ein Allergen sein, das keine IgE-Vernetzung auf der Oberfläche von Entzündungszellen hervorrufen kann, weil die Molekülgröße zu klein ist, aber eine zelluläre Immunantwort hervorruft.

Eine weitere Möglichkeit ist, dass es sich um ein Allergen handelt, dass wir nicht testen. Es gibt viele tausend mögliche Umweltallergene, getestet werden jedoch nur 15, 20 maximal 40 Allergene.

Beim Menschen gibt es Patienten mit intrinsischer atopischer Dermatitis, bei der kein IgE vorhanden ist. Bei diesen Patienten ist auch das Gesamt IgE verschwindend gering. Das Gesamt IgE testet man bei Hunden jedoch nicht, weil die Hunde durch Ektoparasiten und Endoparasiten in der Regel immer hohe Gesamt IgE-Spiegel haben, die mit einer Atopie aber nichts zu tun haben. Es wäre sicher sinnvoll zu untersuchen, wie bei den Hunden, die trotz typischer Symptomatik negative Allergietests zeigen, der Gesamt IgE-Wert aussieht.

Wie stellen Sie die Diagnose für das „richtige“ Allergen für die Hyposensibilisierung beim Hund?

Anhand der Klinik und durch den Ausschluss möglicher anderer Erkrankungen stellt man fest, ob tatsächlich ein Umweltallergen die Ursache der atopischen Dermatitis beim Hund ist.

Ist dies der Fall, kann man auf das allergenspezifische IgE im Blut testen, d.h. man untersucht, ob im Blut des Hundes Antikörper gegen das Birkenpollen, Gräserpollen, Hausstaubmilben etc. zu finden sind. Eine andere Möglichkeit der Allergiediagnose beim Hund ist ein Hauttest. Dafür nutzen wir allerdings keinen Prick-Test, bei dem man das Allergen auf die mit einer Lanzette angeritzte Haut auftropft, sondern wir injizieren das Allergen direkt in die Haut, man nennt das Intrakutantest. In der Humanmedizin ist der Intrakutantest nicht die erste Wahl, weil hier das Risiko eines anaphylaktischen Schocks größer ist.

Anhand der Reaktionen und in Verbindung mit der Anamnese erfolgen dann eine Diagnose und die Auswahl des passenden Allergenextraktes für die Hyposensibilisierung des Hundes.

Wie hoch sind die Erfolgsaussichten für eine Hyposensibilisierung beim Hund?

60 bis 70 Prozent!

Basierend auf etwa ein Dutzend Studien an ca. 900 Patienten kann man die Erfolgsaussichten einer Hyposensibilisierung beim Hund so zusammenfassen:

•    Bei 20 Prozent der Hunde kommt es durch die Hyposensibilisierung zu einer Remission, d.h. der Hund hat keinerlei Symptome und benötigt keine Medikamente mehr

•    Bei 40 Prozent der Hunde sagt der Besitzer, dass sich die Symptome durch die Hyposensibilisierung deutlich reduziert haben, sie sind jedoch nicht völlig verschwunden und der Patient muss hin und wieder mit einem Antihistaminikum oder einem Shampoo behandelt werden

•    20 Prozent der Hunde-Besitzer berichten, dass die Symptome des Hundes sich zwar etwas verbessert haben, dass aber das Ergebnis in keiner Relation zu Aufwand und Kosten steht

•    20 Prozent der Hunde zeigen keinerlei Effekt

Basierend auf den bisherigen Studien sind diese Ergebnisse unabhängig vom Allergen. Viele Tierdermatologen haben jedoch den subjektiven klinischen Eindruck, dass die Hyposensibilisierung bei Hunden mit Pollenallergien besser funktioniert, als bei anderen Allergenen.

Welche Extrakte verwendet man für die Hyposensibilisierung beim Hund?

Wir verwenden in Europa zur Hyposensibilisierung der Hunde meist Aluminium präzipitierte Extrakte, die auch in der Humanmedizin eingesetzt werden. Für die für Tiere genutzten Allergenextrakte gibt es aber separate auf Veterinäre spezialisierte Firmen.

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