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Futtermittelunverträglichkeit Katze

Dr. Nina Glos Diplomate European College of Veterinary Dermatology und Fachtierärztin für Dermatologie der Kleintiere am Zentrum für Kleintiermedizin München zur Futtermittelunverträglichkeit bei Katzen

Futtermittelunverträglichkeit: Wenn die Katze das Futter nicht verträgt

Katzen können “heikel“ sein, wenn es um das Futter geht. Abgesehen von persönlichen Vorlieben kann es jedoch auch sein, dass die Katze das Futter schlicht „nicht verträgt“. Woran erkannt man bei Katzen eine Futtermittelunverträglichkeit? Handelt es sich dann immer um eine Allergie? Was kann man tun, wenn die Diagnose gesichert ist? MeinAllergiePortal sprach mit Dr. Nina Glos Diplomate European College of Veterinary Dermatology und Fachtierärztin für Dermatologie der Kleintiere am Zentrum für Kleintiermedizin München, darüber, was zu tun ist, wenn die Katze das Futter nicht verträgt.

Frau Dr. Glos, wie häufig haben Katzen eine Futtermittelunverträglichkeit und wie sehen die Symptome aus?

juckreiz und kahle stellen im kopfbereich bei der futtermittelallergie der katzeJuckreiz und kahle Stellen im Kopfbereich sind Anzeichen für eine Futtermittelallergie der Katze, Quelle: Dr. med. vet. Nina GlosFuttermittelunverträglichkeiten sind definiert als Reaktionen eines bestimmten Individuums auf einen üblicherweise harmlosen Inhaltsstoff im Futter. Es werden allergische und nicht-allergische Futtermittelunverträglichkeiten unterschieden. Etwa 6 Prozent der Katzen, die mit Hautproblemen überwiesen werden, leiden an einer allergisch bedingten Futtermittelunverträglichkeit.

Typischerweise zeigen diese Katzen hochgradigen, ganzjährigen Juckreiz, der sich saisonal nicht verändert und Gesicht, Kopf, Hals und/oder den Bauch betrifft.

Man hört häufig von Futtermittelunverträglichkeiten bei Katzen, nimmt die Erkrankung zu?

Möglicherweise nimmt die Erkrankung gefühlt zu, weil man weiß, dass Futtermittelunverträglichkeiten eine mögliche Ursache für Juckreiz sein können, aber  meines Wissens gibt es keine wissenschaftlichen Studien darüber, ob die Erkrankung wirklich zunimmt.

Viele Futtermittel für Katzen enthalten wenig Fleisch und hohe Pflanzenanteile, sowie diverse Zusatzstoffe. Weiß man, wie sich dies auswirkt bzw. ob es zu Unverträglichkeiten führen kann?

Häufig werden Futtermittelunverträglichkeiten durch das Eiweiß in der Nahrung ausgelöst. Ob das Verhältnis von Fleisch- und Pflanzenanteilen oder Zusatzstoffe dabei eine Rolle spielen ist, soweit ich weiß, bisher nicht wissenschaftlich untersucht worden.


Unterscheidet man bei Katzen auch zwischen allergisch und nicht-allergisch bedingten Futtermittelunverträglichkeiten?

Ja es werden allergische und nicht-allergische Futtermittelunverträglichkeiten unterschieden.

Allergische Futtermittelunverträglichkeiten basieren auf einem immunologischen Prozess (Futtermittelallergie, Futtermittelhypersensitivität). Nicht-allergische Futtermittelunverträglichkeiten sind nicht-immunologische Reaktionen und beinhalten die Futtermittelintoleranz und Intoxikationen (Vergiftungen).

Gegen welche Allergene können bei Katzen echte Nahrungsmittelallergien bestehen?

Echte Nahrungsmittelallergien sind definiert als eine abnorme Reaktion des Immunsystems, welche durch Kontakt zu einem bestimmten Futterbestandteil, häufig einem Eiweiß, ausgelöst wird.

Echte Nahrungsmittelallergien sind selten mit einem neuen Futter assoziiert, sondern kommen vor, wenn dasselbe Futter mehrere Monate oder sogar Jahre gefüttert wurde!  Häufigstes Anzeichen ist Juckreiz.

Gibt es besonders häufige Allergene bei der echten Nahrungsmittelallergie der Katze?

Häufige Allergene bei der echten Nahrungsmittelallergie der Katze sind Rind, Geflügel, Fisch, Milchprodukte, Lamm, Weizen, Maiskleber. Zusatzstoffe sind seltener Auslöser von Nahrungsmittelallergien.

Auf welche Futterbestandteile können Katzen unverträglich reagieren, obwohl es sich nur um eine nicht-allergische Unverträglichkeit handelt?

Futtermittelintoleranz und Intoxikationen (Vergiftungen) sind nicht-allergische Unverträglichkeiten. Bei der Futtermittelintoleranz kann es sich um ein stoffwechselbedingtes Problem handeln, wie beispielsweise ein Mangel an Verdauungsenzymen (Lactase- Mangel bei erwachsenen Katzen führt zu Milchunverträglichkeit) oder es kann zu einer pharmakologischen Reaktion führen, wie beispielsweise Histidin in verdorbenem Fisch welches im Darm zu Histamin umgewandelt wird.  

Ein Teil der Allergiediagnose bei der Katze ist die Ausschlussdiät mit anschließender Provokation. Welche Proteine kommen für diese Diät in Frage, angesichts der vielen Fleischarten im Katzenfutter?

Bei der Eliminationsdiät werden alle in der Vergangenheit gefütterten Eiweiße gemieden. Die Proteine der neuen Diät können daher keine klinischen Symptome auslösen. Die Auswahl der Eliminationsdiät sowie die strikte Einhaltung der Diät sind sehr wichtig.

Ein einfacher Wechsel von einem Trocken- oder Nassfutter zum Nächsten ist häufig nicht von Erfolg gekrönt, weil viele kommerzielle Futter gleiche Eiweiße (Proteine), Farb- und Konservierungsstoffe enthalten.


Was sollte man beachten, wenn man bei der Katze eine Eliminationsdiät durchführen soll?

Die Durchführung einer Eliminationsdiät kann sich oft schwieriger gestalten, als gedacht. In vielen Fällen ist die genaue Futterhistorie nicht (mehr) bekannt. Bei Katzen kann auch die Akzeptanz der neuen Diät ein großes Problem darstellen.

Mit älteren Personen und Kindern im Haus, sowie bei Freigängerkatzen kann eine strikte Eliminationsdiät nahezu unmöglich sein.
Generell wissen wir so gut wie nichts über Kreuzreaktionen von Futterantigenen (z.B. bei Rind, Wild oder Ziege)

Wäre hausgemachtes Katzenfutter für die Eliminationsdiät besser als das kommerzielle Katzenfutter?

Prinzipiell wird für die Eliminationsdiät eine Eiweiß- und eine Kohlenhydratquelle gesucht, die bisher nie gefüttert wurde. Da Katzen obligate Karnivoren sind, brauchen sie nicht unbedingt ein Kohlenhydrat. Ein neues Eiweiß als einzige Quelle für 4 (-6) Wochen ist ausreichend und kann die Akzeptanz der Diät erhöhen.

Die Verwendung von hydrolisierten Proteinen mit erniedrigter Allergenität ist ebenfalls eine Möglichkeit. Allerdings können bei Hunden – und nur für Hunde gibt es Studien - trotzdem allergische Reaktionen auf das hydrolisierte Protein beobachtet werden und aus diesem Grund sollte auch eine hydrolisierte Diät keine Eiweiße beinhalten, die bereits vorher gefüttert wurden.

Sollen hausgemachte Diäten langfristig gefüttert werden, müssen sie unbedingt bedarfsgerecht balanciert werden. „Balanciert“ bedeutet „ausgewogen“ und bezieht sich auf das "Gesamtpaket" der Ernährung. Wichtig sind vor allem Vitamine, Mineralien etc. und: Katzen brauchen Taurin! Balancierte Diäten sind somit entweder kommerzielle Eliminationsdiäten oder hausgemachte Diäten mit Mineralstoffmischungen, die entweder kommerziell erwerblich sind oder besser von einem Tierarzt für Tierernährung bedarfsgerecht ausgerechnet werden.

Besonderer Bedacht sollte bei Eliminationsdiäten für junge, wachsende Tiere an den Tag gelegt werden.

Auswahl der Proteine/Kohlenhydrate

Proteinquellen Kohlenhydratquellen
Pferd    Kartoffeln
Hirsch    Süßkartoffeln
Elch Kürbis
Ziege Pastinake
Kaninchen Tapioka
Strauß  
Krokodil     
Känguru  
Quelle: Dr. med. vet. Nina Glos

Wie lange sollte denn eine Eliminationsdiät bei der Katze dauern?

Die Dauer der Diät steht unter anhaltender Debatte. Bei Katzen sind in der Regel 4 Wochen ausreichend. Dabei ist zu beachten, dass es einige „Stolpersteine“ gibt.

Wenn Besitzer es gewohnt sind, Leckerli zu geben, sind Alternativen für eine erfolgreiche Diät nötig.
Kleine Fleischstücken, die im Ofen getrocknet werden, sind hilfreich (60-70° im Backofen für 4 bis 6 Stunden).

Viele Tabletten, z.B. Vitamine, Entwurmung, Antibiotika, Schmerzmittel, oder Zahnpasta sind mit Geschmacksstoffen und Proteinen versetzt. Darauf sollte während einer Diät immer geachtet werden.

Nach einer klinischen Besserung der Symptome während der Diät ist eine Verschlechterung durch eine Provokationsprobe (Wiederfüttern des alten Futters) nötig, um die Diagnose Futtermittelallergie zu stellen.

Eine Besserung der Symptome während der Diät und eine Verschlechterung mit dem alten Futter innerhalb von 2 Wochen mit wieder anschließender Besserung durch die Eliminationsdiät bestätigen die Diagnose Futtermittelallergie.

In dieser Phase ist es sehr wichtig, dass juckende Sekundärinfektionen der Haut mit Bakterien oder Hefen ausgeschlossen sind, damit diese das Ergebnis der Diät nicht maskieren können.

Kommt es zu keiner oder nur geringen Besserung der Symptome während der Diät und zu keiner Verschlechterung während der Provokation, leidet die Katze nicht unter einer Futtermittelallergie, sondern an einer Umweltallergie.

Wie sieht die Therapie bei erwiesener Futtermittelunverträglichkeit der Katze aus?

Die beste Therapie bei der Futtermittelunverträglichkeit der Katze ist die Allergenvermeidung. Freigänger sollten im Optimalfall während der 4-wöchigen Eliminationsdiät und wenn möglich auch danach im Haus gehalten werden. Dies ist aber in der Regel nur selten machbar. Trotzdem macht auch bei Freigängern die Allergenvermeidung Sinn. Wenn möglich sollten Nachbarn, bei denen die Katzen gefüttert wird oder mitfrisst, informiert werden, damit kein frei zugängliches Futter zur Verfügung steht.

Frau Dr. Glos, herzlichen Dank für dieses Interview!

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