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Veterinärdermatologie Allergie Tiere DGVD

Dr. Patricia Werhahn, Klinik für Kleintiere in Sottrum und Präsidentin der Deutsche Gesellschaft für Veterinärdermatologie zu Allergien bei Tieren und der Rolle der DGVD!

Fokus Veterinärdermatologie: Ein Portrait der DGVD!

Hunde und Katzen sind mittlerweile recht häufig von Allergien betroffen, deutlich häufiger, als in früheren Zeiten. Das stellt auch die Veterinärmediziner vor neue Herausforderungen, denn Allergien zeigen sich bei Hunden und Katzen meist über die Haut. Diagnose und Behandlung sind oft diffizil. Unterstützung bei der Diagnose und Therapie von Hauterkrankungen bzw. Allergien bei Tieren gibt den Tiermedizinern die Deutsche Gesellschaft für Veterinärdermatologie (DGVD). Was die DGVD den Tierärzten bietet und warum die Veterinärdermatologie immer wichtiger wird, berichtet Dr. Patricia Werhahn, Klinik für Kleintiere in Sottrum und Präsidentin der Deutsche Gesellschaft für Veterinärdermatologie (DGVD) im Interview mit MeinAllergiePortal.

Frau Dr. Werhahn, die Deutsche Gesellschaft für Veterinärdermatologie gibt es bereits seit 20 Jahren, wie viele Mitglieder hat die DGVD?

Die DGVD hat  zurzeit 405 Mitglieder - Tendenz steigend! Die Veterinärdermatologie ist zwar eine Nische in der Veterinärmedizin, aber in den letzten Jahren hat das Thema deutlich an Bedeutung hinzugewonnen. Die Dermatologie spielt in der Tiermedizin zunehmend eine Rolle.

Woran liegt es, dass die Veterinärdermatologie in der Tiermedizin wichtiger wird?

Das liegt zum einen daran, dass die dermatologischen Erkrankungen bei Tieren zunehmen. Zum anderen liegt der Fokus der tiermedizinischen Forschung mehr und mehr auf dermatologischen Fragestellungen.

Eine Zielsetzung der Deutschen Gesellschaft für Veterinärdermatologie ist es deshalb, das Wissen um die Veterinärdermatologie unter den Tierärzten stärker präsent zu machen. Wir wollen die Kollegen dazu motivieren, sich weiter mit diesem Gebiet auseinanderzusetzen und sich veterinärdermatologisch fortzubilden.

Wie unterstützt die DGVD ihre Mitglieder bei der Weiterbildung?

Zum einen informieren wir auf unserer Homepage über Fortbildungen und Kongresse, sowohl in Deutschland als auch international. Weiter präsentieren wir auf unserer Homepage Fälle aus der Praxis, die auch der Orientierung dienen sollen.

Ein weiteres Beispiel für das Angebot der DGVD ist ein Webinar zum Thema Pododermatitis, eine Erkrankung der Pfoten, das die Vorgehensweise bei der Untersuchung, Diagnose und Behandlung der Erkrankung präsentiert. Dieses Angebot wollen wir weiter ausbauen.

Außerdem informieren wir unsere Mitglieder regelmäßig über die neusten wissenschaftlichen Publikationen.

Auch durch unsere dermatologischen Ortsgruppen schaffen wir die Möglichkeit, sich mit Kollegen auszutauschen.   


Sie hatten erwähnt, dass der Stellenwert von Hauterkrankungen in der Tiermedizin steigt, woran liegt das?

Wie gesagt, treten im Vergleich zu früheren Zeiten zunehmend Hauterkrankungen auf, insbesondere deutlich mehr Allergien. Inklusive Flohspeichelallergien sind die allergischen Erkrankungen eines der häufigsten Hauterkrankungen in der Tiermedizin. Insbesondere bei der Katze stehen Flohspeichelallergien ganz weit oben auf der Liste allergischer Erkrankungen. Ganz besonders sind hiervon die Freigängerkatzen betroffen, denn hier gibt es zahlreiche Möglichkeiten, sich Flöhe einzufangen. Auch schaffen es die Tierbesitzer oft nicht, die Medikamente rechtzeitig und regelmäßig genug zu verabreichen. Hinzu kommt, dass man die Flöhe nicht immer bemerkt. Es gibt allerdings auch sehr viele Hauskatzen, die Flöhe haben oder eine Flohspeichelallergie entwickeln.     

Kann man sagen, wie hoch der Anteil allergischer Erkrankungen bei den Hauterkrankungen bei Tieren ist?

Neben den Flohspeichelallergien sind Katzen häufig von Allergien auf Umweltfaktoren wie z.B.Pollen oder z. B. Hausstaubmilben betroffen, sie können aber auch häufig auf Futter reagieren.
Auch bei Hunden tritt sehr häufig eine Atopie auf, man geht von ca. 10 Prozent der Hundepopulation aus, bei Katzen dürfte das ähnlich aussehen.

Sind hier Rassen häufiger von Allergien betroffen als andere?

Bei den Katzen ist dies nicht der Fall, aber bei den Hunden durchaus. Hunderassen wie Terrier, z.B. Yorkshire Terrier oder West Highland White Terrier, sowie Golden Retriever, Labrador, Bulldogge, Deutscher Schäferhund, Dalmatiner, Boxer etc. entwickeln häufiger Allergien. Man weiß, dass die Neigung zu Allergien bei diesen Hunderassen auch vererbt wird.   


Kann man daraus schließen, dass Hundemischlinge seltener Allergien entwickeln?

Das kommt darauf an, wie groß der genetische Anteil der Rasse ist, die von Allergien betroffen ist. Eine Garantie, dass der Hund keine Allergien entwickelt, gibt es auch bei Mischlingen nicht.

Sieht man beim Tier, ähnlich wie beim Menschen, den „western Lifestyle“ als eine mögliche Ursache?

Man vermutet, dass bei den Tieren ähnliche Mechanismen greifen, wie bei den Menschen.

Auch die Tiere werden heutzutage hygienischer gehalten, als früher. Tiere wurden früher in der Regel auf Höfen gehalten und hatten wesentlich mehr Freiheiten, als heutzutage. Heute leben Tiere in schicken Wohnungen, werden sauberer gehalten und haben ein  anderes Umfeld. Die Allergenexposition ist dadurch reduziert.

Deshalb geht man davon aus, dass auch das Immunsystem der Tiere, ähnlich wie beim Menschen, weniger Reize erfährt.  Gerade in jungen Jahren sollte das Immunsystem gefordert werden und sich unter anderem auch mit vielen verschiedenen Allergenen auseinandersetzen, um trainiert zu werden. Dies ist auch bei Tieren immer seltener der Fall und so kann es zu Überreaktionen und zur Entwicklung von Allergien kommen.

Wir hören häufig von Tierhaltern, dass ihre an Hauterkrankungen leidenden Vierbeiner bereits seit langer Zeit ohne Erfolg behandelt werden, warum werden Allergien bei Tieren manchmal nicht erkannt?

Hauterkrankungen bei Tieren können sehr vielfältig sein. So gibt es Hauterkrankungen, die sich zwar auf die gleiche Art und Weise zeigen, aber völlig unterschiedliche Ursachen haben.  Die Untersuchung dieser Patienten erfordert sehr viel Zeit und einige Erfahrung .  Auch besonders die Diagnostik von Allergien setzt eine intensive Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Krankeitsfall   voraus.

An erster Stelle steht eine ausführliche Anamneseerhebung (Vorgeschichte) des Patienten.

Es geht um die Lebensumstände des Tieres, die Fütterung, das Erscheinungsbild der Haut am Anfang und zum jetzigen  Zeitpunkt, die durchgeführten Therapien und ihre Auswirkungen usw.
Daraufhin erfolgt eine Allgemeine klinische Untersuchung und eine spezielle dermatologische Untersuchung. Dabei werden verschiedene Hautproben (u.a. Hautgeschabsel,  Tesafilmproben, Abklatschpräparate, Haarproben) gesammelt und untersucht . Soweit erforderlich folgen Blutuntersuchungen, spezielle Tests, Biopsien usw..

Der Weg bis zur endgültigen Diagnose, besonders bei Allergien, kann einige Zeit in Anspruch nehmen und erfordert viel Geduld von Seiten des Tierbesitzers.

Steht die Diagnose wird gemeinsam  ein Behandlungsplan erstellt. Auch bei der Therapie, wie schon erwähnt,  ist eine hohe Compliance von Seiten der Tierbesitzer wünschenswert, da manche Therapien aufwendig  sind und eine Verbesserung der Symptome nicht von heute auf morgen zu erwarten ist .

Besonders bei Allergien ist eine lebenslange Therapie mit verschiedenen Medikamenten  erforderlich.

Bei komplizierteren Fällen, d.h. wenn  die Symptome des Tieres trotz Behandlung nicht besser werden oder immer wieder von neuem auftreten, ist es sinnvoll, sich an einen spezialisierten Tierdermatologen zu wenden, auf unserer Homepage gibt es hierfür eine Tierarztsuche.

Frau Dr. Werhahn, herzlichen Dank für dieses Gespräch!