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Allergologie Schloss Weesenstein

Prof. Thomas Zahnert, Direktor der Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus in Dresden

Allergien im Fokus: Allergologen treffen sich auf Schloss Weesenstein

Zum SymposiumAllergologie im Schloss Weesenstein“ lud am 1. Juliwochenende die HNO-Allergie-Abteilung des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus in Dresden. Die Veranstaltung bot den ca. 200 Teilnehmern ein straffes Programm, in dem das Thema "Allergien" interdisziplinär über alle Fachgebiete hinweg behandelt wurde. Die Mischung aus Allergieforschung und Best Practice wurde mit interessanten "Intermezzi" aufgelockert, z.B. durch den Exkurs der Dresdner Malerin Liane Ullrich zum Brücke-Maler Ernst Ludwig Kirchner. Die über 200 versammelten Mediziner verfolgten das Programm mit großem Interesse und nutzten die Gelegenheit für Fragen und Diskussionen. Wie Prof. Thomas Zahnert, Direktor der Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus in Dresden ankündigte, wird die Veranstaltung im jährlichen Rhythmus fortgesetzt.

Allergie - Allergolgie hat eine lange Tradition in Sachsen

dr bettina hauswald allergologie schloss weesensteinDr. Bettina Hauswald, Initiatorin des Events "Allergologie auf Schloss Weesenstein"Bereits 1953 wurde mit der Gründung der Deutschen Gesellschaft für Allergie und Immunitätsforschung in Dresden ein Fokus auf das Thema Allergie gelegt. "Noch zu DDR-Zeiten haben wir die Arbeitsgemeinschaft Allergologie in der HNO-Heilkunde gegründet" führte Dr. Bettina Hauswald aus, Leiterin des Funktionsbereiches Rhinologie und Allergologie am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus, die die Arbeitsgemeinschaft initiierte. Dr. Hauswald war es auch, die am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus die HNO-Allergiesprechstunde aufgebaut hat, die erste Allergiesprechstunde fand 1982 statt und im Jahr 2010 wurde das UAC, das Universitäts-Allergie-Zentrum gegründet, das die unterschiedlichen Fachdisziplinen mit dem Fokus "Allergien" bündelt. 

Auch die Allergieforschung spielt am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus eine große Rolle. Zum Universitäts-Allergie-Zentrum gehört eine Studienabteilung, die auch an zahlreichen internationalen Studien beteiligt ist. Darüber hinaus engagieren sich Dr. Hauswald und ihr Team auch in der universitären Ausbildung und der Weiterbildung von Fachärzten im Bereich Allergologie - ca. 70 Allergologen hat Frau Dr. Hauswald ausgebildet! Eine Besonderheit in Dresden: Bereits seit 1985 werden bestimmte allergische Erkrankungen auch erfolgreich mit Akupunktur und Mikrosystemakupunktur behandelt.

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Allergie und Nasenpolypen gibt es einen Zusammenhang?

prof heidi olze allergologie schloss weesensteinProf. Heidi Olze, Direktorin der HNO-Klinik der Charité in Berlin Das Krankheitsbild "Nasenpolypen", medizinisch "Poliposys nasi" wird von Patienten oft mit einer Allergie gleichgesetzt. Mit der allergischen Rhinitis gemeinsam haben Nasenpolypen, dass die Erkrankung oft nicht ernst genommen wird. Nasenpolypen entwickeln sich über einen gewissen Zeitraum hinweg und der Patient gewöhnt sich deshalb manchmal so langsam an eine behinderte Nasenatmung, dass es ihm gar nicht mehr auffällt, wie stark die Beeinträchtigung wirklich ist.

Weitere Gemeinsamkeiten der Erkrankungen "Nasenpolypen" und "allergischer Rhinitis" liegen in einer Ähnlichkeit der Symptome und einer Assoziation mit Asthma, d.h. sowohl bei allergischer Rhinitis als auch bei Nasenpolypen kommt es gehäuft zu einem gleichzeitigen Auftreten von Asthma bronchiale. Auch die Therapieoptionen von allergischer Rhinitis bzw. allergischer Rhinosinusitis und Nasenpolypen ähneln sich.

Wie Frau Prof. Heidi Olze, Direktorin der HNO-Klinik der Charité in Berlin ausführte, konnte man bisher in Studien nicht eindeutig nachweisen, ob Polyposis nasi allergisch bedingt sind. Möglicherweise könnte dies jedoch daran liegen, dass in der Vergangenheit bei Studien zwischen den einzelnen Phänotypen der allergischen Rhinitis nicht ausreichend differenziert wurde. So könnte es zu einer Verzerrung der Ergebnisse gekommen sein. Mittlerweile weiß man, dass es sich bei der allergischen Rhinitis nicht um eine homogene Erkrankung handelt – es gibt viele verschiedene Erscheinungsformen – und die Nasenpolypen sind eine davon. Fest steht, dass Asthma, Analgetikaintoleranz und Allergien bei Nasenpolypen assoziierte Faktoren sind, auch wenn die kausalen Zusammenhänge zurzeit noch nicht eindeutig geklärt sind.


Anaphylaxie – die Symptome können vielfältig sein

prof johannes ring allergologie schloss weesensteinProf. Johannes Ring, Direktor der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie am Biederstein, Technische Universität München Meist manifestieren sich die Symptome einer Anaphylaxie zuerst über die Haut, aber auch die Atemwege, das Magen-Darm-System und das kardiovaskuläre System können beteiligt sein. Zudem sind die Symptome bei der Anaphylaxie oft sehr unterschiedlich, können in verschiedenen "Kombinationen" auftreten und entsprechen auch manchmal nicht dem "Lehrbuch". Prof. Johannes Ring, Direktor der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie am Biederstein, Technische Universität München betont deshalb, wie wichtig es ist, den Patienten genau zuzuhören, wenn sie von ihren Symptomen berichten. Zu den ausgesprochen ungewöhnlichen Anaphylaxie-Symptomen, die ihm in der Praxis begegnet seien, gehörten z.B. "Weiße Mäuse sehen" und das "Gefühl, dass die Augen aus dem Kopf treten".

Anaphylaxie – ein "Schock" kommt manchmal nicht allein

Meist folgt ein anaphylaktischer Schock einem gewissen Verlaufsschema, nach dem sich die Symptome zunächst verstärken um dann wieder abzuflauen. Es gibt bei der Anaphylaxie jedoch auch sogenannte biphasische Verläufe, d.h. 6 bis 8 Stunden nachdem die erste Schockreaktion bereits abgeklungen ist, kann es zu einem erneuten Schockereignis kommen. Es gibt Studien, die dieses Phänomen bei bis zu 15 bis 20 Prozent der Patienten nachweisen. Deshalb ist bei allen Patienten, die allergische Reaktionen an mehr als einem Organsystem zeigen, eine stationäre Aufnahme angeraten.

Anaphylaxie – auch verzögerte Schockreaktionen sind möglich

Erst vor kurzem hat man entdeckt, dass eine allergische Reaktion auf Kohlenhydratketten, wie sie in rotem Fleisch vorkommen, möglich ist. Die Sensibilisierung besteht hier gegen das α-Gal. In diesen Fällen kommt es charakteristischerweise erst nach vier bis 5 Stunden zu Schockreaktionen. Die dahinterstehenden Mechanismen sind noch nicht bekannt.

Insektengiftallergie – eine mögliche Ursache für anaphylaktische Reaktionen

prof bernhard przybilla allergologie auf schloss weesensteinUniv.-Prof. Dr. Bernhard Przybilla, Allergiezentrum, Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie am Klinikum der Universität MünchenBienen und Wespen sind ein häufiger Grund für anaphylaktische Reaktionen bei Erwachsenen. Etwa 3 Prozent der Bevölkerung in Mitteleuropa reagieren allergisch auf Insektengifte und jährlich sterben ca. 200 Menschen an den Folgen eines Insektenstiches. Auch bei der Insektengiftallergie unterscheiden sich die möglichen Reaktionen stark. Von einer leichten Urtikaria bis zum anaphylaktischen Schock ist alles möglich.

Insektengiftallergie – wie hilft die Hyposensibilisierung?

Wie Univ.-Prof. Dr. Bernhard Przybilla, Allergiezentrum, Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie am Klinikum der Universität München betont, stellt die allergenspezifische Immuntherapie (ASIT) ein Instrument der Behandlung dar, das bei 80 Prozent der Bienengiftallergiker und bei 95 Prozent der Wespengiftallergiker zu einem Schutz vor anaphylaktischen Reaktion bei unvorhergesehenen Insektenstichen führt. Die ASIT ist insbesondere deshalb angeraten, weil es gerade bei Insektenstichallergien, je nach Schweregrad, zu sehr schwerwiegenden anaphylaktischen Reaktionen mit eventuellen schlimmen Folgeschäden kommen kann. Auch wenn der Beruf ein gewisses Expositionsrisiko mit sich bringt, z.B. bei Feuerwehrleuten, Waldarbeitern, Verkäufern in Bäckereien und Obsthandlungen etc. ist eine allergenspezifische Immuntherapie sinnvoll.

Insektenstiche bei Mastozytose – das Anaphylaxierisiko steigt

Auch bei Patienten mit bestimmten Vorerkrankungen, wie z.B. der Mastozytose, besteht ein erhöhtes Risiko, auf Insektenstiche mit schweren anaphylaktischen Reaktionen zu reagieren. Bei Patienten mit Mastozytose liegt das Risiko für eine schwere anaphylaktische Reaktion unter Beteiligung des Herz-Kreislauf-Systems bei 80 Prozent. Dem gegenüber steht ein Risiko von 20 Prozent bei Patienten, bei denen diese Vorerkrankung nicht besteht. Eine gewisse Assoziation der Erkrankungen scheint zu bestehen, bei 5 Prozent der eigenen Patienten mit Insektengiftallergie konnte Prof. Przybilla eine Mastozytose feststellen.

Für die erfolgreiche Durchführung der allergen spezifischen Immuntherapie (ASIT) zur Behandlung der Insektengiftallergie ist die exakte Bestimmung des auslösenden Allergens eine wichtige Voraussetzung. Auch andere potenzielle, wenn auch seltenere, Allergenquellen wie Hummeln, Hornissen und bestimmte Wespenunterarten sollten dabei nicht vergessen werden.


Hyposensibilisierung – Spezifische Immuntherapie – wie steht’s mit der Therapietreue?

prof ralph moesges allergologie schloss weesensteinProf. Ralph Mösges, Institut für Medizinische Statistik, Informatik und Epidemiologie, Köln Die Therapietreue der Patienten ist ein großes Thema in der Medizin, denn nicht immer ist sie in ausreichendem Maße vorhanden. Untersuchungen haben z.B. gezeigt, dass von drei verschriebenen Steroid-Nasensprays zur Behandlung von allergischer Rhinitis nach einer Woche nur noch eines in Gebrauch ist.

Auch bei der Hyposensibilisierung ist die Therapietreue ein wichtiger Faktor, dies insbesondere deshalb, weil die Therapie über mehrere Jahre erfolgen muss und sich ihre Wirkung erst langsam aufbaut. Ihre volle Wirkung entfaltet die Immuntherapie, die einzige kausale Therapie bei Allergien, oft erst nach drei Jahren.

Prof. Ralph Mösges vom Institut für Medizinische Statistik, Informatik und Epidemiologie in Köln betont deshalb die Wichtigkeit der Patientenaufklärung im Vorfeld der Hyposensibilisierung insbesondere im Hinblick darauf, was man mit der Hyposensibilisierung erreichen kann und wie der Zeitaufwand einzuschätzen ist. Dass hier Erwartungen und Realität zum Teil noch stark auseinanderklaffen, zeigt eine Untersuchung, die er in Zusammenarbeit mit dem daab an 790 Patienten durchgeführt hat. 2/3 dieser Patienten erhielten eine Subkutane Spezifische Immuntherapie (SCIT) und wurden vor, während und nach der Hyposensibilisierung befragt. Vor der Behandlung mit der Spezifischen Immuntherapie erwarten die Patienten vor allem:

  1. Umfassende Informationen zu Immuntherapie
  2. Dass die Behandlung wenig Nebenwirkungen hat
  3. Eine dauerhafte Reduzierung ihrer Symptome
  4. Eine regelmäßige Erfolgskontrolle im Verlauf der Behandlung
  5. Deutlich reduzierter Medikamentenverbrauch
  6. Behandlungstermine sollen gut in die eigene Zeitplanung passen

Bei der Befragung der Patienten zu Beginn und während der Behandlung zeigten sich noch 2/3 der Patienten mit der Behandlung zufrieden. Nach Abschluss der Behandlung änderte sich dieses Bild drastisch – jetzt waren 2/3 der Patienten mit der Spritzen-Behandlung unzufrieden. Die Gründe:

1. Zu starke zeitliche Beanspruchung
2. Auftreten von Nebenwirkungen
3. Linderung der Beschwerden trat nicht im erwarteten Maße ein

Dies deutet, laut Prof. Mösges, auf eine nicht optimale Aufklärung der Patienten im Vorfeld der Behandlung hin. Schaut man sich nämlich an, wie die Patienten den Schweregrad ihrer Symptome vor und nach der spezifischen Immuntherapie einschätzen, zeigt sich ein anderes Bild. So ermittelte Prof. Mösges in einer Untersuchung an 1400 Patienten im ersten Jahr der SIT eine Verbessrung nasaler Symptome um knapp 50 Prozent und von über 50 Prozent der Augensymptome. Im zweiten Behandlungsjahr berichteten die Patienten sogar eine Symptomverbesserung von 70 Prozent – neuste Studien zur Sublingualen Immuntherapie (SLIT) zeigten sogar eine deutliche Symptomverbesserungen nach nur einer Behandlungswoche. Hinzu kommt, dass die Hälfte der Patienten im zweiten Behandlungsjahr nur noch ganz leichte Beschwerden hat und dass 50 Prozent der Patienten im ersten Jahr bereits auf Medikamente verzichten kann. Dabei steigt die Wahrscheinlichkeit, irgendwann ganz auf Medikamente verzichten zu können mit der Dauer der Therapie. Allerdings hält die Wirkung der Hyposensibilisierung nicht ewig. Ähnlich wie bei anderen Impfungen kann es nötige werden, die Therapie nach 5 bis 10 Jahren aufzufrischen.

Extrakte zur Hyposensibilisierung – der Allergengehalt ist entscheidend

pd joerg kleine tebbe allergologie schloss weesensteinPriv.-Doz. Jörg Kleine-Tebbe, Allergie- u. Asthma-Zentrum Westend, BerlinEs gibt viele verschiedene Präparate von unterschiedlichen Herstellern die zur Hyposensibilisierung bzw. spezifischen Immuntherapie (SIT) eingesetzt werden. Das Problem: jedes Präparat enthält unterschiedliche Allergenmengen, die aber nicht entsprechend ausgewiesen werden. Wie Priv.-Doz. Jörg Kleine-Tebbe, Allergie- u. Asthma-Zentrum Westend, Berlin berichtete, kann dies in bestimmten Fällen dazu führen, dass eine Immuntherapie nicht den gewünschten Erfolg bringt, weil die Allergendosierung des Extraktes den individuellen Patientenbedürfnissen nicht entspricht.

Es gibt daher Bestrebungen, auch auf Europäischer Ebene, eine Kennzeichnung des Allergengehaltes dieser Präparate verbindlich einzuführen. Für das Hauptallergen der Birkenpollen und eines der Hauptallergene des Lieschgrases sind heute schon Referenzsubstanzen für die Herstellerfirmen verfügbar. Sobald die Entscheidung zur Definition der Antikörper gefallen ist, können Assays erstellt werden, die den Firmen zur Produktion vergleichbarer Extrakten dienen. Auch eine Aufnahme in das Europäische Arzneibuch wäre dann möglich und somit würde die Angabe des Allergengehaltes für die Extrakthersteller verpflichtend.

Aluminium in den Allergenextrakten – bestehen Risiken?

In letzter Zeit gab es immer wieder Berichte zu möglichen Risiken durch Aluminium in Therapieallergenen. Es wurde befürchtet, dass durch die bei der Hyposensibilisierung verwendeten Allergenextrakte ein erhöhtes Risiko, Allergien zu entwickeln, bestünde.

Das Paul-Ehrlich-Institut, das über eine Abteilung für Allergologie verfügt, hat im Januar 2014 eine Risikoabwägung zu diesem Thema vorgenommen. Die Behörde steht auf dem Standpunkt, dass das Nutzen-Risiko-Verhältnis von aluminiumabsorbierten Allergenen insgesamt positiv ist. Nach derzeitigem Kenntnisstand liegen keine Gründe vor, die Praxis der Verwendung von zugelassenen Therapieallergenen, die mit Aluminium versetzt sind, zu ändern. Auch viele Impfstoffe sind mit Aluminium versetzt.

Initiativ wurde das Paul-Ehrlich-Institut vor einigen Jahren jedoch im Hinblick auf die Sicherheit und Qualität von Allergenextrakten für die wichtigsten Allergene. Die Behörde hat hierzu zwei Leitlinien auf den Weg gebracht, zum einen zur Qualität und Sicherheit der Präparate, die zur Immuntherapie eingesetzt werden und zum anderen zur Wirksamkeit der Therapie. Die Folge: Nach der neuen Therapieallergeneverordnung müssen die Extrakte für die wichtigsten Allergene nun zugelassen werden. Dafür müssen die Hersteller in Studien nachweisen, dass die Präparate sicher und wirksam sind und auch die jeweilige Dosierung angeben. Die zuvor genutzten Individualrezepturen und Mischungen sind seitdem für Standardallergene nicht mehr möglich, für seltene Allergene jedoch schon.

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