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Katzen Qualzucht

Dr. med. vet. Angelika Drensler zum Thema Qualzucht - Was heißt das für Katzen?

Krank durch Qualzucht: Was heißt das für Katzen?

Katzen sind in Deutschland das Heimtier Nummer 1. Meist handelt es sich um die Rasse Europäisch Kurzhaar, das heißt die „normale Hauskatze“, es gibt aber auch eine Vielzahl von Rassekatzenarten. Dazu gehören auch die sogenannten „Qualzuchten“ und die können Katzen krank machen. Was bedeutet es für Katzen, wenn sie einer Qualzucht-Rasse angehören? Darüber sprach MeinAllergiePortal mit Dr. med. vet. Angelika Drensler. Sie betreibt eine von der ISFM anerkannte „Catfriendly Clinic Gold“ in Elmshorn und ist Leiterin der AG-Katzenmedizin in der Deutschen veterinärmedizinischen Gesellschaft (DGK-DVG).

Frau Dr. Drensler, was versteht man bei Katzen unter einer „Qualzucht“?

Generell bedeutet „Qualzucht“, dass bei der Zucht von Tieren auf die Verstärkung von Merkmalen gesetzt wird, die die Gesundheit und die Lebensqualität der betroffenen Tiere einschränkt. Bei Qualzuchten wird das Leiden der Tiere für das Erreichen eines Zuchtzieles, das den Modelaunen der Züchter und Tierkäufer entspringt, bewusst in Kauf genommen.

Heißt das, bei Qualzuchten werden Katzen mit einer Missbildung herangezüchtet?

Grundsätzlich muss man sagen, dass eine Missbildung selten allein kommt. Mit der Veränderung des äußeren Erscheinungsbildes gehen häufig andere Pathologien einher, zum Beispiel bei der Manx-Katze neurologische oder orthopädische Probleme.

Zu welchen weiteren Missbildungen kommt es bei Katzen durch Qualzuchten?

Ich kann hier nur Beispiele nennen für die Ungeheuerlichkeiten, die wir Menschen den Tieren antun, nur weil es chic ist, etwas Besonderes zu besitzen, für das man viel Geld bezahlen muss.

Das schlimmste Beispiel von Qualzucht ist sicher die bereits erwähnte Manx-Katze. Die Schwanzlosigkeit dieser Katzen ist auf eine Genmutation zurückzuführen. Der Erbgang dieser Mutation ist autosomal dominant und führt dazu, dass reinerbige Nachkommen schon im Mutterleib sterben. Deshalb wird die Manx-Katze gezielt mit Britisch-Kurzhaar-Katzen gepaart. Die Zucht dieser Katzenrasse ist als Qualzucht anerkannt und wird trotzdem weiterhin praktiziert! Bei der Manx-Katze sind Wirbelmissbildungen, Defekte im Bereich des Beckens und des Rückenmarks, Nervenschädigungen, Enddarmschädigungen, Harn- und Kotinkontinenz, Fistelbildung zwischen Darm und Scheide oder das Fehlen der Afteröffnung nicht selten.

qualzucht sphynx katzeSphinx-Katzen gehören zu den Qualzucht-Rassen!Sphynx-Katzen, auch Nacktkatzen genannt, haben einen Gendefekt, der die Keratinbildung stört. Die Konsequenz: Die Haare brechen schon bei der Entstehung ab. Betroffen sind auch die für Katzen so wichtigen Tasthaare, weshalb mehrere Gerichtsurteile den Tatbestand der Qualzucht bestätigt und eine Zucht verboten haben. Wegen des Keratinmangels kommt es bei den Sphynx-Katzen häufig auch zu schmerzhaften Missbildungen an den Krallen.

Faltohrkatzen, zum Beispiel Scottish Fold, haben eine Genmutation, die nicht nur zu nach vorne geklappten unbeweglichen Ohren, sondern häufig auch zu Schäden in den Epiphysenfugen, das heißt den Wachstumsfugen, zu Gelenkdeformation und zu Osteochondrodysplasie – einer Knochen- und Knorpelfehlentwicklung - führt. Die betroffenen Kätzchen haben lebenslang Schmerzen bei jeder Bewegung. Die Erkrankung ist nicht heilbar und spricht nur ungenügend auf schmerzstillende Therapien an. Nebenbei fehlt einer Katze mit Faltohren ein Sinnesorgan und ein Ausdrucksmittel im sozialen Miteinander. Hinzu kommt: Weiße Faltohrkatzen kommen häufig taub auf die Welt. Und - last but not least - sind die zugeklappten Ohr anfälliger für Ohrenentzündungen.

 

 

qualzucht katzen perserkatzePerserkatzen gehören ebenfalls zu den Qualzucht-Rassen und leiden besonders unter Mund-, Augen- und Hautproblemen!Perserkatzen sind schon sehr lange eine beliebte Katzenrasse. Man nimmt in Kauf, dass sie nicht nur Zahnfehlstellungen und damit Gebissprobleme, sondern auch verlegte Tränennasenkanäle und dadurch ständig tränende Augen und Hautprobleme in der Tränenspur haben. Außerdem führt die Schädelform zu einem Hervorquellen der Augen. Dadurch ist ein Lidschluss nur ungenügend möglich, beispielsweise in der Nacht, und dies zieht häufig chronische Augenerkrankungen, wie beispielsweise Hornhautulzera, nach sich. Auch die Haare auf den Nasenfalten können auf dem Auge reiben und zu schmerzhaften Hornhautverletzungen führen, denen nur chirurgisch vorgebeugt werden kann. Und: Manche Perserkatzen sind nicht in der Lage, ihr Mäulchen zu schließen.

Wären diese bei Qualzuchten bewusst herangezüchteten Erkrankungen dann nicht ein Grund, dies zu verbieten?

Am Beispiel der Faltohrkatze möchte ich erklären, warum die Zucht dieser Katzen verboten werden sollte, auch wenn es nicht zu Knochen- und Gelenkerkrankungen käme. Zu den international anerkannten Forderungen für ein lebenswertes Leben JEDER Katze gehören fünf Säulen, von denen eine die Möglichkeit zum Ausleben natürlichen Spiel- und Jagdverhaltens ist. Im natürlichen Spiel- und Jagdverhalten verbringt die Katze die meiste Zeit des Tages damit, einer Beute aufzulauern. Dabei ist der wichtigste Sinn das Hören und die Ohren werden unabhängig voneinander wie Radarschirme bewegt, um die Lautäußerungen der Mäuse im Ultraschallbereich aufzunehmen und richtungsmäßig zu lokalisieren. Indem die Ohren zugeklappt und unbeweglich sind, wird der Faltohrkatze die Möglichkeit zum Ausleben eines essentiellen natürlichen Verhaltens genommen.

Frau Dr. Drensler, herzlichen Dank für dieses Interview!