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Bedeutung einer Riechstörung

Assoc.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Christian Müller, Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten an der Medizinischen Universität Wien

Was bedeutet es, wenn man eine Riechstörung hat?

Eine Riechstörung gilt nicht als schwerwiegende Erkrankung. Für die Betroffenen bedeutet sie aber eine deutliche Einschränkung des Wohlbefindens. Die Ursachen, die zur Entwicklung einer Riechstörung führen, sind vielfältig und welche Therapie angezeigt ist, hängt stark davon ab, um welche Form der Riechstörung es sich handelt. MeinAllergiePortal sprach mit Assoc.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Christian Müller, Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten an der Medizinischen Universität Wien über die verschiedenen Formen der Riechstörung und therapeutische Möglichkeiten.

Herr Prof. Müller, was genau versteht man unter einer Riechstörung?

Eine Riechstörung bezeichnet die Verminderung oder den Verlust des Riechvermögens. Dies bezieht sich auf jegliche Form der verminderten Wahrnehmung von Duftstoffen. Gemeint ist damit aber ebenso die retronasale Wahrnehmung von Duftstoffen, also, umgangssprachlich, eine Geschmacksstörung. Im physiologischen Sinne heißt das, dass die Feingeschmackswahrnehmung von Speisen und Getränken gestört ist, bei normaler Wahrnehmung von süß, sauer, salzig und bitter.

Welche Ursachen können eine Riechstörung auslösen?

Es gibt eine Reihe von möglichen Ursachen für eine Riechstörung. Zum einen gibt es die konduktiven Riechstörungen, d.h. die Riechstörungen, die sozusagen auf ein "Zuleitungsproblem" zurückzuführen sind. In diesen Fällen gelangen die Duftstoffe nicht über den Lufttransport zur Riechspalte im Nasendach, wo sich die Riechschleimhaut befindet.

Der Lufttransport kann z.B. dadurch eingeschränkt sein, dass die Nasenschleimhaut geschwollen ist, entweder aufgrund eines normalen Schnupfens, oder auch aufgrund eines allergischen Schnupfens - einer allergischen Rhinitis - oder auch aufgrund einer chronischen Sinusitis.

Auch massive Nasenscheidewandverkrümmungen oder Tumoren können den Lufttransport der Duftstoffe zur Riechschleimhaut stören. Ausschlaggebend ist bei der konduktiven Riechstörung, dass die Duftstoffe eventuell weder von vorne, d.h. über die Nase, noch von hinten, d.h. beim Essen, zur Riechspalte gelangen.

Die zweite Möglichkeit ist die postinfektiöse Riechstörung, eine Form der sensori-neuralen Riechstörung. Dabei handelt es sich um eine Störung in der Riechschleimhaut selbst, d.h. in den Nervenzellen. Diese Störung kann z.B. dann auftreten, wenn die Riechnerven, z.B. bei einer postinfektiösen Riechstörung, geschädigt sind. Dann kann es vorkommen, dass die Patienten zwar nach Abklingen des Infektes wieder gut Luft holen können, sie können aber nichts mehr Riechen und Schmecken. Der Duftstoff kommt hier zwar ungehindert zur Riechschleimhaut, aber durch die Schädigung der Nervenzellen können die Signale nicht verarbeitet werden.

Die Ursache hierfür ist, dass die Riechnervenzellen sogenannte primäre Sinneszellen sind, d.h. der Duftstoff trifft aus der Nasenhöhle direkt auf die Nervenzelle. In der Nasenschleimhaut haben die Riechnervenzellen keine Synapsen, die nächste Synapse ist bereits im Riechkolben im Gehirn gelegen. Eine postinfektiöse Riechstörung kann durch einen viralen Infekt verursacht werden, aber auch durch eine Bronchitis, bei der die Nase gar nicht betroffen war.


Die postinfektiöse Riechstörung muss jedoch nicht bleibend sein. Grundsätzlich regenerieren sich die Riechnerven ausgehend von den Basalzellen in der Riechschleimhaut permanent und stellen die Verbindung zum Riechkolben erneut her, d.h. sie verschalten sich erneut. Sind jedoch die Basalzellen ebenfalls zerstört, ist ein Nachwachsen nicht mehr möglich.

Die dritte Variante, die in unserer Ambulanz recht häufig vorkommt, ist die posttraumatische Riechstörung. Bei der posttraumatischen Riechstörung wurden die Riechfäden, die sich zwischen Riechschleimhaut und Riechkolben befinden, gezerrt oder durchtrennt. Dies kann durch Unfälle, bei denen das Siebbein verletzt wurde, verursacht worden sein und dann ist eine Weiterleitung der Duftstoffe nicht mehr möglich.

Mögliche Ursachen für die posttraumatischen Riechstörungen können jedoch auch Blutungen im Gehirn oder Gehirnerschütterungen sein, die das Zentrum im Gehirn schädigen, das an der Verarbeitung von Geruchsinformationen beteiligt ist. Der klassische Unfall ist ein Schädel-Hirn-Trauma, bei dem man mit dem Hinterkopf aufschlägt und bei dem es zu einer Art "Herumschwanken" des Gehirns kommt. Dies kann zu Verletzungen und schlimmstenfalls zur Durchtrennung der Riechfäden führen oder auch zu Vernarbungen im Bereich des Siebbeindaches.

Eine weitere mögliche Ursache für Riechstörungen sind Gehirntumoren, die die Riechfasern im Gehirn "abdrücken" und so eine Schädigung des Riechvermögens auslösen können. Seltenere Formen der Riechstörung sind medikamentöse, toxisch bedingte und angeborene Riechstörungen.

Bei welchen Allergien kann es zu Riechstörungen kommen?

Es kann bei allen Formen der Allergischen Rhinitis zu Riechstörungen kommen, d.h. beim Heuschnupfen, bzw. der Pollenallergie, der Hausstaubmilbenallergie, der Allergie auf Schimmelpilze und der Allergie auf Tierhaare.  

Bei der Allergie spielen zwei Arten von Riechstörungen eine Rolle, die konduktive Riechstörung und die sensori-neurale Riechstörung. Durch die Schleimhautschwellung kommt es zum einen zu einer verminderten Zuleitung der Duftstoffe. Zum anderen spielt die allergische Entzündung auch in der Riechschleimhaut selbst eine Rolle, denn durch die entzündlichen Prozesse kommt es zur Schädigung der Riechschleimhaut.

Bei Patienten, die unter einer Pollenallergie leiden, kann es sein, dass während der Pollensaison deutliche Reichstörungen auftreten, die außerhalb der Pollensaison weniger stark ausgeprägt sind. Bei den ganzjährigen Allergien, wie z.B. der Hausstaubmilbenallergie, treten die Beschwerden eher über das ganze Jahr verteilt auf.


Wie häufig kommen Riechstörungen im Zusammenhang mit Allergischer Rhinitis vor?

50 Prozent der Patienten mit einer Allergischen Rhinitis geben an, dass sie zumindest zeitweise an Riechstörungen leiden. Konkret nachvollziehen lässt sich dies allerdings nur mit Hilfe eines Riechtests, denn wir wissen aus vielen Studien, dass die subjektive Wahrnehmung des Patienten nicht ausreichend ist, um die Riechstörung zu quantifizieren. Es gibt keine Korrelation zwischen der Selbsteinschätzung und dem tatsächlichen Riechvermögen. Dafür gibt es seit Ende der 90er Jahre, ausgehend von der Arbeitsgemeinschaft Olfaktologie und Gustologie der deutschen HNO Gesellschaft, die sogenannten Riechstifte oder Sniffin' Sticks.

Spielt es für die Ausprägung einer Riechstörung eine Rolle, um welche Allergie es sich handelt?

Es gibt Untersuchungen, die zeigen, dass die Patienten, die unter einer ganzjährigen Allergie leiden, deutlich häufiger ein signifikant vermindertes Riechvermögen haben, als die Patienten mit saisonalen Allergien. Bei den Pollenallergikern hingegen sind die Riechstörungen in der Pollensaison ganz besonders häufig.

Allgemein beeinflussen der Schweregrad der Allergieausprägung und die Dauer der Erkrankung auch den Schweregrad der Ausprägung der Riechstörung.

Wie wird der Riechtest zur Diagnose einer Riechstörung mit den Sniffin' Sticks durchgeführt?

Der Riechtest mit den Sniffin' Sticks setzt sich aus drei Teilen zusammen, bzw. er untersucht drei Fähigkeiten, die den Geruchssinn ausmachen:

  1. Die Riechschwelle – hier wird ermittelt, ab welcher Duftstoffkonzentration der Patient einen Geruch wahrnimmt,
  2. Die Diskrimination – d.h. wie gut kann der Patient Duftstoffe unterscheiden, und
  3. Die Identifikation – d.h. wie gut kann der Patient Duftstoffe benennen.

Anhand einer Vielzahl uns vorliegender Normdaten von über 3.000 gesunden Probanden wissen wir, wie ein "normales" altersentsprechendes Riechvermögen aussehen sollte. Riecht der Patient im Vergleich hierzu unterdurchschnittlich spricht man von einer Hyposmie, riecht der Patient gar nichts mehr nennt man dies Anosmie.

Der Riechtest ist auch deshalb sehr wichtig, weil so ermittelt werden kann, ob der Patient tatsächlich die Duftstoffe wahrnimmt, oder ob es sich nur um eine trigeminale Wahrnehmung handelt. "Trigeminal" leitet sich vom Nervus trigeminus ab, der die gesamte Nasenhöhle auskleidet und über den scharfe, brennende Anteile von Duftstoffen wahrgenommen werden. Über den Nervus trigenimus werden diese Anteile aber lediglich "wahrgenommen" und nicht wirklich "gerochen".

Duftstoffe in höheren Konzentrationen enthalten immer auch einen trigeminalen Anteil, man kennt das z.B. von Zwiebeln, Knoblauch, Menthol, Parfüms mit Alkohol etc.. Deshalb kann es vorkommen, dass selbst Patienten mit Hyposmie oder Anosmie glauben zu riechen, obwohl es sich lediglich um eine trigeminale Wahrnehmung der scharfen Bestandteile der Duftstoffe handelt.

Mit dem Riechtest messen wir also die tatsächliche Riechfähigkeit. Unabhängig von der Selbsteinschätzung des Patienten wissen wir dann, wie gut der Geruchssinn funktioniert bzw. welches Ausmaß die Riechstörung hat. Wir können anhand des Sniffin' Sticks Tests jedoch nicht sagen, welche Ursache der Riechstörung zugrunde liegt, d.h. ob Riechschleimhaut, Riechfäden oder Gehirn die Riechstörung verursachen.


Wie stellen Sie dann fest, was die Riechstörung verursacht hat?

Zunächst wird durch die Anamnese ermittelt, welche Symptome seit wann bestehen und welche Ursachen in Frage kommen. Dann wird der HNO-Arzt die Nase zunächst mit Hilfe eines Endoskops untersuchen. Je nach Befund, z.B. bei Verdacht auf eine chronische Sinusitis, würde dann eine Computer Tomographie (CT) durchgeführt werden. Gibt es keinen Hinweis auf einen Infekt oder ein Trauma muss man zum Ausschluss von zentralen Ursachen eine Magnetresonanztomographie (MRT) durchführen. Hinzu kommen, wenn ein Allergieverdacht besteht, Allergietests.

Wie gravierend ist es, wenn man sein Riechvermögen verliert?

Das Riechvermögen hat einerseits eine Warnfunktion vor Gefahren, die mit einer bestimmten Geruchsentwicklung verbunden sind. Klassische Warnfunktionen betreffen z.B. Feuer, Rauch, austretendes Gas und verdorbene Lebensmittel. Aber auch bei der Körperhygiene, im sozialen Bereich und bei der unbewussten Wahrnehmung des Partners spielt das Riechvermögen eine Rolle und führt dann zu Problemen, wenn das Riechvermögen nicht vorhanden ist. Gravierende Auswirkungen hat das Riechvermögen auf Menschen, die berufsbedingt auf ihren Geruchssinn angewiesen sind, z.B. Köche, Lebensmitteltester, Menschen, die mit Wein, Tee, Kaffee etc. arbeiten. Aber auch alle, die bei der Feuerwehr oder der Polizei arbeiten, benötigen einen funktionierenden Geruchssinn.  

Der allerwichtigste Faktor bei einer Riechstörung ist jedoch die verminderte Lebensqualität, vor allem über die verminderte Wahrnehmung beim Essen. Hinzu kommen Gewichtsprobleme, denn manche Patienten mit Riechstörungen versuchen, den fehlenden Geschmackssinn durch Süßigkeiten zu kompensieren und nehmen dann an Gewicht zu. Die meisten Patienten verlieren durch ihre Riechstörung jedoch eher die Lust am Essen und verlieren Gewicht.

Wie therapieren Sie eine Riechstörung?

Die Therapie ist diagnosespezifisch, weswegen eine gute Diagnose eine wichtige Rolle spielt. Liegt die Ursache in einer Entzündung der Nase, z.B. postinfektiös, allergisch bedingt oder durch eine chronische Sinusitis, würde man versuchen, diese Entzündung zu behandeln. Bei einer chronischen Sinusitis wären dies Kortisonnasensprays und Kortisontabletten oder eine antibiotische Therapie.

Liegt eine Allergie vor würde man eine Spezifische Immuntherapie (SIT) einsetzen, denn hier hat sich anhand von Studien gezeigt, dass sich unter dieser Therapie auch das Riechvermögen verbessert.

Handelt es sich um ein rein mechanisch-konduktives Problem, gibt es operative Möglichkeiten, wie z.B. die Operation der Nasenscheidewand oder der Nebenhöhlen.

Auch bei einer Allergie kann eine Operation angeraten sein. Wenn die unteren Nasenmuscheln, d.h. die Schwellkörper, die den Luftstrom in der Nase regulieren, chronisch angeschwollen sind, wirkt sich die allergiebedingte Schwellung der Nasenschleimhaut deutlich negativer aus. Das gleiche gilt für eine vorbestehende Nasenscheidewandverkrümmung.

Gibt es auch andere Erkrankungen, die mit einer Riechstörung einhergehen können?

Hier gibt es eine ganze Reihe von Erkrankungen, die das Riechvermögen beeinflussen. Bei vielen internistischen Erkrankungen, wie Lebererkrankungen, Nierenerkrankungen, Erkrankungen der Schilddrüse und Diabetes, haben Untersuchungen gezeigt, dass sie zumindest einen Beitrag zur Entwicklung einer Riechstörung leisten können.

Seit längerem ist bekannt, dass Riechstörungen Frühsymptome von neurodegenerativen Erkrankungen wie Morbus Alzheimer und Morbus Parkinson sein können. Bei Morbus Parkinson ist sogar bei 90 Prozent der Patienten eine Riechstörung ein anamnestisches Erstsymptom, noch vor allen anderen Symptomen.

Herr Prof. Müller, herzlichen Dank für das Gespräch!

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