Futtermittelunverträglichkeit Hund

Dr. med. vet. Anette Fach, Kleintierpraxis Oberursel

Futtermittelunverträglichkeit beim Hund: Auslöser, Diagnose und Therapie

Wie erstellen Sie die Diagnose „Futtermittelunverträglichkeit beim Hund“?

Zwar kann man auch beim Hund einen IgE-Test durchführen oder auch einen Intrakutantest, man misst hier jedoch immer nur einen Weg, den eine Allergie nehmen kann. Andere Sensibilisierungswege zeigen sich hierbei nicht und auch nicht-allergische Unverträglichkeiten können mit dem IgE-Test nicht diagnostiziert werden. Zudem liefert der IgE-Test auch häufig falsch positive Ergebnisse. Das bedeutet, laut Test ist der Hund auf ein bestimmtes Futtermittel sensibilisiert, de facto verträgt er es aber.       

auch an den ohren des hundes zeigt sich die futtermittelunvertraeglichkeitAuch an den Ohren des Hundes kann sich die Futtermittelunverträglichkeit zeigenBei Verdacht auf eine Futtermittelunverträglichkeit verwende ich deshalb nicht automatisch den IgE-Test, d.h. den Bluttest, sondern ich stelle die Diagnose ausschließlich über die Fütterung. Ein Bluttest ist mit ca. 100 € recht teuer, nicht unbedingt zielführend und ersetzt auch nicht die Eliminationsdiät. Letztendlich muss man sich auch nach einem IgE-Test sehr intensiv und individuell mit der Reaktion des Hundes auf das jeweilige Futter beschäftigen. Bei mir steht deshalb die Eliminationsdiät an erster Stelle, wenn es um die Diagnose einer Futtermittelunverträglichkeiten beim Hund geht.

Auf Wunsch des Hundehalters, wenn diese gerne „etwas Konkretes“ in der Hand haben wollen, führe ich natürlich auch einen IgE-Test durch. Zeigt sich dann eine IgE-vermittelte allergische Reaktion auf ein bestimmtes Futter, wird dieses bei der folgenden Eliminationsdiät ausgeklammert. Das bedeutet aber nicht, dass nicht noch weitere Unverträglichkeiten bestehen.

Was ist bei der Eliminationsdiät bei Hunden zu beachten?

Wichtig ist, dass die Eliminationsdiät beim Hund korrekt und lange genug durchgeführt wird. Es gibt Hunde, die bereits nach drei bis vier Wochen mit einer Besserung der Symptome reagieren. Bei anderen kann es sechs bis zwölf Wochen dauern, bis sich eine Besserung zeigt. Hat der Hund zusätzlich zu den Hautproblemen eine Otitis, d.h. eine Ohrenentzündung, dauert es manchmal sogar drei bis vier Monate, bis die Ohrenentzündung abgeheilt ist und es klar ist, inwieweit das Futter eine Rolle für die Beschwerden spielt.

Hinzu kommt, dass ein Hund häufig nicht nur auf einen Bestandteil des Futters reagiert, sondern auf mehrere Futtermittel. Zusätzlich können noch Reaktionen auf Pollen, Hausstaubmilben etc. hinzukommen. Echte Allergien sind immer Schwellenerkrankungen, d.h. es kommen mehrere Faktoren zusammen, aber erst wenn die individuelle Schwelle überschritten wird, kommt es zu klinischen Symptomen. Manchmal reicht es aus, ein bestimmtes Futtermittel wegzulassen, Parasiten oder eine Infektion zu bekämpfen, damit die jeweilige Schwelle wieder unterschritten wird und die Haut sich beruhigt. Deshalb dauert es manchmal so lange, bis man weiß, ob ein bestimmtes Futtermittel die Ursache ist oder eine bestimmte Therapie anschlägt. Gleichzeitig behandelt man die Infektionen der Haut.

Welches Futter bekommt der Hund während der Eliminationsdiät?

Am besten ist nach wie vor eine selbstgekochte Diät, weil man so wirklich alle Allergene kontrollieren kann. Bei den kommerziellen Diäten lassen sich z.T. nur einen Teil der potenziellen Allergene ausschließen. Der „Klassiker“ einer selbstgekochten Eliminationsdiät für den Hund ist Pferdefleisch mit Kartoffeln.

Der wichtigste Faktor bei der Eliminationsdiät ist jedoch eine gute Compliance des Herrchens.  Während der Eliminationsdiät darf der Hund wirklich nur ausschließlich die ausgewählte Eiweiß- und Kohlenhydratquelle zu sich nehmen. Auch eine Wurmkur oder orale Antibiotika sollten in dieser Zeit  nicht angewendet werden, was aber nicht immer möglich ist. Ist dies nicht vermeidbar, wählt man am besten pure Wirkstoffe ohne zusätzliche Geschmacksstoffe. Nur wenn der Hund wirklich nichts anderes als die verabredete Diät zu sich nimmt, kann man beurteilen, ob die Eliminationsdiät anschlägt. Ansonsten weiß man, wenn sich die Symptome nicht bessern, nicht genau, woran dies liegt. Eine Lösung für dieses Problem wäre ein Maulkorb für den Hund. Damit können sich viele Hundebesitzer jedoch nicht anfreunden, weil es den Eindruck erweckt, der Hund sei gefährlich.

Eine Eliminationsdiät ist im Grunde eine sehr einfache Form der Diagnose, aber in der Praxis ist sie sehr schwer umzusetzen. Schon ein Keks, der zu Boden fällt oder ein Brötchen auf dem Gehweg können den gesamten Prozess durcheinanderbringen und das Ergebnis beeinflussen, wenn sie vom Hund gefressen werden. Ganz wichtig ist auch, dass die ganze Familie und auch alle betreuenden Personen mitmachen. Es bringt nichts, wenn einer der Betreuer den Hund heimlich mit den falschen Dingen füttert. Oft erfährt der Tierarzt davon nichts und wundert sich, dass die Eliminationsdiät nicht anschlägt. Es gibt aber auch Familien, die sehr diszipliniert sind und dann auch gute Behandlungserfolge beim Tier erzielen, z.B. die Bordeauxdogge Lili, die fast haarlos in unsere Praxis kam und die heute durch eine tolle Compliance bei der Eliminationsdiät wieder gut geht .

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