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Corona-Lockdown Hunde Katzen

Corona-Lockdown: Was heißt das für Hunde und Katzen? Bild von StockSnap auf Pixabay

Corona-Lockdown: Was heißt das für Hunde und Katzen?

Die Corona-Lockdown-Maßnahmen während der COVID-19-Pandemie wirken sich nicht nur auf Menschen aus, sondern beeinflussen auch das Verhalten von Kleintieren wie Hunde und Katzen. Durch die Reduktion von Sozialkontakten ist für viele Menschen der Kontakt zum eigenen Haustier wichtiger denn je. Doch wie ergeht es den Tieren dabei? Wie die Vierbeiner mit den Veränderungen und Einschränkungen durch den Lockdown zurechtkommen, weiß Verhaltensexpertin Nadja Affenzeller von der Universitätsklinik für Kleintiere an der Vetmeduni Vienna.

Haustiere als emotionaler Anker in Krisenzeiten

Wissenschaftliche Studien aus der Humanmedizin bestätigen, dass der Lockdown zu einer allgemeinen Abnahme der mentalen Gesundheit und des Wohlbefindens beim Menschen führt. „Unsere Haustiere spielen gerade in dieser unruhigen Zeit eine wichtige Rolle. Denn Hunde, Katzen und Co. sind Quelle bedingungsloser emotionaler Unterstützung und Liebe, spenden Trost, geben dem Menschen Sicherheit und auch Stabilität. Die Nähe zum eigenen Tier kann die Reduktion von Sozialkontakten während der Ausgangsbeschränkungen kompensieren – wir fühlen uns weniger einsam. All das trägt zur mentalen Gesundheit bei", erklärt Nadja Affenzeller von der Universitätsklinik für Kleintiere an der Veterinärmedizinischen Universität Wien.

Laut einer Studie aus Spanien (Bowen et al., siehe Literaturhinweis), die mittels Online-Fragebogen durchgeführt wurde, gab circa die Hälfte der Befragten an, dass ihnen ihr Haustier wesentlich dabei hilft, die Krisenzeiten zu bewältigen. Auch die Arbeit von Ratschen et al. (siehe Literaturhinweis) zeigt, dass Menschen während des Lockdowns mehr emotionale Verbundenheit zu ihren Tieren verspürten. Neun von zehn meinten, dass ihnen ihr Haustier durch die COVID-19-Krise geholfen hat. Und fast 95 % der Befragten konnten sich nicht vorstellen, während des Lockdowns ohne ihren tierischen Gefährten zu sein.

"Dieser stressreduzierende Effekt lässt sich durch die sogenannte „Social buffering Hypothese“ erklären. Denn Haustiere gelten im weitesten Sinne meist als Familienmitglied und gehören einer sozialen Gruppe – dem Familienbund – an. Innerhalb dieser sozialen Gruppe können die einzelnen Sozialpartner Stressreaktionen gegenseitig abschwächen. Dadurch erhöht sich die Resilienz, d. h. die psychische Widerstandsfähigkeit, von Mensch und Tier gleichermaßen. Allerdings hängt die empfundene Nähe zu einem Tier nicht per se von der Tierart ab. Wir können uns mit Katzen, Hunden, Pferden und auch Vögeln oder Reptilien emotional verbunden fühlen und daraus Kraft schöpfen." so Nadja Affenzeller

Ängste und Unsicherheiten bei Tier und Mensch

Wie man mit der aktuellen Situation umgeht, hängt stark von der eigenen Persönlichkeit ab – das gilt gleichermaßen für Tiere wie für Menschen. Laut Bowen et al. machten sich KatzenbesitzerInnen Sorgen, ob ihr Tier auch während des Lockdowns eine adäquate tierärztliche Behandlung erhält und mit den notwendigen Medikamenten versorgt wird. 40 % der Befragten waren unsicher, ob sich ihre Katze wieder an den Alltag nach den Ausgangsbeschränkungen anpassen wird und dass die gegenwärtige Situation die gewohnte tägliche Routine beeinflusst. Bei HundehalterInnen stand die Einschränkung beim Gassi-Gehen mit dem eigenen Vierbeiner ganz oben auf der Liste.

„Für TierbesitzerInnen ist es vor allem wichtig zu wissen, dass die Versorgung ihres Tieres auch während eines Lockdowns zu jeder Zeit gegeben ist. Hunde- und KatzenbesitzerInnen können sicher sein, dass sich die heimischen TierärztInnen – unter Einhaltung aller vorgegebenen Präventionsmaßnahmen – auch in Krisenzeiten um das eigene Tier kümmern", betont Affenzeller.

Verhaltensänderung bei Hunden und Katzen

Durch Ausgangsbeschränkungen verändert sich der gewohnte Tagesablauf nicht nur für Menschen von heute auf morgen, auch unsere Haustiere sind davon betroffen. Laut Affenzeller verursacht der Lockdown bei vielen Menschen ein Gefühl reduzierter Lebensqualität. So kommt es vermehrt zu Konflikten und Spannungen innerhalb der Familie. Und auch die tägliche Routine ändert sich. In Folge können diese Umstände zu negativen Verhaltensweisen bei Hunden und Katzen führen.

Mögliche Verhaltensauffälligkeiten bei Hunden und Katzen sind:

  • Vermehrtes Heischen nach Aufmerksamkeit
  • Tiere reagieren nervös, sind gestresst oder frustriert
  • Vermehrtes Bellen bei Hunden
  • Hunde/Katzen reagieren ängstlich auf laute und/oder ungewohnte Geräusche
  • Aggression gegenüber anderen Artgenossen nimmt zu
  • Trennungsbasierte Probleme
  • Harn- und Kotabsetzen in den eigenen vier Wänden

„Diese Auffälligkeiten können als Ausdruck von Überforderung mit der gegenwärtigen Lebenssituation interpretiert werden. Die Bewältigungsstrategien der Tiere sind überschritten und dies spiegelt sich in Verhaltensänderungen wider“, erklärt die Verhaltensexpertin. Laut Bowen et al. intensivierte die Lockdownphase auffälliges Verhalten insbesondere bei Hunden und Katzen, die bereits zuvor Problemverhalten gezeigt hatten. „Verschlechtert sich das Problemverhalten des eigenen Tieres durch vermehrte emotionale Nähe, sollte man auf die Bedürfnisse seines Vierbeiners Rücksicht nehmen und ihm Rückzugsmöglichkeiten bieten“, empfiehlt Nadja Affenzeller.