COVID-19 Gemüse

Hilft fermentiertes Gemüse COVID-19-Todesfälle zu reduzieren?

COVID19: Hilft fermentiertes Gemüse?

Mit der Frage, ob eine Ernährung, die reich an fermentiertem Gemüse und Kohl ist, hilft COVID-19-Todesfälle zu reduzieren, beschäftigte sich eine Gruppe von Experten um Prof. Dr. med. Zuberbier, Berlin. In einer Publikation gehen die Forscher der Frage nach, ob Menschen in Ländern, in denen eine solche Ernährung üblich ist, vergleichsweise weniger Menschen an COVID19 sterben. Die Autoren beschreiben dabei Daten zur Sterblichkeit weltweit und einen möglichen Zusammenhang mit der jeweils landesüblichen Ernährung und haben auch eine Erklärung dafür, wie vor allem bestimmte Inhaltsstoffe in fermentiertem Gemüse die körpereigene Abwehr gegen das neue Coronavirus unterstützen könnten.

COVID19 – unterschiedliche Rate der Todesfälle je nach Land

Anhand der weltweiten Daten, erhoben durch das European Center for Disease Prevention and Control (ECDC) für den Zeitraum von Mitte Mai bis Mitte Juli 2020, lässt sich erkennen: In den verschiedenen Ländern gibt es große Unterschiede der Sterblichkeit von COVID19. Während relativ wenige Infizierte in manchen Ländern Zentraleuropas, auf dem Balkan, China, den meisten Staaten in Ostasien und vielen Ländern der Subsahara starben, lag die Sterblichkeit etwa in lateinamerikanischen Ländern deutlich höher. Zu beachten ist, dass es sogar innerhalb einzelner Länder große Unterschiede gab, beispielsweise in Italien: In Kalabrien überlebten 50 Personen pro 100.000 Einwohnern die Infektion mit SARSCoV2 nicht, während dieser Wert in der Lombardei bei über 1600 pro 100.000 lag. Neben Bevölkerungsdichte, Klima, demografischen Faktoren und medizinischer Versorgung könnte eben auch die Ernährung einen Einfluss auf die Sterblichkeit von COVID19 haben.

In anderen Studien verglichen Forscher die Ernährung bestimmter Bevölkerungsgruppen mit den Daten der Todesfälle von COVID19. Dort, wo viel fermentiertes Gemüse oder bestimmte Kohlsorten zur üblichen Nahrung gehören, starben prozentual deutlich weniger Menschen an COVID19 im Vergleich zu Regionen, in denen kaum fermentiertes Gemüse oder auch Weiß-/Rotkohl oder Wirsing auf dem Speiseplan stehen.

Diese Daten unterstützten ihre Hypothese zum Einfluss der Ernährung auf die Mortalität, so Zuberbier und Kollegen, müssten aber genauer überprüft werden. Denn schließlich gibt es reichlich andere mögliche Ursachen für unterschiedliche Todesfallzahlen in verschiedenen Ländern: Es wird sehr unterschiedlich intensiv getestet, Diagnosen und Todesfälle werden mit unterschiedlichen Kriterien und Methoden erhoben, die medizinische Versorgung der Menschen und auch ihre Lebensumstände und Gewohnheiten unterscheiden sich stark voneinander. Einige weitere Einflussfaktoren für die Sterblichkeit bei COVID19 sind wahrscheinlich noch gar nicht bekannt. Dennoch könnte das, was wir essen, eine Rolle für die Immunabwehr gegen das SARSCoV2-Virus spielen und einen Teil der unterschiedlichen COVID19-Verläufe erklären, vermuten die Forscher.

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Die Fermentation – eine uralte Methode mit großer Wirkung

Vor dem Hintergrund der beschriebenen Zusammenhänge zwischen der COVID19-Sterblichkeit und fermentiertem Gemüse und Kohl schauten sich die Autoren die Inhaltsstoffe solcher Nahrungsmittel genauer an. Die Fermentation geht auf einen Prozess zurück, den Menschen in der Jungsteinzeit entwickelten, um Nahrung haltbarer zu machen. Dabei werden mithilfe von lebenden Mikroorganismen, vor allem Milchsäurebakterien, sowie enzymatischer Veränderung von Nahrungsbestandteilen Lebensmittel kontrolliert vergoren. In fermentiertem Gemüse überleben diese Mikroorganismen, wohingegen sie in Lebensmitteln wie Brot oder Bier nach der Gärung abgetötet werden. Zu fermentiertem Gemüse, das reich an Milchsäurebakterien, speziell Laktobacillus ist, gehören etwa das traditionelle Kimchi aus Korea sowie typische fermentierte Speisen aus China oder auch einigen zentraleuropäischen und afrikanischen Ländern.

Fermentierte Kost, COVID-19 und oxidativer Stress

Verschiedene Prozesse im Körper des Menschen können einen sogenannten oxidativen Stress verursachen, eine quasi „erhöhte Bereitschaft“ vieler Substanzen sich im Körper chemisch zu verändern – mit in der Regel negativen Folgen. Zum Schutz vor oxidativem Stress hält der Körper sogenannte Antioxidanzien bereit, zu denen viele wichtige Nahrungsbestandteile, etwa auch Vitamine gehören. Auch zur Abwehr von Infektionen sind antioxidative Prozesse wichtig. Speziell im Fall einer SARSCoV2-Infektion ließen sich nach der Hypothese von Zuberbier und Kollegen die damit verbundenen Mechanismen wie folgt erklären: Wie man weiß, bindet das neue Coronavirus mithilfe seines Spike-Proteins an bestimmte Bindungsstellen des Angiotensin-Converting-Enzyms, den sogenannten ACE-Rezeptor. Das führt zur Aktivierung eines bestimmten Signalwegs im Stoffwechsel, der sogenannten Angiotensin-II-Rezeptor-Typ1-Achse. Dieser Prozess geht mit erhöhtem oxidativem Stress einher.

Die daraus folgenden potenziellen Schäden versucht der Körper mit Antioxidanzien in Schach zu halten. Ein besonders effektives Antioxidans wird mit „Nrf2“ bezeichnet. Und hier kommt das fermentierte Gemüse ins Spiel: Bestimmte Kohlsorten und anderes Gemüse enthalten sogenannte Sulphorane, eine Gruppe von Antioxidanzien. Sulphorane wirken aktivierend auf den „Schutzfaktor“ Nrf2. Auch die in fermentiertem Gemüse enthaltenen Laktobazillen stärken die günstige Wirkung von Nrf2. Zwar können auch andere Faktoren, wie Kurkuma, Resveratrol, Vitamin D oder auch Sport den Faktor Nrf2 antreiben, aber Sulphorane wirken hier am stärksten.

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