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Samter-Trias, Nasenpolypen, Asthma, ASS-Intoleranz – hilft ASS-Desaktivierung?

Ob ASS-Unverträglichkeit, ASS-Intoleranz-Syndrom, Morbus Samter, Samter-Trias oder Morbus Widal – gemeint ist immer das gleiche Krankheitsbild, eine Unverträglichkeitsreaktion auf Salicylate, kombiniert mit Asthma und Nasenpolypen. Zu den Salicylaten gehört z.B. die in Schmerzmitteln enthaltene Acetylsalicylsäure (ASS). Salicylate kommen jedoch auch in Obst, Gemüse und Gewürzen natürlicherweise vor. Die bei einer ASS-Unverträglichkeit auftretenden Symptome können sich im Atemwegsbereich, an der Haut oder im Magen-Darm-Trakt bemerkbar machen. Man geht davon aus, dass ein Zusammenhang zwischen der ASS-Intoleranz und der Entwicklung von Nasenpolypen (Polyposis nasi) bzw. Asthma besteht. Über die schwierige Diagnose und Therapiemöglichkeiten wie ASS-Desaktivierung sprach MeinAllergiePortal mit Dr. med. Carolina Morales Minovi, Allergologin und Hals- Nasen- Ohrenärztin am Marienhospital Gelsenkirchen.

Frau Dr. Morales Minovi, wie viele Menschen leiden an Samter-Trias, einer Kombination von ASS-Intoleranz, Nasenpolypen oder Asthma?

In der Gesamtbevölkerung leiden zwischen 0,6 Prozent und 2,5 Prozent an einer ASS-Intoleranz. Allerdings steigt diese Zahl bei Asthmatikern auf zwischen 10 und 30 Prozent, bei Patienten mit Nasenpolypen auf bis zu 50 Prozent und bei den Patienten, welche einer Samter-Trias haben, auf zwischen 40 bis 78 Prozent.

Ist die ASS-Unverträglichkeit die Ursache dafür, dass sich Nasenpolypen und Asthma, also Samter-Trias entwickeln, oder ist es umgekehrt?

Genauer gesagt, handelt es sich um eine Störung des Abbaus der Arachidonsäure – das ist ein Teil der Zellmembran. Bei normalen Patienten wird die Arachidonsäure zum Teil durch das Enzym "Cyclooxigenase" abgebaut. Die ASS-Intoleranz ist eine Stoffwechselstörung, bei der die Cyclooxigenase nach der Einnahme von ASS oder Salicylaten entweder nur unzureichend oder gar nicht funktioniert. Es bilden sich dadurch Stoffe wie z.B. Leukotrienen im Körper, die Entzündungen und Schwellungen, sowie eine Verengung der Bronchien verursachen. Auch immer wiederkehrende Entzündungen der Nasennebenhöhlen, Asthma-Anfälle, manchmal Hautausschläge, Schwellungen der Schleimhäute und der Haut sowie Darmkrämpfe und Durchfall sind mögliche Symptome. Weiter kommt es dadurch auch zur Entwicklung von Nasenpolypen oder auch Polyposis nasi und Asthma, bzw. dem Samter-Trias.

Wenn Patienten mit einer ASS-Unverträglichkeit keine ASS-haltigen Medikamente oder Analgetika mehr einnehmen, ist die Gefahr dann gebannt? ASS ist ja auch in manchen Nahrungsmitteln enthalten – sollten Menschen mit ASS-Intoleranz bzw. Samter-Trias dies Lebensmittel meiden?

Ja, Nahrungsmittel mit einer höheren Konzentration von Salicylaten wie z.B. Curry, Paprika, Oregano, Senf, Orange usw. sollten vermieden werden. Ansonsten könnten die Patienten nach dem Genuss solcher Nahrungsmittel an Atembeschwerden, verstopfter Nase, Niesreiz, Hautausschlägen bis hin zu Durchfällen leiden.

Kann man innerhalb von Samter-Trias dann von einem Etagenwechsel sprechen?

Leider besteht bei diesen Patienten ein großes Risiko für einen Etagenwechsel. Die Reihenfolge, in der die Erkrankungen auftreten, ist jedoch sehr unterschiedlich. Es gibt Patienten, bei denen die Erkrankung mit einer Intoleranz gegen Analgetica beginnt, bei anderen kommt es zuerst zur Entwicklung von Nasenpolypen oder Asthma.


Der Wechsel zu einem anderen Krankheitsbild ist bei Samter-Trias in jede Richtung möglich. Gibt es Umstände, die die Wahrscheinlichkeit für die Entwicklung von Samter-Trias erhöhen?

Eine ethnische Disposition gibt es für Samter-Trias nicht. Ob es genetische Konstellationen gibt, die das Auftreten von Samter-Trias begünstigen, wird noch untersucht. Es scheint jedoch so zu sein, dass Samter-Trias häufiger bei Frauen ab dem 30. Lebensjahr auftritt.

Woran merkt man, dass sich Nasenpolypen entwickelt haben?

Der Patient merkt, dass sich Nasenpolypen entwickelt haben, wenn die Nasenatmung behindert ist. Dies kann normalerweise auf beiden Seiten der Nase und seltener einseitig der Fall sein. Weitere Symptome sind eine vermehrte Sekretion der Nase, d.h. die Nase läuft, entweder nach vorne oder in den Rachenraum, Kopfschmerzen, wiederkehrende Entzündungen der Nasennebenhöhlen und die Verschlechterung des Riechvermögens.  

Wie stellt man bei der ASS-Intoleranz bzw. bei Samter-Trias die Diagnose?

Eine gezielte Patientenbefragung und Untersuchung helfen meistens um die Diagnose zu stellen. Dazu wird eine Computertomographie der Nasennebenhöhlen durchgeführt.

Zusätzlich sind Bluttests zur Bestimmung der Lymphozytenfunktion möglich. Aber: Wenn durch diese Tests keine pathologischen Werte ermittelt werden, heißt dies leider nicht, dass der Patient nicht erkrankt ist - es gibt noch keine 100prozentig verlässlichen Diagnosemöglichkeiten.

Die Provokation mit ASS, die stationär durchgeführt wird, ist eine gute Methode für die Feststellung der Diagnose. Besteht eine ASS-Unverträglichkeit, zeigt sich dies an Symptomen wie Atembeschwerden, Niesreiz, Husten, einer laufenden Nase und einer beeinträchtigten Lungenfunktion.


Wie sieht die Behandlung der Nasenpolypen aus?

Bei leichteren Beschwerden, kann man zunächst versuchen, die Symptome mit einem kortisonhaltigen Nasenspray in den Griff zu bekommen. Bei ausgeprägten Symptomen bzw. wenn der Einsatz des Nasensprays nicht zum Erfolg führt, kann man Kortison im Tablettenform einsetzen. In manchen Fällen kann man auch Antiallergika oder Antibiotika anwenden. Letztendlich wäre eine Operation der Nasennebenhöhlen in Vollnarkose empfehlenswert, wenn es ansonsten zu keiner Besserung der Beschwerden kommt. Die Operation wird mit feinen Instrumenten und mit Endoskopen und/oder Mikroskop durchgeführt. Bei der Operation entfernt man die Polypen und eröffnet die Zugänge der Nasennebenhöhlen, um deren Belüftung zu verbessern und damit das kortisonhaltige Nasenspray die Nasenschleimhäute besser erreichen kann.

Ist eine solche Operation dauerhaft oder können die Nasenpolypen nachwachsen?

Die Nasenpolypen können jederzeit nachwachsen, und dies ist auch bei 40 Prozent der Patienten der Fall. Unabhängig davon, welche Operationstechnik genutzt wurde, wie gut die Operation verlief, oder wie radikal sie erfolgte, können die Nasenpolypen wiederkehren. Wenn dies der Fall ist, würde man eine ASS-Desaktivierung in Angriff nehmen.

Wann empfehlen Sie eine ASS-Desaktivierung und wie geht man dabei vor?

Eine ASS-Desaktivierung wird bei Patienten mit Samter-Trias empfohlen. Zusätzlich kann dies auch bei wiederkehrenden, schwer zu behandelnden Nasenpolypen, nach einer ausgiebigen Operation und medikamentösen Behandlungen angeraten sein.  

Die Therapie erfolgt grundsätzlich stationär und dabei wird mehrmals täglich über ca. drei bis sieben Tage ASS verabreicht. ASS kann oral, durch die Vene, oder als Spray über die Nase oder Bronchien verabreicht werden. Ein einheitliches Behandlungsschema gibt es nicht, aber man beginnt die Behandlung grundsätzlich mit einer sehr geringen Dosis, z.B. ab 5 mg, und sättigt sie auf eine Höchstdosis von 30 bis 1500 mg auf - es gibt hier sehr unterschiedliche Studien zu den Dosierungen.

ASS wird erst nach der Durchführung eines Lungenfunktionstests verabreicht. Auch ein intravenöser Zugang für die Verabreichung der Notfallmedikamente gehört zum Standard bei der ASS-Desaktivierung. Selten wird die Behandlung abgebrochen, wenn ASS überhaupt nicht verträglich ist. Um bei schweren systemischen Reaktionen schnell handeln zu können, ist der stationäre Aufenthalt unabdingbar.

Wenn die Patienten die ASS-Desaktivierung gut vertragen, müssen sie nach Abschluss der Behandlung täglich eine Erhaltungsdosis einnehmen – dies erfolgt dann oral. Auch in Bezug auf die Erhaltungsdosis gibt es sehr unterschiedliche Verfahrensweisen. In dem Krankenhaus, in dem ich tätig bin, in Marienhospital in Gelsenkirchen, sind 100 mg pro Tag üblich. In anderen Zentren wird bis zu 1000 mg täglich empfohlen. Eine möglichst niedrige Erhaltungsdosis ist jedoch grundsätzlich angeraten, denn je geringer die Erhaltungsdosis, desto geringer sind auch die potenziellen Nebenwirkungen durch das ASS.


Welche Nebenwirkungen hat die Gabe von ASS bei der ASS-Desaktivierung?

Am häufigsten klagen die Patienten über Magenschleimhautentzündung. Unterschiedliche Blutungen wie z.B.  Magenblutungen, Nasenbluten und Blutergüssen der Haut können auch vorkommen. Und je höher die Dosis desto mehr Wahrscheinlichkeit, dass diese Nebenwirkungen mehr statt finden.

Gehen durch die ASS-Desaktivierung auch die bereits bestehenden Nasenpolypen bzw. das Asthma wieder zurück?

Wir sehen immer wieder, dass sich die Nasenpolypen durch die ASS-Desaktivierung zurückbilden oder langsamer wachsen. Auch das Riechvermögen und Asthma können sich dadurch verbessern. Die Patienten können nach ca. 4 Tagen besser durch die Nase atmen oder riechen und im Zeitraum zwischen 4 Wochen bis 6 Monaten kann es zu einer Besserung des Asthmas kommen.

Was ist der beste Zeitpunkt für eine ASS-Desaktivierung? Führt man diese Behandlung sofort durch, oder erst dann, wenn eine Entfernung der Nasenpolypen nicht erfolgreich war?

Nach der Entfernung der Polypen der Nase und Nasennebenhöhlen können die Patienten zunächst besser atmen. 4 bis 6 Wochen nach der Nasennebenhöhlenoperation ist ein guter Zeitpunkt, die ASS-Desaktivierung durchzuführen. Dann ist die erste Phase der Wundheilung ziemlich weit fortgeschritten, womit die Risiken für eine Blutung während der ASS-Desaktivierung abnehmen.

Gibt es, abgesehen von der ASS-Desaktivierung, weitere Therapiemöglichkeiten für Samter-Trias?

Für Samter-Trias ist die ASS-Desaktivierung die einzige Therapie, die die Ursache der Erkrankung behandelt.
In Abhängigkeit von bestehenden Symptomen und Nebenerkrankungen kann man eine zusätzlich unterstützende Behandlung mit einer Reihe von unterschiedlichen Medikamenten empfehlen, wie z.B. Mastzellenstabilisatoren, Antihistaminika, immunmodulierende Antibiotika, Asthma Sprays mit Bronchodilatatoren, Kortison (Nasenspray, Asthmaspray, in Tablettenform oder eventuell durch Infusionen) und eine Interferontherapie.

Frau Dr. Morales Minovi, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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