Immuntherapie SIT Katze Neurodermitis Asthma

Prof. Dr. Ralf S. Mueller, Medizinische Kleintierklinik am Zentrum für klinische Tiermedizin der LMU München zur SIT bei der Katze!

Immuntherapie der Katze: Hilft sie bei Neurodermitis und Asthma?

Neurodermitis bzw. atopische Dermatitis und Asthma findet man auch bei Katzen. Wenn die Ursache eine Allergie ist, könnte eine Immuntherapie bzw. spezifische Immuntherapie (SIT), auch „Hyposensibilisierung“ oder „Desensibilisierung“ genannt, helfen. Im Gegensatz zu Medikamenten, die bei der Katze nur die Symptome der Allergie bekämpfen, kann die SIT ursächlich wirken. Dabei wird das Immunsystem der Katze langsam an das Allergen gewöhnt. Wie aber funktioniert eine SIT bei Katzen mit Neurodermitis? MeinAllergiePortal sprach mit Prof. Dr. Ralf S. Mueller, Medizinische Kleintierklinik am Zentrum für klinische Tiermedizin der LMU München.

Herr Prof. Mueller, bei welchen allergischen Erkrankungen bzw. unter welchen Umständen würden Sie bei Katzen eine Hyposensibilisierung empfehlen? 

Aussagekräftige Studien für eine Hyposensibilisierung bei der Katze gibt es zurzeit nur für die Behandlung der Neurodermitis, d.h. der atopischen Dermatitis bei der Katze.

Hier muss man jedoch vorausschicken, dass die Neurodermitis bei der Katze nicht so gut definiert ist, wie beim Hund oder beim Menschen. Das bedeutet, die Diagnose ist nicht so leicht zu stellen. Man ist sich bei der Katze nicht einig darüber, welche Reaktionsmuster bei der Katze tatsächlich als atopische Dermatitis zu werten sind. Vergleichbar ist dies in etwa mit dem Asthma beim Menschen, das allergisch bedingt sein kann, oder auch nicht.

Die Haut einer Katze kann aufgrund von Umweltbedingungen mit einer Art Neurodermitis reagieren, aber auch viele andere Ursachen sind möglich.

Sind tatsächlich Umweltbedingungen die Ursache für die atopische Dermatitis bei der Katze, kann man desensibilisieren. Dazu gibt es einige Fallserien, aber leider zurzeit keine guten Studien.

Gibt es weitere allergische Erkrankungen der Katze, bei denen eine Hyposensibilisierung helfen könnte?

Das feline Asthma kann ebenfalls atopisch, d.h. allergisch, oder nicht atopisch bedingt sein. Für das atopische feline Asthma gibt es gute Daten aus einer amerikanischen Studie in einer Katzenkolonie, die künstlich sensibilisiert wurde, d.h. eine Allergie auf Hausstaubmilben wurde künstlich erzeugt. Hier konnte man zeigen, dass eine Immuntherapie, auch eine Rush-Immuntherapie, im Prinzip funktioniert und die Symptome erfolgreich behandelt. Studien zur Hyposensibilisierung von Katzen, die als Haustiere gehalten werden, gibt es meines Wissens aber nicht, hier gibt es lediglich Berichte.

Wie übertragbar sind die Ergebnisse einer Studie an künstlich sensibilisierten Katzen auf „das wirkliche Leben“?

Das ist situationsabhängig. In manchen Fällen waren die Ergebnisse solcher Studien sehr gut in die Praxis übertragbar, in anderen Fällen nicht.

Meine eigenen Erfahrungen mit der Desensibilisierung asthmatischer Katzen, die auf Pollen oder Hausstaubmilben allergisch waren, waren den Ergebnissen der Studie an der Katzenkolonie sehr ähnlich - die Behandlungen waren bei mehr als der Hälfte der Katzen erfolgreich. Allerdings handelt es sich hierbei um Einzeldaten und nicht um wissenschaftliche oder gar Placebo-kontrollierte Studien.

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