Corona-Maßnahmen Mikrobiom

Prof. Thomas Bosch über Auswirkungen der Corona-Maßnahmen auf das Mikrobiom!

Corona-Maßnahmen: Ändern sie das Mikrobiom?

Welche Konsequenzen hat es für die Menschen, wenn die Vielfalt des Mikrobioms reduziert ist?

Sicher wäre es nicht weiter tragisch, wenn eine reduzierte Diversität des Mikrobioms die einzige Folge eines Umzugs vom Land in eine größere Stadt wäre. Aber leider ist dieser Gradient vom ländlichen Leben in die Stadt, in die Großstadt assoziiert mit einer ganzen Reihe von chronisch-entzündlichen Erkrankungen. Weil sie mit unserem Lebensstil assoziiert sind, gibt es unterschiedliche Bezeichnungen für diese Erkrankungen, wie zum Beispiel „Umwelt-Erkrankungen“ oder „Lifestyle-Erkrankungen“. In den letzten 70 Jahren mussten wir erleben, dass diese Art von Erkrankungen kontinuierlich zunahm. Dazu zählen zum Beispiel Allergien, Diabetes, Fettleibigkeit und chronisch-entzündliche Erkrankungen des Darms. Dazu zählen aber auch neurodegenerative Erkrankungen und vieles andere mehr.

Bei Menschen, die man in ländlichen Gegenden beobachtet und medizinisch untersucht hat, sind diese Krankheiten sehr niederschwellig vorhanden. In Großstädten findet man sie hingegen dominant. 60 Prozent der deutschen Bevölkerung sind dickleibig, 26 Prozent sind mittlerweile stark adipös. Das hat natürlich Konsequenzen für die Gesundheit und die Fitness. 

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Wenn das Mikrobiom sich bei der urbanen Bevölkerung verändert und Lifestyle-Erkrankungen begünstigt, wie wirkt sich dann Corona auf das Mikrobiom aus, welche Zusammenhänge konnten Sie sehen?

Wie gesagt, wissen wir, dass ein reduziertes Mikrobiom enorme gesundheitliche Konsequenzen für den Menschen hat. Hinzu kommt eine Pandemie, wie wir sie jetzt erleben und wie sie keiner von uns je durchlebt hat. Aufgrund dieser Pandemie gilt es, besonders vorsichtig zu sein, Hygienemaßnahmen und Social Distancing einzuhalten, sowie die Berührung anderer Menschen zu vermeiden. Viele in der Bevölkerung verstehen das so, als sei es gesund, möglichst keimfrei zu leben. Im Sinne unseres Mikrobioms ist Keimfreiheit jedoch nicht gesund.

Heißt das, wir brauchen die Diversität der Keime, um gesund zu bleiben?

Keime umgeben uns von Geburt an und begleiten uns durch unser ganzes Leben. Neugeborene erhalten bereits im Geburtskanal das vaginale Mikrobiom der Mutter. Danach baut sich unser Mikrobiom weiter auf und ändert sich im Laufe des Lebens. Es gibt ein Mikrobiom des jungen, des erwachsenen und des alten Menschen. Dieser stete Wandel des Mikrobioms im Laufe des Lebens ist stammesgeschichtlich so angelegt und offensichtlich wichtig, denn es gibt diesbezüglich einen Selektionsdruck.

Wodurch wird unser Mikrobiom im Laufe des Lebens verändert?

Im Laufe unseres Lebens nehmen wir Mikroben aus unserer Umwelt auf. Im Wesentlichen durch die Ernährung, durch Sozialkontakt und durch die Lebensumgebung. Auch die Familiengröße und ob es Haustiere gibt, sind Faktoren, die das Mikrobiom prägen. Dabei kommen wir ständig mit Umweltmikroben in Kontakt. Einige davon dürfen unseren Körper stabil besiedeln und tragen zur Stärkung unseres Immunsystems und zur Gesundheit bei. Nun kommt diese Pandemie und macht das alles furchtbar schwer. Aus diesem Grunde haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, darüber nachzudenken wie man am besten mit dieser Situation umgeht. Wir müssen einerseits diesem Virus den Zugang zu unserem Körper verwehren, weil dies gravierende Konsequenzen haben könnte. Das heißt, wir müssen unsere Hygieneregeln und Vorsichtsmaßnahmen absolut strikt einhalten. Andererseits hängt unsere Gesundheit von einer ausreichenden Besiedlung mit gutartigen Mikroben ab. Unsere Studie hat gezeigt, dass dies eine Gratwanderung ist. Wir müssen dafür sorgen, dass wir möglichst wenige gute Mikroben verlieren. Trotzdem müssen wir uns an die Corona-Maßnahmen halten.

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