Keine Allergie-News verpassen!

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter!

Sie wollen stets zu Allergien und Intoleranzen informiert werden? Abonnieren Sie kostenlos unseren MeinAllergiePortal-Newsletter!

 

x

COVID-19: Wie reagiert das Immunsystem?

Eine spannende Hypothese dazu, wie das Immunsystem auf SARS-CoV-2 reagiert und wie es in einigen Fällen zu COVID-19 gekommen sein könnte, wurde bei der Fachkreise-Veranstaltung „Allergologie im Kloster 2020“ vorgestellt. Auf Basis der aktuell vorliegenden Erfahrungen und Studien beschrieb Prof. Paolo Matricardi, Klinik für Pädiatrie m. S. Pneumologie, Immunologie und Intensivmedizin an der Charité – Universitätsmedizin Berlin, die möglichen Zusammenhänge.

SARS-CoV-2: Ein Virus – viele Symptome!

Von Beginn an fiel auf, dass der Coronavirus „viele Gesichter“ hat, was die Analyse erschwert. Während viele Infizierte keinerlei Symptome zeigen, kommt es bei anderen zu leichten Erkältungssymptomen und bei einigen wenigen zu schwerster Symptomatik – im schlimmsten Falle mit Todesfolge. Bei seiner Untersuchung stieß Prof. Matricardi dennoch auf einige auffällige Gemeinsamkeiten und kam zu hochinteressanten Erkenntnissen.

SARS-CoV-2: Die ersten Tage nach der Ansteckung

Nach aktuellen Erkenntnissen scheint die Inkubationszeit bei SARS-CoV-2 fünf Tage zu betragen. Dabei zeigt sich 50 Prozent der Viruslast – das ist die Virusmenge in der entnommenen Probe - bereits vor dem Auftreten erster Symptome. Dabei konnte man feststellen: Bei schwer erkrankten COVID-19-Patienten ist diese Virusmenge größer und auch länger nachweisbar. Meist kommt es in sieben bis dreizehn Tagen nach dem Auftreten erster Symptome zu einem Antikörper-Anstieg im Blut. Das heißt, das Immunsystem bildet dann Antikörper auf das Coronavirus. In der Zeit vor dem siebten Tag nach dem Auftreten erster Symptome ist der Patient zwar vom Virus infiziert, hat aber noch keine Antikörper gebildet.

Was schützt vor SARS-CoV-2? Was ist ein Risikofaktor?

Weiter konnte Prof. Matricardi in seiner Untersuchung zum Coronavirus die folgenden Auffälligkeiten feststellen:

  1. Ein jugendliches Alter ist bei SARS-CoV-2 ein entscheidender Schutzfaktor.
  2. Die meisten Todesfälle treten im Alter von 50 plus auf.
  3. Frauen sind vor dem Virus besser geschützt als Männer.
  4. Menschen mit der Blutgruppe 0 sind besser geschützt als Menschen besonders mit der Blutgruppe A, aber auch B und AB. Diese Personen scheinen ein leicht erhöhtes Mortalitätsrisiko bzw. Risiko für einen schweren Verlauf bzw. zu haben.

COVID-19: Steigt das Risiko durch massiven Viruskontakt?

Weiter stellte Prof. Matricardi fest, dass es für die Entwicklung von COVID-19 eine Rolle spielen könnte wie häufig man mit bereits erkrankten Menschen in Kontakt kommt und wie stark deren Viruslast ist. Dies würde auch die höhere Erkrankungsrate bei medizinischem Personal und Pflegekräften in Altersheimen erklären.

COVID-19: Die Umstände des Viruskontakts sind entscheidend

Ausschlaggebend für den Schweregrad der COVID-19-Erkrankung ist offensichtlich auch, an welchen Organsystemen das Immunsystem mit dem Virus zuerst konfrontiert wird. Atmet man das SARS-CoV-2-Virus erstmals über die Nase – das ist die erste immunologische Barriere - hat das Immunsystem mehrere Tage Zeit, eine Immunantwort zu entwickeln. Gelangt das Coronavirus danach in die Lunge haben sich bereits Antikörper gebildet, die das Virus abwehren können.

Trifft das Coronavirus jedoch direkt auf die Zellen der Lunge, weil man zum Beispiel beim Sport durch den Mund geatmet hat, kann die Nase ihre Barrierefunktion nicht wahrnehmen, sie wird quasi umgangen. „Das Virus kann sich dann vermehren, ohne daß das Immunsystem sich zur Wehr setzt“, erläuterte Prof. Matricardi, „SARS-CoV-2 führt dann zu schwerere Formen der Lungenentzündung und kann in dieser Zeit auch auf andere Organsysteme übergehen“. Reagiert das Immunsystem dann schließlich doch auf das Coronavirus führt dies zu zahlreichen immunologischen Phänomenen. So kann es zum gefürchteten „Zytokinsturm“ kommen, und in der Folge zu schweren Erkrankungen wie zum Beispiel Lungenthrombose oder Herzmuskelentzündung.

Das Ziel aktueller Forschungsaktivitäten ist es, Antikörper herzustellen, die verhindern können, daß SARS-CoV-2 in die Zellen gelangt. Dieses Ziel könnte durch eine Immunisierung erreicht werden, das heißt eine Impfung. Auch eine passive Immuntherapie auf Basis von Antikörpern bereits genesener Erkrankter wäre eine Möglichkeit. Welche Ansätze erfolgsversprechend sind, wird sich weisen.