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Allergiezahlen Allergie Kinder

Allergiekongress 2021: Zu wenig Unterstützung für Kinder mit Allergien. Diagnostik und Therapie müssen sich verbessern!

Allergiezahlen steigen: Zu wenig Hilfe für allergische Kinder

Die Allergiezahlen steigen. Es gibt immer mehr allergische Kinder und dahinter steckt mehr als eine laufende Nase und tränende Augen. Das ist ein Trend, der sich schon seit Jahren fortsetzt. Vor diesem Hintergrund sollte man annehmen, dass die zahlreichen in den letzten Jahren entwickelten innovative Allergietherapien den kleinen Allergikern zugute kommen. „Aber gerade diejenigen, die sie am dringendsten brauchen, bekommen zu wenig Hilfe“, lautete das Fazit von Dr. med. Michael Gerstlauer und Prof. Dr. med. Christian Vogelberg, Kongresspräsidenten des Deutschen Allergiekongresses (DAK) 2021. Getreu des Kongressmottos „Aufbruch zu einem allergologischen Klimawandel“ stellten sie das Dresdener Manifest vor.

Autor: Sabine Jossé M. A.

Interviewpartner: Prof. Dr. med. Christian Vogelberg, Dr. med. Michael Gerstlauer

Hyposensibilisierung bei allergischen Kindern: Es gibt nur wenige Studien

Heuschnupfen, Asthma, Neurodermitis, „Kinderkrankheiten“ sind das nicht. In sehr vielen Fällen wachsen sich Allergien nicht aus. Im Gegenteil, viele Allergien zeigen sich nicht in kurzzeitig auftretenden Symptomen. Oft sind es chronische Erkrankungen, die ein Leben lang bestehen bleiben. Zudem können sich die Symptome auch verschlimmern oder die allergischen Reaktionen können auch an anderen Organsystemen auftreten. Auch neue Allergene können hinzukommen.

Um so wichtiger wäre es aus Sicht der Ärzte, insbesondere bei den Kindern, die unter allergischen Reaktionen leiden, früh in das allergische Geschehen einzugreifen. Dies ist bei allergischer Rhinokonjunktivis (Heuschnupfen) für bestimmten Allergene durch die Hyposensibilisierung, die einzige kausale Allergietherapie, möglich. Ziel einer Hyposensibilisierung ist es, das Immunsystem an das Allergen zu gewöhnen, so dass beim Kontakt mit Allergenen keine Symptome auftreten. Gleichzeitig will man mit dieser Behandlung die Verschlimmerung und Ausweitung der Allergie verhindern. Langfristig soll so Toleranz gegen die Allergieauslöser erreicht werden. Im Falle des Heuschnupfens könnte dies mit einer sehr frühen Allergen-Immuntherapie bzw. Hyposensibilisierung erreicht werden. Leider wird dies aber zunehmend schwieriger, denn für die häufigsten Atemwegsallergien bei Kindern stehen nur wenige Therapien zur Verfügung, deren Wirksamkeit durch neue Studien an Kindern belegt ist – eine klare Benachteiligung. „Für Kinder mit einer Allergie auf Gräser gibt es zurzeit nur zwei zugelassene Präparate, die dieses Kriterium erfüllen, bei Hausstaubmilben erst ab dem Alter von 12 Jahren zwei Präparat, für die Allergie auf Baumpollen keines“, erklärte Dr. Gerstlauer. „Das hat nicht nur regulatorische Gründe“, ergänzte Prof. Vogelberg, „Kinder stehen aktuell bei der Entwicklung neuer Therapien nicht ausreichend im Fokus“. Fakt ist, viel zu wenigen Kindern mit Heuschnupfen oder anderen Atemwegsallergien wird mit einer Hyposensibilisierung geholfen.

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Späte Diagnose von Heuschnupfen, Asthma & Co.: Es gibt zu wenig Allergologen

Die Schwierigkeit beginnt aber nicht erst bei der Therapie. Bereits ein rechtzeitiger Allergietest ist in Deutschland nicht gesichert. Die Diagnose ist in der Allergologie oft Detektivarbeit, und die richtige Wahl und Interpretation des Allergietests ist entscheidend. Dass es immer weniger allergologisch ausgebildete Fachärzte gibt, ist hier Teil des Problems, denn in Deutschland ist „Allergologie“ kein Schwerpunkt der medizinischen Ausbildung. Vielmehr handelt es sich um eine Zusatzbezeichnung, die ausgebildete Mediziner durch eine Zusatzausbildung erwerben können. „In Bayern haben nur 24 Ärzte in den Jahren 2019 und 2020 eine Prüfung in Allergologie abgelegt“, kritisierte Dr. Gerstlauer, „das ist viel zu wenig, um die vielen Allergiker angemessen zu versorgen“.

Viele erhalten deshalb ihre Allergiediagnose zu spät und müssen unnötig leiden. Eine frühe Diagnose wäre aber gerade bei den jungen Patienten angeraten, weil das Immunsystem dann noch gut beeinflussbar ist. Auch beim Heuschnupfen wäre das wünschenswert, denn durch die frühe Behandlung könnte häufig ein Asthma verhindert werden. Besteht bereits ein allergisches Asthma, ist eine schnelle Behandlung ebenfalls wichtig. Ist das Asthma nicht richtig eingestellt, beeinträchtigt dies die Teilhabe an Sport, Spiel und vielen Alltagsaktivitäten und behindert die Entwicklung der kleinen Patienten. Gleiches gilt für die Neurodermitis, eine häufige Erkrankung der Haut. Hier liegt eine Barrierestörung der Haut vor und quälender Juckreiz ist das Hauptsymptom. Es kommt aber auch zu Ekzemen an der Haut, und werden diese nicht konsequent behandelt, so dass die Haut wieder intakt ist, hält der Juckreiz die kleinen Patienten oft nächtelang wach. Darunter leiden auch die Eltern und Geschwister.

Nahrungsmittelallergie – die zweite große Welle rollt

Aber nicht nur unter Heuschnupfen, Asthma und Neurodermitis leiden die Kleinen. Auch die Zahl derer, bei denen es durch Allergene in Nahrungsmitteln zu allergischen Reaktionen kommt, steigt stetig an. „In den Notaufnahmen sehen wir zunehmend Kinder mit Anaphylaxien auf Nahrungsmittel und FPIES, dem Food Protein-Induced Enterocolitis Syndrome“, berichtete Dr. Gerstlauer, „wir befinden uns mitten in einer zweiten großen Welle“. Dabei ist FPIES ein relativ neues Phänomen. Hier reagieren die kleinen Allergiker auch auf seltene Allergene, wie zum Beispiel Kartoffeln. Allerdings dauert es auch bei diesen allergischen Reaktionen oft viel zu lange, bis die richtige Diagnose gestellt und eine Behandlung eingeleitet ist. Oft hören die Eltern, dass ein Allergietest wie zum Beispiel der Pricktest oder ein Test auf Antikörper bei den ganz Kleinen noch nicht möglich sei. Tatsache ist jedoch, dass sowohl Pricktests an der Haut als auch Antikörper-Tests bereits bei Säuglingen durchgeführt werden können. Je später therapiert wird, desto größer ist jedoch das Risiko, dass aus einem allergischen Kind ein allergiekranker Erwachsener wird, der ein Leben lang mit allergischen Reaktionen rechnen muss.         

Allergietherapie mit Biologika: Auch hier werden Kinder benachteiligt

Eine weitere Barriere bei der Allergie-Therapie der kleinen Allergiker ist, dass neue Therapien in der Regel zunächst für Erwachsene entwickelt werden. Erst dann, wenn überhaupt, folgen die Studien für Kinder. „Es gibt zunehmend Biologika mit einer sehr guten Wirksamkeit bei mittelschwer bis schwer betroffenen Allergikern, zum Beispiel bei Asthma, Neurodermitis und Nasenpolypen,“ erläuterte Prof. Vogelberg, “aber die Liste der Präparate, die auch für Kinder zugelassen sind, ist ausgesprochen kurz.“ Insbesondere dann, wenn eine schwerere atopische Dermatitis vorliegt, ist das bedauerlich. Man könnte den kleinen Patienten und ihren Eltern viel Leid ersparen, indem man den Juckreiz behandelt.

Allergisch durch Klimawandel und Umweltbelastung

Auch Klimawandel und Umweltbelastung sind Faktoren, die den Anstieg allergischer Erkrankungen begünstigen. So verändert sich durch den Klimawandel die Pollenexposition, viele Pflanzen produzieren mehr Pollen und damit auch mehr Allergene. Das betrifft Patienten mit Heuschnupfen, aber auch Patienten mit allergischem Asthma, die auf Pollen-Allergene reagieren. Dann kann dies zu vermehrten Exazerbationen führen. Hinzu kommen die erhöhte Feinstaubexposition und eine sich verändernde Biodiversität. Feinstaub ist zwar kein Allergen, aber Studien haben gezeigt, dass es das Immunsystem in Richtung allergische Reaktionen beeinflussen kann, wenn man großen Mengen Feinstaub ausgesetzt ist. „Hier ist die Politik gefordert, Rahmenbedingungen zu schaffen, die insbesondere die Kinder besser schützen“, forderte Prof. Vogelberg.

Allergie beim Kind: Wie kann man die Situation allergiekranker Kinder verbessern?

In den letzten Jahren hat man in der Allergologie viel geforscht. Es gibt Erkenntnisse dazu, wo und wann man präventiv ansetzen kann. Allerdings reichen diese Erkenntnisse nicht aus, um bei sich entwickelnden Allergien aktiv einzugreifen. „Wir müssen deshalb vermehrt in Präventionsforschung investieren, denn wir brauchen dringend Biomarker, mit denen wir sowohl die Krankheitsaktivität als auch die Effektivität von Therapien besser einschätzen können“, so Prof. Vogelberg. Eine weitere dringend nötige Maßnahme ist ein flächendeckendes Allergiescreening bereits im Kleinkindesalter. Das bedeutet, dass man ähnlich wie dies bei der Krebsvorsorge der Fall ist, standardmäßig Allergietests durchführt und dies eben sehr frühzeitig. So könnte man die von Allergien betroffenen Kinder, aber auch die Risikokinder leichter identifizieren und therapieren. „Unsere Forderungen haben wir im Dresdener Manifest zusammengefasst, erklärten Prof. Vogelberg und Dr. Gerstlauer, „wir wünschen uns, dass wir damit eine Initiative für die lange überfällige Verbesserung der Versorgung allergischer Kinder begründen können“.

 

Das Dresdener Manifest
- Investition in Präventionsforschung
- Aufbau eines flächendeckenden Allergiescreenings
- Identifikation relevanter Biomarker
- Intensivierung der Forschung zur Allergenimmuntherapie
- Vermehrte Einsatzfähigkeit von Biologika bei Kindern
- Forschung zum krankheitsmodifizierenden Effekt bei Biologika
- Identifikation und Limitierung relevanter Umweltfaktoren
- Investition in die fachliche Ausbildung von Allergologen in Studium und Facharztweiterbildung
- Gesundheitspolitische Investitionen
Quelle: AllergoPlenum GPA, Deutscher Allergiekongress (DAK) 2021, 30.9. – 2.10.2021, Dresden

 

Wichtiger Hinweis

Unsere Beiträge beinhalten lediglich allgemeine Informationen und Hinweise. Sie dienen nicht der Selbstdiagnose, Selbstbehandlung oder Selbstmedikation und ersetzen nicht den Arztbesuch. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

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