Allergeverein Europa

Dipl. oec. troph. Andreas Steneberg, Voritzender des Allergie-Verein in Europa e.V.

Allergie-Verein in Europa e.V. (AVE): Fokus Allergie und Umwelt

Beim „Allergie-Verein in Europa e.V.“ stehen die Zusammenhänge zwischen Allergie und Umwelt im Zentrum der Vereinsarbeit. Informationen zu einer gesunden Umwelt, gesundem Wohnen und einer gesunden Lebensführung werden den Mitgliedern zur Verfügung gestellt. MeinAllergiePortal sprach mit dem Vorsitzenden Dipl. oec. troph. Andreas Steneberg über die Anliegen des Vereins und die Gründe für seinen Europäischen Ansatz.

Der AVE e.V. besteht seit mehr als 25 Jahren. Warum hat man sich damals zur Vereinsgründung entschlossen?

allergie verein europa aveAllergie-Verein in Europa e.V.Der Allergie Verein in Europa e.V. wurde im Jahre 1989 als gemeinnütziger Verein gegründet und eingetragen. Damals, im Jahr der Maueröffnung, häuften sich die Erkenntnisse über Ursachen, Auftreten, Diagnosen und Therapien der zunehmenden Zahl allergischer Erkrankungen.

Mitte der 1980er Jahre erlebten umweltmedizinische Erkenntnisse in Europa einen Aufschwung, die in Kuraufenthalten im Allergie-Therapie-Zentrum (ATZ) in Südspanien bei Allergikern umgesetzt wurden. Gesunde Umwelt, gesundes Wohnen, gesunde Ernährung und Tipps zur Allergiker-gerechten Lebensgestaltung trugen während dieser Aufenthalte zu entscheidenden Besserungen bei den betroffenen Kurteilnehmern bei.

Die Initiatoren des ATZ, Frau Dr. Eva Diel und ihr Ehemann Prof. Dr. Friedhelm Diel gründeten zusammen mit von Allergien betroffene Menschen den AVE e.V., um die vielen zum Teil sehr unter-schiedlichen Informationen, wie die Krankheit gelindert werden kann, zu bündeln und weiterzugeben. Im Jahre 1995 wurde ich von den AVE-Mitgliedern in den Vorstand gewählt. Im Jahre 2015 übernahm ich den Vorsitz von Frau Dr. Diel.

Der Fokus des AVE liegt auf „Allergien“, „Europa“ und „Umwelt“. Warum ist Ihnen das wichtig?

Allergien sind kein deutsches Problem. Sie treten vor allem in Industrienationen auf. Sie sind in Europa weiter verbreitet als in Ländern der „dritten“ Welt. Dabei spielt die Umwelt eine große Rolle – die Gesamtheit der äußeren Lebensbedingungen, die auf den Menschen einwirken. Allergien sind ein Zeichen der überschießenden und fehlgeleiteten Immunantwort auf eigentlich harmlose Stoffe aus der Umwelt wie Pollen, Tierhaare oder Nahrungsmittel.


Welche Umweltfaktoren spielen aus Ihrer Sicht bei Allergien eine Rolle?

Der Mensch hat sein Lebensumfeld gerade im 20. Jahrhundert extrem verändert. Diese Fortschritte haben die Lebensqualität enorm verbessert, die Versorgung mit lebensnotwendigen Gütern gesichert und uns dank medizinischer Fortschritte ein höheres und gesünderes Lebensalter erreichen lassen.
Doch hat dieser „Luxus“ auch seine Kehrseiten. Der menschliche Körper kommt mit einer Vielzahl von natürlichen und synthetischen Substanzen in Kontakt, die eine ständige neue Herausforderung an sein Abwehrsystem darstellen und dieses individuell häufig überfordern. Allergie und Umwelt sind untrennbare Begriffe.

Sehr interessante Erkenntnisse ergaben sich im innerdeutschen Ost-West-Vergleich in den ersten 20 Jahren nach der Wende. Trotz hoher Schadstoffbelastung in einigen Regionen Ostdeutschlands war die Allergierate dort geringer. Inzwischen ist allerorts die Luft sauberer und die Zahl der Allergiker hat sich dem hohen Westniveau angepasst. Diskutiert wird unter anderem die so genannte Hygiene-Hypothese, wonach ein Keimkontakt (mit Viren, Bakterien und Parasiten) im Kindesalter vor Allergien schützt.

Der westliche Lebensstil, Stadt-Land-Gefälle, Ernährungsgewohnheiten, Energiesparmaßnahmen, Dieselpartikel- und Feinstaubbelastung, Ausdünstungen aus Teppichböden und anderen Bedarfsgegenständen, Haushaltschemikalien, Haustiere und vieles mehr tragen sicher zu Allergien bei.

Was bietet der AVE seinen Mitgliedern?

Die Zeitschrift UMWELT & GESUNDHEIT (U&G) dient als wichtigster Informationsträger. Sie ist die Plattform des gemeinnützig tätigen Allergievereins in Europa e.V., hier werden neueste Erkenntnisse über Ursachen und Therapiemöglichkeiten bei Allergien und Umwelterkrankungen kommuniziert sowie Informationen und Anregungen für den Alltag gegeben.

Darüber hinaus informieren wir auf unserer Homepage www.allergieverein-europa.de durch telefonische beziehungsweise schriftliche Beratung, wobei bei sehr speziellen Anfragen auch Mitglieder aus dem Wissenschaftlichen Beirat des AVE e.V. zu Rate gezogen werden können. Auf unseren Jahrestagungen – die 26. Internationale AVE-Jahrestagung zum Thema „Allergietherapie und Meer“ findet am 26. und 27. September 2015 auf der Nordseeinsel Föhr statt – können nicht nur AVE-Mitglieder den direkten Kontakt und das Gespräch mit Allergieexperten suchen.


Was empfehlen Sie Menschen, die ihre nächste Umgebung möglichst „allergenarm“ gestalten wollen?

Der AVE e.V. legt bei seinen Empfehlungen Wert auf Umwelt-, Gesundheits- und Allergikerverträglichkeit. Diese Kriterien erfüllt z.B. das Siegel „Allergiker-Gerechtes Produkt“, das vom Institut für Umwelt und Gesundheit (IUG) in Fulda vergeben wird. Ein allergiearmes Wohnen kann nur in Räumen erfolgen, in denen Schadstoffe und natürliche Allergene gleichermaßen auf ein Minimum reduziert sind.

Wir empfehlen:

  • im Wohnbereich schadstoff- und allergenarme Baustoffe und Haushaltsprodukte, sowie ausreichende und gezielte Lüftung
  • im Ernährungsbereich vielfältige und vollwertige Nahrungsmittel überwiegend aus kontrol-liert ökologischem und regionalem Anbau sowie den überwiegenden Verzicht auf zusatz-stoffreiche Fertigprodukte
  • bei der Lebensgestaltung allergenarme weiche Kleidung, heilbringende Bäder, haustierfreie Wohnungen, Bewegung und Atemgymnastik

Was hat sich im Bereich Allergien in den letzten 25 Jahren entwickelt oder verändert?

Trotz besserer Luftqualität, für die zahlreiche Gesetze, Verordnungen und Verbote bundes- und europaweit beigetragen haben, ist die Allergierate nicht gesunken.

Dank besser verträglicherer und wirksamerer Antiallergika, Antihistaminika und spezifischer Immuntherapien hat die Lebensqualität einiger Allergiker sicherlich zugenommen.

Zu beklagen ist jedoch, dass weiterhin eine individuelle und ausreichende Allergie-Diagnostik von den gesetzlichen Krankenkassen unzureichend erstattet wird. Ganz zu schweigen davon, dass eine Schadstoff- und Allergen-Analytik als Diagnose- und Präventionsmaßnahme keine Kassenleistung mehr darstellt.

Der Energiespargedanke mit Versiegelung der Gebäude hat sicherlich auch nicht dazu beigetragen, dass Innenräume Allergiker-freundlicher geworden sind. Es wird weiterhin zu viel desinfiziert, falsch ernährt, stressig gelebt. Zugenommen haben Duftwolken, mit denen der Mensch nicht nur sich, seine Räumlichkeiten und sein Kleidung umnebelt: wir beobachten eine zunehmende Zahl an Duftstoff-Allergien.

Welche Ziele verfolgt der AVE aktuell?

Wir verfolgen weiterhin das Vorsorgeprinzip auch im Bereich von Allergien. Wir bieten unsere Zu-sammenarbeit mit Politik, Industrie, Krankenkassen u.a. an, um Allergene zu identifizieren und deklarieren. Hierzu haben wir eine 400 Substanzen umfassende Liste allergener und sensibilisierender Stoffe erstellt und diese Gesetzgebern und Behörden übergeben. Wir hoffen, dass die Umsetzung in Form von Einschränkungen, Deklarationen und Verboten dieser Substanzen Schritt für Schritt erfolgt.

Wir fordern nicht nur die Politik und Industrie zur Minimierung gesundheitlicher Risiken auf, sondern versuchen (potenzielle) Allergiker zu einer gesunden Lebensführung zu bewegen. Dabei geht der Appell an den gesunden Menschenverstand, Vorbild für umweltgerechtes und enkeltaugliches Verhalten zu sein.

Herr Steneberg, herzlichen Dank für das Interview!

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