Corona-Maßnahmen Mikrobiom

Prof. Thomas Bosch über Auswirkungen der Corona-Maßnahmen auf das Mikrobiom!

Corona-Maßnahmen: Ändern sie das Mikrobiom?

Ob sich durch die Corona-Maßnahmen das Mikrobiom des Darmes ändert, stand im Mittelpunkt einer Studie am zoologischen Institut der Christian-Albrecht-Universität in Kiel. Dort beschäftigt man sich bereits seit vielen Jahren mit der Erforschung der „Darmkeime“. Entsprechend spannend sind die Erkenntnisse zu einer neuen Studie 1), über die Institutsdirektor Prof. Thomas Bosch mit MeinAllergiePortal sprach.

Herr Prof. Bosch, was weiß man denn aktuell über das Mikrobiom?

Wir haben in den letzten zwei Jahrzehnten gelernt, dass der Mensch einen enormen Anteil an bakteriellen, viralen und Pilz Organismen in sich beherbergt. Man könnte auch sagen, wir sind „stabil kolonisiert“. Es gibt keine Oberfläche, kein Epithel, kein Organ das nicht von einem stabilen Mikrobiom besiedelt ist. Tatsächlich hat man durch die modernen Technologien der Sequenzierung, aber auch der Visualisierung, nachgewiesen, dass wir mindestens ebenso viele Bakterienzellen wie eigene Zellen in unserem Körper haben. Wir wissen auch, dass wir etwa 150 Mal mehr bakterielle Gene in unserem Körper haben als unser eigenes Genom hergibt. Das bedeutet: Wir sind viele und wir waren schon immer viele, auch in der Evolutionsgeschichte. Bakterien waren vor uns da und alle Organismen, die im Laufe der Stammesgeschichte entstanden sind, haben Bakterien und Mikroben inkorporiert. Deswegen gibt es auch kein keimfreies Lebewesen in der Natur.

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Was weiß man über die Funktion, die das Mikrobioms für Mensch und Tier hat?

Man weiß, dass Lebensprozesse ursächlich abhängig von mikrobiellen Signalen sind. Man hat auch untersucht, wie sich diese mikrobielle Besiedlung in unterschiedlichen Lebensbereichen, in unterschiedlichen Habitaten, in unterschiedlichen Ländern auf den Organismus bzw. das Mikrobiom auswirkt. Insbesondere die Kollegin Gloria Dominguez Bello hat sich sehr intensiv mit dieser Fragestallung beschäftigt. Sie hat dafür Bevölkerungen untersucht, die sehr einfach, sehr rural, in fast unberührten Gegenden Südamerikas leben. Dabei hat sie festgestellt, dass sich das Mikrobiom der Menschen in dieser Umwelt maßgeblich vom Mikrobiom der Menschen in der westlichen Welt unterscheidet. Es ist ein viel reichhaltigeres, vielseitigeres Mikrobiom. Interessant war ihre Beobachtung, dass sich das Mikrobiom dieser Menschen veränderte, wenn sie in eine städtische Umgebung umzogen. Ihr Mikrobiom reduzierte sich dann sehr rasch und sehr drastisch, vor allem in seiner Komplexität und in seiner Vielfalt.

Heißt das, das diversere Mikrobiom von Menschen, die in ländlicheren Gegenden leben, passt sich durch den Umzug in die Stadt an, im Sinne eine Reduzierung der Diversität?

Genau dies ist der Fall. Dieses reduzierte Mikrobiom haben auch wir in unserer westlichen, industrialisierten Welt. Allerdings gilt dies durchaus nicht nur für die westliche Welt, sondern es gilt heute genauso für die urbane Welt in anderen Regionen, zum Beispiel Asien. Eigentlich handelt es sich um ein weltweites Phänomen.

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