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Corona-Impfstoff Novavax Allergie

Prof. Dr. med. Ludger Klimek zum Thema Corona-Impfstoff: Ist Novavax bei Allergien sicher?

Corona-Impfstoff: Ist Novavax sicher bei Allergien?

Mit Nuvaxovid® (NVX-CoV2373) von Novavax hat nun ein fünfter Corona-Impfstoff die Zulassung für Deutschland erhalten. Bei Allergien stellt sich aber auch bei diesem Impfstoff gegen das Coronavirus, die Frage nach der Sicherheit. Im Gespräch mit MeinAllergiePortal beantwortet Prof. Dr. med. Ludger Klimek, Zentrum für Rhinologie und Allergologie, Wiesbaden und Präsident des Ärzteverbands Deutscher Allergologen (AeDA) die Frage: Wie sicher ist Novovax bei Allergien?

Autor: Sabine  Jossé M. A.

Interviewpartner: Prof. Dr. med. Ludger Klimek

Herr Prof. Klimek, was kann der neue Novavax Impfstoff besser als die anderen? Wirkt er auch schon gegen Omikron?

Zunächst freue ich mich, dass wir einen weiteren wirksamen Impfstoff und somit eine größere Impfstoffauswahl haben. Jeder Impfstoff ist erstmal sinnvoll.

Die Frage ob der Novavax einen signifikant besseren Impfschutz bietet als die bereits verfügbaren Impfstoffe, muss man klar mit nein beantworten. Nuvaxovid ist ein guter Impfstoff, hat aber keine höhere Wirksamkeit gegen die Omikronvariante als die bisher verfügbaren Impfstoffe. Das liegt daran, dass Nuvaxovid® vor einem Jahr, auf Basis der damals bekannten Viruseigenschaften, entwickelt wurde. Daher kann er natürlich nicht speziell gegen Omikron gerichtet sein. Nuvaxovid® ist aber auch nicht schlechter gegen die Omikronvariante als andere Impfstoffe. Man kann sagen: Nuvaxovid® ist ein guter, empfehlenswerter Impfstoff.

Wie und wie oft wird der Novavax-Impfstoff verabreicht? Muss auch geboostert werden?

Der Novavax-Impfstoff wird, wie die bereits verfügbaren Corona-Impfstoffe, intramuskulär gespritzt. In den durchgeführten Studien wurden 2 Impfungen verabreicht - wie viele Impfungen mit Nuvaxovid® später noch nötig sind, kann man noch nicht sagen. Das wird sich im Laufe der Anwendungen mit vielen Millionen Patienten herausstellen. Apropos Boosterimpfungen: Bei den RNA-Impfstoffen waren Boosterimpfungen auch nicht von Anfang an geplant. Sie haben sich aber als sinnvoll erwiesen und das kann beim Novavax-Impfstoff genauso sein. Grundsätzlich kann man sagen, dass der Novavax-Impfstoff genauso gegeben wird, wie die bisherigen Impfstoffe. Alles weitere muss sich zeigen, wenn es noch mehr Daten zu diesem Impfstoff gibt.

Wie effektiv ist der Novavax-Coronaimpfstoff und wie lange hält die Wirkung des Novavax Coronaimpfstoff an?

Der Novavax-Impfstoff bietet einen circa 90 prozentigen Schutz gegen eine Coronavirus-Infektion. Der Impfstoff wurde in zwei Studien mit insgesamt etwa 45.000 Teilnehmenden untersucht, davon in der größeren Studie ca. 30.000 Personen. Diese Zahlen sollte man aber nicht auf die Goldwaage legen, besonders wenn bei anderen Impfstoffen von 93 Prozent und 96 Prozent gesprochen wird. Allein die Art und Weise wie die Studien stattgefunden haben, die diese 90 Prozent Effektivität für den Novavax-Impfstoff ergaben, haben großen Einfluss auf die Ergebnisse. Wenn eine Studie zudem in Ländern durchgeführt wird, wo es viele Varianten gibt, können die Ergebnisse signifikant von Studienergebnissen aus den Studien abweichen, die noch weitgehend durchgeführt wurden, als es noch keine Varianten des Coronavirus gab. Das kann leicht 10 Prozent oder mehr der festgestellten Wirksamkeit ausmachen. Die ermittelte 90prozentige Effektivität ist daher sehr erfreulich. Dieser Impfstoff wurde schließlich später entwickelt und zu einem Zeitpunkt getestet, als es, anders als zu Beginn der Impfstoffentwicklung, schon deutlich mehr Varianten als SARS-CoV-2 gab. Daher denke ich, kann man die prozentuale Wirksamkeit der Impfstoffe nicht 1:1 miteinander vergleichen. Man kann sagen, dass der Großteil der Patienten gut geschützt wird. Ob es 90 Prozent Wirksamkeit oder 96 Prozent Wirksamkeit sind, ist zu vernachlässigen.

Das heißt dann also, Nuvaxovid® hat eine recht gute Wirksamkeit gegen Coronavirus-Varianten…

Da Nuvaxovid® später entwickelt wurde und die Studien später durchgeführt wurden, deckt der Impfstoff mit höherer Wahrscheinlichkeit auch die sich später entwickelten Virusvarianten mit ab. Dafür spricht auch: Eine große Studie zum Novavax-Impfstoff wurde in Großbritannien durchgeführt, wo es einige Varianten schon sehr früh gegeben hat. Wissenschaftliche Untersuchungen bezüglich der Wirksamkeit gegen einzelnen Varianten gibt es nicht, aber es ist eine gute Botschaft, dass dieser Impfstoff auch unter erschwerten Bedingungen eine gute Wirksamkeit gezeigt hat.

Man liest, der Novavax Impfstoff gegen Corona sei ein sogenannter Proteinimpfstoff bzw. Totimpfstoff, was bedeutet das?

Totimpfstoff bedeutet, dass man lebende Viren abtöten und in einem Impfstoff verarbeitet. Das ist beim Novavax Impfstoff nicht der Fall. Deshalb ist die Bezeichnung Totimpfstoff in diesem Zusammenhang nicht korrekt. Vielmehr enthält der Novavax-Impfstoff Proteine, die den SARS-CoV-2 Spikes-Proteinen entsprechen. Diese Proteine werden extra dafür hergestellt und in den Impfstoff integriert.

Genauer gesagt: Es werden zwei Proteinkomponenten Nuvaxovid® verwendet, die eine sehr gute Abdeckung der aktivierenden Spike-Proteine enthalten. Sie werden jedoch nicht im Sinne eines abgetöteten Virus gewonnen. Daher ist die Bezeichnung „Proteinimpfstoff“ die richtigere Bezeichnung und der Begriff „Totimpfstoff“ wissenschaftlich nicht korrekt.

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Was ist der Unterschied zwischen einem Proteinimpfstoff wie Nuvaxovid, einem mRNA-Impfstoff und einem Vektorimpfstoff?

Im Novavax-Impfstoff sind fertige Proteine enthalten. Im Gegensatz dazu enthalten die mRNA-Impfstoffe eine „Bauanleitung“ der Proteine und übergeben die Aufgabe des Proteinbaus den menschlichen Zellen der geimpften Person. In den Vektorimpfstoffen werden Virus-Anteile von SARS-CoV2 in einen harmlosen anderen Virus eingebaut uns so verabreicht. Das sind die wesentlichen Unterschiede.

Welche Adjuvantien sind im Novavax-Impfstoff enthalten?

Als Adjuvans wird im Novavax-Impfstoff das sogenannte „Saponin-basierte Matrix-M-Adjuvans“ verwendet. Hierbei handelt es sich um ein Matrixprotein, das die Wirksamkeit verbessert. Dieses Adjuvans ist sogar für einen erheblichen Teil der Wirksamkeit mitverantwortlich. Es ist also eine sehr gute Idee, eine solche Adjuvansmatrix in den Impfstoff einzufügen. Auf der anderen Seite könnte sie bei Allergikern Reaktionen hervorrufen, das müssen wir jetzt abwarten.

Für wen ist der Novavax-Impfstoff gegen Corona zugelassen und wann kommt Novavax gegen Corona für Kinder?

Zugelassen ist der Novavax-Impfstoff für alle Personen ab 18 Jahren, sofern keine Kontraindikationen bestehen. Allergien gegen Inhaltsstoffe gehören zu den wesentlichen Kontraindikationen. Kinderimpfungen sind bislang nicht mit diesem Impfstoff möglich. Zwar werden erste Studien bereits durchgeführt, Ergebnisse liegen aber noch nicht vor.

Was weiß man über die Nebenwirkungen von Nuvaxovid®, auch im Vergleich zu den anderen Impfstoffen?

Im Grunde sind das die üblichen Impfnebenwirkungen, wie man sie von anderen Impfungen kennt. Bislang gibt es keine Kenntnisse über besonders problematische Nebenwirkungen bei Novavax-Impfstoff. Thrombosen, Herzmuskelentzündungen und ähnliche Nebenwirkungen, wie sie bei den Vektorimpfstoffen auftraten, sind bei Nuvaxovid bisher nicht in übermäßigem Maße aufgetreten, sodass der Novavax-Impfstoff sehr sicher zu sein scheint. Aber: Fairerweise muss man sagen, sind die seltenen Nebenwirkungen bei allen anderen Impfstoffen erst dann aufgetreten sind, als man die Impfstoffe in großer Zahl an millionen Patienten verimpft hat. Das ist logisch und normal, weil man erst bei großen Patientenzahlen seltene Nebenwirkungen sieht.

Welche weiteren Inhaltsstoffe des Novavax-Impfstoffes könnten für Allergiker unverträglich sein? Gibt es ein Risiko für Anaphylaxien?

Im Novavax-Impfstoff ist Polysorbat 80 enthalten. In den RNA-Impfstoffen von Moderna und BioNTech ist es nicht verarbeitet. In den Vektorimpfstoffen von Johnson & Johnson und AstraZeneca ist Polysorbat 80 ebenfalls vorhanden und hat teilweise zu allergischen Reaktionen geführt. Daher rechnen wir damit, dass es auch Patienten geben wird, die auf den Novavax Impfstoff allergisch reagieren. Bei Patienten mit einer Polysorbat 80 Allergie sollte man mit diesem Impfstoff vorsichtig sein, beziehungsweise sie sollten nicht mit Nuvaxovid® geimpft werden.

Wir rechnen damit, dass auch die Adjuvansmatrix-M zu Unverträglichkeitsreaktionen führen kann. In den Studien waren allergische Reaktionen auf die Adjuvansmatrix jedoch eher selten zu beobachten.

Was sollten Allergiker im Hinblick auf die Verträglichkeit des Novavax Coronaimpfstoffes wissen?

Bei Verdacht auf eine Allergie, ist ein spezieller Allergietest im Vorfeld der Impfung empfehlenswert, um Anaphylaxien vorzubeugen. Wenn der Verdacht besteht, auf Inhaltsstoffe zu reagieren oder man schon mal auf andere Medikamente allergisch reagiert hat, ist ein vorheriger Allergietest sinnvoll. Diese Empfehlung bezieht sich nicht nur auf andere Impfungen, sondern auch auf beispielsweise Kontrastmittel, Narkosemittel und andere Medikamente. Zum Glück tritt das nicht übermäßig häufig auf. Nochmal: das Gute ist, dass wir für die Allergiepatienten den individuell bestgeeignetsten Impfstoff auswählen können. Das ist das Entscheidende. Gar nicht so sehr, ob es ein Totimpftstoff, Proteinimpfstoff, Vektorimpfstoff oder RNA Impfstoff ist, sondern ob dieser Impfstoff individuell für mein Immunsystem als Allergiker ein Problem verursachen kann. Wenn das nicht der Fall ist, dann kann ich den überlichweise bekommen.

Wie verträglich ist Novavax gegen Corona, wenn Allergiker antiallergische Medikamente, wie ICS, Antihistaminikum, topische Steroide etc. einnehmen?

Grundsätzlich können immunsupprimierende Therapien, wie die Einnahme von Kortison als Tabletten oder Spritzen, die Wirkung von Impfstoffen negativ beeinflussen. Für alle anderen Allergiemittel, wie Antihistaminika oder Mastzell-Stabilisatoren, trifft das nicht zu. Die Medikamente können deshalb weiter eingenommen werden. Wichtig: Topische Medikamente - Salben, Nasensprays und Inhalativa, wie beispielsweise Asthma-Sprays - können während, vor und nach der Impfung weiter eingenommen werden. Das ist wichtig, weil die Erkrankung dadurch behandelt wird und auch die Impfung dadurch verträglicher werden kann. Wenn man als Asthmatiker leichte Reaktionen zeigt, kann Asthmaspray vor schwerwiegenderen allergischen Reaktionen schützen.

Ist Nuvaxovid verträglich für Allergiker, die gerade eine spezifische Immuntherapie durchführen oder planen?

Bei der Allergen-Immuntherapie empfehle ich eine Woche Abstand zu jeglicher Impfung - auch mit dem Novavax-Impfstoff. Das lässt sich gut koordinieren. Zwischen der Novavax-Impfung und der Immuntherapiespritze, sollte mindestens eine Woche Abstand liegen. Andersherum, sprich zwischen Immuntherapiespritze und Novavax-Impfung, natürlich auch.

Kann NVX-CoV2373 parallel zu Biologika verabreicht werden, zum Beispiel bei Patienten mit schwerem Asthma, Neurodermitis, Urtikaria oder Nasenpolypen?

Patienten die auf Grund von Asthma, Nasenpolypen, Neurodermitis oder Urtikaria Biologika bekommen, sollten die Therapie unverändert fortführen. Biologika werden meist in zwei oder vier Wochen Abständen gespritzt und am besten ist es, die Impfung zwischen zwei Biologikagaben zu legen. Das ist das sicherste Vorgehen für die Patienten.

Die Zulassung eines weiteren Totimpfstoffs bzw. Ganzvirusimpfstoffs, „VLA2001“ von Valneva wird aktuell von der EMA geprüft, wie funktioniert dieser und was ist hier zu erwarten?  

Valneva wäre der erste „echte“ Totimpfstoff. Die Daten sehen vielversprechend aus, aber ganz so bald können wir noch nicht damit rechnen. Wahrscheinlich wird der der Impfstoff, wenn überhaupt, kurz vor Ostern kommen.

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Sollten Allergiker auf eine Impfung mit Novavax verzichten und auf den Totimpfstoff von Valneva warten?

Für die meisten Allergiker ist es nicht sinnvoll, auf den Novavax-Impfstoff oder den Impfstoff VLA2001 von Valneva zu warten. Wenn geprüft wurde, dass keine allergischen Reaktionen auf Inhaltsstoffe bestehen, ist es das sinnvollste - gerade jetzt in der Omikronwelle - sich möglichst zeitnah impfen zu lassen, um einen möglichst schnellen Schutz gegen das Coronavirus zu bekommen.

Die Impfstoffe – egal ob Totimpfstoff, mRNA-Impfstoff oder Proteinimpfstoff - sind nicht grundsätzlich besser oder schlechter für Allergiker geeignet. Das muss man differenziert betrachten, je nachdem auf welche Stoffe jemand allergisch ist. Wenn getestet wurde, dass jemand auf die Inhaltsstoffe der Impfstoffe nicht allergisch reagiert, kann derjenige diese Impfstoffe auch bekommen – egal ob andere Allergien bestehen oder nicht.

Es ist sinnvoll, die Impfung lieber früher durchzuführen als unnötig darauf zu warten.

Herr Prof. Klimek, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

Wichtiger Hinweis

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