Allergie auf Bienengiftallergie Hund Wespengiftallergie

Dr. med. vet. Ana Rostaher, dipl. ECVD, Oberärztin Dermatologie an der Klinik für Kleintiermedizin der Vetsuisse Fakultät Universität Zürich zur Allergie auf Bienengift und Wespengift beim Hund!

Allergie auf Bienen- und Wespengift beim Hund, wie gefährlich ist das?

Dass Hunde Allergien entwickeln können, ist bekannt. Pollen, Futtermittel, Flöhe, das sind die Allergene, die mittlerweile auch vielen Laien kennen. Weniger bekannt ist, dass ein Hund auch auf Bienengift oder Wespengift allergisch reagieren kann. Und das kommt gar nicht so selten vor. MeinAllergiePortal sprach mit Dr. med. vet. Ana Rostaher, dipl. ECVD, Oberärztin Dermatologie an der Klinik für Kleintiermedizin der Vetsuisse Fakultät Universität Zürich in der Schweiz über die Allergie auf Bienengift und Wespengift beim Hund und warum dies gefährlich sein kann.

Frau Dr. Rostaher, wie häufig kommt es vor, dass ein Hund auf Bienengift oder Wespengift allergisch reagiert und ist das ein neues Phänomen?

Es gibt keine epidemiologischen Studien in der Tiermedizin. Eine Studie, die vor kurzem bei uns am Tierspital in Zürich durchgeführt wurde, zeigte eine Inzidenz von durchschnittlich vier Patienten pro 10.000 Tiere im Jahr. Verglichen mit anderen Allergieauslösern wie zum Beispiel Futtermittel oder Medikamente, war die Bienen- bzw. Wespengiftallergie am häufigsten anzutreffen – bei über 50 Prozent der Studienteilnehmer.

Die Allergie auf Bienengift oder Wespengift ist beim Hund auch kein neues Phänomen, die ersten Berichte reichen mindestens 25 Jahre zurück.

Kann man sagen, was beim Hund häufiger vorkommt, die Bienengiftallergie oder die Wespengiftallergie?

Eine weltweite Umfrage bei  Spezialisten für Tierdermatologie hat gezeigt, dass diese öfters Hunde mit Reaktionen auf Bienen, als Wespen sehen und behandeln.

Sind bestimmte Hunderassen häufiger von einer Allergie auf Bienengift oder Wespengift betroffen als andere?

Interessanterweise scheinen viele Hunde, die an Bienen- oder Wespengiftallergie erkranken, aber auch an Anaphylaxie allgemein, reinrassig zu sein. Der Boxer ist die Rasse, die bekanntermaßen weltweit am meisten betroffen ist.

Bei uns am Tierspital waren in einer Studie, die dieses Jahr publiziert wurde, zusätzlich noch folgende Rassen von einer Allergie auf Bienengift oder Wespengift betroffen: Rhodesian Ridgeback,  Beagle, Vizsla und Jack Russell Terrier.1)


Gibt es Komorbiditäten, die bei Hunden mit Bienengift- oder Wespengiftallergie vermehrt auftreten?

Komorbiditäten wurden nicht so vertieft untersucht wie in der Humanmedizin. Aber wir sehen eine Tendenz, dass atopische Hunde mit 30 Prozent verstärkt von Bienen- oder Wespengiftallergie betroffen sind. Die Besitzer der betroffenen Tiere berichten, dass ihre Schützlinge schon eine vorherige Reaktion auf Bienen oder Wespen gezeigt haben und meistens ist die Intensität der Reaktion bei der Wiederholung gleichbleibend oder gar schlimmer.

Im Gegensatz zum Menschen, ist es aktuell bei Hunden nicht bekannt, welche Rolle die gleichzeitige Gabe von Herzmedikamenten spielt bzw. ob andere Erkrankungen für die Entwicklung einer Allergie auf Bienen- oder Wespengift ein Risiko darstellen. Uns liegen nur sehr niedrige Fallzahlen vor und auf dieser Basis sehen wir keine Assoziationen.

Wie äußert sich eine Allergie auf Bienengift oder Wespengift beim Hund?

Normalerweise äußert sich ein Bienenstich oder Wespenstich beim Hund durch eine lokale Schwellung an der Stichstelle.

Bei einer verstärkten Reaktion auf Bienengift oder Wespengift können sich die Hautschwellungen auf den ganzen Körper des Hundes verteilen. Neben der Haut sind die wichtigsten Schockorgane beim Hund der Darm und die Leber. Das ist anders als beim Menschen, bei dem das respiratorische System und das Herz-Kreislauf System maßgeblich betroffen sein können.

Wie zeigt sich beim Hund nach dem Bienen- oder Wespenstich eine systemische Reaktion?

Die Anzeichen einer systemischen Reaktion sind Erbrechen, Durchfall oder Speicheln. Danach kann es auch zu Kreislaufstörungen kommen. Mögliche Symptome einer Kreislaufstörung sind beim Hund kalte Gliedmaßen, weiße Schleimhäute und die Tiere können auch kollabieren.

Im schlimmsten Fall, wenn die Hunde mit den Insekten spielen möchten, kann es auch zu Stichen im Maul kommen. Das kann lebensgefährlich sein, denn durch lokale Schwellungen kann es zu Atemnot kommen.

 

 

Grading of disease severity in dogs with signs of urticaria and/or anaphylaxis (as adapted)
                 
    Urticaria   Anaphylaxis  
Organ   Grade    
    0   1   2   3
    (Anaphylaxis
absent)
  (Mild)   (Moderate)   (Severe)
        ≤ 1 sign from two different organ systems each   ≤ 1 sign from two different organ systems each   ≤ 1 sign from two different systems each
                 
Skin   Wheals and/or
angioedema

  Wheals, angioedema, flushing, pruritus   Wheals, angioedema, flushing, pruritus   Wheals, angioedema, flushing, pruritus
                 
Gastrointestinal  system   None   Single episode of vomiting/
diarrhoea
  Abdominal pain, Persistent vomiting, Persistent diarrhoea   Abdominal pain, Persistent vomiting, Persistent diarrhoea
                 
Cardiovascular  system   None   None   Tachycardia
Pale mucous  membranes
  Collapse
Bradycardia
Hypotension
Cardiac arrest


                 
Respiratory
system
  None   None   Dyspnoea
Tachypnoea
Panting
  Cyanosis
Bradypnea
Respiratory arrest
Quelle: Rostaher A et al. Triggers, risk factors and clinico-pathological features of urticaria in dogs - a prospective observational study of 24 cases. Vet Dermatol. 2017 Feb;28(1):38-e9. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27425644
       

 

Woran erkennt der Besitzer, dass es nötig ist, einen Tierarzt aufzusuchen, nachdem der Hund von einer Biene- oder  Wespe gestochen wurde?

Ein Tierarzt sollte immer sofort aufgesucht werden, wenn die folgenden Situationen vorliegen:

1.    Wenn ein Stich beobachtet wird und der Hund in der Vergangenheit schon Reaktionen gezeigt hat.

2.    Wenn die Schwellung mehr als 10 cm groß wird.

3.    Wenn die Schwellungen an mehreren Stellen auftreten.

4.    Wenn zusätzlich allgemeine Symptome wie Durchfall, Erbrechen, Atemnot, Schwindel etc. auftreten.

Dabei ist es am besten, den Tierarzt bereits vorab telefonisch zu informieren, damit entsprechende Vorbereitungen getroffen werden können.


Kann es durch eine Allergie auf Bienengift oder Wespengift beim Hund auch zu einer Anaphylaxie kommen? Was ist dann im Notfall zu tun?

Eine Anaphylaxie wird nicht selten beobachtet, diese wird in verschiedene Grade untergeteilt, so wie beim Menschen. In diesen Fällen sollte man so schnell wie möglich einen Tierarzt aufsuchen.

Beim Bienenstich sollte der Stachel so bald wie möglich entfernt werden und man sollte den Hund aus dem Gebiet, in dem es zum Stich gekommen ist, entfernen, um zusätzliche Stiche zu vermeiden. Dabei sollten die Besitzer auch auf die eigene Sicherheit achten, denn es kann passieren, dass die Manipulationen beim Herausziehen des Stachels für den Hund sehr schmerzhaft sind und er unwillkürlich unabsichtlich zubeißt.

Auf dem Weg zum Arzt sollten die Tiere beruhigt werden. Am leichtesten ist es, wenn man noch jemanden zu Hilfe rufen kann, so dass eine Person Auto fährt und der andere mit dem Hund auf dem Rücksitz Platz nehmen kann. Wenn der Hund sich noch selbst bewegen kann, sollte man es ihm überlassen, sich in die bequemste Position zu bringen, in der tief durchatmen kann.

Wie erfolgt die Diagnose einer Allergie auf Bienengift oder Wespengift beim Hund?

Die Diagnose erfolgt mittels Vorgeschichte, wenn die Besitzer den Stich beobachtet haben, oder durch klinische Untersuchungen, d.h. es wird der Stachel gefunden oder es zeigen sich Anzeichen einer allergischen Reaktion und zusätzlicher allergenspezifischer Blut- und Hauttests.

Wie behandelt man die Allergie auf Bienengift oder Wespengift beim Hund?

Die unmittelbare Behandlung hängt vom Schweregrad der Reaktion ab. Die Tierärzte verabreichen den erkrankten Tieren Infusionen, Antihistaminika und, sehr wichtig, Medikamente zum Schutz des Magen-Darm-Traktes.  Auch Entzündungshemmer und, in ganz schlimmen Fällen, Adrenalin, können verabreicht werden. Die Tiere sollten mindestens 24 Stunden versorgt und beobachtet werden.


Gibt es für Hunde einen Adrenalin-Autoinjektor?

Auf dem Markt gibt es keine „Hunde-Adrenalin-Autoinjektoren“. Es können aber die humanen Präparate verschrieben werden, wenn die Tiere nicht weniger als 15 kg wiegen. Das Dosieren bei ganz kleinen Hunden ist schwierig, weil es ja keine „kleinen“ Autoinjektoren auf dem Markt gibt.

Hier die empfohlene Dosierung:

•    0.30 mg Adrenalin für Tiere > 30 kg Körpergewicht

•    0.15 mg Adrenalin für Tiere von 15- 30 kg Körpergewicht

Bei Hunden unter 15 kg wird die Anwendung eines 0.15 mg Adrenalin-Autoinjektors nicht empfohlen, es sei denn, es handelt sich um eine lebensbedrohliche Situation und die Anwendung erfolgt unter tierärztlicher Aufsicht.

Gibt es eine Möglichkeit zu vermeiden, dass der Hund Kontakt zu Bienen und Wespen hat und gestochen wird?

Kontakt mit dem vermeintlichen Allergen ist möglichst zu meiden, aber bei unseren Vierbeinern, die gerne in Wiesen spielen, ist das für Bienen sehr schwierig durchführbar. Das Meiden der Wespen ist eventuell leichter, weil diese sich ja oft an Stellen wie Mülltonnen, Picknickplätzen etc. aufhalten, und somit kann man solche Stellen leichter meiden.

Ist beim Hund auch eine Hyposensibilisierung auf Bienengift oder Wespengift möglich?

Eine Hyposensibilisierung bei Bienen- und Wespengiftallergie wird, wie beim Menschen, auch bei den Hunden erfolgreich durchgeführt. Diese wird empfohlen, wenn die Tiere lebensbedrohliche Reaktionen erlebt haben und das Risiko einer erneuten Reaktion groß ist.

Frau Dr. Rostaher, herzlichen Dank für dieses Interview!

Quellen:

1)    Rostaher A et al. Triggers, risk factors and clinico-pathological features of urticaria in dogs - a prospective observational study of 24 cases. Vet Dermatol. 2017 Feb;28(1):38-e9. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27425644

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