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Corona-Therapie Monoklonale Antikörper Allergie

Corona-Therapie mit monoklonalen Antikörpern trotz Allergie?

Corona-Therapie: Monoklonale Antikörper trotz Allergie?

Kürzlich hat der Bund 200.00 Dosen zweier monoklonaler Antikörper gekauft, die zur Therapie von SARS-CoV-2-eingesetzt werden können. Es handelt sich zum einen um Bamlanivimab (Eli Lilly) und zum anderen zwei Antikörper, Casirivimab und Imdevimab (Regeneron), die in Kombination verabreicht werden müssen. Was sollten Allergiker über die Verträglichkeit dieser Therapien wissen? MeinAllergiePortal sprach mit Prof. Klaus Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) in Langen.

Autor: Sabine Jossé M.A.

Interviewpartner: Prof. Klaus Cichutek

Tabelle: Prof. Dr. med. Vera Mahler

Herr Prof. Cichutek, für welche Patienten ist die Kombination von Casirivimab und Imdevimab einsetzbar?

Die Kombination von Casirivimab und Imdevimab (Handelsname „Ronapreve“) ist seit 12.11.2021 in der Europäischen Union in der u. g. Indikation zugelassen. Aktuell sind die Medikamente indikationsgerecht einsetzbar:

1. zur Behandlung einer bestätigten Coronavirus-2019-Erkrankung (COVID-19) bei Patienten ab 12 Jahren, die keine zusätzliche Sauerstofftherapie aufgrund von COVID-19 benötigen und bei denen ein hohes Risiko für einen schweren Verlauf der COVID-19-Erkrankung besteht.

Risikofaktoren für einen schweren Verlauf können unter anderem sein:

  • fortgeschrittenes Alter
  • Adipositas
  • kardiovaskuläre Erkrankungen, einschließlich Hypertonie
  • chronische Lungenerkrankungen, einschließlich Asthma
  • Diabetes Mellitus Typ 1 oder 2
  • chronische Nierenerkrankungen, einschließlich Dialysepatienten
  • chronische Lebererkrankungen
  • Immunsuppression.

2. zur Postexpositionsprophylaxe bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren (so bald als möglich nach Kontakt mit einer mit SARS-CoV-2)

3. zur Präexpositionsprophylaxe bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren.

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Und wie ist der aktuelle Stand bei dem anderen monoklonalen Antikörper, Bamlanivimab?

Der monoklonale Antikörper Bamlanivimab wurde in Studien eingesetzt als Monotherapie oder in Kombination mit Etesevimab zur Behandlung einer laborbestätigten COVID-19-Infektion bei Erwachsenen und pädiatrischen Patientinnen und Patienten ab 12 Jahren, wenn diese keine zusätzliche Zufuhr von Sauerstoff aufgrund von COVID-19 benötigen und ein hohes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf aufweisen.

Risikofaktoren für einen schweren Krankheitsverlauf sind:

  • Alter über 60 Jahren
  • Übergewicht
  • kardiovaskuläre Erkrankungen, einschließlich Hypertonie
  • chronische Lungenerkrankungen, einschließlich Asthma
  • Diabetes Typ 1 und 2
  • chronische Nierenerkrankungen, einschließlich Dialysepatienten
  • chronische Lebererkrankungen
  • Immunsuppression
  • Sichelzellanämie oder Thalassämie.

Das Rolling-Review-Verfahren zur möglichen Zulassung durch die Europäische Kommission wurde auf Veranlassung des pharmazeutischen Unternehmens von der Europäischen Arzneimittelagentur (European Medicines Agency, EMA) am 02.11.2021 eingestellt. Mit Datum vom 30.11.2021 wurden die in Deutschland nach MedBVSV möglichen Behandlungen eingestellt.

Was weiß man über die Verträglichkeit der monoklonalen Antikörper zur Behandlung von Corona bei Allergikern? Kann es zu Anaphylaxien kommen?

In den Studienkollektiven zu den o.g. neutralisierenden Antikörpern waren Patientinnen und Patienten mit allergischen Vorerkrankungen bis auf eine Ausnahme nicht ausgeschlossen. Bekannte Allergien gegen Inhaltsstoffe des Therapeutikums sind eine Kontraindikation.

Überempfindlichkeitsreaktionen einschließlich Anaphylaxie und/oder infusionsbedingte Reaktionen können auftreten. Die Häufigkeit einer „Anaphylaxie“ wurde für Ronapreve insgesamt mit „selten“ (≥ 1/10 000 bis < 1/1 000) angegeben, Hinweise auf ein gehäuftes Auftreten bei Personen mit vorbekannten Allergien sind nicht beschrieben.

Auch beim Einsatz von Bamlanivimab und Etesevimab wurde das Auftreten von Anaphylaxie beschrieben, wobei die Häufigkeit nicht bekannt ist.

Die Liste der weiteren Inhaltstoffe von Casirivimab und Imdevimab sowie von Bamlanivimab und Etesevimab (in Tabelle 1 zusammengefasst) beinhaltet jeweils keine Konservierungsmittel, kein Hühnereiweiß, keine Antibiotika.

Es ist in allen o.g. Antikörper-Präparaten Polysorbat 80 enthalten. Von Polysorbat 80 in anderen intravenös verabreichten Präparaten ist bekannt, dass potenziell sehr selten IgE-vermittelte und nicht-IgE-vermittelte Soforttypreaktionen ausgelöst werden können.

Die Stopfen der Durchstechflaschen der genannten Antikörper enthalten kein Naturgummilatex.

 

Monoklonale Antikörper MAK Corona-Therapie Übersichtstabelle Vera Mahler PEI Monoklonale Antikörper (MAK) zur Corona-Therapie. Eine Übersichtstabelle von Prof. Dr. med. Vera Mahler, PEI.

 

Auch Etesevimab wird vom Bund bereitgestellt, ist dies verträglich für Menschen mit Allergien?

Der monoklonale Antikörper Etesevimab wurde in Studien eingesetzt in Kombination mit Bamlanivimab. Anaphylaxien wurden beschrieben, Hinweise auf ein gehäuftes Auftreten bei Personen mit vorbekannten Allergien sind nicht beschrieben. Das Rolling-Review-Verfahren zu Bamlanivimab und Etesevimab ist beendet, da die Firma den Antrag zurückgezogen hat  .

Ein weiteres Medikament zur Therapie von Corona, das jüngst in der EU zugelassen wurde, ist Regdanvimab. Was weiß man hier über die Verträglichkeit für Allergiker?

Mit Datum vom 12.11.2021 ist auch der monoklonale Antikörper Regkirona (Regdanvimab) der Firma Celltrion in der Europäischen Union zugelassen und kann nach Markteinführung in Deutschland entsprechend der Fachinformation angewendet werden zur Behandlung von laborbestätigtem COVID-19 bei erwachsenen Risikopatientinnen und -patienten, die keine zusätzliche Sauerstofftherapie aufgrund von COVID-19 benötigen.

Vorbekannte allergisch/atopische Erkrankungen waren bei den Zulassungsstudien kein Ausschlusskriterium. Ein Fall von Anaphylaxie wurde nach Markteinführung im Ausland beobachtet, Hinweise auf ein gehäuftes Auftreten bei Personen mit vorbekannten Allergien sind nicht beschrieben.

Die Liste der weiteren Inhaltstoffe von Regkirona (in Tabelle 1 zusammengefasst) beinhaltet jeweils keine Konservierungsmittel, kein Hühnereiweiß, keine Antibiotika.
Es ist Polysorbat 80 enthalten, das von anderen intravenösen Präparaten dafür bekannt ist, potenziell sehr selten IgE-vermittelte und nicht-IgE-vermittelte Soforttypreaktionen auslösen zu können.

Der Stopfen der Durchstechflaschen enthält kein Naturgummilatex.

Gerade für die Behandlung von Asthma, Neurodermitis und Nasenpolypen werden ja auch monoklonale Antikörper eingesetzt. Sind Bamlanivimab und Casirivimab/Imdevimab damit kombinierbar?

Sowohl bei Casirivimab und Imdevimab, als auch bei Regdanvimab und Bamlanivimab gab es bisher keine Studien zur Erfassung von Arzneimittelwechselwirkungen. Die Frage nach einer Kombinierbarkeit mit anderen monoklonalen Antikörpern kann daher nicht evidenzbasiert beantwortet werden. Da es sich bei der Therapie mit den o.g. monoklonalen Antikörpern zur COVID-Behandlung in der Regel um eine einmalige Verabreichung handelt, sollte nach allgemeinem allergologischem Erfahrungswissen unter Würdigung des speziellen Falls eine zeitlich versetzte Fortführung der Behandlung von Asthma, Neurodermitis und Nasenpolypen mit monoklonalen Antikörpern möglich sein.

Allergiker, deren Allergie mit monoklonalen Antikörpern therapiert wird, können die Corona-Therapien dann also nutzen…

Casirivimab und Imdevimab sind monoklonale Antikörper, die nicht über die Niere ausgeschieden oder durch Cytochrom-P450-Enzyme verstoffwechselt werden. Daher ist es unwahrscheinlich, dass Wechselwirkungen mit gleichzeitig angewendeten Arzneimitteln auftreten, die über die Niere ausgeschieden werden oder die Substrate, Induktoren oder Inhibitoren von Cytochrom-P450-Enzymen sind.

Auch Regdanvimab ist ein monoklonaler Antikörper, der weder über die Nieren ausgeschieden noch durch Cytochrom-P450-Enzyme metabolisiert wird; daher werden Wechselwirkungen mit gleichzeitig angewendeten Arzneimitteln, die über die Nieren ausgeschieden werden oder Substrate, Induktoren oder Inhibitoren von Cytochrom-P450-Enzymen sind, als unwahrscheinlich angesehen.

Laut vorliegender präliminärer Fachinformation ist zu erwarten, dass der monoklonale Antikörper Bamlanivimab durch proteolytischen Abbau zu Aminosäuren eliminiert wird. Es wird nicht erwartet, dass Bamlanivimab intakt über den Urin eliminiert oder durch Cytochrom P450-Enzyme in der Leber metabolisiert wird.

Und zu guter Letzt: Woran wird geforscht? In welchem Stadium befinden sich die jeweiligen Studien? Wann kann mit einer (beschleunigten?) Zulassung gerechnet werden?

Das Paul-Ehrlich-Institut kann zu den Inhalten von wissenschaftlichen Beratungen zu laufenden Verfahren keine Auskunft geben, da diese vertraulich zu behandeln sind.

Der EMA-Homepage ist jedoch eine Übersicht zu entnehmen über COVID-19 Therapeutika:

  • im Rolling Review oder
  • zu denen ein Zulassungsantrag gestellt wurde oder
  • zu denen eine wissenschaftliche Beratung durch EMA erfolgt ist oder
  • zu denen klinische Studien in der EU durchgeführt werden.

Herr Prof. Cichutek, herzlichen Dank für dieses Interview!

Wichtiger Hinweis

Unsere Beiträge beinhalten lediglich allgemeine Informationen und Hinweise. Sie dienen nicht der Selbstdiagnose, Selbstbehandlung oder Selbstmedikation und ersetzen nicht den Arztbesuch. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.