Plazebo Effekt Allergie Selbstheilungseffekt

Prof. Dr. Dr. phil. Harald Walach, Institut für transkulturelle Gesundheitswissenschaften, Frankfurt (Oder)

Placebo-Effekt: Wann kommt es zu Selbstheilungseffekten? Mechanismen?

In wissenschaftlichen Studien wird der Placebo-Effekt immer wieder beobachtet. Dabei werden diese Studien gerade deshalb „Placebo-kontrolliert“ aufgesetzt, damit man die Wirksamkeit eines neuen pharmazeutischen Wirkstoffes eindeutig beurteilen kann. Dafür erhält ein Teil der an der Studie beteiligten Patienten den zu untersuchenden Wirkstoff und der andere, ohne dies zu wissen, das Placebo und wird so im Grund nicht behandelt. Dennoch kommt es bei der „unbehandelten“ Patientengruppe immer wieder zu einer Verbesserung der Symptome, z.T. sogar bei einer großen Anzahl der Probanden – ein klassischer Placebo-Effekt. MeinAllergiePortal sprach mit Prof. Dr. Dr. phil. Harald Walach,  Institut für transkulturelle Gesundheitswissenschaften, Frankfurt (Oder) über den Placebo-Effekt, der eigentlich ein Selbstheilungseffekt ist.

Herr Prof. Walach, verbessern sich beim Placebo-Effekt  tatsächlich die Symptome des Patienten oder hat der Patient lediglich diesen Eindruck?

Bei einem echten Placebo–Effekt verbessern sich die Symptome tatsächlich und in der Placebo Forschung der letzten 20 Jahre konnte man eindeutig nachweisen, dass es sich beim Placebo-Effekt nicht um Einbildung handelt. Wenn die Effekte klinisch bedeutsam sind, lassen sich die Effekte und deren kausale Mechanismen durch Gehirnforschungsstudien sehr deutlich nachzeichnen.

 

Welche Prozesse im Körper liegen dem Placebo-Effekt zugrunde?

Das scheint sehr stark von der Art der Intervention bzw. des Problems abzuhängen.

Interessanterweise konnte man über Gehirnforschungsstudien, d.h. fMRI und PET Studien, aber auch durch pharmakologische Knock-out-Studien, an pharmakologischen  Substanzen, die z.B. endogene Transmitter blockieren, zeigen, dass tatsächlich physiologische Effekte im Gehirn stattfinden. Diese physiologischen Effekte im Gehirn führen zum Placebo-Effekt.

Bei Schmerzen werden z.B. endogene Morphine bzw. Endorphine, das heißt, Opioide, d.h. Opium-ähnliche Substanzen ausgeschüttet. Ebenso ist das endokrine System beteiligt, das bei der Schmerzregulation eine große Rolle spielt.

Wir wissen aus Studien an Parkinson-Patienten und an Menschen, die kokainabhängig waren, dass das dopaminerge System beteiligt ist und es gibt Studien, die zeigen, dass das serotonerge System beteiligt sein kann. Im Prinzip scheint jedes wichtige Transmittersystem im Gehirn aktiv am Zustandekommen der Prozesse beteiligt zu sein, die sich beim Placebo-Effekt im Körper abspielen. Welche dies im Einzelfall sind, hängt höchstwahrscheinlich von der Erkrankung, der Situation und der Art und Weise, wie der Prozess vermittelt ist, ab.

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