Allergie-Patienten Versorgung in Deutschland

Prof. Dr. Wolfgang W. Schlenter, Arzt für HNO-Heilkunde in Frankfurt

Allergie-Patienten in Deutschland: Wo bleibt die Versorgungsqualität?

Was würde sich an der Versorgungssituation von Allergiepatienten ändern, wenn es ein Fachgebiet Allergologie gäbe?

Es würde die Versorgung der Patienten in Deutschland erheblich verbessern, wenn die Allergologie ein eigenständiges Fachgebiet würde. Dazu gehören auf akademischer Ebene natürlich auch entsprechende Professuren für Allergologie, die das Fach insgesamt aufwerten würden.

In einigen Europäischen Ländern, z.B. in Dänemark, Spanien und Portugal gibt es bereits einen Facharzt für Allergologie. Auf europäischer Ebene wird ebenfalls eine separate Fachdisziplin „Allergologie“ angestrebt, bei der die Allergologie bereits im Studium den Schwerpunkt bildet. Davon sind wir hier aber leider noch sehr weit entfernt. So arbeiten wir zurzeit zunächst daran, dass mehr Fachärzte eine Zusatzausbildung „Allergologie“ durchlaufen. Dafür wiederum muss diese Bezeichnung mit einem gewissen „Wert“ verbunden sein.

Der Wert der Zusatzbezeichnung „Allergologie“ hängt ja eng mit dem Thema  Abrechnungsvergütung zusammen, was läuft hier aus Ihrer Sicht schief?

Was bei uns in Deutschland schief läuft, hat im letzten Jahr die sogenannte Wasem-Studie sehr gut gezeigt. Die Wasem-Studie war eine Versorgungsstudie, die vom Ärzteverband Deutscher Allergologen (AeDA) in Auftrag gegeben wurde. Die Studie sollte die Frage untersuchen, wie die allergologische Versorgung der Patienten in Deutschland aussieht. Die Studie hat gezeigt, dass sich die Anzahl der Praxen, die zur Diagnose Asthma allergologische Gebührenziffern abrechnen, in den Jahren 2007 bis 2010 um 27 Prozent verringert hat. Für die allergische Rhinitis betrug der Rückgang in diesem Zeitraum 31 Prozent. Das zeigt ganz klar, dass die Praxen sich aus der Allergologie zurückziehen.

Das „Nicht-Behandeln“ von allergischen Erkrankungen hat natürlich auch volkswirtschaftliche Konsequenzen. In der Wasem-Studie ist, nur für Europa, von sozioökonomischen Kosten in Höhe von bis zu 385 Milliarden Europa die Rede. Je länger allergische Erkrankungen unbehandelt bleiben, desto stärker können die Symptome werden, desto höher ist das Risiko, weitere Allergien zu entwickeln und desto teurer wird dann die Therapie. In diesen hohen sozioökonomischen Kosten sind jedoch Therapiekosten nicht enthalten.

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