Deutsche Haut- und Allergiehilfe

Erhard Hackler, geschäftsführender Vorstand der Deutschen Haut- und Allergiehilfe e.V. (DHA) in Bonn

Deutsche Haut- und Allergiehilfe (DHA): Was bietet sie den Mitgliedern?

Wie bewerten Sie aus Sicht der DHA die aktuelle Versorgungslage von Menschen mit Allergien bzw. allergisch bedingten Hauterkrankungen?

Trotz ihrer dramatischen Zunahme und des teilweise immensen Leidensdrucks sind Allergiker in Deutschland medizinisch weithin unterversorgt! Das bestätigt auch eine Studie des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen (Versorgungsstudie zu Allergien auf www.aeda.de): Die Zahl der Behandlungen von Allergikern und Asthmatikern verringert sich danach deutlich. So schrumpfte die Patientenzahl bei beiden Krankheitsbildern um insgesamt 13 Prozent. Praxen rechneten allergologische Behandlungen bei Asthma zu rund 27 Prozent weniger ab, bei Heuschnupfen gab es sogar einen Rückgang um 31 Prozent.

Die Anzahl der Menschen, die unter Kontaktallergien leiden, steigt. Was müsste sich aus Sicht der DHA ändern, damit sich diese Situation verbessert?

Hierzu sind aus Sicht der DHA drei Aspekte von Bedeutung: Zum einen werden Allergien schlichtweg bagatellisiert. Zum anderen beruht die Behandlung von Allergikern auf einem Abrechnungssystem, das Medizinern ihre Arbeit nicht adäquat vergütet. Was hier kurzfristig im Gesundheitssystem eingespart wird, muss unseres Erachtens langfristig mit einer deutlichen Zunahme an chronischen Erkrankungen bezahlt werden! Insofern müssen Kontaktallergien im Gesundheitssystem endlich den Stellenwert erhalten, den sie verdienen, um eine angemessene Behandlung der Betroffenen zu erreichen.

Darüber hinaus ist der Verbraucherschutz noch immer nicht befriedigend. Vieles hat sich schon getan, etwa durch die Verordnung der Bundesministerin für soziale Sicherheit und Generationen über das Verbot bzw. die Verwendungsbeschränkung bestimmter nickelhaltiger Gebrauchsgegenstände (Nickelverordnung). So sind Höchstgrenzen für die Freisetzung von Nickel, einem der bedeutendsten Kontaktallergene, aus Bedarfsgegenständen und Kosmetik festgelegt worden. Dennoch überschreiten nach wie vor viele Produkte diese Höchstgrenzen. Darüber hinaus ist es für Verbraucher oftmals kaum ersichtlich, ob in einem Produkt Nickel enthalten ist oder nicht.

Ein großes Problem sind außerdem nach wie vor Berufsdermatosen. Trotz Hautschutzplänen, die in allen Betrieben vorgeschrieben sind, erkranken viele Berufstätige an einem chronischen Handekzem, wie zum Beispiel im Friseurberuf. Hier gibt es noch viel Aufklärungsarbeit bei Betroffenen, Arbeitgebern und Politikern zu leisten.

Welche Aktivitäten plant die Deutsche Haut- und Allergiehilfe in der nächsten Zeit?

Die umfassende Patienteninformation und -aufklärung wird weiterhin ein Schwerpunkt in der Arbeit der gemeinnützigen DHA bleiben. Die Intention: Gut informierte Patienten profitieren in vielerlei Hinsicht. Sie können ihre Krankheitssituation besser einschätzen, wissen, was sie selbst dazu beitragen können, um den Krankheitsverlauf zu beeinflussen und arbeiten intensiver mit Arzt und Therapeut zusammen. All dies sind unverzichtbare Voraussetzungen für eine erfolgreiche Behandlung und mehr Lebensqualität. So wird auch die neue DHA-Broschüre „Chronisches Handekzem – Vorbeugung, Pflege und Behandlung“ Patienten helfen, ihre Hauterkrankung besser zu verstehen. Der Ratgeber erläutert auf leicht verständliche Weise die möglichen Ursachen für ein Handekzem, geht auf sinnvolle Diagnoseschritte ein und stellt Maßnahmen zum Hautschutz vor. Die Broschüre ist kostenlos und kann bei der Deutschen Haut- und Allergiehilfe bestellt werden:

DHA e.V.
Heilsbachstraße 32
53123 Bonn
www.dha-handekzem.de

Herr Hackler, herzlichen Dank für dieses Interview!

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