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Corona Dashboards Zahlen

Prof. Sebastian Hafenbrädl zum Thema: Corona-Dashboards - was sagen die Zahlen aus, was nicht?

Corona-Dashboards: Was sagen die Zahlen aus, was nicht?

Seit Wochen schaut die Nation gebannt auf die sogenannten Corona-Dashboards des Johns Hopkins Institute und des Robert-Koch-Instituts. Insbesondere die steigenden Zahlen der mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 Infizierten sind für viele beängstigend. Aber verstehen wir wirklich alle, was diese Zahlen aussagen? Und sind wir uns auch darüber im Klaren, was sie nicht aussagen? Dazu befragte MeinAllergiePortal keinen Mediziner, sondern einen Experten für Risiko-Kommunikation, Prof. Sebastian Hafenbrädl, IESE Business School München.

Herr Prof. Hafenbrädl, seit einiger Zeit schaut die Öffentlichkeit auf das „COVID-19-Dashboard“ des Johns Hopkins Institute mit Informationen zu „total tests conducted“, „confirmed cases“ und „total deaths“, sowie auf die Fallzahlen, die das Robert-Koch-Institut veröffentlicht „COVID-19: Fallzahlen in Deutschland und weltweit“.

 

Welche Aussagen kann man diesen Zahlen entnehmen und welche nicht?

Es besteht die Gefahr, aus diesen Zahlen mehr herauszulesen, als darin steckt. Aus meiner Sicht ist das kein Problem dieser Zahlen, die tun genau das, was sie tun sollen: sie dokumentieren und bringen Rohdaten übersichtlich zusammen.

Was die Zahlen jedoch nicht erlauben, ist eine präzise Antwort auf viele der Fragen zu liefern, die wir alle haben. Wir wollen zum Beispiel wissen, wie viele Menschen wirklich mit dem Virus infiziert sind, wie viele potentiell schon eine Immunität aufgebaut haben, und wie viele der Erkrankten schwerwiegende Symptome erleiden oder sogar daran sterben. Die Antworten auf diese Fragen lassen sich aber leider nicht einfach, intuitiv und automatisch aus diesen Zahlen in den Dashboards ableiten. Denn da gibt es viel Unsicherheit, zum Beispiel über die Anzahl der Tests, die durchgeführt wurden, nach welchen Kriterien ausgewählt wird, wer getestet wird, die Qualität der Tests, und so weiter. Zu sagen, dass es Unsicherheit gibt, bedeutet keineswegs, dass man sich nicht sicher ist, ob man die Zahlen richtig versteht oder interpretiert. Im Gegenteil, es bedeutet, dass man sich sicher ist, dass die Zahlen es einem nicht erlauben, präzise Antworten zu den wichtigen Fragen abzuleiten.

Heißt das, dass diese „Corona Dashboards“ im Grunde keine Basis für die Einschätzung des Coronavirus darstellen?

Nein, keineswegs. Nur weil sich aus den Dashboards nicht präzise und vollkommen unsicherheits-freie Antworten ableiten lassen, heisst das nicht, dass sie keine Basis für die Einschätzung darstellen. Solange es keine präziseren Studien der Bevölkerung gibt, stellen sie vielleicht sogar den wichtigsten Teil der Datenbasis da, auf der Experten mit Ihren Modellen aufsetzen können. Ich denke ein Schwarz-Weiss-Denken ist nicht sehr hilfreich. Es gibt viele Grautöne zwischen einer Situation, in der wir keinerlei Datenbasis haben und vollkommen im Dunkeln tappen, und einer Situation mit perfekter Datenbasis, die es uns erlaubt, präzise Antworten auf alle Fragen abzuleiten. Wir wissen einiges, und die Fallzahlen spielen dabei eine wichtige Rolle, und doch wissen wir nicht alles, und können auf einige Fragen nur weniger präzise Antworten ableiten als wir gerne würden. Jeden Tag bekommen wir neue und bessere Daten, neue Studien, die unser Verständnis vergrössern, und so werden wir jeden Tag ein wenig sicherer. Aber insbesondere in so einer neuen Situation müssen wir akzeptieren, dass wir nur mit Unsicherheit behaftete Antworten bekommen können, und dass wir darauf basierend Entscheidungen treffen müssen.

Es ist vollkommen verständlich, dass sich Menschen nach präzisen Antworten sehnen, um ein Gefühl von Sicherheit oder Kontrolle zu erlangen. Diese Sehnsucht scheint einige dazu zu verleiten, sich an diesen Zahlen festklammern, und zu versuchen, geringste Änderungen zum Vortag oder Unterschiede zwischen Ländern und Regionen zu interpretieren.

Natürlich kann ich mich nur einreihen in die lange Liste der Wissenschaftler, die hoffen, dass wir bald aussagekräftigere Zahlen bekommen – vielleicht sogar von einer zufällig ausgewählten Stichprobe, was die Interpretation der Zahlen stark vereinfachen würde. Aber bis dahin sind wir gut beraten, zu akzeptieren, dass Unsicherheit besteht, dass es verschiedene Szenarien gibt, und wir es im Moment noch nicht wissen können, welches der Szenarien sich irgendwann als richtig herausstellen wird.