Samter-Trias: Wie kommt es zu Riech- und Schmeckstörungen? Was tun?

Samter-Trias, das steht für eine Kombination aus Asthma, Polyposis nasi, d.h. Nasenpolypen und einer Unverträglichkeit von Salicylaten und ist für die Betroffenen unangenehm. Noch unangenehmer kann es werden, wenn zusätzlich eine Riechstörung und eine Schmeckstörung auftreten. Dann kann der Patient Gerüche nicht mehr uneingeschränkt wahrnehmen und auch der Geschmackssinn kann beeinträchtigt sein. Wie kommt es dazu und was kann man tun? MeinAllergiePortal sprach mit Prof. Thomas Hummel, Leiter des interdisziplinären Zentrums für Riechen und Schmecken, Klinik und Poliklinik für HNO-Heilkunde am Universitätsklinikum Dresden über Riech- und  Schmeckstörungen bei Samter-Trias.

Herr Prof. Hummel,  wie häufig kommt es bei Samter-Trias-Patienten zu Riechstörungen oder Schmeckstörungen und wie kommt es dazu?

Etwa zwei Drittel der Patienten mit Samter Trias haben eine deutliche Riechminderung.

Zu den Ursachen: Ein häufiges Kennzeichen bei Polyposis nasi, ist eine Entzündung der Nase. Dadurch liegen bei Samter-Trias-Patienten zwei Komponenten vor, die zu einer Riechstörung führen können, die mechanische und die entzündliche.

Bei der mechanischen Komponente kann die durch die Nasenpolypen verursachte Verengung der Atemwege dazu führen, dass die Duftmoleküle die Riechspalte bzw. das Riechepithel nicht mehr erreichen können.

Bei der entzündlichen Komponente kann allein die Entzündung schon die Ursache für einen Riechverlust sein. Das wird deutlich, wenn man bedenkt, dass es z.B. auch bei Patienten mit einer chronischen Sinusitis, die vielleicht sogar bereits eine Operation hinter sich haben, zu Riech- und Schmeckstörungen kommen kann, obwohl die Nase völlig frei ist.

Wovon hängt es ab, wie gravierend die Riech- und Schmeckstörungen bei Samter-Trias sind?

Wie stark die Riech- und Schmeckstörungen sind, hängt auch vom Schweregrad der Erkrankung ab. Bei einer chronischen Sinusitis und bei einer Polyposis nasi leiden ca. 30 Prozent der Patienten unter einer deutlich ausgeprägten Riechminderung – sie gehört zu den Kardinalsymptomen.


Treten Riechstörungen und Schmeckstörungen bei Samter-Trias immer parallel auf?

Grundsätzlich schmeckt man süß, sauer, salzig, bitter und umami. Der Feingeschmack wird jedoch über die Nase übertragen. Fällt der Geruchssinn aus, findet immer auch eine Minderung des Feingeschmacks statt. Man schmeckt dann nur noch die genannten Grundgeschmacksrichtungen. 

Gibt es Risikofaktoren, die zur Entwicklung einer Riechstörung bzw. einer Schmeckstörung bei Samter-Trias beitragen?

Es gibt keine bekannten direkten Risikofaktoren, die eine Entwicklung von Riech- und Schmeckstörungen begünstigen, es gibt aber Ko-Faktoren.

Sicherlich ist das Alter ein Ko-Faktor, denn je älter man wird, desto schlechter ist das durchschnittliche Riechvermögen. Und: Je länger die Symptomatik andauert, desto wahrscheinlicher wird auch ein Riechverlust bzw. der Verlust des Feingeschmacks.

Kann man sagen, wann im Verlauf des Samter-Trias die Riech- und Schmeckstörungen auftreten?

Der Samter-Trias kommt nicht über Nacht, sondern entwickelt sich langsam. Genauso langsam bildet sich die Riechstörung heraus, sozusagen parallel zur Samter-Trias-Symptomatik. Der Prozess ist so „schleichend“, dass er von den Patienten manchmal gar nicht bemerkt wird.

Hinzu kommt, dass es gerade dann, wenn der Riechverlust bereits ausgeprägt ist, vereinzelt zu Riecherlebnissen kommt. Das bedeutet, grundsätzlich ist das Riechvermögen schlecht, aber an manchen Tagen riecht der Patient dann plötzlich wieder gut.

Wodurch kommt es zu den plötzlichen Riecherlebnissen bei Samter Trias?

Wir verstehen aktuell noch nicht, was die Ursache für diese plötzlichen Riecherlebnisse ist. Dieses Phänomen ist jedoch typisch für chronische Entzündungen der Nasenschleimhaut – der Verlauf des Riechverlusts ist nicht ganz linear.  

Mögliche Gründe für die plötzlichen Riecherlebnisse könnten mechanische Veränderungen sein, z.B. durch Schleimhautabschwellungen. Zu Schleimhautabschwellungen kann es bei manchen Patienten z.B. nach körperlicher Anstrengung kommen, beim Duschen oder bei einem Flug. Durch die Schleimhautabschwellungen riechen die Patienten dann plötzlich wieder, allerdings nur für kurze Zeit. Wie gesagt, kennt man die genauen Ursachen der plötzlichen Riecherlebnisse nicht, aber die genannten Vorgänge würden zumindest die akuten Veränderungen erklären.

Wie behandeln Sie Riech- und  Schmeckstörungen bei Samter-Trias?

Behandelt wird nicht die Riech- und  Schmeckstörung, sondern die mechanische oder entzündliche Störung. Die mechanischen Störungen, d.h. die Nasenpolypen, lassen sich operativ entfernen. Die Entzündungen der Nasenschleimhaut lassen sich medikamentös oder lokal mit Kortison behandeln. Wie erwähnt, kann es auch dann zu Riech- und  Schmeckstörungen kommen, wenn die Nase frei ist. In diesen Fällen lohnt es sich, eine antientzündliche Therapie mit Kortison zu versuchen.


Sind Riech- und  Schmeckstörungen bei Samter-Trias reversibel?

Der Geruchssinn ist bei Samter-Trias nicht zwangsläufig irreversibel verloren. Nach einer erfolgreichen Entfernung der Beseitigung der funktionellen Störung, d.h. nach der Entfernung der Nasenpolypen, kommt häufig auch der Geruchssinn zurück. In diesen Fällen war dann die mechanische Blockade der Nase die Ursache.  

Sind die Entzündungen der Nasenschleimhaut die Ursache für den Riechverlust, kommt der Geruchssinn zurück, sobald die Entzündungen erfolgreich therapiert wurden.

Das heißt, auch nach einer erfolgreichen ASS-Desaktivierung kann der Geruchssinn von Samter-Trias-Patienten zurückkehren?

Auch eine erfolgreiche ASS-Desaktivierung kann dazu führen, dass der Patient das Riechvermögen wiedererlangt.

Was kann man tun, wenn weder die Operation der Nasenpolypen noch die ASS-Desaktivierung bei Samter-Trias erfolgreich sind?

In diesen Fällen wird es schwierig. Möglich wäre ein Riechtraining um das Wachstum der Riechzellen anzuregen.

Was versteht man unter Riechtraining?

Bei einem Riechtraining muss der Patient ein Jahr lang oder länger, konsequent jeden Morgen und jeden Abend an vier verschiedenen Düften riechen. Diese Therapie basiert auf der Annahme, dass sich Riechzellen aufgrund von Reizen vermehren und teilen und so das Riechvermögen zurückkehrt.

Man erwartet im Zusammenhang mit der Therapie des entzündlichen Geschehens viel von den neuen Biologika, würden sie auch als Therapieoption bei Samter-Trias in Frage kommen?

Wenn das betreffende Biologika-Präparat gegen Entzündungen wirksam ist, würden auch Samter-Trias-Patienten davon profitieren. Ist die Entzündung unter Kontrolle, müsste sich auch das Riechvermögen deutlich verbessern und damit auch der Feingeschmack.

Herr Prof. Hummel, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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