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Qualzucht Hunde

Dr. med. vet. Angelika Drensler zum Thema Qualzucht bei Hunden - was läuft schief?

Qualzucht Hund: Was läuft schief bei Bully, Mops & Co?

Die Beliebtheit einer Hunderasse wird oftmals von der Mode bestimmt – häufig auch von populären Filmen. Hoch im Kurs stehen dabei manchmal Hunderassen, die als „Qualzuchten“ bezeichnet werden und bei denen gesundheitlich einiges „schief laufen“ kann. Dazu gehören auch sogenannte brachycephale Rassen, wie zum Beispiel der Mops, die Französische und die Englische Bulldogge. MeinAllergiePortal sprach mit Dr. med. vet. Angelika Drensler, Fachtierärztin für Kleintiere in Elmshorn darüber, was schief läuft bei Qualzuchten wie Bully, Mops & Co..

Frau Dr. Drensler, wann spricht man bei Hunden von Qualzucht?

Von einer Qualzucht spricht man dann, wenn bei der Zucht der Hunde auf die Verstärkung von Merkmalen gesetzt wird, die die Gesundheit und die Lebensqualität der betroffenen Tiere massiv einschränken. Dann wird das Tierwohl der Erreichung eines Zuchtzieles untergeordnet -  mit erheblichen Folgen. Ein Beispiel dafür sind die sogenannten brachycephalen Rassen.

Was macht die brachycephalen Hunderassen zu Qualzuchten?

qualzucht hunde bulldoggeBulldoggen gehören zu den brachycephalen Hunderassen - und damit zu den Qualzuchten!Bei den Hunden stehen momentan die brachycephalen – also die „kurzköpfigen“ Rassen - im Vordergrund der Diskussion, weil sie gerade sehr modern und beliebt sind. Es gibt sogar Zeitschriften für deren Liebhaber, zum Beispiel „Bullys - Das Magazin“.

 

 

 

Bei den brachycephalen Hunderassen wurde der Schädel immer kürzer gezüchtet mit der Konsequenz, dass er nun zu kurz für die Beherbergung der Atmungsorgane ist. Es ist aber nicht nur die verlegte Nase, die zu angestrengter Atmung und fehlender „Systemkühlung“ beim Hecheln führt.

 

 

Hinzu kommen bei Bully, Mops & Co. die folgenden Gesundheitsprobleme:

  •         das Hervorquellen der Augen
  •         die Zahnfehlstellung durch zu kurze Kiefer
  •         die Hornhautreizung durch die Haare auf der Nasenfalte
  •         die Neigung zu Rolllidern
  •         die dermatologischen Probleme, nicht nur in den Hautfalten
  •         neurologische Schäden durch die Schädelform
  •         Atemnot, auch durch eine Verengung der Luftröhre
  •         Verdauungsproblematiken durch Erweiterung der Speiseröhre und Abschlucken von Luft
  •         Gehörgangsdeformationen
  •         schwerwiegende Wirbelsäulenschäden und Hüftgelenksdysplasien

Aber: Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit!

Gibt es Bestrebungen, Qualzuchten wie die brachycephalen Hunderassen zu unterbinden?

Einer unserer Vorreiter im Kampf gegen das Brachycephalensyndrom und die Zucht von Mops, Französischer und Englischer Bulldogge ist Prof. Gerhald Oechtering, der in seinem Artikel „Wenn Menschen Tiere verformen“ die Probleme dieser Rassen sehr detailliert beschreibt.1)

Empfehlenswert ist auch der Blog des Kollegen Ralph Rückert, der besser als ich ausspricht, was die meisten Tierärzte denken und fühlen.


Nach dem Tierschutzgesetz müssten Qualzuchten auch bei Hunden doch eigentlich längst verboten sein, wo liegt das Versäumnis?

Das liegt an der Lobby dieser Tierzüchter. Es ist leider nicht möglich, ganze Rassen von der Zucht auszuschließen. Das hat auch die Kampfhundeproblematik vor 15 Jahren gezeigt. Damals durften zum Beispiel Staffordshire-Terrier nicht mehr gezüchtet werden. Trotzdem gab es sie weiter, egal ob vom Schwarzmarkt, aus dem Ausland oder aus dem „Tierschutz“. Sie hießen dann Boxermischlinge.

Wir Tierärzte versuchen nun durch Öffentlichkeitsarbeit, das Problem der Qualzuchten anzugehen. Die Tierbesitzer müssen erfahren, was sie den Tieren antun. Der Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) hat zugesagt, Hunde mit Qualzuchtkriterien nicht mehr zu Ausstellungen zuzulassen - ein ganz kleiner Schritt in die richtige Richtung.

Sie empfehlen, Tiere aus Qualzuchten nicht zu kaufen. Was wird empfohlen, wenn man ein solches Tier im Tierheim vorfindet?

Die Nachfrage ist sehr groß, größer als das Angebot. Wenn man als informierter, kritisch denkender Mensch in diese Situation kommt, sollte man die Nachfrage nicht noch erhöhen. Wenn die Liebe entfacht ist und man diesen Hund unbedingt „retten“ will, muss man sich im Klaren darüber sein, dass es ein lebenslanger, teurer und trotzdem schmerzhafter Prozess für beide sein wird.

Frau Dr. Drensler, herzlichen Dank für dieses Interview!

Quellen:

1)  Prof. Gerhard U. Oechtering, Wenn Menschen Tiere verformen“, Deutsches Tierärzteblatt1/2013