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Bauernhof-Studie Allergie

PD Dr. Markus Ege, Dr. von Haunersches Kinderspital der Ludwig-Maximilians-Universität, München

Bauernhof-Studien: Wie hilft der Stall Allergien zu verhindern?

Bauernhofkinder leiden wesentlich seltener an Heuschnupfen und Allergischem Asthma als andere Kinder. Auch Sensibilisierungen, d.h. das Risiko, eine Allergie zu entwickeln findet man bei Kindern, die auf Bauernhöfen aufwachsen, deutlich seltener. Woran liegt das? Vor allem zwei Faktoren spielen eine Rolle: 1. Der Aufenthalt im Kuhstall und 2. Der Konsum unbehandelter Kuhmilch. MeinAllergiePortal sprach mit PD Dr. Markus Ege, Dr. von Haunersches Kinderspital der Ludwig-Maximilians-Universität, München über die Bauernhof-Studien und was die daraus resultierenden Erkenntnisse für die Allergieforschung bedeuten.

Herr Privatdozent Ege, die mikrobielle Exposition im Kuhstall ist einer der beiden zentralen Faktoren, denen man eine wichtige Rolle beim Schutz vor Allergien zuschreibt. Was versteht man unter mikrobieller Exposition und woraus setz sie sich zusammen? 

Unter mikrobieller Exposition verstehen wir alle Kleinstlebewesen, mit denen man in Kontakt gerät. Das kann durch Einatmen oder Verschlucken von Staub geschehen oder durch direkten Hautkontakt. Wir haben unter diesen Kleinstlebewesen bislang Pilze und Bakterien untersucht. Viren lassen sich nur schwer untersuchen. Außerdem könnten kleine Parasiten noch eine Rolle spielen.

In Studien mit mehreren hundert Kindern haben wir nach der Erbsubstanz DNA von Bakterien und Pilzen gesucht. Wir fanden bei Bauernkindern grundsätzlich mehr verschiedene Bakterien- und Pilzarten. Diese Vielfalt erklärte schon einen Teil des niedrigeren Asthmarisikos von Bauernkindern. Außerdem traten bestimmte Bakterienarten bei Kindern ohne Asthma überzufällig häufig auf. Neben Milchsäurebakterien waren dies auch bestimmte Staphylokokken-Arten, die sonst auf Tieren oder Tierprodukten wie Fleisch, Käse oder Milch gefunden werden. Auch Bifidobakterien und ihre Verwandten, die Corynebakterien waren dabei. Corynebakterien findet man auch auf Stroh; sie enthalten Mykolsäure; das ist ein Stoff, der im Laborversuch Mäuse vor Asthma schützt. Auch einige andere der gefundenen Bakterien wie z.B. Acinetobacter lwoffii oder Milchsäurebakterien sind bekannt für ihren Asthmaschutz bei Labormäusen. Die meisten der gefundenen Keime waren Umweltkeime. Es waren aber auch einige Keime dabei, die bislang eher als Krankheitsverursacher bekannt sind, aber unter Umständen vielleicht auch eine gute Seite haben.

Wo außer im Kuhstall, findet man diese mikrobielle Exposition oder Teile davon?

Wir messen Bakterien und Pilze normalerweise in der Matratze, weil die Kinder alle möglichen Keime mit ihren Händen und Haaren, aber auch ihrer Kleidung vom Stall mit ins Bett nehmen. Wir haben auch überprüft, dass wir in den Matratzen viele Keime aus dem Kuhstall wiederfinden.


Gibt es diese mikrobielle Exposition auch in Schweineställen oder Hühnerställen bzw. in großen Tierhaltungen?

Schweineställe und Hühnerställe haben wir bislang nicht untersucht, wir wissen aber aus Fragebögen, dass besonders Kuhställe einen Schutz vor Asthma gewähren. In manchen Studien haben wir auch einen Allergieschutz durch Hühnerställe gesehen.

Große Tierhaltungen sind wahrscheinlich nicht von Bedeutung, weil Kinder darin eher nicht spielen oder mithelfen. Wir untersuchen normalerweise traditionelle Bauernhöfe mit weniger Tieren, aber vielen verschiedenen Tierarten.

In den USA hat man durch Untersuchungen an den Amish, einer Bevölkerungsgruppe, deren Lebensstil bäuerlich geprägt ist, ebenfalls eine deutlich niedrigere Allergikerrate als im Rest der Bevölkerung festgestellt. Heißt das, dass auch in Ländern mit ruralen Gesellschaften die Allergieraten deutlich niedriger sind als in Industrieländern?

Ja, in vielen Ländern gibt es in der Stadt wesentlich häufiger Asthma und Allergien als auf dem Land. Aber in den letzten Jahrzehnten nehmen immer mehr Länder einen westlichen Lebensstil an und damit nehmen auch Asthma und Allergien rasant zu.

Weiter ist unbehandelte Kuhmilch ein Faktor, der eine protektive Wirkung gegenüber Allergien zu haben scheint. Wodurch entsteht hier der Schutz?

Wenn wir das wüssten, hätten wir schon einen perfekten Asthmaschutz, der allen Kindern zur Verfügung stehen würde. So weit sind wir aber leider noch nicht. Wir wissen bislang, dass Kinder ohne Asthma eher Kuhmilch trinken, die größere Mengen an Molkeproteinen enthält. Wir können aber noch nicht mit Sicherheit sagen, ob diese Eiweißstoffe selbst für den Schutz verantwortlich sind oder aufgrund ihrer Hitzeempfindlichkeit nur einen Hinweis darauf geben, dass die untersuchte Milch unbehandelt war. Es könnten ja auch andere hitzeempfindliche Stoffe den eigentlichen Effekt bewirken. Wir arbeiten weiterhin daran, den Schutzmechanismus aufzuklären, und suchen neue Wege, Rohmilch sicher vor gefährlichen Keimen zu machen ohne ihren Schutzeffekt zu verlieren.


In der Alex-Studie werden unter "protektive Faktoren" im Hinblick auf die Entstehung von Allergien u.a. auch: ältere Geschwister, anthroposophischer Lebensstil, frühe Betreuung in der Kinderkrippe und Haustiere genannt. Wie ist der Einfluss dieser Faktoren in Relation zu den Faktoren "Stall" und "Milch" zu bewerten?

Das sind weitgehend unabhängige Faktoren. Bauernkinder haben im Durchschnitt auch mehr Geschwister, und man sieht auch bei ihnen einen Schutzeffekt durch die Geschwisterzahl. Der Asthma- und Allergieschutz durch Stall und Milch ist aber noch stärker und davon unabhängig. Die PARSIFAL-Studie zeigte übrigens deutlich, dass der Asthmaschutz durch Milch direkt vom Bauernhof bei allen Kindern funktionierte, auch bei Kindern mit anthroposophischem Lebensstil, die nicht auf dem Land leben.

 Herr Privatdozent Ege, herzlichen Dank für dieses Interview!

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