Allergie Intoleranz Patiententag

Auditorium Allergie Patiententag 2014 in WIesbaden

Allergie-Patiententag Wiesbaden – über 150 Interessierte informierten sich!

Ein voller Erfolg war der Allergie-Patiententag, der am 4. Oktober 2014 im Rathaus Wiesbaden stattfand. Die Veranstaltung, die vom Allergiezentrum Wiesbaden und MeinAllergiePortal, der Plattform für Menschen mit Allergien und Unverträglichkeiten organisiert wurde, fand im Rahmen des 9. Deutschen Allergiekongresses statt. Mit ihren Vorträgen deckten die Referenten u.a. die Krankheitsbilder Allergische Rhinitis, Asthma, Insektengiftallergie, Neurodermitis, Urtikaria, allergisches Kontaktekzem, Berufsallergien, Nahrungsmittelallergien und Nahrungsmittelintoleranzen ab. „Wir haben uns sehr gefreut, dass wir bereits mit dieser ersten Veranstaltung und trotz des ‚Bilderbuchwetters‘ auf so großes Interesse gestoßen sind“ freute sich Mitorganisator Prof. Ludger Klimek vom Allergiezentrum Wiesbaden.

 Dr TiebelHeuschnupfen, Allergie auf Hausstaubmilben, Tierhaarallergie: Harmlos oder unterschätzt?

Dass Allergien auf Aeroallergene alles andere als harmlos sind, machte Dr. Eileen Tiebel, HNO-Gemeinschaftspraxis Limburg, deutlich. „Je ausgeprägter die nasalen Symptome, desto höher ist das Risiko eines Etagenwechsels“, warnte Referentin Dr. Eileen Tiebel, HNO-Gemeinschaftspraxis Limburg. Das bedeutet, aus der allergischen Rhinitis kann sich ein allergisches Asthma entwickeln – die Erkrankung „wechselt die Etage“ – und die Symptome beeinträchtigen die Lebensqualität der Patienten dann erheblich.

Pollen, Hausstaubmilben und Katzen, das sind die häufigsten Auslöser von Typ 1-Allergien und 50 Prozent der Betroffenen wissen gar nicht, dass sie an einer Allergie leiden. 25 Prozent der Betroffenen wissen von ihrer Allergie, gehen aber nicht zum Arzt. Der Grund ist oft, daß einem die Symptome von anderen Erkrankungen wie von einem Virusschnupfen bekannt vorkommen. Allerdings heilen Allergien im Gegensatz zu Erkältungskrankheiten nicht von alleine aus und schreiten im Gegenteil weiter fort. „Die einzige Therapie, die den Etagenwechsel verhindern kann, ist die spezifische Immuntherapie, die in Forma von Spritzen oder Tabletten zur Verfügung steht“, führte Dr. Tiebel aus. Dabei helfen neue Diagnoseverfahren, wie die Komponentendiagnostik. Bei Polysensibilisierungen und Nahrungsmittelallergien ist die molekulare Allergiediagnostik hilfreich zur Planung einer SIT und zur Abschätzung des Risikos einer schweren allergischen Reaktion.

Prof ZielenSymptomfrei leben trotz Asthma – neue Wirkstoffe – individuelle Therapien!

Bei der Behandlung von Asthma ist es das Ziel der Therapie, dass der Patient möglichst symptomfrei ist, kaum unter Exazerbationen und nächtlichem Erwachen leidet und im Alltag möglichst wenig durch die Erkrankung  beeinträchtigt wird. Die Ausprägung eines Asthmas ist jedoch nicht bei jedem Patienten gleich. Im Gegensatz zu früher unterscheidet man heute deshalb verschiedene Asthma-Phänotypen, bei denen Symptome und Schweregrad der Ausprägung sehr unterschiedlich sind und die auch unterschiedlich therapiert werden.

In den meisten Fällen ist es sehr gut möglich, die Symptomfreiheit des Patienten zu erreichen, aber in besonders schweren Fällen ist dies manchmal nicht möglich. Gerade Patienten mit schweren Asthmasymptomen profitieren deshalb von neuen Therapiekonzepten. „Mit dem monoklonaren Antikörper Omalizumab steht für die Therapiestufe 5 seit einiger Zeit ein sehr erfolgreiches Therapiekonzept zur Behandlung von allergischem Asthma zur Verfügung“ betonte Referent Prof. Stefan Zielen, Universitäts-Klinikum Frankfurt der Goethe Universität. Auch für eine weitere Form des Asthmas, dem Eosinophilen Asthma, gibt es neue wirksame Therapien. „Mepolizumab und Benralizumab, die ebenfalls auf monoklonaren Antikörpern basieren, zeigen hier eine sehr gute Wirkung“ so Prof. Zielen, “in unserem Studienzentrum führen wir eine Reihe von Studien durch, an denen sich interessierte und entsprechend geeignete Patienten noch beteiligen können.“


Prof KlimekInsektengiftallergien: Wenn ein Stich tödlich sein kann…

Nicht jeder Insektenstich muss tödlich enden. „Besteht jedoch eine Allergie gegen Insektengift, ist ein sorgsamer Umgang mit der Erkrankung aber unbedingt angebracht“, eröffnete Prof. Ludger Klimek vom Allergiezentrum Wiesbaden seine Präsentation.  

Insektengift-Allergene können eine Vielzahl von Reaktion des Immunsystems hervorrufen. Symptome können dabei lokal an der Einstichstelle auftreten, kommt es jedoch zu Symptomen wie Nesselsucht oder gar Schwellungen an anderen Organsystemen, insbesondere zu Schwellungen im Hals-Rachenbereich oder Kreislaufversagen, kann dies problematisch sein. Kommt es zu systemischen Reaktionen am und im ganzen Körper, wie Bauchschmerzen, Erbrechen, Übelkeit, Atembeschwerden und Ohnmacht können dies ernste Warnzeichen für den gefürchteten anaphylaktischen Schock sein, die einen Notarzt erforderlich machen. „Immer, wenn es nach einem Insektenstich zu Symptomen kommt, die über die Norm hinausgehen, ist es unbedingt zu empfehlen, einen Allergietest durchzuführen“ betont Prof. Klimek, „fast jeder 5. Deutsche reagiert auf Insektengift stärker als normal und 2 bis 5 Prozent der Deutschen sind wirklich gefährdet!“

Die erste Maßnahme für Insektengift-Allergiker lautet: „Allergenmeidung! Sind nach einem Insektenstich jedoch schwere systemische Reaktionen aufgetreten, ist eine ursächliche Behandlung der Insektengiftallergie über eine spezifische Immuntherapie angeraten. Ähnlich wie bei der Behandlung der allergischen Rhinitis wird bei der Insektengift-Hyposensibilisierung das Immunsystem gegen das relevante Allergen desensibilisiert, so dass ein Insektenstich nicht mehr zu den gefürchteten Symptomen führen kann. „Diese Therapie ist ausgesprochen erfolgreich,“ so Prof. Klimek, „zahlreiche weltweit durchgeführte Studien haben dies  gezeigt.“

 PD Staubach Wenn die Haut brennt: Urtikaria (Nesselsucht) und Angioödem                                                    

 

Quaddeln, quälender Juckreiz, brennende Haut, Röte, Hitzegefühl und Schwellungen (Angioödeme), z.B. an Lippen und Augen, diese Symptome kann eine Urtikaria auslösen. „Für die Betroffenen, das sind weltweit 80 Mio. Menschen, kann eine Urtikaria die Lebensqualität massiv beeinträchtigen. Es kann sogar zu Depressionen kommen, und dies wiegt für die Patienten oft schwerer als die eigentlichen Symptome“ führte Privatdozentin Petra Staubach, Hautklinik und Poliklinik der Universitätsmedizin Mainz, in ihr Vortragsthema ein. Folgen einer Urtikaria können z.B. auch Probleme mit dem Partner, Schlafstörungen oder eine eingeschränkte Konzentrationsfähigkeit sein.

Oft haben Urtikaria-Patienten einen langen Leidensweg hinter sich, bevor eine Diagnose gestellt wird. Selbst dann wird gerade der Aspekt „Lebensqualität“ viel zu oft unterschätzt und die Erkrankung bagatellisiert. Um die öffentliche Wahrnehmung für das Krankheitsbild Urtikaria zu sensibilisieren und zu zeigen, wie viele Menschen von den unterschiedlichsten Formen von Urtikaria oder Angioödem betroffen sind, wurde am 1. Oktober 2014 der 1. Welt Urtikaria Tag ins Leben gerufen, zu dem weltweit Veranstaltungen zum Thema Urtikaria stattfanden, u.a. auch an der Hautklinik der Universitätsmedizin Mainz. „Wir wollten darauf aufmerksam machen, dass es sich bei der Urtikaria um eine ernstzunehmende schwere chronische Erkrankung handelt“ so Privatdozentin Staubach.

Ist die Diagnose gestellt, können in bestimmten Fällen histaminarme oder pseudoallergenarme Diäten helfen, die allerdings mindestens zwei bis drei Wochen durchgeführt werden müssen, damit eine positive Wirkung eintritt. Medikamentös wird die Urtikaria mit Antihistaminika der neuen Generation behandelt. Für Patienten, die auf die Antihistaminika-Behandlung nicht ansprechen steht der bereits im Zusammenhang mit der Behandlung von schwerem Asthma genannte Wirkstoff „Omalizumab“ nun auch für Urtikaria-Patienten als eine hochwirksame Therapieoption zur Verfügung.


Prof SalogaNeurodermitis und allergisches Kontaktekzem: Was hilft?

Neurodermitis, auch Atopisches Ekzem genannt, und das allergische Kontaktekzem sind unterschiedliche Erkrankungen. Bei der Neurodermitis handelt es sich um eine chronisch entzündliche Hauterkrankung, bei der auch die genetische Disposition eine Rolle spielt und die sich meist im Kindesalter manifestiert. „Kennzeichnend für die Neurodermitis sind eine gestörte Hautbarriere und ein die Haut schädigendes Entzündungsgeschehen in der Haut“ erklärte Prof. Joachim Saloga, Hautklinik und Poliklinik der Universitätsmedizin Mainz. Sogenannte Triggerfaktoren bei der Neurodermitis können psychosomatische Faktoren wie Stress, aber auch das Klima, z.B. UV-Licht, Allergene, physikalische Reizung wie Kratzen oder Reiben, Irritantien, wie z.B. Seife, Infekte oder eine bakterielle Besiedlung der neurodermitischen Haut sein.

Im Gegensatz zur Neurodermitis entsteht das Kontaktekzem entweder irritativ (toxisch) als Folge einer Überlastung der Haut oder allergisch, als Reaktion auf eine Allergenexposition, der eine Sensibilisierung auf das Allergen vorausgegangen sein muss. Schädliche Hautreize können sein: Wasser, häufiges Händewaschen, Desinfektionsmittel, Luftabschluss in Handschuhen, Kühl-/Schmierstoffe, Öle, Fette, Lösungsmittel, Handwaschpasten mit Reinigungskörpern, Hitze und mechanische Belastung.

Ähnlich wie beim Asthma, teilt man die Neurodermitis in unterschiedliche Stufen bzw. Schweregrade ein, an denen sich die Therapie orientiert. Je nach Symptomausprägung, kann die Neurodermitis-Therapie sehr unterschiedlich sein. „An erste Stelle stehen die Meidung der Triggerfaktoren und eine gute Basispflege der Haut, dem wichtigsten Faktor bei der Neurodermitisbehandlung“ betonte Prof. Saloga. Weitere Therapieoptionen wären topische Cortisonprodukte, d.h. Cremes und Salben mit Cortison, die Anwendung topischer Calcineurininhibitoren oder eine systemische immunmodulierende Therapie mit dem Wirkstoff Cyclosporin A. Auch mit der Lichttherapie erzielt man gute Erfolge und in Einzelfällen ist eine Hyposensibilisierung zu erwägen. Zu neuen, spezifischeren Therapien werden zurzeit vielversprechende Studien durchgeführt. Zur Behandlung von Kontaktekzemen stehen topische Cortison-Cremes, Harnstoff, UV-Licht und gegebenenfalls Immunmodulatoren zur Verfügung.

Prof KellerZöliakie, Weizenallergie oder Weizensensitivität? Unterschiede, Diagnostik und Therapie

Zwischen einer Zöliakie, der Weizenallergie und einer Weizensensitivität, entsprechend der neuen Zöliakie-Leitlinie nun „Nicht-Zöliakie - Nicht-Weizenallergie - Weizen-/Gluten-Sensitivität“ genannt, gibt es wesentliche Unterschiede.

Bei der Zöliakie kommt es aufgrund einer genetischen Prädisposition beim Verzehr glutenhaltiger Speisen zu immunologischen Reaktionen im Dünndarm, zu Entzündungsreaktionen, die den Darm schädigen. Durch die Schädigung des Darms (Zottenatrophie) kann es zu verschiedenen Folgeerscheinungen kommen, wie z.B.  wie z.B. Eisenmangel, Kalziummangel oder Vitamin D-Mangel. „Zwar ist die Zöliakie zurzeit nicht heilbar, aber durch eine strikt glutenfreie Ernährung kann eine Zottenatrophie gestoppt und Symptome sowie Folgeerscheinungen verhindert werden“ betonte Referent Prof. Klaus-Michael Keller, DKD Helios Klinik Wiesbaden.

Im Gegensatz zur Zöliakie handelt es sich bei der Weizenallergie um eine echte Nahrungsmittelallergie, d.h. um eine immunologische Erkrankung, die sich durch Symptome an Haut und am Magen-Darm-System äußern kann, beim Bäckerasthma auch über die Atemwege. Am häufigsten sind Säuglinge von Nahrungsmittelallergien betroffen und oft verliert sich die Allergie im Laufe der Zeit auch wieder. Bei Erwachsenen zeigen sich Nahrungsmittelallergien oft als Kreuzreaktionen auf Nahrungsmittel bei bestehender Pollenallergie. Auch bei der Weizenallergie besteht die Therapie der „Meidung“ von Weizen und allen weizenhaltigen Lebensmitteln.

Die „Nicht-Zöliakie - Nicht-Weizenallergie - Weizen-/Gluten-Sensitivität“ ist ein relativ neues Krankheitsbild und noch nicht abschließend erforscht. Eine sichere Diagnostik gibt es für die Erkrankung nicht. Ähnlich wie bei der Zöliakie, können bei der „Nicht-Zöliakie - Nicht-Weizenallergie - Weizen-/Gluten-Sensitivität“ Symptome wie Bauchschmerzen, Blähungen, Unwohlsein und Durchfall auftreten. Auch extraintestinale Symptome wie Lethargie, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Migräne, ADHS sowie Muskel-, Knochen- und Gelenkbeschwerden sind möglich, zu einer Zottenatrophie im Dünndarm kommt es jedoch nicht.

Möglicherweise spielen bei der „Nicht-Zöliakie - Nicht-Weizenallergie - Weizen-/Gluten-Sensitivität“  sogenannte ATIs (Amylase-Trypsin-Inhibitoren) eine Rolle, die im Weizen vorhanden sind und das Immunsystem stimulieren. In diesem Zusammenhang werden auch die sogenannten FODMAPs (Fermentierbare Oligo-, Di- und Monosaccharide and Polyole) diskutiert. FODMAPs sind natürlicherweise in Nahrungsmitteln vorkommende Kohlenhydrate wie z.B. Fruktose, Sorbit, Xylit oder auch Laktose bzw. Polyole, die in Pilzen, Bohnen etc. vorkommen. Patienten mit einer „Nicht-Zöliakie - Nicht-Weizenallergie - Weizen-/Gluten-Sensitivität“ profitieren von einer glutenfreien oder  FODMAP-armen Ernährung, müssen aber keine so strikte Diät einhalten, wie Menschen mit Zöliakie.


Prof RoseProbiotika, Präbiotika und Co.: Neue Konzepte in der Allergietherapie

Das Mikrobiom des Darmes, das sind die im Darm natürlicherweise vorhandenen Bakterien, hat einen entscheidenden Einfluss auf die Darmgesundheit. Verschiedene Faktoren, wie z.B. heutige Ernährungsgewohnheiten und auch die häufige Konfrontation mit Antibiotika, z.B. über Fleisch aus Massentierhaltung, können die Vielfalt der Darmbakterien jedoch beeinträchtigen. So gibt es z.B. Hinweise auf Zusammenhänge zwischen der Bakterienvielfalt und -zusammensetzung im Darm und der Entwicklung von Allergien und Intoleranzen.

Probiotika können hier helfen“ erläuterte Prof. Markus Rose, Sana Klinikum Offenbach, „Probiotika sind milchsäurebildende, ‚gute‘ Bakterien, die die Mikroflora des Darmes unterstützen und stabilisieren und das Immunsystem aktivieren und modulieren.“ Bei Präbiotika handelt es sich hingegen um eine Art „Futter“ für die milchsäurebildenden Bakterien. Durch Probiotika kommmt es im Darm zu einer Besiedelung mit physiologischen Keimen, die potenziell schädliche Keime verdräng- en können. Dies kommt der Barrierefunktion des Darmes zugute und fördert die Selbstheilungskräfte. So haben Studien an Patienten mit chronischen Bauchschmerzen und Reizdarmsyndrom gezeigt, dass Probiotika diese Beschwerden positiv beeinflussen können. 

Auch für Neurodermitis, Heuschnupfen, chronischen Nebenhöhlenentzündungen und Nahrungsmittelunverträglichkeiten konnte man eine Verbesserung der Symptome zeigen, entscheidend ist allerdings die richtige Wahl des jeweiligen Bakterienstammes und, hier sind weitere Untersuchungen nötig.

Generell profitiert das Immunsystem von einem regelrechten Training, durch immer wieder wiederkehrende Konfrontation mit Bakterien und Viren. „Wenn Kinder 12 Mal im Jahr eine Infektion haben, ist das gut“ so Prof. Rose, „häufige Infektionen im Kindesalter sind die Voraussetzung für ein gesundes, glückliches Leben und zu wenig Gelegenheit, sich mit Bakterien auseinanderzusetzen, kann zu einer Schwächung des Immunsystems führen.“  

 

Dr GerstemeierWenn der Darm trotzt - Allergien, Intoleranzen, Reizdarm - was kann Ernährungstherapie leisten?

Wenn der Darm „trotzt“ kann dies viele Gründe haben. „Oft heißt es ‚darauf bin ich allergisch‘, aber zwischen einer Allergie und einer Intoleranz gibt es wesentliche Unterschiede“ führte Dr. Astrid Gerstemeier, Praxis für bewegte Ernährung, Wiesbaden zu Beginn ihres Vortrages aus.

Liegt eine Allergie vor, ist das Immunsystem beteiligt, was bei einer Intoleranz nicht der Fall ist und während bei einer Allergie kleinste Allergenmengen ausreichen, um allergische Reaktionen auszulösen, sind die Beschwerden bei den Intoleranzen mengenabhängig.

Schließlich unterscheiden sich auch die Auslöser. Bei einer Nahrungsmittelallergie sind die Proteinbestandteile des Nahrungsmittels der auslösende Faktor, praktisch alle Nahrungsmittel kommen hier in Frage. Bei den Intoleranzen sind es Stoffe wie z.B. Histamin, biogene Amine, Pseudoallergene, Laktose oder Fruktose, die die Unverträglichkeitsreaktionen auslösen. Typische Intoleranzen sind Laktoseintoleranz,Fruktosemalabsorption, Histaminintoleranz, Pseudoallergien und Zöliakie.

Abzugrenzen von Allergien und Intoleranzen ist das Reizdarm-Syndrom, das über eine Ausschlussdiagnose ermittelt wird. Während sowohl für Nahrungsmittelallergien als auch für die meisten Intoleranzen Diagnosemöglichkeiten vorhanden sind, ist dies beim Reizdarm-Syndrom nicht der Fall. Die Definition lautet deshalb: 1.Chronische länger als 3. Monate anhaltende Beschwerden (Bauchschmerzen, Blähungen) in der Regel mit Stuhlveränderungen einhergehend, 2. Lebensqualität des Betroffenen relevant beeinträchtigt, 3. Keine anderen Krankheitsbilder liegen vor, die für die Symptome verantwortlich sind.

„Leider erhalten noch immer viele Patienten die Diagnose „Reizdarm“, ohne dass andere Erkrankungen ausgeschlossen wurden“ stellt Dr. Gerstemeier fest, „und glauben, mit der Diagnose Reizdarm leben zu müssen, obwohl man hier über einen individuell und professionell erstellten Ernährungsplan viel erreichen kann!“ Dabei werden sowohl die individuelle Lebenssituation als auch persönliche Vorlieben und bei Bedarf auch psychoemotionale Aspekte berücksichtigt.

Dr HilkaAllergien und Berufswahl: Wo gibt es Risiken und für wen?

Bei den berufsbedingten Allergien spielen hochmolekulare und niedermolekulare Substanzen eine Rolle. „Bei den hochmolekularen Substanzen, stehen die Getreidemehlstäube als Allergieauslöser an erster Stelle, der größte Anteil der Berufsallergien betrifft Menschen, die mit Mehlstaub in Kontakt kommen“ so Referentin Dr. Maud-Bettina Hilka, HNO-Gemeinschaftspraxis Wiesbaden. Aber auch Enzyme, Hölzer, Labor- und Nutztiere, Schimmelpilze, Milben und Naturlatex gehören zu den hochmolekularen Substanzen und können berufsbedingte Allergien verursachen. Bei den niedermolekularen Substanzen gehören in den Industrieländern die Diisocyanate zu den Hauptursachen berufsbedingter obstruktiver Atemwegserkrankungen. Sie werden für die Herstellung von Lacken, Überzugsmaterialien, Schaum- und Klebstoffen verwendet.

Zu den beruflich relevanten Metallen, die in der Lage sind, Allergien vom Soforttyp an den Atemwegen zu induzieren, gehören Platin und Iridium. Platinsalze gehören zu den häufigsten niedermolekularen Auslösern von Berufsasthma. Von Berufsallergien betroffene Berufsbilder sind: Tierhändler, Bäcker, Landwirte, Vogelhalter, Laborpersonal, Gesundheitsberufe, in der Pharma-, Lebensmittel-, Pelz- und Schmuckindustrie bzw. in Druckereien tätige Menschen.  

Die Diagnose ist bei berufsbedingten Allergien sehr wichtig, denn für den weiteren Berufsweg der Patienten ist es entscheidend, ob tatsächlich eine berufsbedingte Allergie vorliegt und wenn ja, ob es möglich ist, das Allergen zu meiden oder Schutzmaßnahmen zu ergreifen, so dass eine weitere Berufsausübung gewährleistet ist. „Bestätigt sich eine berufsbedingte Allergie, ist der Arzt verpflichtet, dies der Berufsgenossenschaft zu melden“ so Dr. Hilka.

In Bezug auf die Schutzmaßnahmen hat sich im beruflichen Umfeld in den letzten Jahren viel getan. Der Arbeitgeber ist im Rahmen seiner Fürsorgepflicht angehalten, Schaden vom Arbeitnehmer abzuwenden. Der Arbeitnehmer ist aber genauso verpflichtet, negative Einflüsse von seinem Arbeitsplatz fernzuhalten und Risiken einer gesundheitlichen Gefährdung zu minimieren, indem er bekannte Grunderkrankungen wie z.B. Allergien in seiner Berufswahl mit einbezieht.

Weitere Allergie-Patiententage geplant

Die gute Resonanz auf den Allergie-Patiententag und die zahlreichen Fragen aus dem Publikum machten es deutlich. Beim Thema Allergien und Intoleranzen sind noch viele Fragen offen. „Wir werden den Allergie-Patiententag auf jeden Fall wiederholen, verriet Mitveranstalterin Sabine Jossé, MeinAllergiePortal, „wer den Termin nicht verpassen möchte, kann unseren Newsletter abonnieren, hier werden wir die Veranstaltung frühzeitig ankündigen!“

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