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Otitis Ohrenentzündung Hund

Dr. med. vet. Kerstin Wildermuth, Tierdermatologie Dr. Wildermuth, Wiesbaden

Otitis beim Hund: Wann sind Ohrenerkrankungen allergisch bedingt?

Die Otitis externa ist eine häufige Erkrankung beim Hund. Gemeint ist eine Ohrenentzündung, die beim Hund einen starken Juckreiz auslöst. Die Ursachen für die Otitis können vielfältig sein, aber Allergien spielen dabei eine große Rolle. Woran erkennt der Hundebesitzer eine Otitis? Welche Ursachen sind möglich? Welche Allergene können Otitis auslösen? MeinAllergiePortal sprach mit Frau Dr. med. vet. Kerstin Wildermuth, Tierdermatologie Dr. Wildermuth aus Wiesbaden.

Frau Dr. Wildermuth, wie zeigen sich Ohrenerkrankungen beim Hund? Welche Symptome können auftreten?

Die klassische Otitis externa äußert sich bei jedem Hund anders. Am häufigsten zeigt sich die Otitis beim Hund durch Juckreiz an den Ohren, der sich durch Kopfschütteln oder Kratzen an den Ohren bemerkbar macht. Manche Hunde schieben sich auch auf den Ohren über den Rasen. Auch wenn die Ohren der Hunde verschmutzt erscheinen oder wenn die Besitzer einen seltsamen Geruch bemerken, der aus den Ohren kommt, kann dies auf eine Otitis hinweisen.

Bei der Otitis externa gibt es primäre, sekundäre, prädestinierende und perpetuierende Faktoren. Der primäre Faktor ist der Auslöser, das heißt z.B. eine  Allergie.

Sekundäre Faktoren beispielsweise Bakterien und Hefen, die den Juckreiz verstärken.

Oft glauben die Besitzer, ihr Hund habe Ohrenprobleme weil er häufig ins Wasser geht oder weil er „Schlappohren“ hat, dies sind aber nur prädestinierende Faktoren, die ohne einen primären Faktor nicht zur Otitis führen würden.  

Perpetuierende, d.h. aufrechterhaltende Faktoren wären z.B. ein durch die chronische Entzündung verdickter Gehörgang  oder ein kalzifizierter, d.h. verknöcherter Knorpel.   

Hunde kratzen sich ja häufig und auch an den Ohren, wann sollten Hundebesitzer prüfen, ob der Hund eine Otitis hat?

Generell gilt, wann immer ein Hund sich an den Ohren kratzt, hat das auch eine Ursache. So lange dies pro Tag einmal vorkommt, ist es sicher nicht unbedingt besorgniserregend. Kratzt der Hund sich aber mehrmals täglich oder ständig an den Ohren, sollt man dem nachgehen.

Welche Erkrankungen können denn eine Otitis beim Hund verursachen?

Am häufigsten – in ca. 90 Prozent der Fälle - ist die Otitis beim Hund allergisch bedingt. Bei jungen Hunden können Ohrenmilben ebenfalls eine Ursache für Otitis sein, die auch ansteckend sind. Allerdings sind Ohrenmilben bei Hunden weniger häufig als bei der Katze.

Im Sommer und im Herbst, wenn die Hunde über die Felder rennen, leiden viele unter Fremdkörpern in den Ohren, z.B. Grannen oder andere pflanzliche Materialien. Auch dies zeigt sich beim Hund durch akutes Kopfschütteln oder Kopfschiefhaltung.

Bei älteren Hunden können auch Tumoren in den Ohren die Ursache für eine Otitis sein, insbesondere wenn die Entzündung nur einseitig besteht.


Welche Allergien sind denn die häufigste Ursache für die Otitis beim Hund?

In den allermeisten Fällen sind Aeroallergene die Auslöser für die allergisch bedingte Otitis beim Hund. Die gleichen Umweltallergene, die auch beim Menschen eine allergische Rhinitis oder Asthma auslösen, sind auch für den Hund relevant. Dazu gehören Pollenallergene, Hausstaubmilben und Schimmelpilzsporen. Auch eine Futtermittelunverträglichkeit kann beim Hund häufig zur Otitis führen.

Spielen bei der Otitis beim Hund auch Sekundärinfektionen eine Rolle?

Die Gehörgänge sind beim Hund deutlich länger als beim Menschen. Sie sind nicht steril, insbesondere Bakterien und Hefen sind in Hundeohren immer vorhanden. Normalerweise lösen diese Bakterien und Hefen keine Probleme aus. Kommt es aber, bedingt durch eine Allergie, zu einer Entzündung, können sie sich stark vermehren.

Hinzu kommt, dass sich bei Hunden durch die Otitis die Ohrenschmalzproduktion verstärken kann, und das Ohrenschmalz ist wiederum ein guter Nährboden für Bakterien und Hefen. Da die langen Gehörgänge der Hunde oft auch durch die Entzündung recht eng sind, lässt sich das Ohrenschmalz manchmal nicht so leicht aus den Ohren entfernen. All diese Faktoren verstärken die Otitis und so entsteht ein Teufelskreis.  Normalerweise reinigen sich die Gehörgänge von selbst, aber bei chronischen Entzündungen funktioniert dieser Prozess nicht mehr.

Das heißt es ist wichtig, dass die Hundebesitzer die Otitis beim Hund schnell bemerken?

Je früher man die Otitis beim Hund behandelt, umso besser sind die Chancen auf eine rasche Heilung. Wird bei allergischen Ursachen die Allergie nicht rechtzeitig mitbehandelt, kann die Otitis chronisch werden und dann ist manchmal eine langfristige Behandlung der Ohren notwendig.

Außerdem gibt es Hunde, die den Juckreiz an den Ohren nicht so deutlich zeigen, so dass die Besitzer erst spät bemerken, dass die Ohren dem Hund Probleme bereiten. Die Otitis zeigt sich beim Hund in den unterschiedlichsten Schweregraden.


Wie behandeln Sie die Otitis beim Hund?

Je nach Schweregrad der Otitis, anatomischer Voraussetzung und Vorhandensein von Sekundärerregern ist die Behandlung der Ohrenentzündung beim Hund sehr unterschiedlich. Es gibt auch nicht die eine Salbe, die allen Hunden gleichermaßen hilft.  Deshalb wird zunächst durch einen Abstrich festgestellt, ob Hefen oder Bakterien vorhanden sind, um dann die Behandlung entsprechend abzustimmen.

Generell gibt es zur Behandlung der Entzündung spezielle Präparate, die meist eine Kombination aus einem Antibiotikum, einem Antimykotikum und Kortison enthalten und als lokal anzuwendende Salbe verwendet werden.

Oft wird diese Salbe mit einem Ohrenreiniger kombiniert, mit dem das Ohrenschmalz herausgelöst wird. Dazu wird eine Flüssigkeit ins Ohr des Hundes gegeben und der Gehörgang wird von außen massiert, eine Behandlung, die die Besitzer zuhause selbst durchführen können. Das aufgelöste Ohrenschmalz wird dann herausgeschüttelt. Das Spülen sollte in einem gewissen Abstand vor der Salbeneingabe erfolgen, damit der Gehörgang zuvor abtrocknen kann.  

Bei manchen Hunden hat sich das Ohrenschmalz schon so tief und dicht beim Trommelfell angereichert, dass ein konventionelles Spülen nicht mehr hilft. Der Tierarzt muss es dann unter Narkose entfernen.

Außerdem ist die Frage, ob das Trommelfell intakt ist und es gibt auch Medikamente, die eine Taubheit verursachen können, wenn sie mit dem Innenohr in Berührung kommen.

Seltener, bei schweren bakteriellen Infektionen, kann das Trommelfell perforieren und aus der Otitis externa wird eine Otitis media, eine Mittelohrentzündung. Meist sind es chronische Entzündungen, die zu einer solchen Komplikation führen.

Ist die Otitis bereits chronisch, d.h. wenn der Gehörgang sich durch die Entzündung bereits verengt  hat oder Proliferationen, d.h. Verdickungen, entstanden sind, kann auch eine zusätzliche systemische Behandlung angeraten sein. Dazu sind je nach Fall abschwellend wirkendes Kortison und/oder Antibiotika notwendig.

Wie lange dauert es in der Regel, bis die Otitis beim Hund ausgeheilt ist?

Bei chronisch erkrankten Hunden kann es Monate dauern, bis man die Entzündung im Griff hat. Wichtig ist dabei vor allem die Aufarbeitung und Behandlung der primären Ursache. Dabei sind regelmäßige Kontrollen wichtig, damit man die Behandlung entsprechend anpassen kann. Bei der chronischen Otitis ist die Behandlung aufwändig und oft frustrierend für die Besitzer.

Bei Hunden mit einer akuten Problematik ist die Otitis oft schon nach einigen Tagen oder Wochen verheilt. Normalerweise sprechen die Ohren im akuten Stadium recht schnell auf eine Behandlung an.

Auf jeden Fall sollte man mindestens so lange behandeln, bis Sekundärinfektionen mit Bakterien und Hefen zytologisch nicht mehr nachweisbar sind.

Wie geht man vor, wenn eine Allergie der Auslöser für die Otitis beim Hund ist?

Zeigt der Hund das ganze Jahr über immer wieder Otitis und steht es noch nicht fest, ob eine Umweltallergie oder eine Futtermittelallergie die Ursache ist, würde man parallel zur Behandlung der Ohren eine Eliminationsdiät durchführen. Man füttert dem Hund dann ausschließlich Futter mit einer für ihn neuartigen Protein- und Kohlenhydratquelle. Dadurch kann man überprüfen, ob das Futter die Symptome beeinflusst und nach Ende der Otitis-Behandlung sieht man, ob durch die Diät alleine ein Wiederauftreten der Otitis verhindert werden kann. Bessern sich die Symptome, würde eine Provokation mit dem alten Futter die Gewissheit bringen, dass der Hund eine Futtermittelallergie hat. Bessern sich die Symptome trotz strenger Eliminationsdiät nicht, kann man von einer Umweltallergie ausgehen.

Manchmal bekommt man auch den Hinweis, dass die Hunde nur im Sommer Ohrenprobleme bekommen, was ein Hinweis auf ein saisonales Problem, z.B. eine Allergie auf Gräserpollen sein kann.  


Zurück zur Eliminationsdiät: Der Hund muss dann ein Futter bekommen, das er noch nie zuvor gegessen hat?

Ja, die Eliminationsdiät muss eine für den Hund unbekannte Proteinquelle bzw. unbekannte Kohlenhydrate enthalten. Pferdefleisch stellt für viele Hunde eine solch neuartige Proteinquelle dar und wird deshalb häufig zur Eliminationsdiät eingesetzt. Heutzutage erhalten viele Hunde von ihren Besitzern eine selbst zubereitete Diät mit unterschiedlichen Fleischsorten. In solchen Fällen kann es eine Herausforderung sein, eine für den Hund neuartige Protein- und Kohlenhydratquelle zu finden. Deshalb ist eine ausführliche Fütterungsanamnese besonders wichtig. Bei konventionell gefütterten Hunden ist es meist leichter, ein für die Eliminationsdiät geeignetes Protein bzw. Kohlenhydrat zu finden.

Schwierig ist die Eliminationsdiät auch bei Hunden, die beim Spaziergang grundsätzlich alles fressen, was sie finden. Auch manchen Besitzern fällt es schwer darauf zu verzichten, dem Hund jeden Morgen beispielsweise sein Stück Käse zu geben, aber diese kleinen Mengen reichen aus, um Beschwerden zu verursachen, wenn der Hund darauf allergisch reagiert.

Bei der Futtermittelallergie kann man das auslösende Allergen weglassen, wie gehen Sie bei den Umweltallergien vor?

Die Behandlung der Umweltallergie ist ebenfalls von Hund zu Hund verschieden und richtet sich danach, wie ausgeprägt die Symptome sind, ob diese saisonal oder ganzjährig auftreten und ob auch noch andere Hautstellen ausser den Ohren betroffen sind. Generell stellt die allergenspezifische Immuntherapie bei Hunden mit chronischer Umweltallergie eine gute Behandlungsmöglichkeit dar. Spricht der Hund gut darauf an wird empfohlen, sie ein Leben lang fortzuführen.

Bei milden, saisonalen Symptomen kann es ausreichen, die Ohren regelmäßig zu reinigen oder ein mildes Hydrokortison ins Ohr zu applizieren, solange keine Sekundärinfektionen vorliegen.  

Weitere in der Tiermedizin eingesetzte Wirkstoffe für die Umweltallergie sind (je nach Schweregrad und Chronizität der Allergie) essentielle Fettsäuren, Antihistaminika, Kortison oder Ciclosporin. Relativ neu zur Behandlung von Juckreiz beim Hund ist der Wirkstoff Oclacitinib.

Frau Dr. Wildermuth, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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