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Medikamentenunverträglichkeit beim Hund

Wie in der Humanmedizin auch, ist bei vielen Medikamenten in der Tiermedizin mit Nebenwirkungen zu rechnen. Diese sind durchaus zu erwarten und auf den jeweiligen Wirkstoff zurückzuführen. Es kann beim Hund aber auch zu unerwarteten Unverträglichkeiten durch Medikamente kommen, die nicht explizit auf die Wirkung des Inhaltsstoffes zurückzuführen sind und die sich häufig an der Haut zeigen. Darüber sprach MeinAllergiePortal mit Dr. Stefanie Köbrich, Spezialistin für Veterinärdermatologie und –allergologie, Diplomate European College of Veterinary Dermatology in der Kleintierpraxis Dr. Janke, Dr. Pföhler und Dr. Köbrich in Neulußheim.

Frau Dr. Köbrich, welche Medikamente bzw. Wirkstoffe werden denn häufig von Hunden nicht vertragen?

Fallberichte zu unerwarteten Medikamentenreaktionen an der Haut kennt man zum Beispiel für nicht-steroidale Entzündungshemmer (NSAR). Ebenso ist bei einem Hund, der zu Durchfall neigt, auch nach der Gabe von NSAR Durchfall eher zu erwarten.

Hautveränderungen haben wir auch bei Metronidazol beobachtet. Metronidazol gehört zur Gruppe der Antibiotika, wird in Tablettenform verabreicht und wird zur Therapie von bakteriellen Infektionen bzw. bestimmten Formen von Durchfall eingesetzt. Durch Metronidazol verursachte Läsionen an der Haut findet man zum Beispiel am Bauch des Hundes, aber auch an anderen Körperstellen. Sie ähneln dem beim Menschen beschriebenen Erythema multiforme.

Gleiches gilt für Polymyxin, das zur Gruppe der Polypeptid-Antibiotika gehört. Auch Polymyxin kann lokale Unverträglichkeiten verursachen.

Durch Spot-on-Präparate kann es grundsätzlich immer zu Unverträglichkeitsreaktionen an der Haut, bzw. an der Applikationsstelle, kommen, zum Beispiel bei Präparaten mit dem Wirkstoff Permethrin. Permethrin ist in vielen Pudern, Sprays, Shampoos, Emulsionen und Lösungen enthalten, die der Bekämpfung von Läusen, Flöhen, Milben und Zecken bei Hunden dienen. Allerdings ist mein Eindruck, dass diese Unverträglichkeiten nicht auf den Wirkstoff zurückzuführen sind. Eher scheint es bei Permethrin-haltigen Arzneimitteln erstens durch die Art der Applikation und zweitens durch den Transmitter, der dafür sorgt, dass der Wirkstoff gleichmäßig auf der Körperoberfläche des Hundes verteilt wird, zu Unverträglichkeiten zu kommen.  

Eine Ausnahme bildet Amitraz, ein Arzneistoff aus der Gruppe der Amidine, der bei einigen der neueren Spot-on‘s gegen Ektoparasiten wie Milben und Insekten eingesetzt wird. Durch Amitraz kam es bei Hunden tatsächlich zu unerwarteten Nebenwirkungen durch den Wirkstoff selbst. Für zwei Amitraz-haltige Präparate scheinen bereits Fallberichte über das Auftreten von Pemphigus, einer blasenbildenden Autoimmunerkrankung der Haut bzw. Schleimhaut beim Hund, vorzuliegen.

Heißt das, bei Spot-on-Präparate für Flöhe und Zecken, sowie für Würmer kann es bei Hunden immer zu Unverträglichkeitsreaktionen kommen?

Nein, diese gilt nur für die Permethrin-Präparate, das heißt für die meisten Spot-on-Präparate zur Floh- und Zeckenprophylaxe. Dabei handelt es sich, wie gesagt, um Präparate, die nicht in die Haut eindringen, sondern auf der Haut verbleiben bzw. sich in den Talgdrüsen des Hundes ablagern. Um dies zu erreichen, setzt man Transmitter ein, die der Verteilung der Substanzen auf der Haut des Hundes dienen. Es sind wahrscheinlich diese Transmitter, die beim Hund die Unverträglichkeiten am Applikationsort verursachen.

Das gleiche gilt vermutlich auch für Floh- und Zecken-Halsbänder, wobei die Hunde dann vermutlich auf das Kunststoffband reagieren.

Bei den Präparaten zur Floh- und Zeckenprophylaxe gibt es jedoch auch Ausnahmen, zum Beispiel Spot-on’s mit dem Wirkstoff Bravecto. Bravecto wird resorbiert, so dass es nicht zu Unverträglichkeitsreaktionen an der Haut kommt.

Spot-on-Präparate, die gegen Würmer wirken, dringen ebenfalls in die Haut ein und wirken dann systemisch. Auch hier sind Unverträglichkeitsreaktionen an der Haut des Hundes nicht zu erwarten.

Aber auch bei Spot-on-Präparataten zur Hautpflege kann es bei Hunden zu Unverträglichkeiten kommen und sei es Haarausfall.

Kommt es bei Hunden durch Spot-on-Präparataten zur Hautpflege auch zu Unverträglichkeitsreaktionen am Applikationsort?

Auch durch Präparate, die bei den Hunden zu einer besseren Versorgung der Haut mit essenziellen Fettsäuren sorgen sollen, kann es bei einigen Tieren zu Nebenwirkungen am Ort des Auftragens kommen.

Aber, wie gesagt, auch die Art und Weise des Auftragens spielt eine Rolle. Rein empirisch kann ich sagen, dass es bei den Hunden, bei denen das Spot-on beim Auftragen über ein größeres Hautareal verteilt wird, deutlich seltener zu Hautreaktionen kommt, als bei  jenen, die das Mittel wirklich punktuell auf einer Stelle auftragen, so wie dies im Beipackzettel eigentlich empfohlen wird.

Grundsätzlich ist der Nachweis des exakten Auslösers einer Unverträglichkeitsreaktion auf Medikamente beim Hund ausgesprochen schwierig. Dafür müsste man dem Hund das Medikament erneut geben, und das verbietet sich aus ethischen Gründen. Wann immer der Verdacht besteht, dass es einen Zusammenhang zwischen einer Unverträglichkeitsreaktion an der Haut des Hundes und einem Medikament gibt, wird man das Medikament nicht mehr einsetzen.

Gibt es weitere Medikamente, auf die ein Hund unverträglich reagieren könnte?

Diverse Substanzen, die auf die Haut aufgetragen werden, können bei Hunden zu allergischen Hautreaktionen führen. Dazu gehören zum Beispiel Chlorhexidin, ein klassisches Hautdesinfektionsmittel bei der Vorbereitung auf Operationen oder alle Conazole, die als Fungizid eingesetzt werden. Aber auch alle Pflege- und Reinigungsprodukte für Hunde können bei einzelnen Individuen zu allergischen Hautveränderungen führen. Das gilt ausdrücklich auch für naturheilkundliche, pflanzliche Präparate.

Zudem gibt es einen Impfstoff, bei dem man Unverträglichkeitsreaktionen beobachtet hat.


Auf welchem Impfstoff können Hunde unverträglich reagieren?

Bei einem bestimmten Impfstoff gegen Tollwut gibt es Befürchtungen, dass es dadurch, speziell beim Jack Russel, zu einer Vasculitis kommen könnte. Dabei handelt es sich um eine Entzündung kleiner und mittlerer Gefäße verschiedener Organsysteme, die durch eine Immunreaktion hervorgerufen wird. Dadurch kommt es, vor allen Dingen in Endgebieten, an den Extremitäten, zu verstopften Blutgefäßen. Die verstopften Blutgefäße wiederum führen zu einer Unterversorgung mit Blut, Blutarmut und, im schlimmsten Fall, zu Nekrosen, d.h. zum Absterben des Gewebes. Die Reaktion kann auch Wochen nach der Impfung auftreten, sowohl an der Injektionsstelle als auch an den Extremitäten. Bei kurzhaarigen Hunden können die Besitzer die Veränderungen relativ früh bemerken. Bei Hunden mit dickem Fell und langen Haaren kann es sein, dass die Vasculitis nicht so schnell bemerkt wird.

Auch hier wissen wir nicht, ob es der Virus bzw. dessen Bruchstücke oder das Adjuvans ist, das für diese Symptome verantwortlich ist.

Könnten Sie bitte die möglichen Hautsymptome einer Medikamentenunverträglichkeit beim Hund nochmals zusammenfassen?

Zu den dermatologischen Symptome bei Hunden, die auf Arzneimittel unverträglich reagieren, gehören Juckreiz, Rötungen, Entzündungen, Hautläsionen und Bläschenbildung. Auch Nesselsucht oder Schwellungen können im zeitlichen Zusammenhang mit Medikamentengaben auftreten. Durchfälle wären dann eher gastrointestinale Reaktionen, zum Beispiel aufgrund einer Nahrungsmittelunverträglichkeit.

Eine absolute Sicherheit gibt es bei der Medikamentenunverträglichkeit beim Hund nicht, weil auch viele andere Faktoren die Ursache für die Symptome sein können. Dazu gehören zum Beispiel Insektenstiche, weshalb der zeitliche Zusammenhang zu einer Medikamentengabe oft der maßgeblichste Hinweis ist. Aber: Schon wenn man nur vermutet, dass ein Zusammenhang zwischen allergischen Reaktionen und einem Medikament bestehen, ist es sicherer, es nicht erneut zu verabreichen.

Gibt es für die Medikamentenunverträglichkeit Risikofaktoren?

Wenn der Hund bereits ein allergisches Grundproblem und somit eine gestörte Hautbarriere hat, ist das Risiko einer Unverträglichkeitsreaktion auf irritierende Substanzen höher. Bei Hunden mit atopischer Dermatitis werden sehr gerne Hautprodukte eingesetzt, um die Hautbarriere zu stärken. Diese Produkte müssen jedoch sorgfältig ausgewählt werden, damit es nicht zu zusätzlichen Hautirritationen kommt. Pflegeprodukte für Menschen sollten bei Hunden auf keinen Fall zu Einsatz kommen, da sie nicht zum pH-Wert der Haut des Hundes passen.

Bei den typischen Nebenwirkungen von Medikamenten, also nicht bei den Medikamentenunverträglichkeiten, gibt es auch durchaus Unterschiede je nach Rasse, aber auch individuell.

Gibt es denn für Hunde alternative Medikamente, wenn sie sie nicht vertragen?

Wenn ein Hund auf den Tollwut-Impfstoff allergisch reagiert, gibt es keine Alternative. Dann sollte der Hund sollte keine Tollwut-Impfungen mehr erhalten, was innerhalb Deutschlands kein Problem darstellt, aber der Hund kann dann bei Auslandsurlauben nicht mitkommen.

Bei Medikamenten in Form von Tabletten gibt es die Möglichkeit, zum Beispiel die Antibiotika-Gruppe zu ändern. Bei Antiphlogistika bzw. entzündungshemmenden, schmerzlindernden Medikamenten kann man ebenfalls die Wirkstoffgruppe wechseln oder Präparate finden, die zum Beispiel weniger Durchfall verursachen.

Bei Cremes und Salben gibt es ebenfalls ausreichend Alternativprodukte.

Frau Dr. Köbrich, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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