Flohprophylaxe Hund Katze Abtötungsgeschwindigkeit

Dr. med. vet. Kerstin Wildermuth, tierärztliche Spezialpraxis für Dermatologie, Allergologie und Ohrenerkrankungen in Wiesbaden zur Flohprophylaxe bei Hund und Katze und die Rolle der Abtötungsgeschwindigkeit!

Flohprophylaxe bei Hund und Katze: Die Rolle der Abtötungsgeschwindigkeit

Wenn Hunde oder Katzen eine Flohallergie haben, muss ein Flohbefall wirksam vermieden werden. Dafür setzt man Präparate zur Flohprophylaxe ein. Aber: Welche Präparate sind die richtigen und was muss eine Flohprophylaxe leisten, um Hund und Katze schnell und dauerhaft zu helfen? MeinAllergiePortal sprach mit Frau Dr. med. vet. Kerstin Wildermuth, tierärztliche Spezialpraxis für Dermatologie, Allergologie und Ohrenerkrankungen in Wiesbaden über die Flohprophylaxe bei Hund und Katze und die Rolle der Abtötungsgeschwindigkeit.

Frau Dr. Wildermuth, welche Rolle spielt die Abtötungsgeschwindigkeit von Flöhen bei der Flohprophylaxe von Hund und Katze?

Es gibt viele Floh-Adultizide, d.h. Präparate, die bei Hunden und Katzen zur Abtötung von Flöhen eingesetzt werden. Alle in Deutschland auf dem tiermedizinischen Markt zugelassenen Präparate gegen Flöhe sind wirksam, d.h. erwachsene Flöhe werden verlässlich abgetötet. Unterschiede gibt es jedoch bei der Abtötungsgeschwindigkeit, d.h. dabei, wie schnell die einzelnen Präparate die Flöhe abtöten - man nennt dies auch „speed of kill“ (SOK).

Warum ist es bei der Flohprophylaxe bei Hund und Katze so wichtig, dass die Flöhe schnell abgetötet werden?

Wenn ein Hund oder eine Katze von einer Flohallergie betroffen ist und das Präparat zur Flohprophylaxe sehr lange braucht, bis es wirkt, können die Flöhe weiterhin zubeißen und das Allergen mit ihrem Speichel übertragen. Somit können bei sehr empfindlichen Tieren allergische Symptome weiter bestehenbleiben und es könnte beim Tierarzt der Eindruck entstehen, dass die Behandlung nicht anschlägt oder dass es sich gar nicht um eine Flohallergie handelt. Schnell wirksame Präparate zur Flohprophylaxe sorgen dafür, dass die erwachsenen Flöhe weniger Zeit haben, eine Blutmahlzeit auf dem Wirtstier einzunehmen. Bei dieser Blutmahlzeit wird der Speichel des Flohs übertragen und damit das Allergen aus dem Flohspeichel. Gerade bei Hunden und Katzen mit einer allergischen Flohspeicheldermatitis ist dies sehr wichtig.

Außerdem ist die Abtötungsgeschwindigkeit bei der Flohprophylaxe ausschlaggebend dafür, wie stark sich die Flöhe noch vermehren können. Ein weiblicher Floh beginnt ca. 24 Stunden nach der Nahrungsaufnahme mit der Eiablage. Ein Flohprophylaxe-Präparat sollte also nicht länger als 24 Stunden benötigen, um die Flöhe abzutöten, damit die Entwicklung nachfolgender Generationen verhindert wird. Reicht diese Therapie nicht aus, um die Eiablage zu verhindern, kann mit der Gabe eines Chitinsynthesehemmers oder Juvenilhor­ monanalogons die Entstehung weiterer Flohpopulationen verhindert werden.

Bei der Flohprophylaxe ist es also sehr  wichtig, ein schnell wirkendes Präparat einzusetzen?

Unbedingt! In Studien haben einige Präparate zur Flohprophylaxe 24 Stunden benötigt, bis alle Flöhe abgetötet waren. In dieser Zeit sterben die Flöhe zwar ab und pflanzen sich nicht mehr fort, sie können aber noch zubeißen. Deshalb könnte eine Abtötungsgeschwindigkeit von 24 Stunden bei einem sehr empfindlichen Hund oder einer Katze mit bestehender Flohallergie zu langsam sein, da weiterhin die Möglichkeit zu einem Allergenkontakt besteht.

Aber auch die Frage, wie genau der Besitzer die Behandlung handhabt sollte bei der Flohprophylaxe berücksichtigt werden. Wird bereits eine Flohprophylaxe durchgeführt, wenn der Besitzer seinen Hund oder seine Katze beim Tierarzt vorstellt, ist es für den Tierarzt nicht nur wichtig, zu wissen, mit welchem Wirkstoff das Tier behandelt wird. Auch in welchen Abständen die Behandlung erfolgt, spielt eine Rolle. Es ist darauf zu achten, dass ein Präparat, das alle vier Wochen aufgetragen werden soll, auch wirklich immer streng in den vorgesehenen Abständen verabreicht wird. Das ist relevant, weil die Wirkung der Präparate gegen Ende des Behandlungszyklus immer etwas nachlässt, wodurch sich auch die Abtötungsgeschwindigkeit verlangsamen kann. Neben der therapeutischen speed of kill (SOK) spielt also auch die sogenannte „residuale speed of kill“ eine Rolle.

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