Deutsche Haut- und Allergiehilfe

Erhard Hackler, geschäftsführender Vorstand der Deutschen Haut- und Allergiehilfe e.V. (DHA) in Bonn

Deutsche Haut- und Allergiehilfe (DHA): Was bietet sie den Mitgliedern?

Die Deutsche Haut- und Allergiehilfe e.V. (DHA) ist schon seit Mitte der 80er Jahre aktiv und setzt einen Schwerpunkt auf die Aufklärung der Öffentlichkeit zum Thema Hauterkrankungen wie Neurodermitis, allergisches Kontaktekzem, Psoriasis etc. Dabei will die DHA in erster Linie Informationen bereitstellen und aufklären, sowohl die Betroffenen als auch die breite Öffentlichkeit. MeinAllergiePortal sprach mit Erhard Hackler, geschäftsführender Vorstand der Deutschen Haut- und Allergiehilfe e.V. (DHA) in Bonn über die Arbeit der Deutschen Haut- und Allergiehilfe und ihr Ziel, die Patienten gut zu informieren.

Die Deutsche Haut- und Allergiehilfe gibt es schon seit geraumer Zeit, was bietet die DHA ihren Mitgliedern?

Die Deutsche Haut- und Allergiehilfe e.V. wurde von betroffenen Patienten und behandelnden Ärzten konzipiert und gemeinsam gegründet. Heute ist sie eine der führenden Interessenvertretungen, insbesondere für Allergiker sowie Neurodermitis- und Schuppenflechtepatienten. Im wissenschaftlichen Beirat der DHA sind führende dermatologische Meinungsbildner Deutschlands vertreten.

Im Gegensatz zu klassischen Selbsthilfeorganisationen, wie etwa dem DAAB, versteht sich die DHA als zentrale Informationsstelle. Der Schwerpunkt liegt auf der Aufklärung der breiten Bevölkerung sowie von Patientengruppen durch kontinuierliche und intensive Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. So bereiten Patienteninformationsbroschüren der DHA einzelne Themen auf, zum Beispiel Neurodermitis oder chronisches Handekzem, Allergieprävention und Hautpflege und beschreiben Hintergründe und Behandlungsmöglichkeiten. Alle Broschüren können kostenfrei beim Verband angefordert werden.

Zudem findet eine umfangreiche, stets aktualisierte Information über die Websites der DHA statt. Mitglieder werden darüber hinaus über das quartalsweise erscheinende Magazin “Haut und Allergie aktuell” kompetent und umfassend informiert.

Wie beurteilen Sie die Entwicklung im Bereich Allergien bzw. allergischer Hauterkrankungen in Deutschland?

Die DHA geht davon aus, dass mittlerweile jeder Vierte von einer überschießenden Immunreaktion auf teilweise harmlose Stoffe betroffen ist. Auch chronische Hauterkrankungen wie die Neurodermitis oder die Psoriasis nehmen stetig zu. Allergien und chronische Hauterkrankungen haben sich zu ernsten Volkskrankheiten entwickelt.


Wie bewerten Sie aus Sicht der DHA die aktuelle Versorgungslage von Menschen mit Allergien bzw. allergisch bedingten Hauterkrankungen?

Trotz ihrer dramatischen Zunahme und des teilweise immensen Leidensdrucks sind Allergiker in Deutschland medizinisch weithin unterversorgt! Das bestätigt auch eine Studie des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen (Versorgungsstudie zu Allergien auf www.aeda.de): Die Zahl der Behandlungen von Allergikern und Asthmatikern verringert sich danach deutlich. So schrumpfte die Patientenzahl bei beiden Krankheitsbildern um insgesamt 13 Prozent. Praxen rechneten allergologische Behandlungen bei Asthma zu rund 27 Prozent weniger ab, bei Heuschnupfen gab es sogar einen Rückgang um 31 Prozent.

Die Anzahl der Menschen, die unter Kontaktallergien leiden, steigt. Was müsste sich aus Sicht der DHA ändern, damit sich diese Situation verbessert?

Hierzu sind aus Sicht der DHA drei Aspekte von Bedeutung: Zum einen werden Allergien schlichtweg bagatellisiert. Zum anderen beruht die Behandlung von Allergikern auf einem Abrechnungssystem, das Medizinern ihre Arbeit nicht adäquat vergütet. Was hier kurzfristig im Gesundheitssystem eingespart wird, muss unseres Erachtens langfristig mit einer deutlichen Zunahme an chronischen Erkrankungen bezahlt werden! Insofern müssen Kontaktallergien im Gesundheitssystem endlich den Stellenwert erhalten, den sie verdienen, um eine angemessene Behandlung der Betroffenen zu erreichen.

Darüber hinaus ist der Verbraucherschutz noch immer nicht befriedigend. Vieles hat sich schon getan, etwa durch die Verordnung der Bundesministerin für soziale Sicherheit und Generationen über das Verbot bzw. die Verwendungsbeschränkung bestimmter nickelhaltiger Gebrauchsgegenstände (Nickelverordnung). So sind Höchstgrenzen für die Freisetzung von Nickel, einem der bedeutendsten Kontaktallergene, aus Bedarfsgegenständen und Kosmetik festgelegt worden. Dennoch überschreiten nach wie vor viele Produkte diese Höchstgrenzen. Darüber hinaus ist es für Verbraucher oftmals kaum ersichtlich, ob in einem Produkt Nickel enthalten ist oder nicht.

Ein großes Problem sind außerdem nach wie vor Berufsdermatosen. Trotz Hautschutzplänen, die in allen Betrieben vorgeschrieben sind, erkranken viele Berufstätige an einem chronischen Handekzem, wie zum Beispiel im Friseurberuf. Hier gibt es noch viel Aufklärungsarbeit bei Betroffenen, Arbeitgebern und Politikern zu leisten.

Welche Aktivitäten plant die Deutsche Haut- und Allergiehilfe in der nächsten Zeit?

Die umfassende Patienteninformation und -aufklärung wird weiterhin ein Schwerpunkt in der Arbeit der gemeinnützigen DHA bleiben. Die Intention: Gut informierte Patienten profitieren in vielerlei Hinsicht. Sie können ihre Krankheitssituation besser einschätzen, wissen, was sie selbst dazu beitragen können, um den Krankheitsverlauf zu beeinflussen und arbeiten intensiver mit Arzt und Therapeut zusammen. All dies sind unverzichtbare Voraussetzungen für eine erfolgreiche Behandlung und mehr Lebensqualität. So wird auch die neue DHA-Broschüre „Chronisches Handekzem – Vorbeugung, Pflege und Behandlung“ Patienten helfen, ihre Hauterkrankung besser zu verstehen. Der Ratgeber erläutert auf leicht verständliche Weise die möglichen Ursachen für ein Handekzem, geht auf sinnvolle Diagnoseschritte ein und stellt Maßnahmen zum Hautschutz vor. Die Broschüre ist kostenlos und kann bei der Deutschen Haut- und Allergiehilfe bestellt werden:

DHA e.V.
Heilsbachstraße 32
53123 Bonn
www.dha-handekzem.de

Herr Hackler, herzlichen Dank für dieses Interview!

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