Fybromyalgie FMS Faser-Muskel-Schmerz

PD Dr. Winfried Häuser, Leiter des Schwerpunkts Psychosomatik am Klinikum Saarbrücken

Fibromyalgie Syndrom (FMS) – was heißt das für Betroffene?

Das heißt, manche Mediziner bezweifeln das Fibromyalgie-Syndrom allein deshalb, weil die Diagnose nicht mittels Labortest bzw. mittels Gerätediagnostik erstellt werden kann?

Solche Diagnosen sind in der Medizin recht häufig. Viele Patienten leiden z.B. unter wiederkehrenden Bauchschmerzen und Stuhlunregelmäßigkeiten, ohne dass sich bei der Untersuchung eine konkrete Erkrankung oder Entzündung nachweisen ließe. Die Diagnose für diese Patienten lautet „Reizdarmsyndrom (RDS)“. Ähnlich ist dies bei vielen Frauen, die unter Blasenbeschwerden und häufigem Harndrang leiden, ohne dass ein Harnwegsinfekt vorliegt. Hier handelt es sich um eine Reizblase. Auch funktionelle Schmerzerkrankungen wie z.B.  die kraniomandibuläre Dysfunktion (CMD), die sich durch Schmerzen in den Kiefergelenken und der Kiefermuskulatur bemerkbar macht, fallen in diese Kategorie. Auch Migräne und Depressionen lassen sich nicht mit einem Röntgenbild nachweisen, aber dies ändert nichts an der Eindeutigkeit der Diagnose.

Interessant ist, dass diese Erkrankungen häufig miteinander assoziiert sind, z.B. Fibromyalgie und das Reizdarmsyndrom und auch alle anderen chronischen funktionellen Schmerzsyndrome. Dazu gehören z.B. der Spannungskopfschmerz, die Reizblase und die kraniomandibuläre Dysfunktion.

Sind die chronischen funktionellen Schmerzsyndrome eine Folge der Fibromyalgie?

Der zeitliche Verlauf ist individuell sehr unterschiedlich. Bei manchen Patienten besteht zuerst das Reizdarmsyndrom und dann kommt die Fibromyalgie hinzu, bei anderen ist es umgekehrt und bei wieder anderen treten beide Erkrankungen von Anfang an gemeinsam auf.

Gibt es für die Entwicklung eines Fibromyalgie-Syndroms Risikofaktoren?

Zum einen gibt es eine genetische Disposition, d.h. einige Gene gehen mit einem erhöhten Risiko für Fibromyalgie einher. Ein „Fibromyalgie-Gen“ gibt es jedoch nicht. Man weiß auch, dass es bei Fibromyalgie eine familiäre Häufung gibt, wie übrigens auch beim Reizdarmsyndrom. Wahrscheinlich liegt das Phänomen der familiären Häufung sowohl an genetischen als auch an psychologischen Faktoren, wie z.B. dem erlernten Schmerzverhalten.

Auch Schlafstörungen, langanhaltender Stress (z. B. am Arbeistplatz) und Bewegungsmangel begünstigen das Auftreten von Fibromyalgie. Allgemein erhöhen körperliche, seelische und sexuelle Gewalterfahrungen in der Kindheit das Risiko für chronische Schmerzen, insbesondere für Fibromyalgie, aber auch für Ängste und Depressionen. Es gibt aber auch Patienten mit FMS, die keine dieser Risikofaktoren aufweisen.

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