Behandlung allergischer Kinder

Prof. Dr. med. Albrecht Bufe, Erster Vorsitzender der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie (GPA) und Leiter der Abteilung Experimentelle Pneumologie der Ruhr-Universität Bochum.

Volkskrankheit Allergie: Wie werden allergische Kinder behandelt?

Welche weiteren Gründe gibt es dafür, dass die Hyposensibilisierung seltener als möglich durchgeführt wird?

Ein weiterer Grund ist, dass es sich bei der Hyposensibilisierung um eine Therapie handelt, für die ein Arzt schon eine gewisse Erfahrung und Qualifikation benötigt. Ein wichtiger Faktor ist die richtige Indikation, d.h. dass die Kinder, die für eine erfolgreiche Therapie in Frage kommen, gut ausgewählt werden müssen. Dies setzt voraus, dass der Kinderarzt mit dem sogenannten Atopischen Formenkreis sehr gut vertraut ist, d.h. er muss die Krankheitsverläufe z.B. vom Heuschnupfen zum Allergischen Asthma sicher beherrschen. Nur so kann der Pädiater sicher bestimmen, welches Kind für eine Hyposensibilisierung in Frage kommt und welches nicht.

Man sollte auch nicht vergessen, dass bei einer Hyposensibilisierung, die ja in der Regel als Spritzentherapie durchgeführt wird, immer ein Restrisiko besteht. Es kann – auch bei der sublingualen Immuntherapie - immer zu schwereren systemischen Reaktionen kommen. Der Pädiater muss seine Praxis deshalb so organisieren und ausstatten, z.B. mit einem Defibrillator, dass er dieses Risiko einer systemischen Reaktion auch tragen kann. Dazu gehören auch eine gründliche Aufklärung der Patienten sowie das Compliance Management, d.h. dafür Sorge zu tragen, dass der Patient die Therapie auch über die gesamte Dauer "durchhält". Bei einem Arzt, der über eine gute Erfahrung mit der Hyposensibilisierung verfügt und diese Therapieform auch häufig anwendet, wird es aber selten zu systemischen Reaktionen kommen und wenn, wird er diese professionell und verantwortlich behandeln können.

Zurück zur Wirtschaftlichkeit: Heißt das, dass sich für Pädiater wirtschaftlich nicht lohnt, sich allergologisch weiterzubilden?

Grundsätzlich ist es problematisch, dass allergische Erkrankungen finanziell von den Krankenkassen, und auch insgesamt, im Vergleich zu anderen Erkrankungen, weniger gut unterstützt werden. Für Kinderärzte gibt es dadurch in der Tat keinen wirtschaftlichen Anreiz, sich zusätzlich zum Fachgebiet der Kinderheilkunde allergologisch fortzubilden. Allergologische Tests oder die Behandlung von Allergien kann jeder Pädiater durchführen, auch ohne eine allergologische Zusatzausbildung.

In Deutschland haben sich ca. 700 Pädiater zusätzlich zu ihrer Ausbildung als Pädiater als Allergologe qualifiziert. Die Motivation besteht im Interesse am Fachgebiet und in dem Wunsch, die Patienten besser behandeln zu können. Pädiater profitieren von dieser Zusatzqualifikation jedoch weder organisatorisch-strukturell noch wirtschaftlich.

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